Ladies, es gibt noch viel zu tun

Ach, ich kann es nicht mehr hören. Die Frauen sind zu weit gegangen. All die politische Korrektheit, die ganze Frauenemanzipation, der Aufstieg der Frauen in Führungspositionen ist daran schuld, das so viele arme Männer jetzt so perspektivlos sind und rechts wählen. Man kann doch einem Mann nicht zumuten, dass er jetzt eine Frau als Chef hat. What a nonsense.

Erstens: Männer wählen öfter rechts als Frauen, stimmt, aber auch viele Frauen wählen rechts. Aus denselben Gründen wie die Männer. Protest, soziale Abstiegsängste, sicher auch manche aus rassistischen Gründen, what have you. Weiße Frauen waren in America diejenige Gruppe, die sich am wenigsten an die Prognosen gehalten hat und viel mehr für Trump gestimmt als erwartet.

Zweitens. Who cares about political correctness? Das ist nur einer kleinen Gruppe wichtig, die besteht wahrscheinlich überwiegend aus Männern. Die meisten Leute wissen gar nicht was das ist. Sie kommen auch nicht eurer absurden Gendersprache in Berührung. Mir – und vielen anderen Ladies – geht sie genauso auf die Nerven. Das ist zwar immer noch kein Grund, AfD zu wählen. Aber es ist erst recht kein Grund, männlichen Chauvinismus zu propagieren.

Drittens. Seid ehrlich und ihr stellt fest, die Ladies haben bisher nur an der Macht gekratzt. Interessanterweise sind die Chefs von AfD und Front National Frauen. So often I’m the only lady in the room, it’s a disgrace – though you can make it a unique position of strength… I won’t go into details. Nevermind, I’d rather have many more women in the room. True Activist hat jetzt sehr schön gezeigt, wie es wirklich aussieht. Nimm einfach aus den Bildern der Macht alle Männer raus, und schau was übrigbleibt. Nicht viel. Hier das britische Unterhaus:

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Gute Gründe für die Kampagne von Elle UK: More Women!

 

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I want cash

Indien erlebt zurzeit ein wirtschaftliches Chaos, das man sich im Westen gar nicht vorstellen kann. Natürlich, die die arroganten Westler denken, das ist ein Entwicklungsland, da ist alles Chaos. Wundert euch nicht. Auch hier kann das kommen.

Es geht um das Bargeld. Cash. Es gibt Politiker, die das Bargeld langsam abschaffen wollen. In Skandinavien ist das Mainstream. Ich habe darüber geschrieben. Diese Länder glauben immer, sie seien besonders smart, aber sie sind es nicht. Sie wollen dich kontrollieren, im Namen der Tugend.

Auch in Euroland gibt es diese Tendenzen. Sie schaffen zuerst die großen Scheine ab, dann die kleinen. Nicht nur weil sie dich kontrollieren wollen, jede einzelne finanzielle Transaktion überwachen wollen. Sie wollen auch Negativzinsen möglich machen, und das geht nur, wenn die Leute nicht cash im Schrank lagern können. Wenn alles Geld elektronisch ist, bist du machtlos, wenn sie es morgen mit -5% Zinsen entwerten.

Narendra Modi, Indiens Premierminister, hält sich für einen supersmarten Typ. Damit ist er nicht allein. Am 8.November ließ er über Nacht die 500 und 1000 Rupien Scheine wertlos machen. Sie machen 85% des Bargeldumlaufes aus. Einfach so, ganz große Überraschung. Bis zu 4500 Rupien sollte man theoretisch direkt in Postämtern oder Banken in neue Banknoten umtauschen können, aber so viele Banknoten kann man eben nicht über Nacht drucken. Es gibt bei weitem nicht genug neue Scheine. Alle größeren Beträge kann man nur umtauschen, wenn man ein Bankkonto hat. Die Hälfte Indiens hat aber kein Bankkonto. Sie machen alles cash. Auch Menschen mit Bankkonto nutzen es kaum, weil nur 4% ihre Gehälter auf das Konto bekommen, alle anderen erhalten ihr Gehalt cash.

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Seit Wochen stehen weite Teile Indiens Schlange, um neue Banknoten zu bekommen. Tagelang. Wochenlang. Sie können nicht einkaufen, nicht zum Arzt gehen, nichts machen. Wut und Aggression machen sich breit, wie die Times of India berichtet. Bauern können ihre Ernte nicht verkaufen, weil niemand mehr Geld hat. Jerri-Lynn Scofield beschreibt bei Naked Capitalism sehr eindrücklich was in Indien los ist. Seit Wochen kehrt eine der größten Ökonomien der Welt zur Tauschwirtschaft zurück. Natürlich trifft es die Armen am härtesten, wie The Wire schreibt:

For the last few days the world is watching the bizarre spectacle of millions of Indians waiting in long, unending queues to recover their own money from banks, post offices and ATMs even as the government at the Centre remains firmly in denial about the untold hardship to the poor who cannot afford to stay away from their daily wage work even for a day. Some senior citizens have died of exhaustion standing in queues for hours on end. Families have suffered as private hospitals refuse to take currency notes of 1000 and 500 denomination, legal tender just till the other day.

Angeblich will Modi damit Schwarzgeld und Geldwäsche bekämpfen. Haha. Wahrscheinlich fahren Indiens Geldwäscher mit großen Containern voller 1000 Rs-Noten nach Panama, um Geld zu waschen. Die großen Fische trifft es nicht, längst ist ein Schwarzmarkt entstanden: verkaufe deine alten Banknoten zu 80-85% des nominalen Wertes an Dealer. Offenbar wissen sie, wie man große Mengen 1:1 tauschen kann.

Die Argumente gegen „Schwarzgeld“ sind lächerlich. Die Regierung spricht inzwischen offen davon, sie will zu einer „cashless economy“ übergehen. Arjun Jayadev schreibt, was das bedeutet:

There is a reason why demonetization has never previously happened in peacetime or in the absence of hyperinflation. Those are events that acknowledge the widespread breakdown of social life and attempt to reset it. Money itself is an essential metaphor, a social contrivance to signify a means of final settlement of debts without which binding commitments or promises would be impossible. The anonymity of money is exactly what allows people who don’t have any strong social ties to cooperate in all sorts of ways. And cash, in particular, allows for cooperation and coordination among the poor, the rural population; people who don’t have access to electronic payments systems or coordination through corporate structures, professional networks and so on. Demonetization undermines those structures and in that, the sense of a collective social understanding.  Doing so, while unlikely to be fatal, will corrode this most basic trust.

India is an experiment that surely is closely watched by central banks in the West. A cashless economy is total control over every purchase, every economic activity. No NSA could achieve that level of total surveillance. I have minimized my use of credit cards, I am returning to as much cash as possible. No matter how inconvenient it is. Cash is freedom.

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Sorry, cash only.

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Hot water

Der Winter kommt, es wird kalt. Jedes Jahr, ich frage mich warum ich in ein so kaltes Land gezogen bin. Aber, im Mittelmeerraum es ist im Winter gefühlt genauso kalt, weil die Häuser nicht gut isoliert sind und schlechte Heizungen haben. Anyway. I love your Weihnachtsmärkte. It’s kitsch, it’s Klischee, but it’s fun. Wenn Schnee fällt, ich kann mich freuen wie ein Kind.

Aber meistens du hast sowieso keine Zeit für alle diese Dinge. Du musst arbeiten, du hast viele Termine. Die vielen Klamotten im Winter sind umständlich, kosten viel Zeit. Das Drama mit den Schuhen. Nevermind.

Aber es gibt auch die Gemütlichkeit am Abend. Germany is the land of Gemütlichkeit. Unsere WG ist jetzt sehr gemütlich. Wir haben mit dem großen Whirlpool im Wohnzimmer und den vielen Pflanzen eine Mischung aus Wellness-Therme und Tropical Islands daraus gemacht. Wenn ich nach Hause komme aus dem kalten Winter-Wetter, meist ist eine oder zwei der lieben flatmates schon in Whirlpool im warmen duftenden Wasser. Es dauert nicht lange, und ich bin dabei. Wir bleiben oft stundenlang im Pool. Du kannst asiatisch essen, denn mit Stäbchen brauchst du nur eine Hand, dabei einen Film schauen, Musik hören, oder einfach viel quatschen und kuscheln. Immer wieder etwas heißes Wasser einlassen, und es ist schöner als jede Sauna. Einziges Problem, mit mehr als drei Leuten ist es ziemlich eng. Wenn unsere vierte flatmate kommt, sie wartet lieber bis eine freiwillig rausgeht…

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Winter ist gemütlich🙂

 

 

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Die verfolgte Dichterin

Vor einem halben Jahr habe ich über die Dichterin Dareen Tatour geschrieben, die in Israel verfolgt wird. Im Oktober 2015 überfiel die israelische Polizei das Haus ihrer Familie und verhaftete sie, wegen angeblicher „Anstiftung zur Gewalt“. Gemeint waren ein Gedicht und einige facebook posts. Das vergangene Jahr verbrachte sie in drei verschiedenen Gefängnissen und in strengem Hausarrest, mit einer elektronischen Fußfessel. Künstlerische Betätigung und Internetnutzung sind ihr verboten.

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Längst hat sich das Gerichtsverfahren zur Farce entwickelt. Kein einziges Mal durfte die Angeklagte bisher sprechen – sie besteht darauf, in ihrer Muttersprache Arabisch zu sprechen, immerhin eine offizielle Amtssprache Israels. Ein Dolmetscher konnte bisher nicht aufgetrieben werden. Die Anklage hat sich in zahllose Widersprüche über ihre angeblichen Aussagen bei den Verhören verwickelt. Die Videos über die Verhöre würden in normalen Rechtsstaaten längst zur Disqualifizierung der Anklage führen: sie wurde massiv bedroht und eingeschüchtert, um „endlich zu gestehen“.

Ohne die wachsende internationale Solidarität würde es ihr wahrscheinlich längst viel schlechter gehen. PEN International hat sich in die Solidaritätskampagne eingebracht und fordert ihre sofortige Freilassung. PEN hat ihr Gedicht als einen der Texte für den „International Translation Day“ ausgesucht und es damit berühmt gemacht.

Hunderte Palästinenser sitzen in Haft für nichts anderes als facebook posts, in denen sie Israels Besatzungs- und Kolonialpolitik kritisieren. Hassposts jüdischer Israelis gegen Palästinenser dagegen haben noch zu keiner einzigen Anklage geführt – kein Wunder, sie liegen damit voll auf Regierungslinie. Wer der Kampagne für Dareen bei facebook folgen möchte: https://www.facebook.com/FreeDareenTatour/

Dareen geht es mittlerweile immer schlechter. Aus einer fröhlichen, optimistischen Frau wurde eine niedergeschlagene, ständig unter Kopfschmerzen leidende verfolgte Frau. Verhaftet für Dinge, die für uns selbstverständlich sind, von einem Besatzungsregime das Tag für Tag von den Regierungen der USA und Europas mit Steuergeldern gepäppelt wird. It is a crime.

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Die AfD und der Vibrator

Sachsen ist in Verruf geraten. Dabei könnte Sachsen durchaus etwas aus sich machen, auch wenn die Sprachfärbung nicht so sexy ist. Dennoch, Sachsen und sexy klingt schon ganz ähnlich. Saxony sounds even more sexy. Kennen Sie den Saxini? Sexy Bikinis aus Sachsen? Die waren schon en vogue, lange bevor Sachsen als hotspot des Rechtsradikalismus bekannt wurde. Und jetzt ist die website schon seit einiger Zeit down. Immerhin, in Sachsen wurde schon 1899 der BH erfunden. Aber das ist eine andere Story.

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Und jetzt der Vibrator. Da gab es den Wettbewerb „Future Sax“, ausgerichtet vom sächsischen Wirtschaftsminister. (ich werde gerade neugierig auf einen möglichen Wettbewerb „future sex“, wer richtet ihn aus?) Tatsächlich gewann ein sächsisches startup namens Laviu GmbH den dritten Preis, €5000, für ihre Innovation eines lautlosen Vibrators. Haha, schöne Sache. Saxy, sexy.

Aber nicht für Saxens AfD. Landes-Vize Thomas Hartung meint, Sex ist nur erlaubt um Kinder zu kriegen. „‚Eine Gesellschaft ohne Kinder hat keine Zukunft.‘ tönt es im Landesprogramm 2014; oder auch ‚Wir stellen die Zukunft der Kinder in den Mittelpunkt unserer Politik‘. Die Förderung von Sexspielzeug ist so ziemlich das Gegenteil.“

Konsequenterweise ist der säxische Wirtschaftsminister Dulig von der SPD jetzt „Dildo-Dulig“:

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Ist doch geil. Dildo-Dulig fördert die Lust am Sex, auf Sex, auf Sex in Saxen, am Sex mit sich selbst, wahrscheinlich auch am Sex mit einem säxischen Mann und heraus kommen vermutlich auch mehr säxische Kinder. Aber das ist schon zu kompliziert für Anti-Dildo-Hartung und seine AfD.

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Lautlos? Habe ich schon lange🙂

 

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Women for Trump

Donald Trump was voted into office by angry, disgruntled white men. That’s the conventional wisdom now. No educated feminist can understand why a woman could even think of voting for Trump, this sexist, misogynist old man.

Vor der Wahl sagten alle Experten, Trump werde die Wahl wegen der Frauen verlieren, denn sie werden ihn nicht wählen. Erstaunlicherweise haben das aber viele Frauen getan. 42% der amerikanischen Wählerinnen haben für Trump gestimmt. Das waren vor allem weiße Frauen. Weiße Frauen haben sogar mehrheitlich für Trump gewählt. Nicht in den Küstenmetropolen, sondern überall anderswo. Sie haben Trump zum Präsidenten gemacht – sie waren die Wählergruppe, die sich am wenigsten an die Prognosen gehalten hat.

Donald Trump’s ascent to the presidency reveals a deeply troubling truth about white women in America: the comfort of abusive, white supremacist patriarchy seems to be far more comfortable for them than the uncertainty of fighting for equity alongside people of color.

Diese Analyse muss man nicht teilen. Ich glaube, viele weiße Frauen fühlen sich gar nicht so sehr vom Patriarchat unterdrückt. Sie haben einfach genauso wie die Männer genug von der Washingtoner Polit-Clique und halten Trump (noch) für einen Außenseiter, der den Sumpf aufräumen wird. Ich würde mich freuen, wenn ich ausnahmsweise eine feministische Analyse lesen würde, die nicht wie Ms Drayton Frauen für besonders dumm hält, weil sie noch mehr als Männer gegen ihre Interessen wählen. Man könnte doch auch analysieren, dass Frauen und Männer in ihren Einstellungen gegenüber dem Washingtoner Establishment ganz ähnlich sind und es gar nicht so wichtig finden, ob der Kandidat Trump noch unsympathischer als die Kandidatin Clinton ist oder umgekehrt.

Warum sollen Frauen soziale Abstiegsängste, stagnierende oder zurückgehende Reallöhne weniger wichtig finden als Männer und deshalb eine Wall Street Ikone wählen? Weiße Frauen sind auch nicht progressiver als Männer, jedenfalls nicht in America. Sie haben schon in den letzten Wahlen mehrheitlich für Romney, McCain und Bush gestimmt. Liza Featherstone hat recht, wenn sie feststellt, dass sehr viele weiße Frauen sich nicht von dem Feminismus von reichen Prominenten angesprochen fühlen. Trump mag noch reicher sein, aber er spricht ihre Sprache.

Trump wird sie enttäuschen, ich bin sicher. Aber das ist keine Schadenfreude. Rural America, es ist ein fernes, fremdes Land, wenn du in NY, LA, Seattle lebst. Du kennst seine Probleme nicht. Ich kenne sie auch nicht, honestly. Aber ich bin schockiert wenn ich lese in der Washington Post

The statistics show decaying health for all white women since 2000. The trend was most dramatic for women in the more rural areas. There, for every 100,000 women in their late 40s, 228 died at the turn of this century. Today, 296 are dying. And in rural areas, the uptick in mortality was noticeable even earlier, as far back as 1990. Since then, death rates for rural white women in midlife have risen by nearly 50 percent.

50 Prozent gestiegene Todesraten. Zu teure Ärzte, keine Krankenversicherung, Drogen, Alkohol, falsche Ernährung und so weiter. Bei Frauen schlimmer als bei Männern. Auch die Selbstmordrate steigt dramatisch.

Natürlich, du kannst immer sagen, sie sind selbst schuld. Aber es ist nicht so einfach. Das ist eine große soziale Krise, was in diesen Zahlen gespiegelt wird. Schau diese Grafiken: rot sind Gebiete mit steigender Todesrate für weiße Frauen, blau mit sinkender Todesrate. Coastal metropolitan America vs rural America.

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“There are millions of people underneath these graphs who are in pain.” Anne Case hat recht. Sie forscht schon lange über diese soziale Krise. Es hat noch nie jemanden interessiert. Auch heute nicht. It’s way more important than Trump’s pussy grab stories. Not for rich liberal feminists or the Democratic Party, though.

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No, I won’t kill myself

 

 

 

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Fremde Federn: Hast du es denn so nötig?

In Zeiten, in denen viele Menschen Angst haben vor der Zukunft, nimmt häufig auch die Prüderie, der Moral-Konservativismus zu. Das ist heute auch so. Aber die enorme Nachfrage nach Pornographie im Internet zeigt, dass diese Prüderie auch sehr verlogen ist. Wenn es niemand sieht, ist man nicht mehr prüde – aber man schämt sich dafür. So ist das immer.

Aber ein relativ neues Phänomen ist, dass prüde Menschen zu einer aggressiven Form der Prüderie übergehen und andere Menschen beschimpfen und attackieren, die erotisch, sexy, sinnlich sind und das nicht verstecken. Verklemmte Feministinnen machen das, Neo-Biedermeier-Typen, fanatische Religiöse sowieso. Frauen haben eine besondere Energie, andere Frauen fertigzumachen, die Dinge tun, die sie sich selbst nicht trauen. Das Ziel ist, die lebenslustige, erotische, schöne, erfolgreiche Lady zurück in die Reihe zu zwingen, und sie wieder grau und langweilig zu machen. Grau und langweilig wie diejenigen, die diese Attacken starten. Die Bloggerin Lina Mallon gehört zu denen, die solchen Attacken ausgesetzt sind, viele andere Ladies können auch davon berichten. Es gehört Mut dazu, in die Gegen-Offensive zu gehen.

Sie hat einen bemerkenswerten Text veröffentlicht, den ich hier empfehlen möchte.

Aktuell werde ich tagtäglich das belastende Gefühl nicht los, dass ich noch nie so viel für meine Entscheidungsfreiheit, für meine Person als Ganzes und vor allem für weitere, größere Horizonte, gerade bei Frauen in ihrer Sicht auf andere Frauen, kämpfen musste. Im Jahr 2016. Mit 27 Jahren.

Am Anfang ging es um mein Dekolleté, später direkt um meine Brüste, dann um meinen Hintern und schließlich diskutierten dritte, vierte und fünfte Frauen stundenlang und offenbar äußerst angegriffen darüber, ob es tatsächlich „nötig“ oder „überhaupt ok“ sei, dass ich oder andere Frauen mich überhaupt im Bikini oder, Gott bewahre, sogar sinnlich oder sexy auf Bildern zeigen würden und – und das ist das Schlimmste – was das über mich oder sie aussagen würde. Über unsere Persönlichkeiten. Über unsere Bildung, Cleverness, über unsere Glaubwürdigkeit oder unseren Wert.

Ausführlich präsentiert sie die Beschimpfungen, die andere Frauen über sie herablassen. Ich zitiere diesen Mist besser nicht.  Aber wenn du so etwas liest, wundert dich nicht mehr, wie es im Mittelalter zu Hexenverfolgungen kommen konnte. Genau so.

Ich poste die diskutierten Fotos, weil ich meinen Körper mag, weil ich es unheimlich schön finde, endlich mit ihm zufrieden zu sein und die Bilder, die eine ästhetische Stimmung eingefangen haben oder mir schlicht gefallen, auch gerne teile. Es ist übrigens nicht Kompliment an mich, das mir wirklich etwas bedeutet, sondern wenn mir, denn auch das ist passiert, eine andere Frau schreibt, dass sie sich dank mir oder meiner Ausstrahlung jetzt ebenso traut, zu sich selbst zu stehen oder sich sexy zu fühlen.

Das gibt es zum Glück auch. Ladies, die nicht anderen Vorschriften über ihren Lebenswandel machen wollen, sondern die sich von anderen inspirieren lassen, das zu tun, was sie glücklich macht, was ihnen Spaß macht.

Und ja, ich finde es absurd, sogar erschreckend, dass es 2016 ernsthaft  „Stärke“ braucht, damit eine Frau „sie selbst“ sein kann. Das lese ich nämlich immer wieder. Dass andere Frauen mich stark finden. Weil ich zu meiner Meinung stehe. Oder meinen Körper mag. Dass mir Mädels schreiben, dass sie ihre Kurven oder ihre Brüste verstecken, weil sie Angst haben, dass sie sonst als „billig“ gelten. Dass Frauen Mitte Zwanzig bis heute nicht wissen, ob sie sich selbst eigentlich sexy finden oder gar finden wollen, weil ihnen irgendwie „nicht wohl“ dabei ist, allein Unterwäsche mit Spitzenbesatz zu versuchen. Weil sie sich „lächerlich“ finden, wenn sie sich „für Männer zur Schau stellen“. Denn genau das wurde ihnen ja eingetrichtert. Dass junge Frauen sich gegenseitig bewerten, beurteilen und haten, sich slutshamen und beleidigen. Also: was ist gefährlicher? Ein Bild mit einem Brustansatz? Oder diese anmaßende, aburteilende und sehr eingeschränkte Perspektive auf andere Frauen, die ihr den Mädels da draußen vorlebt und mitgebt? In denen die ok und „richtig“ sind, die einem gewissen Maß entsprechen? Es halten? Und alle anderen? Was sind die? Was haben die es? Nötig? Ernsthaft?

So ist es. Traurig, dass du für so etwas im Jahr 2016 „Mut“ und „Stärke“ brauchst gegen die selbsternannten  Moral-Polizistinnen. Lesenswert – auch die Flut von Kommentaren.

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Forbidden picture🙂

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