Bodypaint: Ein Spaziergang der besonderen Art

Letztes Jahr schenkten mir meine lieben Mitbewohnerinnen ein ganz spezielles Geburtstagsgeschenk, von dem sie annahmen, das sei so ganz nach meinem Geschmack. Nämlich eine Bodypaint-Künstlerin, die mich in ein Kunstwerk verwandelt. Damit der Body bemalt werden kann, musst du  dich natürlich ausziehen…und damit die Sache richtig Spaß macht, stellte sich eine der lieben Schenkerinnen ebenfalls als Kunstwerk-Oberfläche zur Verfügung. Und eine Bekannte war auch mit von der Partei, die sich mit ein bisschen Unterstützung selbst bemalte.

Es dauerte Stunden, und es war ein wirklich angenehmes Gefühl, manchmal etwas kitzlig, aber ich genoss es. Und als wir gegen Mittag an diesem prächtigen Sommertag fertig waren, stellte sich die Frage, was machen die Kunstwerke nun. Und sie kamen auf eine verwegene Idee: warum sollten die Kunstwerke nur von einer Handvoll Auserlesener bewundert werden können?

So spazierten wir los. Es ist ein unglaublich aufregendes Gefühl, wenn du splitternackt durch die Stadt spazierst und die Leute das aber erst allmählich merken, wenn sie zwei Meter neben dir stehen. Zu dritt fühlten wir uns sicher, und weil die Farbe empfindlich ist, mussten wir auf einiges aufpassen: Nirgendwo hinsetzen oder anlehnen. Keine Handtaschen mit Schulterriemen, die scheuern alles weg. Kein Wasser auf die Haut.

Zuerst ging es in die nahegelegene Fußgängerzone und von da zu den Prachtboutiquen des Kudamm – die wir auch von innen inspizierten, nur Anprobieren ging nicht, die Farbe…die Verkäuferinnen staunten nicht schlecht, aber es protestierte keine einzige. An einem Eisstand waren wir die Touristen-Attraktion schlechthin.

Eine echte Herausforderung war die Fortbewegung. Wie gesagt – nicht sitzen. In der U-Bahn waren wir natürlich umgeben von Menschen mit einem Abstand von unter 2 Metern – ihre Reaktionen waren äußerst amüsant. Die einen ignorierten uns konsequent. Die anderen rümpften die Nase. Wieder andere bestaunten uns begeistert und fragten, ob Fotos erlaubt seien.

Wir fragten uns, was wohl passiert wenn ein Controlletti kommt…aber es kam keiner. Immerhin, Fahrscheine hätten wir gehabt, aber vielleicht hätten wir gegen eine Beförderungsordnung verstoßen. Wahrscheinlich gibt es einen Paragraphen, dass Nackte nicht befördert werden. Aber wir hätten argumentiert, die feine Farbschicht sei juristisch dasselbe wie Kleidung. Wäre sicher mal eine juristische Auseinandersetzung wert…

Wir hatten jetzt so ziemlich alle Hemmungen verloren und das nächste Ziel war ein großes Shoppingcenter. Anders als in der U-Bahn wurden wir allerdings schon nach 10 Minuten von einem Sicherheitsfritzen hinauskomplimentiert. Wir steuerten nun ein Parfümgeschäft an, wo wir uns von einer begeisterten Verkäuferin ausführlichst beraten ließen und auch ordentlich einkauften.

Wir hatten richtig Spaß mit unserem Spaziergang als Kunstwerke. Aber als wir die Parfümerie verließen, sahen wir allerdings etwas was wir anfangs nicht auf dem Schirm hatten: Gewitterwolken zogen auf. Und wenn es heftig regnet, dann wäre unsere schöne Farbe wohl schnell weg. Dann wären wir keine Kunstwerke mehr, sondern einfach nur, nun ja, unbekleidet. Aktmodelle sozusagen.

Da beschlossen wir, so weit muss es jetzt nicht kommen. Außerdem wurde es allmählich anstrengend, seit drei Stunden immer nur stehen  und gehen. Wir traten den Heimweg an. Allerdings erst noch ein kleiner Imbiss im S-Bahnhof, sehr zur Freude des Imbissbudenbesitzers: wir bekamen alles umsonst, denn unsere Anwesenheit lockte dutzendweise (überwiegend männliche) Kundschaft an. Er bot uns an, wir könnten jederzeit wiederkommen, wir bekämen alles umsonst.

Auf dem Nachhauseweg in der Bahn fing es tatsächlich an zu regnen, und zwar durchaus heftig. Die paar hundert Meter zwischen S-Bahnhof und zuhause reichten, um unsere Farbe schwer in Mitleidenschaft zu ziehen. Von Kunstwerk war nicht viel übriggeblieben, als wir die rettende Haustür erreicht hatten….aber es hat irre Spaß gemacht.

Wer sich übrigens dafür interessiert, im Juli findet das World Bodypainting Festival in Österreich statt, wäre doch vielleichte eine Reise wert? Auf der Webseite gibt es jedenfalls schöne Bilder. Praktische Tipps gibt es hier.

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