Monogamie und sexuelle Gewalt

Jerry Barnett, ein britischer Aktivist gegen Zensur und für liberale Sexualpolitik, hat einen wirklich interessanten und guten Artikel geschrieben. „Will Declining Monogamy Lead to an Increase in Violence?“ ist eine provokative Frage, mit einem wahren Kern.

Er argumentiert, dass die Monogamie eine relativ junge Erfindung ist und die Menschheit in früheren Zeiten diese Einrichtung gar nicht kannte. Unsere steinzeitlichen Vorfahren lebten in Gesellschaften, in denen die Männer Sex bekamen, indem sie dafür bezahlten. Sie jagten, und brachten der Frau etwas zu essen oder andere wertvolle Zahlungsmittel. Aber deshalb blieb die Frau dennoch nicht ihr ganzes Leben lang bei ihm.

Frauen mussten gut aufpassen, wenn sie sich die richtigen Sexualpartner aussuchten. Männer können Sex haben und danach sie machen sich aus dem Staub, die Frau hat jahrelang die Arbeit.

If females were to carry the cost of mating, then they would naturally be more selective than males in who they mated with. The selection of “good genes” is of utmost importance to females in particular. In countless species, including humans, this led to the rise of sexual commerce: if males wanted to mate, they would have to pay for that privilege in some way. Sexual commerce takes many forms. …This gives us an alternative (and more controversial) definition of gender roles: in terms of sexual commerce, males are typically buyers, and females are in general sellers.

Er stellt also fest, Frauen bestimmen die Gewinner des Wettlaufes der Männer um Fortpflanzung. Die besten und stärksten Jäger können am meisten bezahlen für Sex. Sie können sich deshalb fortpflanzen. Aber was geschieht mit den Verlierern, mit den überzähligen Männern?

For every great hunter, there were inevitably several men that didn’t make the grade, and never got to reproduce. From a reproductive perspective, one could split society into three broad “classes”: women, winning men, and losing men. The ratio of male winners to losers has varied greatly from era to era. A recent study based on DNA discovered that 8000 years ago (following the Neolithic revolution in agriculture), women were 17 times more successful than men at mating (or in other words, for each man that mated, at least 16 did not). Interestingly, a study of Tinder users found that men have to swipe 17.5 times more than women to get the same level of response. These ratios have a huge influence on the shape of society, and on two aspects in particular: the amount of male-on-male violence, and the level of sexual violence.

Polygamie, so Barnett, ist das Ergebnis der freien Wahl der Frauen, die sich um die stärksten, zahlungskräftigsten Männer gruppieren. Nur diese wiederum können es sich leisten, Frauen zu bezahlen und zu versorgen. In diesen prähistorischen Gesellschaften waren die Frauen und die starken Männer gut bedient, die Verlierer waren die schwachen Männer. So wie die immer von Frauen geführten Elefantenherden überzählige, schwache Elefantenmänner verstoßen, die ein Leben in der Einsamkeit ohne Sex führen müssen. Als die Menschen sesshaft wurden, verschärfte sich das Problem für die männlichen losers: mit drakonischen Herrschaftsmethoden wurde sichergestellt, dass nur eine kleine männliche Elite sich fortpflanzen konnte. Erst mit dem Aufkommen des Christentums setzte sich die Monogamie durch, zumindest offiziell. Mit weitreichenden Konsequenzen. Die Hauptprofiteure waren – male losers.

European-led globalisation spread the system worldwide, and it is rapidly gaining popularity in sub saharan Africa, which has traditionally been highly polygamous. Since women control access to sex, so enforcement of monogamy was done by shaming women into withholding sex until marriage. Promiscuous women were stigmatised and shamed. Unmarried women—spinsters—were suspect, and a fear of being left-on-the-shelf beyond one’s early 20s, or—even worse—getting pregnant before marriage, was high. Women were encouraged to “value themselves” (the clues of the sex trade litter our language). For young men, casual sex was hard to come by. Prostitution was widespread, and probably more acceptable than it is today, but prices were higher, reflecting the risks and stigma involved for the women. And so young, horny men put rings on young women’s fingers and got married as quickly as they could.

Seit Ende des letzten Jahrhunderts, dieses System zerbröckelt: Die sexuelle Revolution, die Pille, die Emanzipation der Frauen, die Demokratisierung der Gesellschaft.

As a campaigner for sexual freedom, I’m aware of a paradox. Sexual freedom means overturning the egalitarian tyranny of monogamy, and the risk of returning to a system that divides men into winners and losers. Indeed, this does appear to have been an outcome of the decline in monogamy, as illustrated by the rise of online “incel” (involuntarily celibate) communities of men, bemoaning their lower class status in society. Although these groups contain many members who are on the autistic spectrum, are mentally ill, disabled or just poor, they tend to be scorned and bullied as “losers” and “misogynists” by the liberal mainstream. Just as in past times, there is little sympathy for the male losers of the cutthroat mating game. “Incels” are dismissed as misogynists and purveyors of “toxic masculinity”. As so often these days, once the left has labelled a group of people as “problematic”, it can simply ignore anything they say. Male suicide and incarceration rates are ignored, or blamed on men themselves. When it is found that 24% of victims of US police shootings are black (compared to 12% of the general population), this is evidence of systemic racism. But 95% of victims are men, and this gender gap attracts little attention. There is a disliked underclass, and it’s probably growing. It’s not men, but it’s that proportion of men who find themselves loveless, mateless and childless.

Dennoch stellt Barnett fest: im letzten Jahrhundert ist sexuelle Gewalt, Vergewaltigung und anderes, dramatisch zurückgegangen, vor allem bei jungen Männern. Für diese Männer, sagt Barnett, gab es Auswege: Pornographie und Prostitution. Beide sind weltweit leichter verfügbar und preiswerter als jemals zuvor.

I can’t help, aber ich glaube, Barnett stellt wichtige Fragen, die mir viel zum Nachdenken geben. Wenn ich ausgehe von mir selbst, ja, es ist so. Mein Verhalten ist so wie Barnett beschreibt. Ich war noch nie monogam, und heute ich finde Frauen sowieso attraktiver als Männer. Ausserhalb von kommerziellem Sex, Männer sind natürlich nicht so interessant, wenn sie wichtige Eigenschaften nicht haben: charming, intelligent, kulturell begabt, mindestens so finanziell unabhängig dass sie nicht auf dein Geld scharf sind, polyglott, und so weiter. Was willst du mit jemand machen, der einfach nur langweilig und durchschnittlich ist? Vor allem wenn du selbst langweilig und durchschnittlich bist, willst du auf keinen Fall auch noch so einen Mann. Wenn du selbst charming und intelligent bist, willst du sowieso keinen Mann, der das nicht ist. So, the male losers are indeed losers, auch bei mir. Not much sympathy for them, I don’t care. True.

Aber was sollen solche Männer machen, wenn Frauen nicht mehr kulturell in die Monogamie gezwängt werden? Wenn Frauen ein abwechslungsreiches Sexleben führen, vielleicht mehrere Männer haben, aber keine Losers wollen? Wenn man keine Genmanipulation macht und male losers gar nicht mehr geboren werden, es bleibt nur die Wahl: kulturell-politisch erzwungene Monogamie, dann bekommen sie auch Frauen ab, oder sie haben die Sexindustrie, egal ob Pornographie oder Prostitution.

Wenn du dann ein politisches Klima hast, das diese kommerziellen Alternativen verbieten will, Pornographie und Prostitution kriminalisiert, dann hast du mehr Gewalt, und damit noch mehr Repression. Eigentlich logisch. Vielleicht wollen die Protagonisten dieser Politik genau das, weil das ihre Macht stärkt – ihre Macht über male losers, aber natürlich auch über Frauen. Konservative und Moral-Feministinnen gleichermaßen. Sie wollen die male losers leiden lassen, und die Sexualität der Frauen stark reglementieren. Welch ein Zufall, diejenigen, die diese Politik durchsetzen, sind natürlich male winners. Sie unterdrücken gerne Frauen und male losers, and they always find stupid women helping them. Somehow it works, nur allzu oft in der Geschichte. Diese Geschichte ist dabei, sich zu wiederholen.

The political shifts towards authoritarianism, nationalism and conservatism means that outlets for single young men are likely to be restricted in the coming years. This is one reason why I campaign so hard for sexual freedom and free speech. We seem to have forgotten the old lesson that liberty is more than just a liberal luxury.

Ich glaube, das stimmt. What do you think?

No such thing as free sex here

Über sunflower22a

I am a mystery.
Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft, Ladies (and gentlemen) abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Monogamie und sexuelle Gewalt

  1. Pingback: Monogamie und sexuelle Gewalt — sunflower22a | per5pektivenwechsel

  2. Pjotr Panini schreibt:

    Kennen Sie die „was passiert dann Maschine“ aus der Sesamstrasse? Vorne zieht einer am Seil, dann geht über alle möglichen Umlenkungen Treppen Rollen etc bis am Ende der Hammer fällt. So oder so ähnlich ist auch diese Theorie aufgebaut.

    Sie scheitert schon an der simplen Tatsache das sich die Alphamännchen die Alphaweibchen greifen und Beta-, Gamma-, Deltamädels in die Röhre gucken oder sich eben Ihresgleichen suchen. Quelle: sog. real life.

    Das dann die gute alte Formel des „survival the fittest“ nix mit Alpha/sein sondern mit angepasst-sein zu tun hat scheint sich auch nicht überall rumgesprochen zu haben. Wir sind alle Nachfahren von Angsthasen. Die Alphas hatten auch alle zu viel Energieverbrauch usw. Irgendwoher muss es doch kommen das nicht nur Alphas rumrennen, oder?

    Ist so die Liga von der gentechnische Behauptung das sich nur 20 Prozent der Männchen aber 80% der Weibchen fortgepflanzt haben. Die naheliegende Frage wann denn die anderen Prozente vom Himmel gefallen sind scheint sich in der intellektuellen Betawelt auch noch nicht rumgesprochen zu haben.

  3. Juri Nello schreibt:

    Ja, wir leben in einer Erfolgsgesellschaft, nicht in einer Leistungsgesellschaft.Das Jahrhundert der Schauspieler. Es geht darum, sich erfolgreich darzustellen und dabei den schönen Schein zu präsentieren. Eine gute Story und ein symmetrisches Äußeres runden das Bild ab. In die Tiefe geht, außerhalb des Geschlechtsverkehrs, keiner mehr, da Inhalte schon lange überwunden wurden. Wieviel Sein am Schein dran ist, kriegen nur wenige raus. Die meisten haben Ihren Partner aus Gewohnheit, auch wenn sie nicht zwangsvermählt wurden.Monogamie ist dabei überbewertet, da sie die „bürgerliche“ Fassade abbilden soll. Neben Tinder existieren auch immer noch die anderen Alternativen. So kommt auch mal ein Omegamännchen zum Zug. Wer allerdings die Show nicht schafft……

  4. mrfreeze01 schreibt:

    Nachvollziehbar ist für mich, dass die Verfügbarkeit von bezahltem Sex und Pornografie den „maile losers“ ein Ventil gibt, ihre angestaute sexuelle Energie in anderer Form „abzubauen“, als durch Gewalt und Krieg.

    Nicht nachvollziehbar ist, was das mit Monogamie zu tun haben soll. Wenn – wie es ja historisch war und in manchen Kulturen wohl noch ist – nur Männer polygam sein dürfen, also mehrere Frauen für sich ausschließlich in Beschlag nehmen dürfen, dann führt das tatsächlich dazu, dass die „Alpha-Männchen“ den „losers“ nicht viele Frauen übrig lassen. Wenn aber Männer und Frauen polygam sein dürfen, gibt es per se rein rechnerisch keinen Grund, warum für manche oder viele „losers“ keine Frauen übrig bleiben sollten. Weiterhin gibt es ja auch „female losers“. Also Frauen, die kein „Alpha-Männchen“ in Betracht ziehen würde. Insofern führt Monogamie nicht per se zu einer Abnahme der Gewalt von „male-losers“. Ein Verbot von bezahltem Sex und Pornografie würde jedoch wahrscheinlich dazu führen. Und die Unterdrückung von erotischer und sexueller Energie ebenfalls.

  5. Benni schreibt:

    I believe this is actually a true trend, at least in Berlin where i live. Over the years i have/had several male friends who face this problem for years and years, some already desperate. I am not talking about the usual hardnesses to find a partner to build a stable relationship with, almost every single in a metropolitan city has to struggle with this. No, its just like sunflower describes it. These men – usually with relatively low status and perhaps not the best looks, just normal guys – have made the shocking and deeply frustrating experience its almost impossible for them to achieve even a one night stand once a year. Sexual freedom has given the women the choice to just ignore these men sexually. This is in a way dangerous for society, these guys are breeding negative feeling, and they are many! Of course, not all hetero male singles with little or no sex are unhappy, some probably might not put too many weight on this fact or have other fullfilling activities in ther life. But most probably do suffer. And they often behave angry, some start to talk like misogynists out of frustration, some radicalise politically. I know these processes from wachting and talking to this guys for years. Some of them have sex with prostitutes once and a while and all consume pornography frequently. Beeing able to do this if you like to is from this point of view a underrated stabilizing factor for our society.

  6. Benni schreibt:

    A suuppelemnt to my ysterday night post: Of course this dating behaiour of woman is producing victims in their own ranks. But these females have to face a completly different problem setting. Becsause there is a remerkalbe run for the educated und handsome men going on, dating market for educated women 30+ is a though place now. The women loosers in this competition will find themselves in the uncomfortable situation, that to find an approriate partner they have to reajust their expectiations, sometimes more drastically they like to stand it. <<<<<<<<so we end up with a masses of unsatisfied low status men and on the other side some high status woman, who will never be going to date an unemloyed graphic designer, still dreaming of a partner with as much ademic degrees she has.
    No easy solution around for this in a world of algorithmic matching.

    A lot of possible families in miy social environment will probably never come to existance because of the mismatch in the attraction games. In the end the loosers loose sometimes twice. Sad.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s