Männer auf dem Catwalk

Ein Glück, dass ich mit Fashion Weeks nichts mehr zu tun habe. Das ist auch so eine Branche, bei der dir das Gruseln kommt je tiefer du reinschaust. Aber im Gegensatz zur Tierhaltung, von der sowieso niemand mehr etwas anderes annimmt, haftet der Modebranche immer noch irgendwie der Ruf des Glamourösen an. Wie viele Mädchen halten Model für den Traumberuf, wie viele nehmen unglaubliche Opfer dafür in Kauf? Absurd. Ich wollte das auch mal, ich gebe es zu.

Gut, auch hier gibt es Gegenbewegungen. Dennoch: dominiert wird die Branche doch immer noch von aufgeplusterten meist männlichen Egozentrikern mit oder ohne Sonnenbrille und weißen Zöpfen. Wenn sie wenigstens noch elegante, schöne, attraktive, erotische Kleider schneidern lassen würden, könnte man über vieles hinwegsehen. Aber was da so über den Laufsteg getragen wird, ist schon lange überwiegend weder kreativ noch irgendwie ästhetisch ansprechend. Im Gegenteil, manchmal hast du förmlich das Gefühl, der „große Meister“ macht sich einen Spaß daraus, die Models und damit indirekt alle Frauen lächerlich zu machen.

Inzwischen sucht diese Zunft zunehmend auch Männer heim. Was jetzt in der Paris Fashion Week präsentiert wurde, spottet jeder Beschreibung. Da gibt es die Kollektion von Thom Browne, der seine Models in Waldschrate, Kaninchen und Hirsche verwandelt. Damit würde ich nicht in den Wald gehen – nachher denkt der Jäger noch, welch ein großer Braten.

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Selbst Elefantenkostüme hat er über den Catwalk spazieren lassen – etwas Absurderes habe ich auf dem Catwalk noch nie gesehen.

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Yohji Yamamoto präsentiert zwar nicht derart abgedrehte Kreationen, aber so richtig für öffentliche Auftritte eignen sie sich auch nicht, wenn sich der Mann nicht lächerlich machen will. Das Kreuzberger Autonomen-Milieu etwas aufgehübscht, der Versuch  den abgerissenen Szene-Look mit Schönheit zu kombinieren, oder die Idee Harry Potter-Gestalten alltagstauglich zu machen – sieht echt strange aus, aber wenigstens nicht so abgedreht wie Browne.

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Yamamoto wird offenbar immer exzentrischer, auch seine Farbenschachtel-Kollektion für Herbst/Winter 2014 würde kein normaler Mann je tragen.

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Seine früheren Shows waren auch schon etwas merkwürdig, aber immer noch mehr der konventionellen Linie verpflichtet. Vielleicht sollte ihm mal jemand den Unterschied zwischen Fashion Week und Karneval erklären, wenn es den überhaupt gibt.

Schönheit und Eleganz findest du selten auf dem Catwalk. Die musst du dir selber zusammenstellen, ausdenken, suchen, in kleinen Boutiquen kreativer Inhaberinnen etwas Seltenes und Individuelles finden. Letztlich sind Klamotten, Schmuck und Makeup sowieso höchstens die Hälfte dessen, was Schönheit und Eleganz ausmacht. Das Wichtigste bist du selbst und deine Ausstrahlung. Während Frauen in Sachen Schönheit und Eleganz oft erst dann optimal in Erscheinung treten, wenn sich der konventionellen Alltags- oder Business-Uniform entfliehen und etwas Extravaganteres anziehen, ist es bei Männern komischerweise genau andersrum.

Am schönsten finde ich Männer meistens in schönen Designer-Anzügen, eigentlich merkwürdig. Immer dasselbe Raster, Anzug Hemd Krawatte, schöne Schuhe dazu, gut frisiert, that’s it. Der Rest ist die Ausstrahlung. All die lobenswerten Versuche, aus diesem Raster auszubrechen, mehr Vielfalt zuzulassen, überzeugen irgendwie nicht. Vor 250 Jahren war das noch anders. Ist das die Ursache dafür, dass für Männer so strenge fast uniformartige Dresscodes gelten? Hier könnte das fashion business mal seine Kreativität beweisen, bei den Ladies können sie das doch auch. So einigermaßen jedenfalls. Aber was Browne, Yamamoto & Co machen, ist einfach….lächerlich. Weitestgehend jedenfalls.

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3 Antworten zu Männer auf dem Catwalk

  1. kalypso schreibt:

    auf anzug-typen stand ich noch nie!!!
    jeans, t-shirt oder hemd, lederjacke, sneakers oder boots. that’s it!
    schlicht – einfach – ergreifend – und intelligent – das gefällt mir!!🙂

  2. Pingback: Wie die Frauen den Männern die Mode wegnahmen | sunflower22a

  3. tgsflash schreibt:

    Du schreibst: „Vor 250 Jahren war das noch anders. Ist das die Ursache dafür, dass für Männer so strenge fast uniformartige Dresscodes gelten?“
    Ja vor 200 Jahren war das noch anders. Naja, ein Glück hast du jetzt das Buch von Barbara Vinken gelesen🙂 Der Mann ist erst seit dem 19Jhd. uniformiert. Davor ging es opulenter zu.
    PS: Wenn man schon einen Fashionblog betreibt, sollte man wissen was Showstopper sind, dass es immer ein Thema gibt und das Laufstegmode viel mit Kunst und Innovationen zutun hat. Das kann ma prima mit Automobilmessen vergleichen, wo futuristische Autos ausgestellt werden, aber nie in Serie kommen oder nur Teile davon.

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