Moderne Sklaverei oder Moralimperialismus

Immer wieder liest man Horror-Berichte über „moderne Sklaverei“. 40 Millionen Sklaven weltweit gibt es, so behauptet es ein Bericht der „Walk Free Foundation“ und der Internationalen Arbeitsorganisation. Er wurde breit zitiert in Mainstream and Social Media, und natürlich, die Empörungsmaschine lief auf Hochtouren. Hinter der Walk Free Foundation steckt der australische Minen-Milliardär Andrew Forrest, ein Oligarch der wie Bill Gates, George Soros und andere meint, mit seinem vielen Geld jetzt Weltpolitik machen zu können.

Kaum jemand hat diesen Bericht und seine fragwürdigen Definitionen hinterfragt. Daniel Mügge ist einer der wenigen. Der Bericht verwendet einen Index, denn um ein Thema zum Thema zu machen, muss es messbar sein, wie es Bill Gates einmal sagte. Der Economist schreibt, it is based on shaky data, making the decision to “name and shame” the ten worst performers particularly unfair. Among the ten is Benin, where field studies and interviews with presumed victims suggest that slavery is far less common than the index claims. Brauchbare Daten gibt es nur für wenige Länder, nämlich 48 von 200, so werden in den meisten Ländern die Daten einfach geschätzt und extrapoliert aus Daten von Nachbarländern. Schon bei der ersten Auflage des Reports 2013 wurde diese willkürliche Zahlenbasis nur von wenigen scharf kritisiert, so Anne Gallagher.

Aber, Mr Forrest war erfolgreich. Within four years the work of Walk Free, despite continuing and vocal reservations over its quality, has become an official policy tool of the global agenda, sagt Mügge.

Elizabeth Faulkner hat jetzt die moral-imperialistische Natur dieser Berichte scharf kritisiert. Er ist voller kultureller Wertungen und Abwertungen, und so kommt natürlich heraus: alle sogenannten Kinderheiraten sind Sklaverei.  Aber es macht keinen Sinn, wenn man akzeptiert, „Kinder“ unter 18 haben Sex und sollten haben Zugang zu Verhütungsmitteln, wenn es schiefgeht sie sollten Kinder zur Adoption freigeben können – aber nicht heiraten dürfen, wenn sie das wollen. Und warum ist dann Zwangs-Schwangerschaft keine Sklaverei? Es gibt viele westliche Länder, die hier dazu sehr mittelalterliche Gesetze gegen Abtreibung haben, die Mr.Forrest aber nicht für Sklaverei hält.

Warum aber ist es keine Sklaverei, wenn Leute übel ausgebeutet werden und keine Möglichkeit haben, sich zu wehren, beispielsweise will sie „illegale Immigranten“ sind? Weil dann die westlichen Länder plötzlich ganz schlecht aussehen, und dann als Zentren der Sklaverei erscheinen. Oder reden wir über Australien, das Land des Mr.Forrest. Sie internieren alle „illegale Immigranten“ in der Insel Nauru, für viele Jahre, sie können die Insel nicht verlassen. Sklaverei? Nein, natürlich nicht. It is Australia, a civilized country.

Was ist mit America’s „non-compete laws“, die Arbeitnehmern verbieten, ihren Job zu kündigen? Auch keine Sklaverei? Was ist mit „globalen Wertschöpfungsketten“ westlicher Multinationals, die auf sklavereiähnliche Ausbeutung  in Bangladesh oder anderen Ländern setzen? Exportierte Sklaverei, if you want.

Und natürlich, Sexarbeiterinnen sind in den Wertungen dieses Reports immer „modern slaves“. Es gibt nach Meinung dieses Reports praktisch keine Sexarbeiterin, die keine Sklavin ist, ausser vielleicht die nebenberuflichen.  Diese „Opfer“ muss man dann retten. Was die rescue industry macht, habe ich auf diesem Blog schon oft beschrieben, zum Beispiel hier. The „war on sex trafficking“ is very much like the „war on drugs“: sie werfen Hunderttausende in den Knast und helfen niemand. Elizabeth Nolan Brown hat das auf Reason sehr  eindrucksvoll beschrieben.

Hektische Marktschreierei mit dem Begriff „Moderne Sklaverei“ schadet sehr oft den Betroffenen mehr als dass es hilft. Michael Dottridge war Direktor der NGO „Anti-Slavery International“  und erklärt hier, warum er inzwischen den Begriff ablehnt.

So let me conclude, ich sehe es genauso wie Michael Dottridge. Be careful of the philanthro-billionaires. Their agenda is not my agenda.

“Ich glaube keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe.”

Über sunflower22a

I am a mystery.
Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft, Ladies (and gentlemen), sunflower's business views abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Moderne Sklaverei oder Moralimperialismus

  1. gkazakou schreibt:

    danke für deinen Artikel und die links. Das Überleben der „white saviours“ mit ihren schicken Landrovers ist jedenfalls gesichert.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s