Friedensfilmpreis der Berlinale: Wirbel um palästinensischen Flüchtlingsfilm

Die Jury des Berlinale-Friedensfilmpreises hat den Preis an den palästinensisch-dänischen Regisseur Mahdi Fleifel verliehen für seinen Film „A world not ours“. Der Film beschreibt, so die Berliner Morgenpost, „mit viel Empathie und Humor das Leben in einem Flüchtlingslager im Libanon, wo die Menschen bereits in dritter Generation eng beieinander und ohne jegliche Perspektive leben. Dem Film gelingt es, Sympathie für Palästinenser in einem Flüchtlingslager zu erzeugen, gerade weil er nicht propagandistisch, sondern menschlich vorgeht.Die Palästinenser sind nicht per se gut, manche Palästinenser foltern oder erschießen andere, die libanesischen Polizisten halten Kontrolle an den Checkpoints und lassen auch den Filmemacher nicht hinein.“

Der Wirbel entstand um Äußerungen Fleifels in einem Interview, in dem er sagte: „Ich glaube, das Beste wäre es, wenn Israel als nationale Heimat der jüdischen Religion aufhören würde zu existieren.“ Der Regisseur Fleifel besteht auf das Rückkehrrecht der Palästinenser – nach Israel, nicht in den künftigen Palästinenserstaat. Er akzeptiert die Umfrageergebnisse, wonach die allermeisten Flüchtlinge gar nicht in ihre Heimat zurückkehren wollen, weil sie nicht in einem jüdischen Staat leben wollten. „Aber diese ganze Idee eines jüdischen Staates ist lächerlich“, sagt er. „Warum soll ein Staat auf irgendwelche Weise auf Religion basieren? Gott war doch kein Immobilienmakler, der Länder nach der Religion verteilte, sondern die Religion ist eine private Angelegenheit“. Fleifel sieht keinen Sinn darin, „dass Juden in den Nahen Osten ziehen, um ein Land mit biblischen Ansprüchen zu kolonialisieren“.

Es verwundert nicht, dass die üblichen Empörungsrituale bei solchen Äußerungen wieder losgehen. Aber man muss da schon mal genauer hinsehen. Was hat er eigentlich gesagt? Er hat nicht gesagt, die Israelis ins Meer zu treiben, sondern er hat gesagt, dass es lächerlich ist dass ein Staat auf Religion beruht und dass die Religion in einem Staat keine Rolle spielen sollte.

Was ist daran eigentlich falsch? Wer würde sich aufregen, wenn ein Israeli sagt, dass es im Iran oder in Ägypten keine Rolle spielen darf welcher Religion ein Mensch angehört und dass die Regierung niemanden diskriminieren dürfe wegen der Religion, und die Idee eines „islamischen Staates“ lächerlich ist? Niemand. Das ist nämlich sehr vernünftig und wird in jeder normalen Demokratie praktiziert. Die ganze westliche Welt und die Demokraten Arabiens kritisieren die neuen Regimes in Tunesien und Ägypten für genau diese Versuche, Staaten zu schaffen die auf Religion beruhen und mit unausweichlicher Konsequenz deshalb Bürger diskriminieren müssen, die nicht dieser Religion angehören.

Für den Staat Israel müssen die gleichen Maßstäbe gelten. Und das heißt, es muss scheißegal sein, welcher Religion jemand angehört. Und dass irgendwelche Leute aus aller Welt nach Israel fliegen und wegen ihrer Religion sofort die Staatsbürgerschaft bekommen, während andere Menschen, deren Familien vor wenigen Jahrzehnten gewaltsam aus dem entstehenden Staat Israel vertrieben wurden, kein Rückkehrrecht haben sollen, ist nunmal mit dem modernen Verständnis von Menschenrechten nicht vereinbar. Nichts anderes hat Fleifel gesagt, und der hat damit einfach nur recht.

Über sunflower22a

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