Abenteuer

Sunny hat eine Affäre. Sunny, ausgerechnet Sunny. Sunny ist die treueste Frau die du dir vorstellen kannst, so dachte ich. Sunny war mal eine sehr gute Freundin, aber wir haben uns etwas auseinandergelebt weil sie so familienorientiert wurde und immer weniger Verständnis für meine so ganz andere Lebensweise hatte.

Und nun, Sunny ruft an, wir müssen uns treffen. Sie ist ganz aufgeregt. Sie will mir sagen, sie „geht fremd“, what a strange German expression. Aber warum will sie mir das erzählen?

Sie sagt, sie muss unbedingt mit jemand darüber reden, aber sie kann sich nur mich vorstellen. Alle anderen, sie ist sicher, werden sie moralisch verurteilen. Und so, sie erinnert sich an good old friend Isabel, die immer nur „Affären hat“ und nie monogame Beziehungen.

Sunny ist nicht unglücklich, sie hat eigentlich die perfekte, glückliche Ehe. Sie liebt ihren Mann und will ihn nicht verlassen. Und sie sagt, er liebt sie auch, so sehr. Wenn er hätte eine Affäre, sie wäre zu Tode unglücklich. So: Er darf es niemals erfahren.

Aber warum sie hat dann eine Affäre? Und mit wem?

Dieser Mann ist eigentlich ein Macho, und sie weiß, er benutzt sie. Aber sie sagt, sie benutzt ihn auch, so es ist okay. Sie will keine Beziehung mit diesem Mann, no way, never. Es geht auch nicht nur um Sex. Manchmal, sie treffen sich, und sie haben keinen Sex, sie reden nur, machen Witze, lachen, küssen sich. Seit einem Jahr, sie macht das. Secret meetings, wechselnde Orte, manchmal stundenlang, manchmal nur eine halbe Stunde. Für ihn, sie hat ein zweites Smartphone angeschafft, prepaid, nichts auf dem Konto zu sehen. A lot of sexting, she confesses.

Isabel erfüllt Sunnys Erwartungen. Natürlich, für Isabel das ist keine moralische Verurteilung. Aber es ist ein Konflikt ohne Lösung. You are cheating your husband, and that is not okay. But telling the truth would destroy him and your marriage, that is even worse. Sie will die Affäre beenden, sagt sie, aber sie sagt es sich selbst seit einem Jahr und tut es nicht. Es ist wie eine Kettenraucherin, die jeden Morgen sagt, ich höre auf. Sie sagt, es ist schon fast eine Sucht, secret texting, secret meetings. Irgendwann, sie wird einen Fehler machen, und dann es ist zu spät.

Was Sunny macht, dabei geht es gar nicht um diesen Typ. Es geht um Sunny, sie sucht etwas was ihr fehlt in ihrem langweiligen, so perfekten Leben, ihrer perfekten Ehe. Sie sucht das Abenteuer, das Wilde, das Gefährliche, alles das gibt es nicht in ihrem „normalen“ Leben. Aber, sollte ihr Mann dasselbe machen, sie wäre schockiert, es wäre eine Katastrophe. Warum? It’s not logical, but emotions never are. Für Sunny, ihr geheimes Leben ist  eigentlich nur ein Selbsterfahrungstrip, like a drug, but extremely empowering. Sie braucht jetzt unbedingt jemand, mit dem sie darüber sprechen kann, unbedingt. Thank you Isabel for listening.

Das Feuer in Sunny‘s Augen ist wunderbar, wenn sie erzählt. Sex im halb leeren Kino, Sex im Park and many other stories. Sie hört sich seine Macho-Stories an und gibt Contra. Der Reiz des Verbotenen. Sie sagt, wenn ihr Mann das alles wüsste und okay finden würde, sie würde sofort aufhören, denn dann es wäre nicht mehr interessant.

Aber why in the world darf er das nicht? Sie weiss es nicht, sie wäre zutiefst verletzt. Sunny, you are wrong. Wenn er es machen würde, er hätte wahrscheinlich dieselben Motive wie du, es geht dann gar nicht um dich, sondern um dark desires, den Reiz des Verbotenen. Nein, dann geht es um sie, dann würde er sie betrügen, sagt sie. – Sunny, that is double standards.  – Ja, vielleicht, aber es ist sowieso theoretisch, weil erstens er weiß es nicht und zweitens er macht es nicht.

So verständnisvoll Isabel ist, so ehrlich sie ist. Sunny, one day you will make a mistake. People make mistakes, it is inevitable. Prepare for your mistake. Mach dir klar was dann passiert. Dann ist dein erstes Leben zerstört und dein zweites wahrscheinlich auch. Er wird nicht glauben dass es nicht um ihn geht, so wie du umgekehrt es auch nicht glauben wirst. In Wirklichkeit, du hast keine Affäre mit diesem Typ, sondern mit dir selbst. Vielleicht, du investiert ein wenig von der Energie für dein zweites Leben darin, dark desires in deinem ersten Leben zu erfüllen. Have sex in strange places not with this guy but with your husband. Do things all your friends must never ever know, but do it together. Invite a sexworker to your home and have threesomes, or an escort for a weekend trip to whatever beautiful city. It may be the better option. If that doesn’t work, prepare for the inevitable mistake.

Bald, wir werden uns wieder treffen. Sunny verspricht, sehr genau nachzudenken. We will see…

What in the world should Sunny do?

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Prenzlauer Berg mit Hochhäusern

Angeblich wollte die DDR den Prenzlauer Berg großflächig abreißen und mit Plattenbau-Hochhäusern neu bebauen, weil die Bausubstanz als nicht mehr reparierbar angesehen wurde. Das Ende der DDR war schneller als die Umsetzung dieser Pläne. Das Viertel hat sich seitdem dennoch radikal verändert, aber anders als die DDR geplant hat.

Man kann auch denselben Effekt erzielen, wenn die Hochhäuser schon da sind. New York City ist ein Beispiel dafür. Es wird immer mehr wie Prenzlauer Berg. I used to love NYC. Die Stadt meiner Kindheit, auch wenn ich danach nie mehr dort gelebt habe. Es war der einzige Ort, der für mich war so etwas wie Heimat. Aber, dieses New York gibt es nicht mehr. Zum ersten Mal ich war jetzt in NYC und fand die Stadt nur noch langweilig. Langweilig!!! New York!!!

New York war mal spannend, aufregend, the city that never sleeps, eine Katastrophe, ein Haufen Dreck, überall Kriminelle, Kulturmetropole, the center of the universe, die Stadt der Subkultur, ein Magnet für alle Kreativen, what have you. Aber eines, das war NY noch nie: langweilig. Durchschnitt. Jetzt, es ist soweit.

Eine Stadt voller obszön reicher Leute und voller obszön armer Menschen. Die Leute arbeiten mehr, viel mehr als früher, und sie werden dafür schlechter bezahlt. Früher, sie gaben im Durchschnitt ein Viertel ihres Einkommens für Miete aus, jetzt ein Drittel bis die Hälfte. Aber sie wohnen auf weniger Platz dafür. Offiziell ist die Armutsrate 20%, 1970 es war 11%. Selbst 1975, als die Stadt fast bankrott war, es war nur 15%. Aber das sagt nicht viel, viel mehr Leute, wohl etwa die Hälfte, leben nur knapp über der Armutsgrenze. They barely survive, soemhow, many with two or more jobs.

The landlords are killing New York, they are killing many more cities. Vor allem, die Vermieter sind immer seltener Menschen , die selber nicht viel haben und ein gutes Verhältnis zu ihren Mietern wollen, sondern es sind globale Kapitalfonds, Investoren, die soviel wie möglich aus den Mietern heraussaugen wollen wie möglich. They are killing the soul of the city. Meine Heimat, es gibt sie nicht mehr.

60,000 Obdachlose sind bekannt, so viel wie seit Jahrzehnten nicht mehr, die Dunkelziffer ist bestimmt viel höher. Viele davon sind inzwischen nicht mehr gescheiterte Existenzen, es sind Familien mit Kindern, die keine bezahlbare Wohnung mehr finden. Der öffentliche Raum wird immer mehr privatisiert, verkauft, bebaut, kommerzialisiert. Die Armen prägen das Bild der Stadt nicht, sie sind beschäftigt mit Überleben.

Wer bleibt übrig? Menschen wie Shelly. Shelly war eine Freundin aus meiner Kindheit. Sie ist noch da, die meisten anderen sind verschwunden, ich habe sie verloren. Shelly is the prototype New Yorker of 2018. Rich, almost obscenely rich, working in the financial sector. She is no landlord, of course not, she has invested in funds that are landlords. So she is a landlord, in reality, but does not know who pays the rents she ultimately gets. What can you talk with such people? Empty, meaningless talk. Blabla. She thinks I am crazy, but it was an event to have someone like me for dinner with a few friends. Basically, I was an exotic entertainer.

No clue where the less fortunate friends ended up. I could not even locate them via facebook before I was thrown out of that platform.

Die Reichen, die aus aller Welt für viele Millionen Luxuswohnungen in NY kaufen, lassen sie die meiste Zeit des Jahres leer stehen. Sie sind nie da. Wenn sie da sind, sind sie nicht zu sehen. Sie tragen nichts, überhaupt nichts zu „urbanem Leben“ bei. Die vielen kleinen Läden, die einmal den Charme Manhattans und Brooklyns ausmachten, immer mehr schließen, für immer. Sie können die ständig steigenden Mieten nicht bezahlen, sie verlieren durch die Gentrifizierung ihre Kunden. Aus einem bunten sozialen und ethnischen Mix wird eine Monokultur, möglicherweise keine ethnische aber eine soziale. Gestört wird sie höchstens noch durch Touristen, die durch die Straßen flanieren und etwas suchen, was es nicht mehr gibt.

New York is what Berlin is on the way of becoming. Nur mit weniger Hochhäusern. Und natürlich, nur 4 Millionen. Dominiert von reichen urban „middle class“ liberals, die sich von unsichtbaren Armen bedienen lassen und sich für Moral-Weltmeister halten. Denn sie sind weltoffen, haben eine afrikanische Putzfrau. Sie sind endlos langweilig, satt und zufrieden, wählen Grüne oder CDU.

Es wird Zeit, die Reichen zu enteignen, die Immobilienmafia zu zerschlagen, bevor sie alles kaputt machen. The time will come when das unter Drittel zum unteren Zwei Drittel geworden ist. The day of reckoning will come, and it will be ugly, very ugly. You have nobody else to blame but yourselves.

No place for her in sanitized New York City

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Talking to a stranger

Dienstreisen. Es gab Zeiten, da liebte Isabel diese Abwechslung. Natürlich, damals waren diese Dienstreisen nicht so anstrengend. Heute, das ist anders. Isabel entwickelt eine wachsende Antipathie gegen diese Dienstreisen und vor allem ihre Anlässe: Besprechungen mit Leuten, mit denen sie sich lieber nicht besprechen möchte.

Diesmal hat es sehr lange gedauert. Der letzte ICE nach Hause. Der Zug ist überraschend leer, sehr leer. Sie schaut sich um. Im ganzen Waggon niemand außer ihr. Ein Waggon alleine für sich. Ein Mann würde sich jetzt freuen und vielleicht einschlafen. Eine Frau nicht. Isabel fühlt sich nicht wohl. It’s an eerie feeling. Vielleicht ist es in der 2.Klasse voller, und so sie steht auf. Im Bordbistro, immerhin, es sind zwei Leute, und das Personal. Isabel bleibt hier.

Einer surft vergessen auf seinem Tablet, der andere trinkt ein Bier und macht sonst nichts. Isabel bestellt einen Drink und spielt ein wenig mit dem Smartphone. Der Mann mit dem Bier beobachtet sie. Er ist eigentlich der reine Durchschnitt. Durchschnittlich alt, durchschnittlich gekleidet, durchschnittlich frisiert. Wahrscheinlich auch durchschnittlich nett. Isabel ist unsicher. Er beobachtet sie genau. Vielleicht, es ist am besten in die Offensive zu gehen.

„Warum beobachten Sie mich dauernd?“

„Weil Sie eine sehr schöne Frau sind. Man kann Sie nicht ignorieren.“ Er lächelt.

„Danke.“ Isabel kichert.

„Ich dachte, Sie wären jetzt sauer. Ich bin überrascht.“

„Warum?“

„Das ist doch bestimmt heutzutage schon sowas wie sexuelle Belästigung, Me Too und so weiter.“

„Manche sexuelle Belästigung fängt so an, das stimmt. Aber wenn sie mir sagen, dass ich schön bin, das ist keine Belästigung, natürlich.“

„Für manche schon. Ich freue mich, dass ich noch einer schönen Frau ein Kompliment machen kann, ohne dafür sofort beschimpft zu werden. Aber inzwischen ist es mir egal, wenn ich dafür beschimpft werde. Ich mache es trotzdem. Ich lasse mich nicht von diesem politisch korrekten Establishment umerziehen. “

„Ich glaube, Sie übertreiben. Ich bekomme öfter Komplimente. Sie sind nicht der einzige, der sich noch traut.“

„Schön. Freut mich für Sie. Sie halten auch nichts vom politisch korrekten Mainstream?“

„Nein. Ich bin ganz unkorrekt. Ich bin ich.“

Er kommt jetzt in Fahrt. Die Zeiten werden immer schlimmer. Deutschland gehe den Bach runter, Europa auch. So einen wie Trump brauchen wir. Aber wir haben keinen. Ein Patrioten an der Regierung, aber der sei nicht in Sicht.

„Was glauben Sie, was das größte Problem für Deutschland ist?“ Isabel erwartet jetzt, die Flüchtlinge. Aber das kommt nicht.

„Unsere Wirtschaft wird von der Politik im Stich gelassen. Dieser ganze Diesel-Wahnsinn. Die besten Autos der Welt machen diese Grünen kaputt. Früher war die Luft noch viel dreckiger. Wir machen uns den Standort selber kaputt. Die Chinesen räumen alles ab. Jetzt kommen die Handelskriege. Wir müssen uns warm anziehen.“

„Gerade noch haben Sie gesagt, Trump ist toll. Jetzt sagen Sie, Sie haben Angst vor Handelskriegen. Wer fängt denn damit an?“

„Ja, Trump natürlich. Ich sage ja nicht, dass der Trump toll ist. Ich sage, wir brauchen so einen wie den. Einen deutschen Trump.“

„Und der soll dann Amerika den Handelskrieg erklären? Lieber nicht. Sehen Sie, ich bin Amerikanerin. Glauben Sie mir, im Augenblick lebe ich lieber hier.“

„Sie sind Amerikanerin? Oh, das hört man gar nicht.“

„Danke. Ich bin auch Deutsche. Beides.“

Er liebt Amerika, die Amerikaner sind toll, die Deutschen könnten viel von ihnen lernen, meint er.

„Danke, ja. Das machen sie auch, vielleicht übertreiben sie es sogar. Aber auch die Amerikaner können viel von Deutschland lernen.“

Er bestreitet das, Deutschland sei auf den Hund gekommen, und so er spielt das merkwürdige Spiel eines deutschen Patrioten, der dauernd auf sein Land schimpft. Schließlich, er sagt, er wählt AfD. Not much of a surprise by now.

„Was würde denn die AfD tun, wenn sie regieren würde?“

„Die Flüchtlinge rauswerfen.“

„Und was noch?“

Er weiß es nicht. „Sie regieren sowieso nicht, ich wähle die nur aus Protest.“

„Schauen Sie, das worüber Sie sich ärgern, ist: die Politik lässt die Wirtschaft im Stich. Aber darauf hat die AfD ja wohl keine Antwort, jedenfalls keine die Sie kennen. Und dann sagen Sie, Trump ist toll, Amerika ist toll. Erinnern Sie sich: Die Amerikaner sind VW auf die Schliche gekommen, nicht die deutschen Grünen, wieviel Milliarden Strafe mussten sie an die amerikanische Staatskasse zahlen? Und jetzt machen sie diese Strafzölle. Ich verstehe Ihre Logik nicht ganz. Sie bewundern diejenigen, die Ihnen am meisten Probleme machen.“

Er schaut sehr irritiert. „Sie mögen die AfD nicht.“

Isabel lacht. „Nein. Ich mag alle anderen aber auch nicht.“

„Gehen Sie noch wählen?“

„Selten. Beim letzten Mal habe ich gewählt.“

„Darf ich fragen was?“

„Bernie Sanders.“

„Wen? Ach den, ja, Amerika, klar. Was macht der heute?“

„Er macht weiter. Sie werden sich  noch wundern. Er räumt in Amerika auf. An dem wird sich Trump noch die Zähne ausbeißen. Der tut was für die kleinen Leute, nicht für die Reichen.“

Wir erreichen Berlin-Spandau. Der Herr trinkt sein Bier aus, bedankt sich ausnehmend freundlich  für das gute Gespräch, listet noch einige Komplimente für Isabel und für Amerika auf, und verabschiedet sich.

Für Isabel, es war das beste Gespräch heute. Ausgerechnet mit einem AfD-Anhänger. Aber im Gegensatz zu den ganzen Gesprächen vorher, es war ein ehrliches Gespräch.

At least, he was an honest guy.

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‚It’s a really good time to talk about sex work‘

Sexarbeit, Prostitution, es ist wohl der empfindlichste Seismograph dafür, wann eine Gesellschaft repressiver und puritanischer und pessimistischer wird. Kein anderes Thema steht so klar jenseits von „links“ und „rechts“. „Linke“ Feministinnen und „rechte“ religiöse Fundamentalisten stehen gemeinsam gegen „Neoliberale“ und „progressive Feministinnen“ . Jahrelang, es gab massive Kampagnen zur Kriminalisierung der Sexarbeit und vor allem der Sexarbeiterinnen in vielen Ländern, vor allem in USA, Canada, Schweden, Frankreich – aber auch in Deutschland.

Vielleicht, der Wind dreht sich jetzt. New Zealand machte Schlagzeilen, nicht nur mit der ersten Premierministerin der Welt, die im Amt ein Baby bekommt. Catherine Healy hat jetzt einen der höchsten Orden des Landes bekommen, im Namen der Queen. Sie ist jetzt Dame Companion of the New Zealand Order of Merit. Sie kann es immer noch kaum glauben. Catherine ist eine Gründerin des New Zealand Prostitutes Collective. Seit 1986 kämpft sie für die Rechte und die Gleichberechtigung der Sexarbeiterinnen. 2003 sie feierte ihren größten Erfolg: das Parlament hat mit einer Stimme Mehrheit Sexarbeit entkriminalisiert. Anfang der 1980er, sie wurde noch von der Polizei verhaftet, von der Öffentlichkeit ignoriert. New Zealand undoubtedly is a more progressive country for women: 1893 war es das erste Land der Welt mit dem Wahlrecht für Frauen.

Bemerkenswert ist das Buch von Andrea Werhun „Modern Whore“. Andrea ist die Tochter einer gut situierten Familie, sie hatte keine finanzielle Not um als Escort zu arbeiten. „To be a whore is to exist outside the bounds of female goodness and respectability, and frankly, many of us would prefer to stay there.” Absolutely. The abolitionists and the puritans will never even get close to understand this. Andrea hatte schon als junges Mädchen eine große Faszination für Pornographie. Neugier, neue Erfahrungen und natürlich Geld lockten sie in die Sexarbeit, und sie bereut nichts. Auch nicht ihr coming out. “I think it’s a really good time to talk about sex work because we’re talking about sex more openly – sexual abuse, harassment, and rape. I actually think we’re in a place where the more critically minded of us can confront these issues head-on.” What a statement.  A really good book – order here and NOT at Amazon.

In Deutschland, es gibt jetzt die Bemühung die Hamburger Reeperbahn zum Unesco-Weltkulturerbe zu machen. Der Charme des alten St Pauli ist bedroht, von Gentrifizierung, zuviel Tourismus – ob man ihn damit retten kann oder es noch schlimmer macht, who knows. Die Menschen an der Reeperbahn sind über diese Idee sehr gespalten, das verstehe ich sehr gut. Aber es ist eine gute Idee, darüber zu diskutieren. Ja, das Rotlicht-Viertel ist ein Teil unserer Kultur, und wir sollten es nicht verstecken, sondern es akzeptieren. Nicht nur in Hamburg.

The Guardian hat publiziert einen sehr guten Photo Essay  „The future of sex work“. Australia’s New South Wales province hat Sexarbeit 1995 dekriminalisiert. Ein einfühlsames Essay über die Vielfalt der Menschen, die dort arbeiten, und ihr Leben. Charming.

On a sideline, sogar in USA es passieren merkwürdige Dinge. In Nevada, der einzige Staat der Sexarbeit erlaubt, der Chef eines der grössten Bordelle hat die Vorwahlen für einen Sitz im Staatsparlament gewonnen, und zwar für die Republikaner. Haha. Auf jeden Fall besser als ein verklemmter, verlogener religiöser Fundamentalist.

I am an artist and want to be recognized as such

 

 

 

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Barfuß in der Stadt

Summer in the city. Es ist heiß, viele stöhnen, ich genieße es. Ab 30 Grad, ich trage eigentlich immer nur ein einziges Kleidungsstück. Natürlich, die Schuhe nicht mitgerechnet. Heute ich trage ein „Kleines Rotes“, dazu rote high heels, roter Nagellack, roter Lippenstift, rote Tasche. Very sexy. I feel wonderful. Ein kleiner Zwischenstop in einem Straßencafe, ich ziehe die Schuhe aus und lege die Beine hoch, genieße die Sonne, und einige Minuten ich schließe die Augen.

Als ich gehen will, ich stelle fest: die Schuhe sind weg. Weg. Verschwunden. Was ist das? Natürlich, niemand hat etwas gesehen. Wer klaut dir die Schuhe? Der Typ mit der großen Aktentasche da hinten? Die Tante mit der Einkaufstasche daneben? Oh wow.

Aber leider, nirgendwo ist ein Schuhladen. Und jetzt wird die Zeit knapp. So, ich gehe barfuß weiter. Was soll ich tun? So, du musst genau aufpassen, was liegt auf der Straße herum. Das ist nicht so schlimm, das musst du mit high heels auch. Aber deine Füße werden schnell schmutzig. Manche Stellen, der Boden ist so heiß dass es wehtut. Was ist anstrengender, high heels auf Kopfsteinpflaster oder barfuß in der Stadt?

Surprise, es gibt einige andere Menschen die das auch machen. Die knallgelb gekleidete junge Frau mit Punkfrisur. Sie lacht mich an. „Hey, Schickimicki ohne Schuhe, das habe ich noch nie gesehen.“- „Nicht ganz freiwillig…“ – „Klar, aber ich finds toll.“ Der blonde Rastafari mit dem Riesen-Kopfhörer, der nichts von seiner Umwelt wahrnimmt. Auch mich nicht. Die beiden jungen Ladies, die ihre Flipflops in der Hand tragen und Eis essen.

Im Büro, niemand glaubt mir die Story mit den geklauten Schuhen. Niemand. Alle lachen nur, sie macht immer solche verrückten Sachen, und jetzt auf einmal, sie hat auch noch schlechte Ausreden…haha. Eine Kollegin lacht und legt die Schuhe zur Seite, jetzt sind wir schon zwei.

So anyway, es war ein schönes Gefühl. Vielleicht, ich mache es noch einmal, dann absichtlich. Aber, es ist auch sehr schön, tolle Schuhe zu haben. Und ein schönes Gefühl, sie ab und zu auszuziehen.

 

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Die italienische Rebellion

Italy is wonderful. In meiner Jugend, ich habe einige Monate in Rom gelebt, es war eine wunderschöne Zeit und ich habe es geliebt. Wundervolle Menschen, voller Optimismus und Lebensfreude.

Heute, Italien ist anders. Für Touristen, es ist immer noch wunderschön. Vielleicht noch schöner als jemals, denn die Touristen werden immer mehr, aber sie haben die üblichen Folgen. Die Airbnb-isierung einer Stadt macht das Leben für viele unbezahlbar. Wenn du in Italien leben musst, wenn du dort dein Geld verdienen musst, Italien ist eine Katastrophe. Talentierte, kreative junge Menschen – also die Zukunft eines Landes – machen wieder das was sie vor 100 Jahren auch gemacht haben: Auswandern.

To be young, gifted, educated and Italian is no guarantee of financial security these days. As a new report by the Bruno Visentini Foundation shows, the average 20-year-old will have 18 years to wait before living independently — meaning, among other things, having a home, a steady income, and the ability to support a family. That’s almost twice as long as it took Italians who turned 20 in 2004. Eurostat statistics in October 2016 showed that less than a third of under-35s in Italy had left their parental home, a figure 20 percentage points lower than the European average. The trend is expected to worsen as the economy continues to struggle. Researchers said that for Italians who turn 20 in 2030, it will take an average of 28 years to be able to live independently. In other words, many of Italy’s children today won’t have “grown up” until they’re nearing their 50s. (Wolf Street)

Aber die Italiener sind wohl auch diejenigen Europäer, die am meisten Anarchisten sind. Sie haben jetzt das gemacht, wovon andere immer nur reden: sie haben bei den Wahlen ihr Establishment summarisch zum Teufel gejagt. Vaffanculo, der Schlachtruf der 5 Sterne Bewegung, verpisst euch alle. Yeah. Ich bewundere euch dafür. Berlusconi und die Neoliberalen – weg. Niemand anders hätte sich das getraut, am allerwenigsten die Deutschen. Niemand hat es geglaubt, obwohl alle Umfragen es gesagt haben. Auch nicht die Finanzmärkte, die sonst jedes Erdbeben spüren. Noch sind sie sehr ruhig. Aber das wird sich bald ändern.

Bald, die neue Regierung wird offen die Euro-Austeritätsregeln brechen. Es wird einen  Showdown zwischen der EZB, unter dem Goldman-Sachs-Italiener Draghi, und Italien geben. Das ist eine andere Kategorie als EZB vs Griechenland. Alles was die EZB machen wird – machen muss – wird nicht nur Italien hart treffen, sondern auch den Euro selbst, also die EZB. In Berlin, sie sind so beschäftigt mit Trump und mit sich selbst, dass sie Italien schon lange nicht mehr ernst genommen haben. Jetzt, es ist zu spät. Nun kommt die Rache für eine brutale Politik des „Germany First“ seit Euro-Einführung.

Die Grillini und die Lega Nord sind nicht wie die Amateure in Athen. Sie sind inzwischen erfahrene Machtpolitiker. Ihre Hardliner reden bereits davon, dass sie mit Militär und Polizei die Zentralbank besetzen werden, wenn die EZB Italiens Kreditlinien kappen und damit das Finanzsystem Italiens lähmen sollte. Alles mit Kalkulation: sie wollen den Euro nicht mehr, denn er hat Italiens Wirtschaft nur geschadet. Einfach austreten geht nicht oder nur zu sehr hohen Kosten. Also wollen sie ihn zerstören, und das kann Italien, aber nicht Griechenland. Wer aus dem Euro austritt, riskiert eine gigantische Kapitalflucht und Verschuldung, weil alle ihre Euros ins Ausland schaffen würden, um einer drastischen Abwertung mit einer neuen Lira zu entgehen. Aber wenn die ins Ausland transferierten Euros genauso getroffen werden wie alle Euros, egal wo sie sind, du hast sogar ein wesentlich kleineres Problem.

Germany, zieht euch warm an. 20 Jahre lang habt ihr es meisterhaft verstanden, mit dem Euro euch zu bereichern und den Rest Europas untertan zu machen. 20 Jahre lang habt ihr euch selber vorgemacht, der Euro sei ein Opfer Deutschlands für die Einheit Europas, obwohl es war genau andersrum. 20 Jahre lang habt ihr mit dem unterbewerteten Euro die Weltmärkte erobert und Riesen-Überschüsse gemacht. Der Rest der Welt, nicht nur in Rom und Washington, hat jetzt die Schnauze voll. Now they come and go after you. Nicht mit sophisticated strategies that never work, wie der Professor Varoufakis das wollte. Nein, mit purem Chaos, mit Populismus, Anarchismus, Rebellion. Damit könnt ihr nicht umgehen.

Germans, you still don’t get it. Wir werden die nächsten Monate chauvinistische Tiraden gegen die faulen Italiener sehen, wie schon damals gegen die Griechen. It will be very, very ugly. Nicht der Euro macht Europa kaputt, es ist das was Schäuble, Merkel & Co damit gemacht haben. Merkantilismus, Germany First, die Zerstörung der Sozialstaaten. My biggest disappointment about your country, about you Germans is that nobody, absolutely nobody seems to get that obvious message. You are too stupid to understand what your wonderful government is doing. If you seriously try to beat the Italians into submission like the Greeks, all hell will break lose on this continent. Sunflower as a doomsday prophet, not my natural role. But that is something, well, that  I have learned in your country.

Your time is up

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Treue…wirklich?

Haben Sie eine Affäre? Oder eine gehabt? Die  Wahrscheinlichkeit ist, dass Sie Nein sagen, aber es nicht stimmt. Denn niemand gibt es zu, aber sehr viele machen es. Deswegen, es ist schwierig einigermaßen sichere Aussagen zu machen, wenn ein Thema tabu ist.

Dennoch, manche Leute wollen so etwas unbedingt wissen und schreiben Bücher darüber. Zum Beispiel, Esther Perel mit ihrem neuen Buch „State of Affairs: Rethinking Infidelity“. Esther ist eine bekannte Sexual- und Beziehungsexpertin.

Perel hat herausgefunden, dass in den letzten 30 Jahren 40 Prozent mehr Frauen eine Affäre außerhalb der Ehe gehabt haben – oder 40 Prozent mehr Frauen dieses zugeben, während es bei Männern stabil geblieben ist. Ich finde, das ist gut. Wie lange haben wir geklagt, dass Männer Affären für sich einfach machen, aber Frauen als Schlampen bezeichnet werden, wenn sie es auch machen? Hören wir auf, darüber zu jammern, machen wir es einfach auch.

Perel hat darüber geforscht, aber ich sehe es auch. Ich bin für viele meiner Kolleginnen etwas exotisch, nicht nur wegen „Migrationshintergrund“, aber auch weil ich nie eine feste, exklusive Beziehung hatte. Die männlichen Kollegen fanden das früher wunderbar, für viele weibliche, ich war die „Schlampe“. Aber wenn ich es vergleiche mit heute, ich bin „normal“, viele Kolleginnen erzählen mir genießend von ihren Affären, manche sogar bisexuell. Früher, du hast über so etwas nur mit sehr guten Freundinnen gesprochen, heute ist das more easy. Aber nach außen, sie sind alle in einer schönen Ehe, haben keinen Streit mit ihrem Ehepartner, und wollen sich nicht trennen. Eine Kollegin sagt, gelegentliche Affären sind der einzige Weg, mit ihrem Partner zusammenzubleiben, nur so ist sie zufrieden.

Manche, sie halten die Affären sehr geheim, manche glauben der Ehemann weiß oder vermutet etwas, aber sie glauben er hat auch seine Affären.  Just don’t talk about it…

Von Alicia Walker gibt es ein anderes Buch, “The Secret Life of the Cheating Wife: Power, Pragmatism, and Pleasure in Women’s Infidelity”. Sie hat mit 40 Frauen intensiv gesprochen über ihre Affären, und sie bekam das Ergebnis: die meisten sind nicht in verzweifelten Ehen, sondern in langweiligen. Aber sie wollten keine Scheidung, das ist ein zu großer Bruch: sie hatten gemeinsame Freundschaften, gemeinsame Kinder, gemeinsamen Besitz, warum soll man das alles aufgeben?

Aber viele dieser Frauen sind unzufrieden mit der immer noch sehr verbreiteten traditionellen Rolle, die Frau macht den Haushalt, der Mann verdient das Geld – und es ist sehr schwer, das zu ändern, selbst wenn die Männer das auch wollen. Und das kommt nicht immer vor. So, die Affäre ist eine kleine Rebellion, ein kleiner Weg aus der Misere. Sie glauben nicht mehr, dass eine Scheidung und ein Traum-Mann das Problem löst, denn es gibt ihn nicht.

So, für Perel und auch für mich, die Frage ist: Why do women still marry when, as more and more say, marriage doesn’t make them very happy? Wieviele Illusionen gibt es über die Ehe, über eine monogame Beziehung, und doch: wir wissen, es ist unrealistisch. Aber, maybe, wir brauchen Illusionen im Leben, so wie viele Menschen Religionen brauchen, obwohl sie eigentlich auch wissen, es ist Hokuspokus. So, maybe, I am kind of down to earth: when you never made secrets about your affairs, there is no illusion involved.

Don’t believe you’re the only man in my life…

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