Du bist was du isst….

Alle Jahre wieder, die Fressmesse Grüne Woche. Wenn ich könnte, würde ich einen riesengroßen Bogen um sie machen. Aber ich muss leider hin. Sie ist ein Anachronismus. Hier feiert sich eine Branche, die nach den Banken die meisten Skandale produziert, die meisten  Subventionen kassiert, mit die schlimmsten Werkvertrags-Ausbeutungsskandale in Deutschland macht, die zu den undurchsichtigsten und intransparentesten überhaupt gehört. Je mehr du versuchst herauszufinden, wem eigentlich welches Unternehmen gehört und wer mit wem verschachtelt ist, desto undurchsichtiger wird es. Fleischbarone waren schon immer halbmafiöse Typen.

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Schlimmer noch: der Branche und ihren Verbänden fehlt jedes Problembewusstsein.  Am schlimmsten ist die Tierhaltung und Fleischproduktion. Die Zustände sind unhaltbar. Kranke Tiere auf engstem Raum, vollgepumpt mit immer mehr und immer härteren Antibiotika, schnellstmöglich wachsende Qualzüchtungen reduziert auf den Status eines industriellen Inputs. Würdelos, sowas. Dumpinglöhne in den Schlachthöfen, mittlerweile verlagern sich immer größere Teile der Fleischproduktion aus Dänemark und Belgien nach Deutschland, weil man hier ungestört von Regierung, Gewerbeaufsicht und Gewerkschaften niedrigstmögliche Dumpinglöhne zahlen kann, ungestört mit dubiosen Werkvertragskonstruktionen die Bulgaren und Rumänen quasi umsonst arbeiten lassen kann. Schlachthöfe als Hochsicherheitstrakte, außen gesichert von bewaffneten Wachdiensten. Die Fleischindustrie betreibt Sozialtourismus, aber nicht so wie die CSU das behauptet. Das deutsche Schnitzel, noch billiger weil der Rumäne mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt wurde und 80% seines Werkvertragslohns für die verrottete Werkswohnung draufgeht. Interessiert doch niemanden, Geiz ist Geil. Perverserweise wird das auch noch als Sozialpolitik verkauft, weil so auch der deutsche Prolet billiges Fleisch bekommt, ohne dass man ihm einen anständigen Lohn zahlen muss – und der deutsche Prolet glaubt es auch noch.

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In den schlimmsten Massentierhaltungsgebieten Hollands müssen Krankenhauspatienten bei der Aufnahme inzwischen angeben, ob sie in der Tierhaltung arbeiten – wenn ja, werden normale Antibiotika gar nicht mehr verabreicht, sondern gleich die härtesten Hämmer, weil man festgestellt hat, bei diesen Leuten wirken die üblichen Antibiotika sowieso nicht mehr. Interessiert die Deutschen nicht, niemand pumpt seine Viecher so mit Antibiotika voll wie die Deutschen. Legal, illegal, scheißegal.

Und sowas soll ich fressen? Diesen Sondermüll? Danke, nein. Dieses Produktionssystem ekelt mich an. Wenn Whiskas oder Sheba teurer ist als das Schweinefleisch beim Discounter oder selbst im „normalen“ Supermarkt, dann stimmt etwas nicht. Wenn schon Gemüse teurer ist als Hühnchen-Formfleisch. Dann stimmt das ganze System nicht.

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Was habe ich da bloß in mich reingewürgt, mir wird schlecht

Problembewusstsein? Null. Der Bauernverbandspräsident stellt sich zur Eröffnung der giftgrünen Woche hin und  beschimpft die Kritiker und sagt, es gibt gar keine Massentierhaltung in Deutschland. Der hält uns wohl für so blöd wie einst Ulbricht – Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen.

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Ja, ich esse gerne gute Steaks, guten Schinken, guten Joghurt. Leider liefert so ein Produktionssystem das nicht. In dieser verrotteten Agrarindustrie gehört gründlich aufgeräumt. Sie gehört von den Verbrauchern boykottiert so gut es geht, und den geschmierten Politikern gehört solange auf die Finger geklopft, bis sie diese Branche komplett auf den Kopf stellen.

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Essen muss Spaß machen- ohne Risiken und Nebenwirkungen

Es hat längst angefangen. Unglaublich, aber wahr: das Industriefleisch wird immer noch billiger und trotzdem sinkt der Absatz in Deutschland. Immer mehr Leute haben es satt.  Die Produktion dagegen steigt weiter, also werfen sie immer mehr auf den Weltmarkt und überschwemmen ihn mit dem Dumping-Ekelfleisch aus Deutschland. Für diese Mistpolitik feiern sie sich gegenseitig auf ihrer giftgrünen Woche.

So habe ich mich gestern aufgerafft und bin demonstrieren gegangen. Lange ist es her dass ich sowas gemacht habe. Wir haben die Agrarindustrie statt, und weil das exakt für mich zutrifft, war ich dabei und zwei Freundinnen auch. Es hat Spaß gemacht, und mit Bauern zusammen zu demonstrieren, war auch mal was. Tolle Sache. Ich war Gutmensch. Muss auch mal sein. Mein Konsumverhalten ändere ich auch. Nein, keine Veggie-Day-Askese. Besser und anders essen ist die Devise. Lokale Strukturen unterstützen statt Agrarindustriekonzerne. Der Fleischer in der Stadt, ein aussterbende r Beruf, und den bäuerlichen Familienbetrieb. Ich bin dabei. Nicht konsequent, nicht immer, aber immer öfter. Nicht als Lifestyle-Chic um damit zu prahlen, nein – weil ich den Agrarindustriedreck und seine feisten Profiteure satt habe.

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Über sunflower22a

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5 Antworten zu Du bist was du isst….

  1. Hartmut schreibt:

    Du hast sooo recht !
    Und wenn ich ein Berliner wäre wäre ich auch auf der Demo gewesen.
    Und besser wirds nicht, denn die nächste Runde wird gerade eingeläutet mit dem Freihandelsabkommen.
    Dann gesellt sich zur Antibiotikakeule die Genbombe nebst Hormonhorror – schöne Aussichten.
    Auf meiner Insel der Glückseligen gibts noch jede Menge Alternativen ( handwerkliche Bäcker, Metzger und Brauer) .
    Deshalb : bleibe im Lande und wehre dich täglich !

  2. Janusz schreibt:

    So lange die Masse der Verbraucher immer noch zum billigsten (Fleisch-)Produkt greift, wird sich an dieser Perversität auch nichts ändern. Wer sich hier auf die Politik verlässt, der ist verlassen.
    Aber ich habe trotzdem den Eindruck, dass es auf der Verbraucherseite ein Umdenken gibt und immer mehr Menschen bewusster einkaufen und es eben nicht mehr jeden Tag ein Steak oder Schnitzel sein muss. Das kann dann irgendwann eine Industrie sowie auch keine Politik mehr ignorieren.
    Lasst uns dafür kämpfen, dass es sehr bald so sein wird! Auch durch eigenes Kaufverhalten.

  3. tikerscherk schreibt:

    Volle Zustimmung. Esse aus eben diesen (Ethik- und Ekelgründen) gar kein Fleisch.
    Ansonsten alles regional, und Milch nur Brodowin, Eier in der Ei care Variante= größtmögliche Rücksicht auf Kühe und Hühner.
    Ich hoffe, dass der Trend anhält, und immer mehr Menschen es satt haben.

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