Becky ist tot

Die Regierungen Europas kündigen neue Verschärfungen im Kampf gegen Migranten an. Der deutsche Innenminister will jetzt afrikanische Migranten, die im Mittelmeer aufgegriffen werden, an irgendeiner afrikanischen Küste wieder aussetzen.  Wenn du dir ansiehst, mit welcher Intensität Europa von ganz links bis ganz rechts „diskutiert“ über Migration und Flüchtlinge, und wie wenig sie wirklich verstehen davon was diese Menschen motiviert…es ist eine Katastrophe.

Alle reden von „Fluchtursachen bekämpfen“. Sie wissen es, Europas aggressive „Handelspolitik“ zerstört Afrikas Wirtschaft, vernichtet Arbeitsplätze, erzeugt Wirtschaftsmigration – who cares. Sie wissen, Diktaturen sind Fluchtursachen, aber sie liefern ihnen  dennoch Waffen.

Die dänische Wissenschaftlerin Sine Plambech gehört zu den wenigen, die verstehen und aufzeigen, welche ökonomischen Motivationen hinter den Migrationsbewegungen stehen. Es ist gar nicht so schwer das herauszufinden: Sine redet einfach mit diesen Menschen. Sie hat einen sehr guten Film gedreht, Becky’s Journey. Dieser Film erklärt viel mehr über Migration als 2 Jahre ARD und ZDF kombiniert.

Becky ist eine junge Nigerianerin, die nach Europa will. Dafür ist sie bereit, ihr Leben zu riskieren.

Becky didn’t want to go to Europe just because she was poor or wanted ‘real’ goods. She also wanted to be free. She wanted to free herself from her family’s and Nigeria’s shackles. Before she attempted to get to Europe the first time she converted from Islam to Christianity. She was raised in a Muslim family in the inland state of Adamawa, where Boko Haram are now raging. But “Muslim women don’t travel to Europe and do what I want to do”, Becky explained. So she travelled to Southern Nigeria and became a Christian. She wanted to decide for herself whom to date; her family didn’t want to meet her non-Muslim boyfriends. But as she explained, “I want to live like a white woman – I want to decide for myself’.

Sie will einfach nur selbstbestimmt leben. Ist das schon zuviel verlangt? Ist das nicht ihr Recht? Ja, es ist ihr Recht, und kein Europäer hat das Recht, ihr dieses Recht abzusprechen. Live free or die, New Hampshire’s official motto, it could well be the motto of the entire United States.  Americans only talk about it, Becky did it.

Becky hat dreimal versucht, nach Europa zu kommen. Mit einem gefälschten Pass kam sie nur bis zu einem nigerianischen Airport. Ihre erste Reise durch die Sahara endete im libyschen Bürgerkrieg. Ihr zweiter Versuch durch die Sahara endete mit ihrem Tod.

Becky wusste, ihre einzige Möglichkeit das viele Geld zu verdienen, das ihr Plan kostet, ist Sex zu verkaufen. Sie wusste, die einzige Möglichkeit in Europa als Illegale zu überleben ist, Sex zu verkaufen. Die feministisch-konservativ-christliche Hilfsindustrie, die in Europa die „Menschenhandels-Opfer befreien“ und nach Nigeria zurückschicken will, ist für Frauen wie Becky dieselbe Bedrohung wie die Polizei.

Becky knew that she was going to sell sex to make money if she came to Europe. “If you don’t want to sell sex, then stay away from Europe”. She knew someone who sold sex in Italy, and this woman told her: “We make love anywhere – as long as there is a man who will pay for it”. Becky believed that migration and selling sex was the best option she had to improve her life. “The people I have met, who have sold sex, they have looked beautiful when they came back to Nigeria”. Thus, in 2011 she began her second attempt at migration. A female ‘madam’, who was already in Italy, now paid for the travel costs.

Sine Plambech schreibt bei opendemocracy, sie hat von einer Freundin Beckys jetzt erfahren, Becky ist tot. Posted in Facebook.

Becky’s madam wanted €60,000 to get Becky to Italy by sea. But then something happened – Becky negotiated the amount down to €30,000. In return, she would travel around Edo state and find five other women to bring along. Becky became an agent and a smuggler herself. Typically, the images we see of trafficking or smuggling are dominated by tragedy, exploitation and death – and all are perpetuated by men. We see images of the trafficker – a man in handcuffs – and what arises are thoughts of the criminal, deviant man from the Global South. Women, on the other hand, are portrayed as victims who are transported passively, and – as I have earlier written – often drown. But women are not just passive in this process. They may not be the captains of any ship, but research shows that women also take part in this and other parts of the ‘migration industry’. Women recruit, negotiate prices, instalment plans, collect wire transfers, clean the temporary housing where migrants sleep before they can be smuggled, cook the food, and some are drivers.

Becky kam nur bis Niger. Nobody killed her, nobody kidnapped her. Sie starb an einer Fehlgeburt. In Niger, contraceptives are hard to get. Selling sex is associated with such risks in poor countries.

Ich könnte heulen, wenn ich an die vielen Beckys denke, die heute wieder gestorben sind. Live free or die. Too often it means, you die.

fn148

Über sunflower22a

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Eine Antwort zu Becky ist tot

  1. Schirrmi schreibt:

    Unfassbar traurig und Du gibst dem Horror einen Namen. Becky. Wenn in der „westlichen“ Gesellschafft jede und jeder Namenlose ein Gehör geschenkt würde und das penetrant, wäre das ein Schritt. Den jemand gehen muss und Menschen folgen müssten. Jedoch und ich bekomme Gänsehaut ob meiner Schwachheit, ich möchte aber kann sie nicht alle retten und eine blöde Wählerstimme im Sturm des egoistischen Kapitalismus wird nicht gehört, mehr noch, gefälscht. Trotzdem herzlichen Dank für einen weiteren Eye-Opener.

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