Colonial feminism

Imagine you’re a woman in Afghanistan, or in IS-controlled Syria or Iraq. Your life would be terrible, for sure, particularly if you grew up in a secular society like Syria or Iraq and you know there’s another life.

Kannst du einfach tatenlos zusehen, wie Menschen so brutal unterdrückt und versklavt werden? Wegsehen, verdrängen, ignorieren? Geht das? Auch bei mir sind die Reflexe stark, das muss man sofort beenden. Aber wie?

Nun gut, ich kann sowieso nichts beenden. Aber vielleicht eine öffentliche Meinung ein klitzekleines bisschen beeinflussen. Die Gutmenschen-Pazifisten gehen mir auf die Nerven, und die „Mir doch alles egal“-Ignoranten auch, vor allem wenn sie mit pseudo-progressiven Ausreden kommen.

Kannst du einen Krieg gut finden um den IS zu beseitigen, so wie einst das Dritte Reich? Kannst du ihn ablehnen, weil du das Glück hast nicht unter dem IS zu leben?

Ich muss es nicht entscheiden, aber es zerreißt mich innerlich. Ich denke an meine liebe Hanan und weine, wie konnte das jemals soweit kommen. Ich denke daran, wie sie immer sagte, jeder eurer Kriege macht alles noch schlimmer. Wir müssen uns selbst befreien. Ja, sie hat recht. Und dann zog sie selbst in den Krieg und bald darauf war sie tot. Sie hatte keine Chance, es war aussichtslos.

Die Befreiung der Frau als Kriegsgrund.

Rafia Zakari hat darüber ein sehr, sehr gutes Essay geschrieben, in dem ausgesprochen lesenswerten Internetmagazin aeon.co.Why do empires care so much about women’s clothes?“ fragt sie. Sie zieht die Analogien zu den britischen Kolonialisten im Indien des 19. und 20.Jahrhundert, die die brutalen Traditionen der Witwenverbrennung (sati) anprangerten und verboten. Natürlich, eine gute Tat. Eine gute Tat, deren Dimension die Kolonialmacht zuhause gar nicht groß genug darstellen konnte, um die zivilisatorische Mission der Kolonialmacht zu untermauern. The white man’s burden, you know. Was einst die Briten in Indien, sind heute die Amerikaner in Afghanistan, und der ganze Diskurs ist sehr ähnlich.

For a colonising mission to have moral weight, it must appear to ‘better’ the lives of the colonised. The agents of empire, whether they are the officers of the British East India Company or US soldiers in Afghanistan, must believe in the incontrovertible rightness of their cause. Representing sati as emblematic of Indian society was tantamount to depicting Hindu men as barbaric and evil. What other kind of men would burn a widow? Hence, colonisation becomes a kind of moral vision protecting vulnerable Hindu women against evil Hindu men.

Just as stories of rescuing Indian women from sati distracted from the violence of British colonialism, so focusing on the violence of honour-crime stories deflects attention from the raids, bombings, illegal and indefinite detentions, torture and general brutality of the US war in Afghanistan.

Wenn es um Witwenverbrennung geht, kann ein bisschen Kulturimperialismus sicher nicht schaden. Aber wo ziehst du die Grenze? Die Briten wollten auch die Saris verbieten, da wird zuviel nackte Haut gezeigt, und die Kultur mancher indischer Volksstämme, deren Frauen sich einfach weigerten, ihre Brüste zu bedecken, war natürlich ganz furchtbar.

To be effective, portraying imperial violence and occupation as a feminist intervention requires local cooperation from Indians or Afghans. Just as the British created a class of middlemen who furthered their reform projects and were eager to take on British clothing, education and even military service in the colonial army, the US has poured hundreds of millions of dollars into creating an NGO-based aid culture in Afghanistan. Monetarily dependent on the US, these NGOs accept and promote a perspective in which burqas and honour crimes are root problems of Afghan society.

Ja, so ist es. Die Quislings Afghanistans werden niemals die archaischen Gesellschaftsmuster dieses Landes umkrempeln können, denn niemand akzeptiert sie. Afghanistans Frauen – authentische, nicht fremdfinanzierte – werden diese gigantische Aufgabe selber leisten müssen, hopefully with a little help from their male friends. Wie viele werden  dafür noch sterben und leiden müssen? Und wie kann das noch viel brutalere Regime des IS wieder verschwinden?

Do women, their freedom, their clothes and their marriages provide some crucial avenue into establishing hegemony, a method of representing the foreign invaders as good? The most compelling reason for this enquiry is that South Asian and Afghan feminisms are tainted by an imagined complicity with colonialism and imperialism. Making explicit just how aspects of women’s lives – their clothes and marriages – have been put into the service of Anglo-American imperial projects of domination, and how little these projects have had to do with those actual women, is a step towards lifting the weight of imperial complicity on Afghan feminism.

Jedes dieser Worte unterschreibe ich. Aber wie die Frauen Iraks und Syriens den IS wieder loswerden können, wie sich von diesem unsagbaren Terror befreien können, das weiß ich damit immer noch nicht.

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7 Antworten zu Colonial feminism

  1. westendstorie schreibt:

    Ein gedrücktes gefällt mir ist für dich, als Danke für das Aufzeigen. Das Teilen. Das Zusammentragen. Das Anmahnen dieser so schlimmen Misstände…😦

  2. lala@la.la schreibt:

    Zitat: „Kannst du einen Krieg gut finden um den IS zu beseitigen, so wie einst das Dritte Reich?“

    Der IS ist doch nur ein Symptom, aber nicht die Ursache. Könntest Du den IS per Knopfdruck beseitigen, glaubst Du wirklich dass die Welt dann gut wäre?
    Ich glaube dass Du zum einen als Deutsch-Amerikanerin nicht wahrhaben willst, dass die kapitalistische Bestie ihr Zuhause in Amerika hat, und zum anderen wie Deine schwedischen Mitstreiterinnen, die die zweithöchste Vergewaltigungsrate der Welt totschweigen, nicht wahrhaben willst dass die brutale Unterdrückung von Frauen ein zentrales Element des Islam an sich ist.
    Im Nahen Osten kämpfen zwei Bestien gegeneinander, nicht das Gute gegen das Böse, wie Du naiv glaubst.

  3. waswegmuss schreibt:

    So weit weg ist Terror nicht. Natürlich trifft es die prekär Selbstständigen. Natürlich regt sich keiner auf. Weil der Mcguffin fehlt.. (Im nächsten oder übernächsten Posting. Ich muss nur noch die Bilder machen.)

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