NSFW

NSFW. Das bedeutet:  Not safe for work. Manchmal bekomme ich die Bitte, meinen Blog als NSFW zu kennzeichnen. Wegen der armen Menschen, die einen Link zu meinem Blog bekommen und dann angesichts der erotischen Bilder erschrecken. Danke, dass ihr meinen Blog verlinken wollt. I feel honored.

Dennoch: Nein, solche Warnhinweise möchte ich nicht. NSFW. Was soll das? Wer vor meinem Blog warnen möchte, soll beim Verlinken dazuschreiben dass es vielleicht NSFW ist. Tut mir leid.

Not safe for work. In Wirklichkeit sind meine kapitalismuskritischen Texte viel gefährlicher. Sunflower’s business views. Für eure Arbeitgeber allerdings, das stimmt.

Lange Zeit hatte ich ein schönes, großes Bild mit nackten Menschen in meinem Büro hängen. Natürlich kein Foto. Klassische Malerei, ein wahres Kunstwerk, von einem berühmten Meister. Damit kam ich lange durch, aber irgendwann haben sie mich gezwungen, es abzuhängen. Das Original hängt in einem berühmten Museum, Kunst von Weltrang. Aber verboten im Büro.

Warum ist das „not safe for work“? Warum ist mein Blog „not safe for work“? Weil sich kleinkarierte, verklemmte Menschen dadurch „sexuell belästigt“ fühlen? Warum fühlt sich jemand „belästigt“, wenn er schöne Menschen in ihrem Naturzustand sieht? Sind sie so prüde geworden, dass sie alle Bilder nackter Menschen schon für Pornographie halten?

Ich fühle mich oft ästhetisch beleidigt, wenn ich sehe, in was für Outfit manche Menschen herumlaufen. Anyway. Es ist ihr Recht.

Mich nervt diese Verklemmtheit. Als ich unerwartet im Büro eines Kollegen auftauchte, rutschte ihm der „Playboy“ aus der Aktenmappe. Er lief rot an und bat mich, ihn nicht zu verpfeifen. Geht es noch? Ich habe laut gelacht und gesagt, schauen wir uns das Heft gemeinsam an, es sind bestimmt schöne Bilder drin. So war es. Er war fassungslos über mich. Jede andere Frau auf der Etage hätte eine Riesenaffäre daraus gemacht, hätte behauptet, davon sei sie „sexuell belästigt“ worden. Davon war er fest überzeugt. Vermutlich hat er recht. Demnächst verzichtet sogar der Playboy auf Nacktfotos. Was soll das? Das ist wie ein veganes Steak, wie alkoholfreier Wein. So haben sie es gern, die Puritaner, die Asketen, die Calvinisten. Vergesst es.

Dabei ist Erotik ein so wichtiger Bestandteil des Menschen. Sie erhöht übrigens auch die Produktivität. Verklemmtheit senkt die Produktivität, davon  bin ich überzeugt, weil sie die Kreativität senkt. Mir kommen die besten Gedanken wenn ich erotisch angeregt bin.

Dafür gibt es geisha balls. Liebeskugeln sagen die Deutschen dazu. Uralte japanische Erfindung. Eine ihrer besten. Ich habe sie oft dabei, niemand sieht es,  wenn du am Schreibtisch diese wunderbaren Dinger in dir hast. Zum Totlachen, wenn du sie mit geschlossenen Augen intensiv spürst und die Kollegin zur Tür reinkommt. Was ich mache? Ich denke nach, das sehen Sie doch. Haha. Immer ein wunderschönes Gefühl, wenn du damit mal kurz die Treppe rauf und runter gehst.

Mehr Erotik in den Alltag, bitte! Erotik gehört zum Leben, unbedingt. Es ist ein wunderschönes Spiel. Ein kleiner spielerischer Flirt verdient keine panischen Reaktionen, sondern amüsiertes Mitspielen. Nur wenige Menschen beherrschen diese Kunst, übrigens durchaus mehr Männer als Frauen. Sie sind eine Seltenheit. Sie sind oft Machos, nie Softies – die können das nämlich am allerwenigsten. Aber sie sind zivilisierte Machos. Nie würden sie gewalttätig. Sie spielen mit dir, und je mehr du mit ihnen spielst, desto mehr Respekt haben sie vor dir. Das ist Savoir vivre, in Vollendung.

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Nein, das ist keine Szene aus meinem Büro…

Über sunflower22a

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13 Antworten zu NSFW

  1. dermultiplepapa schreibt:

    Ja, Du bringst es mal wieder auf den Punkt.

    Vor allem diese Passage „Not safe for work. In Wirklichkeit sind meine kapitalismuskritischen Texte viel gefährlicher.“ ist noch einmal hervorzuheben. Und nicht nur die kapitalistischen Texte, sondern jeder andere Moment, in dem Du politisch wirst, drückt eigentlich das aus, was auch ich denke, ich aber nie so gut formulieren kann.

    Die erotisch angehauchten Bilder und Texte sind für mich eher schmückendes Beiwerk. Es gehört aber dazu, es gehört offensichtlich zu Deiner Persönlichkeit.

    Wer meint, Dein Blog sei NSFW, der soll ihn doch einfach nicht auf der Arbeitsstelle lesen oder die Leute „warnen“, wenn sie den Link verschicken. Das ist nun wirklich nicht Deine Aufgabe.
    Ach ja: Ist Bloglesen nicht Freizeit? Mir wäre es auf Arbeitsstellen nie eingefallen, Blogs zu lesen.

  2. kormoranflug schreibt:

    Auch wenn man nackt arbeitet könnte die Büro-Einrichtung mehr elegance aufweisen.

  3. miesvandenbergh schreibt:

    Wie wahr, und überall, auf Schritt und Tritt begegnet dir die Scheinheiligkeit, wie sie größer nicht sein könnte.
    Und selten, dass noch jemand gedruckte Bilder kauft, laut Medien, wo es doch im Netz so geschmackvolle (500px) Aufnahmen zu bestaunen gibt, neben den geschmacklosen auf unzähligen anderen, millionenfach besuchten Websites. Früher konnte man noch weitere Zeitschriften wie Lui, Newlook, Penthouse, Playgirl lesen, die schon immer etwas Verruchtes an sich hatten, natürlich nur offiziell.
    Tatsächlich leben und leben lassen, es muss ja keiner suchen, was er nicht finden will.
    BG

  4. waswegmuss schreibt:

    Mann, äh Frau. Was bin ich so froh nicht in so einem Ghetto arbeiten zu müssen.

  5. MT schreibt:

    Nackig zur Arbeit. Das haben mal ein paar Briten wohl wirklich durchgezogen und haben im Büro alle mitsamt dem Chef die Klamotten ausgezogen und haben ganz nackt gearbeitet. Jedenfalls habe ich davon mal einen Beitrag im TV gesehen vor ein paar Jahren. Inwieweit das jetzt wahr war, kann ich nicht genau sagen, aber zutrauen würde ich es ihnen sofort. Ich mag ja diesen skurrilen britischen Humor🙂

  6. Trinity schreibt:

    Naja, aber der Ehrlichkeit halber muss man doch sagen, dass sich kaum ein normaler Mensch nackt ausziehen kann und der Öffentlichkeit zeigen, weil man einfach nicht die sexy Figur hat, die alle sexy Menschen in der Medienwelt haben – wenn auch künstlich nachgeholfen!
    Erotik lebt von Ästhetik. Aber der übergewichtige Nachbar, der überwiegend von Schinkenfleischwurst lebt, kommt dem nicht annähernd nahe.
    Möchte ich auch nicht nackt sehen.
    Die gleichen Fragezeichen sehe ich beim FKK.

  7. sunflower22a schreibt:

    Erotik und Nacktheit sind nicht dasselbe. Du kannst beides haben, aber nicht unbedingt. Erotik geht ohne Nacktheit, Nacktheit geht ohne Erotik .Auch Ästhetik ist relativ. Ein Silikonbusen ist auch unästhetisch. Bodybuilding ist total hässlich. Ich habe aber kürzlich zwei dicke Menschen miteinander flirten sehen, das war….wirklich erotisch.

  8. duesselbarsch schreibt:

    Die Erlebnisse mit dem Playboy und dem Aktgemälde hattest Du aber hoffentlich nicht in Deutschland?

  9. Vox Populist schreibt:

    Dass die neue Prüderie und Puritanerie mal von Links kommen würde, hätte man sich in den 60er Jahren vermutlich nicht im Traum vorstellen mögen. Wann wurden aus sexgeilen Kommunarden asketische Nonnen und spießige, genussfeindliche Bessermenschen?

    Der altehrwürdige Playboy bot übrigens in seinen Glanzzeiten genau diese tolle Mischung aus nicht-nur wunderschönen nackten Frauen – dort gaben sich Intellektuelle und Literaten als Interviewpartner und Geschichtenlieferanten die Klinke in die Hand. Kann man sich Heute gar nicht mehr vorstellen, mit den (bald nicht einmal mehr unbekleideten) Plastikbarbies, die uns von diesen „Männer“magazinen entgegenstarren.

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