Verbietet automatische Gesichtserkennung!

Es wird Zeit, bestimmte Aspekte des technischen Fortschritts zu verbieten, schlicht und einfach zu verbieten, weil sie sozial schädlich sind.

Im Mai berichtet Zerohedge, dass in UK ein Mann eine Geldstrafe bekam von 90 Pfund, weil er sein Gesicht verdeckt hat, damit ihn eine automatische Gesichtserkennungskamera nicht erkennen kann. Polizisten haben ihn ergriffen und gegen seinen Willen fotografiert und gleich mit einer Geldstrafe versehen. Nordkorea? Nein, London.

Vor wenigen Wochen, ein Report wurde veröffentlicht von der Georgetown University „America Under Watch – Face Surveillance in the United States“. Es ist ein Orwellianisches Szenario, was gerade beginnt. Die Polizei in großen Städten wird bald in der Lage sein, dich in jeder Menschenmenge zu erkennen und deine Bewegungen über ein Netz von Gesichtserkennungskameras zu verfolgen – selbst wenn du kein Smartphone dabei hast. Die Autoren dieses Berichts, Clare Garvie, and Laura M. Moy, verlangen “a complete moratorium on police use of face recognition”, damit es eine demokratische Diskussion darüber geben kann, ob wir so eine Totalüberwachung wollen oder nicht.

Die Polizei setzt die Gesichtserkennungstechnologie natürlich vor allem gegen sogenannte Randgruppen ein:

Amina du Jean has never shared her real identity online. Yet somehow, the Metropolitan Police who recently turned up on her doorstep knew her full name and university. They hadn’t come to arrest du Jean – as an independent sex worker, they’d have no grounds to – but rather to perform a “welfare check”. “They said they were concerned that I was a victim of trafficking”, she tells me.

What they were really saying was that they were watching her. Du Jean can’t be sure of how the police identified her, but she can guess. As a sex worker and former J-Pop idol, her face is all over the internet.

Natürlich ist die automatische Gesichtserkennung in den Händen von autoritären Regimes gefährlich. Aber auch jedes andere Regime, es kann noch so demokratisch sein, wird gefährliche Dinge tun, wenn sie es können.

Noch niemand hat darüber nachgedacht, was verrückte Privatpersonen mit so einer Technologie machen können. Noch niemand? Irrtum. Es hat bereits begonnen. Ein religiöser Wahnsinniger hat begonnen, mit dieser Technologie Sexarbeiterinnen zu tyrannisieren. Ein Anonymus namens „Omid“ attackiert auf Instagram Frauen, die er für Sexarbeiterinnen hält, und sorgt dafür, dass ihr Instagram-Accounts gelöscht oder gesperrt werden – oft genug ihre Einkommensquelle. Xbiz beschreibt hier genau, was dieser Typ macht. Noch benutzt er keine Gesichtserkennungs-Software.

Das macht inzwischen jemand anders. Du musst kein religiöser Wahnsinniger sein, es reicht, dass du ein Macho-Arschloch bist und deine Freundin erpressen willst. Yiqin Fu schreibt auf Twitter:

A Germany-based Chinese programmer said he and some friends have identified 100k porn actresses from around the world, cross-referencing faces in porn videos with social media profile pictures. The goal is to help others check whether their girlfriends ever acted in those films.

 The side project took them half a year. 100+ terabytes of video data from 1024, 91, sex8, PornHub, and xvideos were compared against profile pictures from Facebook, Instagram, TikTok, Weibo, and others.

Of the 1,000 or so comments, most express excitement about the service. The most up-voted comment asks if the OP plans on identifying the men in porn videos. „A true blessing for us credulous programmers. When can we use it?“ another read.”

Es wird Zeit, diese Technologie so weitgehend wie möglich zu verbieten. San Francisco und Oakland in Kalifornien sind dabei, auf ihrem Stadtgebiet Gesichtserkennungskameras im öffentlichen Raum zu verbieten. Excellent. Ein Forscher von Microsoft hat jetzt gefordert, Gesichtserkennungstechnologie wie Plutonium zu behandeln und sehr strikt zu regulieren. Er hat recht. Die Debatte hat begonnen. In America. Und Deutschland? Schläft.

Perhaps a Burqa ist he only way to protect yourself…

 

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Wieder Krieg?

America can drive you mad. Die Eskalation gegen den Iran lässt wieder Kriegsängste hochkommen. Sind die Amerikaner wahnsinnig? Ja. Jedenfalls die Regierung. Bitte fangen Sie jetzt nicht an, von den früheren Präsidenten zu träumen. George Bush zum Beispiel. Oder Clinton. Oder Reagan. Die haben viel mehr Kriege angefangen als Mr.Trump. Mr.Trump hat bisher überhaupt keinen Krieg angefangen. Stattdessen, er hat Kim Jong Un getroffen und zum Freund erklärt. Manchmal ich denke mir, rational handelnde Kriegstreiber im Weißen Haus sind gefährlicher als irrationale Populisten, die wenigstens wissen, dass Kriege unpopulär sind.

Ich glaube, gefährlich sind bestimmte Leute um Trump, das sind sehr rationale Leute. Natürlich vor allem John Bolton. Bolton, dieser alte hässliche Kriegstreiber, der schon den Irak-Krieg mit angezettelt hat, der Krieg gegen Venezuela will, und offen Krieg gegen Iran propagiert. Was wollen Sie von so einem hässlichen alten Widerling auch anderes erwarten? Würden Sie von so jemandem einen Gebrauchtwagen kaufen? Never.

Bolton hat verlangt, dass man bis zu 120,000 Truppen in die Region verlegt, um den Iran anzugreifen. Das sind so viele Soldaten, wie vor der Irak-Invasion in Kuwait stationiert wurden. Das Signal an Teheran ist klar: wir bereiten einen großen Krieg vor, nicht nur einige Luftschläge. Die angeblichen Attacken auf Saudi-Schiffe passen ins Bild: Bolton will die Iraner provozieren, und dann hat er einen Vorwand. Und bisher, viele glauben, die Iraner gehen ihm in die Falle.

Ich glaube das nicht. Es könnte eher anders herum sein, und Bolton unterschätzt die strategische Gerissenheit der Iraner. Am Ende, er könnte in der Falle Teherans stecken. Teheran hat genau studiert, wie Trump mit Kim umgegangen ist. Am Anfang, Trump macht eine maximum pressure strategy, eskaliert schnell und brutal, und für Teheran sind die Wirtschafts-Sanktionen tatsächlich sehr hart. Aber die Kosten für Trump sind bisher null. Die Spannungen mit den Europäern sind ihm völlig egal, das denken nur die naiven Europäer, dass das ein Schaden ist.

Aber Trump kalkuliert, dass Iran Angst bekommt und dann nachgibt, das Atomprogramm aufgibt, und er als Sieger dasteht, ohne Kosten. Aber wenn Teheran nicht nachgibt, dann irgendwann kommt der Punkt, an dem auch Kosten für Trump entstehen. Wenn er nämlich mit Militäraktionen anfängt. Und das auch noch mit einem beginnenden Wahlkampf. Es wäre furchtbar für Iran, für die Region – aber ein Geschenk für Bernie Sanders und alle anderen demokratischen Kandidaten.

Bei Kim, Trump hat irgendwann gemerkt, es funktioniert nicht so, und er hat eine andere Lösung gewählt. Sie war gut für Nordkorea – aber auch gut für Trump. Er hat eigentlich gar nichts erreicht, aber das ist egal. Nur die Show zählt. Er hat politisch nicht verloren, sogar Punkte gemacht.  Bolton & Co waren damit nicht einverstanden, aber sie mussten den Mund halten.

Ich glaube, es ist nicht unwahrscheinlich, dass es bei Iran ähnlich läuft. Bolton weiß, dass Iran nur durch politische Eskalation nicht kapitulieren wird. Bolton will den Krieg, weil er Teheran besiegen will, er will kein Arrangement mit Iran. Er weiß, dass Trump den Krieg nicht wirklich wollen kann, und er weiß, dass er den Krieg nur bekommen wird, wenn er Trump austrickst. Dazu muss aber Teheran mitspielen – dazu es muss zu einer Situation kommen, in der Trump wie ein Verlierer dasteht, wenn er nicht die nächste Stufe der Eskalation geht, nämlich militärische Aktion.

In other words: Bolton’s Strategie wird nur funktionieren, wenn Teheran Fehler macht. Aber Teheran hat offenbar verstanden, wie die Lage in Washington ist. Außenminister Mohammad Javad Zarif, der Architekt des Atomabkommens, gab Reuters ein großes Interview, in dem er sagte: “I don’t think he wants war,” Zarif said in an interview at the Iranian mission to the United Nations in New York. “But that doesn’t exclude him being basically lured into one.”

https://www.reuters.tv/v/PwDC/2019/04/26/iran-warns-u-s-of-consequences-over-oil-sanctions

Natürlich, es ist ein riskantes Spiel für beide Seiten. Wenn es Bolton und der hinter ihm stehenden Israel- und Saudi-Lobby gelingt, Trump in einen Krieg zu locken, Iran wird teuer bezahlen. Aber die USA auch. Iran bereitet sich auf eine US-Invasion seit 40 Jahren vor. Iran hat Saddam Hussein in den 1980er Jahren besiegt. Iran ist ein sehr, sehr harter Gegner. Die Kosten wären auch für die USA brutal, und für Trump höchstpersönlich.

Aber wenn es Bolton und Netanyahu und den Saudis nicht gelingt, den Krieg zu provozieren, dann ist Bolton erledigt. Niemand wird ihn mehr ernstnehmen. Ich bin sicher, Iran wird Trump einen Ausweg ermöglichen der ihn aussehen lässt wie einen Sieger. Es könnte sogar zu einem Treffen von Trump mit dem iranischen Präsidenten kommen, Szenario Kim Jong Un. Trump ist unberechenbar. Auch für Bolton. Trump is mad, sure. Aber unter einem rationalen Präsidenten wie George W. Bush, wir hätten schon längst den Krieg mit Iran.

Crazy world.

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Happy Birthday

Wieder ein Jahr älter. So what. Ich fühle mich nicht alt oder älter, aber ich fühle mich immer mehr, well, altmodisch. Ja. Unglaublich. Statistisch ich habe nur etwa die Hälfte meines Lebens hinter mir. Aber es ist soweit, ich kann mit den jungen Menschen von heute immer weniger anfangen.

Damit ich meine nicht die demonstrierenden Schüler von Fridays for Future. Chapeau, ich bewundere euch. You have a sense of urgency that I don’t have – but I should have it. No doubt.

Aber, nein, das meine ich nicht.

Es ist mehr so, dass ich glaube, ich bin kulturell eine aussterbende Art.

All my life I wanted to be beautiful, elegant, sophisticated. I did everything to excel in this art. All my life I adored men that are beautiful, elegant, sophisticated. Männer, die dominant sind aber submissive Frauen langweilig finden sondern magisch angezogen sind von dominanten Frauen. Equals among equals. The eternal competition between the sexes. Männer, die kreativ sind um zu zeigen, sie sind etwas Besonderes. Männer, die dir geschmackvoll und charmant imponieren wollen. Männer, die nur auf Frauen abfahren, die dominant sind, die das Spiel mitspielen, wer gewinnt. Männer, die die Frau nicht beherrschen sondern bewundern wollen – aber das nur tun, wenn die Frau zeigt, dass sie zu denjenigen gehört, die man bewundern muss.

Es gibt solche Männer nicht mehr. Höchstens, sie sind über 50. Es gibt auch solche Frauen nicht mehr, außer wenn sie langsam aber sicher 50 werden, wie ich.

Heute, die Männer haben panische Angst vor MeToo, und sie sind entweder lammfromm und langweilig, sprechen Gendersprache (how terrible) – oder sie sind chauvinistische Arschlöcher. Es gibt keine kultivierten Cavalieres mehr, die dich verführen wollen, und von denen du dich gerne verführen lässt – oder den du selbst verführst. Du willst keinen Softi im Bett, dem du befehlen musst, fuck me now, weil er es von alleine nicht tut, und du willst keinen Macho, dem du völlig egal bist.

Aber es gibt auch keine Frauen mehr, die elegant sein wollen, die einen kultivierten Mann verführen wollen, die mit ihm das ewige Spiel von Verführung und Hingabe spielen. Sie sind langweilige Graue-Maus-Feministinnen, Sex ist verdächtigt, Erotik ist verpönt. Sie schauen dich schon schief an wenn du kommst in High Heels, mit roten Fingernägeln, Lippenstift und viel Schmuck. Sie tragen langweilige, graue, hässliche Schlabberkleider. Je „gebildeter“, je akademischer, desto schlimmer. Der Puritanismus setzt sich durch. Sie haben keine Ahnung von Erotik, von Schönheit, von Eleganz, von Verführung. Sie wollen vor dem Sex erst einmal Formulare ausfüllen, dass alles „Ja heißt Ja“ ist.

Was ist nur passiert? I have no idea.

Aus Mangel an interessanten Männern, ich bin immer mehr bisexuell geworden. Die letzten Männer, mit denen ich war im Bett, sie waren älter als ich, teilweise viel älter. Ältere Männer waren nie mein faible, aber die jungen sind so langweilig. Auch die attraktiven Frauen sind nie unter 40. Die jüngeren, sie finden Erotik suspekt.

Times will change. Es wird wieder eine Zeitenwende geben, eine sexuelle Revolution, wo die Menschen wieder die Schönheit und die Erotik entdecken. Maybe in 20 years. Dann ich werde in Rente sein. Nevermind. The times, they are a changing. All the time, for good or for bad.

Seduce me, or I will seduce you.

 

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White supremacist feminists

Maybe I should cut myself off all these New York mailings. Allerdings, so etwas findest du woanders auch. Berlin zum Beispiel. Crazy feminists gibt es überall im Westen.

Sandra Kim, editor of „Everyday Feminism“ aus NYC, schickt mir diese mail:

„I just wanted to give you a friendly reminder that registration for Healing from Internalized Whiteness training is closing this Saturday, May 4th.
If you want to get healing and co-creation practices to help you answer questions like this:
How can I make sure I don’t accidentally say something racist – when I don’t know what’s racist and what’s not?
How can I know what to do without burdening a person of color to educate me – but still somehow follow their leadership?
What do I do when I realize I’ve been unconsciously stereotyping and judging people of color?
What do I do with my fear around talking to other white people about racism when they get so angry with me?
What do I do with my fear that I’ll never get it right and that I’ll always just mess it up as a white person?
Then join me on May 16 – 18th in Brooklyn, NY.”

Can you survive such a seminar??

I could not.

Meine beste Freundin ever war eine muslimische Palästinenserin. Hanan glaubte an ihre Religion, sie trug Hijab, betete mehrfach täglich. Ihre beste Freundin war eine ungläubige Amerikanerin, für die Gott nur eine Fiktion ist, die im Zweifelsfall eher zuwenig als zuviele Klamotten und viel Schmuck trägt. So what. Hanan akzeptierte und liebte Isabel so wie sie ist, Isabel akzeptierte und liebte Hanan so wie sie war. Leider, Hanan ist schon im Paradies, Isabel nicht.

Never ever Isabel fragte sich „How can I make sure I don’t accidentally say something racist”. Oder “What do I do with my fear that I’ll never get it right and that I’ll always just mess it up as a white person?” Und Hanan, auch sie hatte nie solche Fragen. Wir waren einfach – normal. We never cared about religion or color and so on.

Weiße Frauen, die solche Fragen stellen, können niemals mit anderen Frauen normal umgehen. Sie bauen Barrieren, die sie nie überwinden können – aber sie müssten diese Barrieren gar nicht bauen. Sie wirken wie Adlige, wie Aristokratinnen, die sich die Frage stellen: was mache ich, wenn ich eine Proletarierin treffe?

Es sind genau diese weißen Mittelschichts- und Oberschichts-Frauen, die nur Frauen akzeptieren können, die so sind (oder mindestens so werden wollen) wie sie. Der Litmus-Test ist: wie gehen sie mit muslimischen Frauen mit Kopftuch um, und wie mit Sexarbeiterinnen. Beide haben auf den ersten Blick nichts gemeinsam, auf den zweiten Blick sehr viel: weiße Feministinnen glauben, sie müssten beide „retten“, vor muslimischen Patriarchen oder vor „Frauenhändlern“. Aber niemals sie fragen sich, ob sie überhaupt gerettet werden wollen. Darüber habe ich schon viel geschrieben.

Es sind genau diese selbst ernannten Feministinnen, die ohne zögern andere Frauen angreifen oder in große Probleme bringen, wenn sie nicht gerettet werden wollen. A tweet by Elizabeth Nolan Brown made me really angry: Rich white surburban women target Asian immigrants, try to get them locked up & deported–and the Boston Globe runs a glowing profile of the rich white ladies of course.

Eine Gruppe solcher “Feministinnen” will asiatische Migrantinnen aus den Klauen des Sex-Business „retten“ – und sie deportieren lassen. Echt super, thank you very much, white vigilantes. Die Deutschen sagen zu so etwas „Blockwarte“.

Und natürlich, alle sensitivities über people of color sind sofort irrelevant, wenn die people andere Meinungen vertreten. Wenn die südafrikanische Ärztin Dr. Tlaleng Mofokeng in der Teen Vogue die Meinung vertritt: legalisiert Sexarbeit überall auf der Welt, auch in USA. Ein „feministischer“ Shitstorm bricht über sie herein, in Boulevard-Blättern wie New York Post.  Sie ertragen es nicht, wenn people of color offensiv andere Meinungen vertreten.

Teen Vogue routinely publishes opinion pieces by outside contributors to provide our audience with a variety of viewpoints on the full spectrum of issues that young people face. While these topics are at times controversial, we welcome the important dialogues that they generate,” a Teen Vogue spokesperson told The Post in a statement.

Richtig. I am sick and tired of white supremacist feminists who pretend to listen to people of color. Viele Menschen können unterschiedliche Meinungen, die ganze Vielfalt der menschlichen Existenz gut aushalten, sie sogar wunderbar finden. Westliche Feministinnen wohl kaum. Aber ich ertrage keine Gedankenpolizei. Hanan, my dear beloved Hanan, as-salaam alaykum, sie war genauso wie ich, und doch sie war ganz anders. Das war das Wunderbare.

I will always love you

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Khadija

Khadija bint Khuwaylid ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau in einer arabischen Stadt. Ihren Wohlstand hat sie selbst erarbeitet, sie hat nichts geerbt oder von anderen geschenkt bekommen. Schon seit ihrer Jugend hatte sie einen ausgeprägten Sinn für Geschäfte. Früher als andere erkannte sie, was angesagt ist, welche Trends entstehen, und sie war es, die durch ein ausgeklügeltes und weitreichendes Netzwerk die Waren in ausreichender Zahl beschaffen konnte, die bald alle haben wollten, die es sich leisten konnten. Ihr Import-Export-Business verkauft aber auch in die andere Richtung, zahlreiche Kleinbetriebe und Heimarbeiter profitieren von ihren weitreichenden Geschäftsbeziehungen durch erheblich vergrößerte Absatzmärkte. Khadija hat hart gearbeitet für ihren wirtschaftlichen Erfolg, sie ist die reichste und angesehenste aller Kaufleute ihrer Stadt. Ihr Wort hat Gewicht. Und sie hat einen Ruf, immer fair zu handeln und niemanden über den Tisch zu ziehen. Ihre Geschäftsbeziehungen sind auf Langfristigkeit angelegt, nie auf kurzfristigen Vorteil.

Im Alter von 40 Jahren, sie hat wirtschaftlich ausgesorgt, und sie stellt sich allmählich die Frage, was gibt es noch anderes im Leben als Arbeit, Geld und Geschäfte. Der Sinn des Lebens und ähnliche Fragen beschäftigen sie. Da trifft sie einen jungen Idealisten, einen Weltverbesserer, der auf den Straßen ihrer Stadt Leute anspricht um mit ihnen über den Sinn des Lebens zu sprechen. Es ist ein interessantes, aber kurzes Gespräch, sie lädt ihn ein zu einer ausführlicheren Diskussion. Bald darauf, die erfolgreiche Geschäftsfrau heiratet den 15 Jahre jüngeren Idealisten, der wirtschaftlich noch gar nicht auf eigenen Beinen steht. Für ihn, die weitverbreitete Polygamie kommt nicht in Frage, er bleibt Khadija bis zu ihrem Tod treu.

Khadija bint Khuwaylid lebte vor 1400 Jahren in Mekka, heute Saudi-Arabien. Ihr Mann hieß Mohammed, man nannte ihn später einen Propheten, den Begründer des Islam. Khadija war der erste Mensch, den er überzeugte von seiner neuen Religion, dem Islam: Die erste Muslima. Friede sei mit ihnen, as-salam alaykum.

I wish Muslims all over the world would know more about the early history of their faith. In particular, I wish Muslim women would draw inspiration from Khadija to lead their own lives, free and independent, and reject patriarchal rules that make them second-class people. And I wish Muslim men would draw inspiration from the Prophet Mohammed to treat women with respect and solidarity, as wonderful human beings equal to them, and confront their fellow males who don’t.

The world would be a so much better place.

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Intoleranz

Neugierige Menschen sind sympathische Menschen. Neugierige Menschen wissen nicht schon alles, deshalb sie sind neugierig. Neugierige Menschen wollen gerne Neues kennenlernen, sie lassen sich auf etwas ein, das sie nicht kennen. Deshalb, sie sind neugierig. Ich bin ein neugieriger Mensch. Vor allem ich bin neugierig auf Menschen, die nicht so sind wie ich, auf andere Kulturen. Damit wird das Leben interessanter. Ich will nicht sagen, ich habe keine Vorurteile, no way. Alle Menschen haben Vorurteile. Aber ich bin immer neugierig, ob meine Vorurteile stimmen. Deshalb, ich rede gerne mit Männern, mit Konservativen, Religiösen, Muslimen, und so weiter.

Aber ich glaube, Leute wie ich werden immer weniger. Deshalb, es wird auch für mich vielleicht schwerer, so zu bleiben. Warum werden viele Gesellschaften intoleranter, engstirniger, abweisender? Obwohl wir doch in der Zeit der „Globalisierung“ alle so viel offener sein sollten.

Ich weiß es nicht. Vieles hat bestimmt mit Unsicherheit zu tun. Vielfalt verunsichert, es ist einfacher wenn alle gleich sind.

Eine Ausstellung hat jetzt wieder alle diese schreckliche Intoleranz deutlich gemacht, an der diese (ich zögere, „unsere“ zu sagen…) Gesellschaft immer mehr leidet.

In San Francisco haben der Museumsmacher Max Hollein und die Kuratorin Jill D’Alessandro eine Mode-Ausstellung gemacht, „Contemporary Muslim Fashions“. Die erste umfassende Museumsausstellung, die sich dem Phänomen zeitgenössischer muslimischer Mode widmet. Im M. H. de Young Memorial Museum in San Francisco, es war im letzten Jahr eine interessante Ausstellung, sie kam und sie ging, wie viele andere, und es gab Sympathie und Solidaritätsbekundungen mit einer Bevölkerungsgruppe, die durch Donald Trumps Muslim Ban diskriminiert wurde. Hollein kommt aus Frankfurt, und so er dachte, wir zeigen sie auch woanders, zum Beispiel in Frankfurt. Das Museum für Angewandte Kunst zeigt bis zum 1. September diese Ausstellung.

Aber in Frankfurt, es war anders als in SF. Das Wort „Muslim“ reicht schon, und hier, es gibt keine Solidarität, sondern Ablehnung. Sofort waren einige aggressive Zeitgenossen aufgewacht. Wäre es „Contemporary African Fashion“ gewesen, oder „Contemporary Indian Fashion“, es hätte wohl niemanden interessiert. Aber “Muslim”, das geht nicht. Denn Muslime sind schreckliche Menschen. Und so begann die deutsche Aufregung. Hassmails von Rechtsradikalen kamen an das Museum. Drohungen. Wer die Ausstellung besuchen will, muss erst einmal wie in einem Flughafen durch Sicherheitskontrollen. So weit sind wir schon. Für eine Modeausstellung.

Aber es sind nicht nur die Rechtsradikalen. Auch die konservativen Feministinnen agitieren gegen diese Ausstellung. Leute wie die verrückte Alte, deren Namen ich nicht nennen möchte. Oder wie eine Organisation namens „terre des femmes“, für die eine Muslima nur eine Frau ist, wenn sie nicht Muslima ist. Die Ausstellung sei ein Skandal, ein „Schlag ins Gesicht von Mädchen und Frauen“. Manuel Almeida Vergara, ein mutiger Mann und Redakteur der Frankfurter Rundschau, hat die Auseinandersetzung mit diesen geifernden Kreuzritterinnen gesucht und sie hier dokumentiert. Respekt, Herr Almeida, das wagen die wenigsten Männer. Und natürlich einige oppositionelle Muslimas wie Seyran Ates, liberale Imamin aus Berlin – für sie spielen solche Ausstellungen Erdogan in die Hände. So einfach kann die Welt sein.

Ich werde mir diese Ausstellung anschauen. Ich bin gespannt auf die 80 „Ensembles“ – wie das Museum sie nennt – von Designerinnen und Designern aus aller Welt für muslimische Frauen: Kopftücher, züchtige Kleider, Ganzkörper-Schwimmanzüge, Luxusartikel. Alles weitere hier.

Der Markt für „islamische“ oder auch „modest fashion“, also nicht körperbetonte Mode, boomt. 44 Milliarden Umsatz weltweit. Ich kenne auch Nicht-Muslimas, die keine körperbetonte Mode wollen und sich von dieser Mode teilweise angesprochen fühlen. Gerade in bestimmten Teilen von Berlin trifft man solche Frauen, die lieber 5 Zentimeter zuviel als 1 Zentimeter zuwenig verhüllen und noch nie im Leben mit einem Lippenstift oder Stöckelschuh oder Nagellack in Berührung kamen. Alles okay. Aber bitte nicht nur für Nicht-Muslimas.

Ich habe in einem muslimischen Land gelebt und tiefe Freundschaften mit Muslimas geschlossen, auch sozial konservativen. Sie waren viel weltoffener als diese Deutschen, die eine solche Ausstellung nicht ertragen können. Sie haben mit einer nicht religiösen Amerikanerin Freundschaft geschlossen, die in so vielen Punkten ganz anders ist als sie. Es war gelebte Toleranz und, ich zögere es zu sagen, Multikulturalismus. Können sich die Deutschen vorstellen, dass ihre Regierungschefin nach einem Terroranschlag so mitfühlend wie Neuseelands Jacinta Ardern auf die muslimische Community des Landes nach dem furchtbaren Terroranschlag von Christchurch zugeht und sich dafür auch mal ein Tuch über den Kopf wirft? Für die Germanen ist so etwas sofort eine Prinzipien- und Grundsatzfrage, mit der sie 20 Talkshows füllen würden. Schrecklich.

Ich freue mich auf diese Ausstellung, auch wenn ich wahrscheinlich kein einziges dieser Kleidungsstücke selber anziehen würde. Modenschauen mit Teilen, die ich selbst gerne hätte, habe ich schon viele gesehen. Nur so etwas ist langweilig. Seien wir offen für Neues, für Anderes, für andere Kulturen. Wer selbstsicher ist, findet darin Bereicherung. Wer unsicher und ängstlich ist, denen macht so etwas Angst. Und natürlich, ich gehe in diese Ausstellung so wie ich am liebsten aussehe: sexy, alles andere als modest, high heels. No doubt about it. Das ist kulturelle Vielfalt. So muss es sein.

I think this a very modest outfit, right?

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Koreas Machos

Somehow this text didn’t show up in the wordpress newsfeed, so I try again…

sunflower22a

Korea ist für viele weit weg, exotisch, keine populäre Touristen Destination. Aber Korea ist sehr präsent in der Wirtschaft, Samsung, Hyundai, LG und so weiter. Korea hat auch eine in Asien sehr populäre Kulturindustrie. Vor 10 Jahren, diese Industrie wurde erschüttert von einem Skandal, gegen den America’s MeToo und das Hollywood-System sexuelle Belästigung geradezu harmlos ist. Aber natürlich, es ist Hollwood, und in Korea es gibt nur unbekannte Schlitzaugen mit unaussprechlichen Namen, so nobody cared in the West.

Jang Ja-yeon war eine sehr populäre Schauspielerin in Korea’s soap operas. Nach ihrem Selbstmord 2009, Korea war erschüttert über ihren 7-Seiten-Abschiedsbrief, in dem sie schonungslos beschrieb, wie die Realitäten dieser „Korean Wave“ Kulturindustrie sind. Sie beschrieb die sklavenartigen Verträge, die brutale Konkurrenz, und wie ihr Agent sie zwang, mit 31 einflussreichen Männern Sex zu haben, darunter Politiker, Wirtschaftsfunktionäre und andere „Prominente“. Verurteilt wurde kein einziger.

Neue Skandale in Koreas zutiefst machistischer Kulturindustrie…

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