Das Dorf ohne Männer

Umoja, ein Dorf in Kenya, gegründet 1990 von 15 Frauen, die von britischen Soldaten vergewaltigt worden waren. Sie wollten keine Männer mehr in ihrem neuen Dorf haben, sondern frei von Unterdrückung leben. So berichtet es Women’s Rights News. Meine volle Sympathie – wer würde das nicht als erstes empfinden.

Ich habe den Bericht gelesen, und dann einige Tage später das fantastische Essay Clothes and daggers von Rafia Zakaria, darüber habe ich kürzlich hier geschrieben.

Colonial feminism. Auch der Text über Umoja ist voll davon.

Umoja’s population has now expanded to include any women escaping child marriage, FGM (female genital mutilation), domestic violence and rape – all of which are cultural norms among the Samburu.

Die Samburu, offenbar ein Volk blutrünstiger männlicher Schlägertypen, die nichts anderes tun als Frauen unterdrücken. Was kannst du anderes sagen über ein Volk sagen mit solchen cultural norms.

Moment.  Gerade eben hatten wir noch gelesen: The village was founded in 1990 by a group of 15 women who were survivors of rape by local British soldiers.

British soldiers. Aufgeklärte, zivilisierte Europäer also. Rape, the cultural norm among the British people – wenn sie gleich 15 Frauen vergewaltigen, kannst du zu keinem anderen Urteil kommen.

Irrtum. Natürlich kannst du zu einem anderen Urteil kommen. Es sind ja Weiße.

Nach „Clothes and dagger“ lese ich solche Texte anders. Ein ungutes Gefühl hatte ich schon beim ersten Lesen. Jetzt finde ich, der Text trieft vor colonial feminism.

Nichts gegen die tapferen Ladies von Umoja. Sie haben weiterhin meine volle Sympathie, aber nicht diejenigen Weißen, die darüber solche Texte schreiben. Die tapferen Ladies von Umoja tun das was sie tun, weil es ihre eigene Idee ist und nicht die westlicher Geldgeber. Sie kämpfen für die Rechte der Frauen in einer patriarchalen Gesellschaft, und das wird diese Gesellschaft ändern. Ein vergrößertes Frauenhaus in Gestalt eines ganzen Dorfes, das die Ladies der Umgebung über ihre Rechte aufklärt, ist dafür ein toller Ansporn. Aber ich bin sicher, sie tun es innerhalb ihrer Kultur – ohne Minderwertigkeitskomplexe gegenüber tollen weißen Feministinnen.

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Don’t look at Africans this way

 

Über sunflower22a

I am a mystery.
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5 Antworten zu Das Dorf ohne Männer

  1. kalypso schreibt:

    wenn du mal ganz tief in die geschichte von mann und frau eintauchen willst, dann empfehle ich dir „kelch und schwert“ von riane eisler.

    ist zwar ein relativer schinken, dafür hervorragend erklärt. lohnt sich!

  2. Holger schreibt:

    Arschlöcher gibt es in jedem Volk. Vergewaltigt wurde und wird auch in Europa.Da muss niemand mit dem Finger auf andere Völker oder Kontinente zeigen.

    Als ih diesen Artikel gelesen hatte, habe ich mich aber auch an ein Dokument erinnert, in dem es darum ging, den Kampf für Frauenrechte vor den Karren von Interventionspolitik seitens der USA/EU zu spannen, sprich: wie bringt man Frauen im Westen dazu, Kriege gutzuheisen. Dazu kann man den ‚colonial feminism‘ hervorragend nutzen. Ich habe nochmal bei wikileaks gestöbert und diesen Link gefunden:

    Dort kann man dieses Strategiepapier der CIA als PDF herunterladen. Interessante Lektüre.

  3. Gerhard Mersmann schreibt:

    Uwe Wesel: Der Mythos vom Matriarchat, genial!

  4. cs schreibt:

    „Laut Amnestie International sind seit 1965 rund 650 Vergewaltigungen von Samburu-Frauen durch britische Soldaten angezeigt worden. In keinem einzigen Fall hat es bisher eine Verurteilung gegeben.“

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