Weiße Feministinnen und die Tücken der Globalisierung

„This is what a feminist looks like“. Ein T-Shirt mit dem sich britische Berühmtheiten und Politiker gerne ablichten lassen, Frauen und Männer. Beispielsweise der  Ex-Labor-Parteichef Milliband.

1414875822828_wps_12_Ed_Miliband_This_is_what_

Verkauft wird das nette Teil von der Fawcett Society, “the UK’s leading charity promoting gender equality and women’s rights at work, at home and in public life.” Stückpreis 45 Pfund, €63.50.

Alles wunderbar. Schön, wenn alle Feministinnen oder gar Feministen sein wollen.

Nun kam aber durch eine Reportage der Daily Mail heraus, dass die T-Shirts in Mauritius von Näherinnen unter den für die Textilbranche typischen, unerträglichen Bedingungen hergestellt werden.

Feminist T-shirts worn by politicians are made in ’sweatshop‘ conditions – Migrant women in Mauritius are making the £45 tops for 62p an hour – They say: ‚We don’t feel like feminists. We don’t feel equal. We feel trapped‘ – Machinists sleep 16 to a room and earn less than average wage on island….Whistles, whose customers include the Duchess of Cambridge, is selling the T-shirts in aid of women’s activism group The Fawcett Society – which receives all profits. The campaign is backed by fashion magazine Elle.

Natürlich war der Hersteller CMT zertifiziert…“a fully audited, socially and ethical compliant factory”.

CMT has Oekotex accreditation, [an independent certificate for the supply chain] which fully conforms to the highest standards in quality and environmental policy, while having world-class policies for sustainable development, social, ethical and environmental compliance.

Fawcett CEO Eva Neitzer ist natürlich betroffen, und sicherlich war sie von den Enthüllungen überrascht.

Jetzt bin ich gespannt, wieviel von den fetten Profiten  die Fawcett Society den Arbeiterinnen zurückzahlt. Vermutlich nichts.

“If any concrete and verifiable evidence of mistreatment of the garment producers emerges, we will require Whistles to withdraw the range with immediate effect and donate part of the profits to an ethical trading campaigning body.”, so Neitzer.

Mit anderen Worten: Das Geld bleibt in England. Eine andere Gutmenschen-Organisation soll es bekommen. Nicht diejenigen, denen es zusteht.

Outside we spoke to one 30-year-old worker. She told us:  ‘I have worked here for four years and I have not been able to see my son or husband in Bangladesh during all that time. We work very hard, sometimes 12 hour days, for not much money. I send all my money home and could not afford to fly back and see my family. ‘It is awful but we have no choice. In my country, the rupees I earn here are worth three times as much as they are in Mauritius.’ –

Weißen Feministinnen sind die Lebensbedingungen von Frauen in der „Dritten Welt“ meist herzlich egal, es sei denn sie werden von islamischen Fanatikern unterdrückt oder verdienen ihr Geld nicht mit solch profanen Dingen wie Nähen im Sweatshop, z.B. mit solch politisch unkorrekten Dingen wie Sexarbeit. Dann müssen sie gerettet werden. Aber wenn sie einfach nur mit den ganz normalen kapitalistischen Methoden unterdrückt und ausgebeutet werden, ist das okay. Hauptsache der marktliberalen britischen Feministin geht es gut.

A0007

Genauer hinsehen kann nie schaden.

 

Über sunflower22a

I am a mystery.
Dieser Beitrag wurde unter Ladies (and gentlemen), Musik Kunst Mode, sunflower's business views abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Weiße Feministinnen und die Tücken der Globalisierung

  1. Janusz schreibt:

    Da zeigt sich mal wieder die hässliche Fratze des Kapitalismus. Und wenn sie sich dann auch noch einen sozialen Anstrich geben kann, damit die Käufer beruhigt werden und erst recht (guten Gewissens) solch ein T-Shirt kaufen, umso besser. Denn wo es Geld zu verdienen gibt, da wird auch Geld verdient. Da wird nicht lange gefragt.
    Manchmal glaube ich, so blauäugig kann man doch gar nicht sein, zu glauben, alles ist gerecht und Fair Trade und sozial. Aber vielleicht will man es auch einfach nicht wissen wollen.

  2. Pingback: Fremde Federn: Der Männerbündler als Frauenrechtler | sunflower22a

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s