Buddhisten sind auch keine Heiligen

Religionen nerven. Irgendwie. Mich jedenfalls. Ich mache keine Religion aus meinem Atheismus, eigentlich ist mir das alles sowieso egal mit diesen Göttern. Aber ich respektiere es, wenn andere daran glauben. Einige meiner liebsten Freundinnen sind ziemlich gläubig, so wie Hanan.

www.adorable-teens.net

Richtig auf die Nerven gehen mir die Religiösen aber, wenn sie scheinheilig sind, oder verlogen. Dafür musst du natürlich nicht gläubig sein, das geht auch ohne Religion. Dennoch: ich habe dein Eindruck, unter den Religiösen ist der Anteil höher.

So wie im Falle von E., einer flüchtigen Bekannten die vor Jahren zur Buddhistin mutierte. Seitdem hat sie missionarische Tendenzen entwickelt. Kürzlich traf ich sie bei einer Party, und sie fing wieder an. Der Buddhismus habe sie zu einem glücklichen Menschen gemacht, es sei eine Religion des Friedens, sie sei jetzt Vegetarierin, der Buddhismus predige auch die Liebe zu den Tieren, Buddha war Vegetarier und so weiter. Sie war jetzt in Myanmar, so ein schönes Land, und so tolle friedliche nette Leute. Es fehlte nur noch: begreift das doch endlich, und werdet auch alle Buddhisten.

So etwas reizt mich zum Widerspruch. Da kann ich nicht ruhig bleiben.

Und was ist mit den Bootsflüchtlingen aus Myanmar in Malaysia, will ich wissen.

Bootsflüchtlinge?

Naja, vielleicht ist es dir entgangen. Auf dem Mittelmeer sterben täglich viele Menschen, weil sie nach Europa fliehen. Im Indischen Ozean sterben auch jeden Tag viele Flüchtlinge, weil sie aus deinem buddhistischen Wunderland Myanmar fliehen müssen. Dort werden nämlich Muslime massiv diskriminiert, nicht als Bürger anerkannt, und kein einziger deiner so friedliebenden Buddhisten tut etwas dagegen, sondern sie beteiligen sich alle daran. Auch deine Heldin, die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, hält lieber die Klappe.

Dazu könne sie nichts sagen, aber der Buddhismus predige Liebe und Toleranz.

Der Buddhismus? Aber die real existierenden Buddhisten offenbar nicht.

Jetzt wird sie aggressiv. Sie war in Myanmar, das lasse sie sich nicht schlechtreden, schon gar nicht von jemand der nie da war.

Vertreiben diese tollen Buddhisten nun Muslime, nur weil sie keine Buddhisten sind, oder nicht?

Ich solle mich um meine blöden Palästinenser kümmern, die seien viel schlimmer.

„Es tut mir leid, dein verlogenes Geschwätz ertrage ich nicht mehr.“

Ich will nicht die Party kaputtmachen. Ab sofort gehe ich ihr aus dem Weg. Die meisten anderen allerdings auch, die können die Missionars-Tour auch nicht mehr hören.

All dieser esoterische Kram scheint ein menschliches Grundbedürfnis zu sein. Mir fehlt das völlig. Leider richtet dieses esoterische Grundbedürfnis immer wieder unendlichen Schaden an. Warum nur?

1456121_637016532985740_1130399124_n

 

Über sunflower22a

I am a mystery.
Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Buddhisten sind auch keine Heiligen

  1. Matthias Eberling schreibt:

    Meine Vermutung: Schlichte Gemüter brauchen schlichte „Wahrheiten“. Dazu gehört, dass man mit einer bestimmten Religion (zufälligerweise immer der eigenen) besser als andere sei.

    Ich esse gerade ein Duplo. Ich bin überzeugt, dass mich das zu einem besseren Menschen macht. Oder hast du schon mal einen Menschen gesehen, der gleichzeitig ein Duplo ist und jemanden umbringt? Na???

  2. MT schreibt:

    „All dieser esoterische Kram scheint ein menschliches Grundbedürfnis zu sein.“

    Ja, genau so ist es. Es ist ein Grundbedürfnis. Jeder glaubt an irgendwas. In Deutschland sind es weniger die Religionen (außer vielleicht in Bayern), sondern eher irgendwelche Studien und Zahlen, Wirtschaftsanalysen und Statistiken. Im Grunde ist es aber auch Esoterik. Es wird aber anders verkauft. Ich glaube z. B. an fast gar keine Studien und auch an fast gar keine Zahlen, weil das Meiste davon eh manipuliert wurde.

    Es sind auch meiner Meinung nach nicht nur einfache Gemüter, die auf Religionen und andere Kulte reinfallen. Im Grunde kann es jeden treffen. Glauben kann man nicht kontrollieren und man kann auch nicht dagegen sachlich argumentieren. Wenn einer glaubt, dann glaubt er halt. Da kann man nichts gegen machen. Es ist ein Teil der Komplexitätsreduktion und deswegen auch so ansprechend für fast alle Menschen.

  3. waswegmuss schreibt:

    Naja, Konvertiten hat. Die sind auch bei der ISIs beliebtes Kanonenfutter.
    Die Buddisten – gerade die Roten waren früher genauso schlimmer, wenn nicht schlimmer als die Katholiken zur Gegenreformation.
    Heute machen sie einen auf, seht selbst: https://grafikpolizei.wordpress.com/2015/07/15/daily-lama/

  4. Fred Lang schreibt:

    Ich denke, dass ein Jeder an das glauben kann und darf, was er möchte. Er sollte aber immer auch Andersgläubige respektieren und sie nicht bekehren wollen. Gegenseitige Toleranz ist das A und O im zwischenmenschlichen Bereich. Leider ist und bleibt dies ein frommer Wunsch.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s