Liebe deinen Hintern

Der Po ist ein Körperteil, zu dem wir ein ziemlich distanziertes Verhältnis haben. Den eigenen Po kannst du ja auch kaum sehen, außer im Spiegel. Leck mich am Arsch, das bedeutet offene Verachtung. Natürlich auch für den…Arsch. Den Hintern versohlen, ein traditionelles Züchtigungsmittel – mit dem Arsch kann man es ja machen. Andererseits: Kaum ein anderer Körperteil kann dich attraktiv machen, jemanden geradezu verführen – noch bevor er dein Gesicht gesehen hat.

Deinen Po zur Geltung zu bringen, erfordert aber immer eine gewisse Anstrengung. Auf hohen Absätzen gehen, das wölbt den Rücken und lässt den Po herrlich kreisen. Ein schönes Gefühl und ein schöner Anblick – nur auf Dauer anstrengend. Eine sehenswerte Kulturgeschichte des Po ist jetzt auf arte zu sehen – darauf hat mich Mediasteak aufmerksam gemacht, eine wirklich toller TV-Pressespiegel, auf den mich wiederum kiezneurotiker aufmerksam gemacht hat. Gracias!

Intuitiv wissen wir alle, wie wichtig der Po, seine Größe und Form, die Art wie wir ihn bewegen, für unser äußeres Erscheinungsbild ist – und dafür, welche Attraktivität wir auf andere ausüben. Der Po ist der letzte Schliff der einen Körper außergewöhnlich macht. Daher können wir den Po betonen – oder versuchen, ihn nicht zu betonen. In vormodernen oder außereuropäischen Kulturen war das völlig normal – die paläolithische Kultfiguren betonten den Po vor allem bei Frauen überproportional. Wir können nur spekulieren ob ein großer Po damals ein Statussymbol war.

Die griechisch-römische Antike legte in ihren Skulpturen großen Wert auf sehr detailgetreue Abbildungen des nackten menschlichen Körpers. Und das galt – habe ich durch den Film gelernt – vor allem für den Po. Man verehrte den Hintern förmlich, und der männliche Hintern wurde weicher abgebildet als er in Wirklichkeit ist, geradezu feminisiert. Vor den primären Geschlechtsmerkmalen schreckten die antiken Bildhauer etwas zurück – der Penis wurde immer etwas zu klein, fast knabenhaft gemacht (und natürlich nie erigiert gezeigt). Die Frauen wurden regelrecht neutralisiert – die Vulva gab es nicht. Nur eine unbehaarte Fläche ohne Öffnung… Aber ihre Pos, die wurden leidenschaftlich und detailgetreu nachgemacht.

Dies blieb noch lange so. Selbst an den erzkatholischen spanischen Königshöfen wurden Gemälde mit meisterhaft schönen nackten Pos bedenkenlos aufgehängt, wie die berühmte Venus von Velazquez. Im angeblich so freizügigen, angeblich von zahlreichen sexuellen Revolutionen befreiten 21.Jahrhundert würde ein modernes Bild eines nackten Pos im Kanzleramt oder im Schloss Bellevue einen Skandal sondergleichen auslösen. Vielleicht sind wir heute sogar viel puritanischer als vor 500 oder 300 Jahren? Museen wie der Louvre sind gefüllt mit obszönen Perversionen bis hin zu Ärschen die einen Finger im Loch zeigen – große Meisterwerke der abendländischen Kunst. Puritanische Fundamentalistinnen wie die Emma-Herausgeberin würden so etwas heutzutage alles verbieten wollen. Das ist ja Pornografie, igitt. Damals war man offenbar liberaler. Graue-Maus-Feministinnen gab es damals noch nicht, und Religionsfunktionäre waren offenbar mit anderen Dingen beschäftigt.

Erst mit dem Ende des Feudalismus und dem Aufstieg der bürgerlichen Gesellschaft änderte sich das. Ein Statussymbol ist der Po in der westlich geprägten Neuzeit nicht mehr. In der Belle Epoque mit ihren Korsetten wurde der weibliche Po zwar betont, aber nicht gezeigt. Es war eine der frauenfeindlichsten, sexistischsten Epochen der Menschheitsgeschichte. Schon im Mädchenalter wurde die Taille durch Korsette künstlich verengt und der Po automatisch dadurch relativ größer, aber dann durch monströse Kleider und Röcke versteckt. „Eine sehr spezielle Silhouette, die es nur damals gab“.

Die puritanische Ablehnung der Nacktheit und natürlich auch nackter Pos setzten Europäer und Amerikaner überall dort durch, wo sie militärisch fremde Länder eroberten. Nicht nur in Afrika. Selbst im besiegten Japan nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das recht entspannte Verhältnis der Japaner zur Nacktheit rigoros beseitigt: die damals allgemein üblichen tanga-ähnlichen Badehosen der Japaner verschwanden rasch. Nur die Sumoringer bewahren dieses japanische Kulturerbe noch, an die trauten sich die Amerikaner wohl nicht ran…

Heute sind dicke und herausgehobene Pos im Westen nicht mehr wirklich en vogue, im Gegensatz zu Afrika. Die vom amerikanischen Kultureinfluss geprägten Gesellschaften Nordamerikas und Europas bevorzugen geradezu anorektische Pos, genau das richtige für die androgynen Models von heute.

Erst gegen Ende kommt der Film auf den männlichen Hintern zu sprechen. Männliche Pos wie der geradezu archetypische des Herkules im Museum von Neapel strahlen muskulöse Stärke aus, von der Feminisierung der männlichen Hintern der Antike ist nichts mehr übrig. Eine Reihe von Künstlern wie Michelangelo und Leonardo da Vinci waren schwul und malten wunderschöne Pos junger Männer, aber keinerlei weibliche.

Für Frauen kann der eigene Po auch eine sehr starke erotische Attraktion ausüben. Der Film schreckt noch nicht einmal vor dieser heiklen Sache zurück. Man sieht eine Lady vor dem Spiegel im Schlafzimmer in Aktion. „Ich mag die Empfindungen, die mir mein Po gibt. Ich mag es, wenn man ihn fest anpackt. Er ist schön muskulös. Ich mag es auch seine Muskeln zu benutzen, um eine Rute einzuklemmen, zu massieren und zu streicheln, die in die tiefe Schlucht die ich geöffnet und über ihr wieder geschlossen habe, hinein gelegt wurde. Ich komme dann ohne Eindringen, nur durch die Ritze meines Pos.“

Sollte ich vielleicht auch mal probieren…

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Über sunflower22a

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3 Antworten zu Liebe deinen Hintern

  1. tikerscherk schreibt:

    Immerhin gibt es Frauen wie Jennifer Lopez oder die unglaublich kurvige und polastige Sekretärin in Mad Man, deren Hintern im Gespräch ist. Hast du die mal gesehen? Femininer geht nicht.

    Zu dem Foto der vier Frauen im Wasser: im Po Sand.
    (Ist spät, und den Kalauer konnte ich mir nicht verkneifen)

  2. waswegmuss schreibt:

    Wundert nicht. Wir Männer gucken bei Frauen immer zuerst auf den Hintern.

  3. waswegmuss schreibt:

    Wundert nicht. Wir Männer gucken bei Frauen immer zuerst auf den Hintern.

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