Weinerliche Männer nerven

Männer wählen mehrheitlich Trump, Frauen mehrheitlich Sanders. In Österreich wählten Männer mehrheitlich den Rechtspopulisten Hofer, Frauen mehrheitlich Van der Bellen. In Deutschland sind die Wähler der AfD weit überwiegend Männer. Ähnlich sieht es in vielen anderen Ländern aus. Männer reaktionär, Frauen progressiv?

Sozialwissenschaftliche Untersuchungen und die Demoskopen legen diesen Schluss nahe. Was bedeutet das? Was für Schlüsse ziehen wir daraus? Ehrlich gesagt, ich weiß das nicht. Aber ich weiß, welche Schlüsse mir auf die Nerven gehen, die andere Leute ziehen.

Zum Beispiel ein gewisser Walter Hollstein. Beauftragter des Europarats für soziale Probleme und die Männerfrage. Unglaublich, wofür es Beauftragte gibt. Herr Hollstein meint im Tagesspiegel,

Wir müssen die Protestgründe verstehen! Viele junge Männer wählen rechts. Denn das traditionelle Männerbild wird überall kritisiert, Männer werden als Defizitwesen hingestellt. Es ist höchste Zeit, die Geschlechterpolitik kritisch zu hinterfragen.

Ja, die Protestgründe verstehen ist immer eine gute Idee. Klarer Fall. Und die Geschlechterpolitik, logisch, auch ich habe viele Vorbehalte dagegen. Aber nicht die Vorbehalte derjenigen, die es schon immer richtig fanden, dass Frauen als zweitklassige Menschen behandelt werden.

Mr.Hollstein analysiert in seinem Gastbeitrag, es gibt „eine wachsende Schicht von deklassierten jungen Männern“. Aber der Grund ist nicht die Geschlechterpolitik, sondern:

Die Entwicklung der Wirtschaft tendiert seit geraumer Zeit in Richtung des „weiblichen“ Dienstleistungsgewerbes und zur sukzessiven Schrumpfung der „männlichen“ Industriearbeit. Dementsprechend steigt die weibliche Erwerbstätigkeit, während die männliche ebenso kontinuierlich abnimmt. Seit einigen Jahren ist die männliche Arbeitslosenquote höher als die weibliche, und das gilt noch einmal verstärkt für jüngere Männer.

Ach so, die Entwicklung der Wirtschaft ist schuld. An der Analyse ist ja was dran. Was der Herr aber ausblendet ist, dass die Dienstleistungsjobs meist wirklich schlecht bezahlt sind, aber keineswegs automatisch „weiblich“ sein müssen. Serviererin im Restaurant, Krankenpflegerin im Hospital, Altenpflegerin, Erzieherin…alles Jobs, die auch Männern offenstehen. Aber viele wollen solche Jobs eben nicht, das ist unter ihrer Würde. An der schlechten Bezahlung liegt es nicht: Paketboten oder andere McJobs sind auch schlecht bezahlt, aber das ist nicht unter der Würde des Mannes.

Dann stellt er fest:

Der Schulerfolg von Mädchen ist inzwischen signifikant höher als der von Jungen, die das Gros von Problemkindern, notorischen Schulschwänzern, Schulversagern, Ausbildungsabbrechern und Frühkriminellen ausmachen. Die moderne Bildungsforschung belegt, dass Jungen heute die Verlierer des  Schulsystems sind: Jungen  haben inzwischen deutlich schlechtere Chancen auf einen ordentlichen Schulabschluss  und damit eine ungünstige Voraussetzung für die berufliche Bildung.

Kann mir jemand erklären, warum daran die „Geschlechterpolitik“ schuld sein soll? Nein, es ist viel einfacher: die boys sind nicht diszipliniert und motiviert genug, zu lernen, Punkt. In ostasiatischen Ländern, wo auf Disziplin mehr Wert gelegt wird, gibt es dieses Problem nicht. Da wird dafür gesorgt, dass Jungs und Mädchen beide diszipliniert lernen. Für die eigene Faulheit die Gesellschaft verantwortlich zu machen, mag bequem sein, aber hilft nicht weiter.

Schließlich präsentiert der Herr eine ganze Kanonade von Vorurteilen.

In den vergangenen vierzig Jahren hat sich die Politik auf die Förderung von Mädchen und Frauen konzentriert; dass es noch ein anderes Geschlecht gibt, geriet dabei in Vergessenheit. Buben und junge Männer können sich heute nicht mehr an allgemein gültigen Bildern von Männlichkeit orientieren, wie das früher der Fall war. Sie leben inzwischen in einer gesellschaftlichen Konstellation, die ihnen keine authentische Verhaltenssicherheit vermittelt. Das traditionelle Männerbild wird überall kritisiert; Männer werden als Defizitwesen hingestellt, die schon mit großen Defekten auf die Welt gekommen seien und eigentlich nur alles falsch machten. Den jungen Männern fehlen in Bezug auf ihre eigene  Geschlechtsidentität „die positiven Vorbilder zur Orientierung“. Sie äußern gar die Befürchtung, demnächst „gesellschaftlich überflüssig zu werden“.

Die amerikanischen Wissenschaftler Katherine A. Young und Paul Nathanson haben in ihrer Untersuchung „Spreading Misandry“ minutiös belegt, wie die zeitgenössische Kultur unter dem feministischen Einfluss vor allem im Fernsehen, im Film und in der Massenliteratur „die Verachtung gegenüber Männern“ propagiert.

Seine Schlussfolgerung ist:

Eine Politik, die Buben, junge Männer und Männlichkeit im allgemeinen ausgrenzt, muss sich nicht wundern, wenn es Reaktionen gibt – auch wenn sie vielleicht inadäquat sein mögen. Statt nun junge Männer zu beschimpfen, wäre es angebrachter, die eigene (Geschlechter)Politik einmal kritisch zu hinterfragen.

Wissen Sie, Mr Hollstein, Sie sind eine Heulsuse. Ja, eine Heulsuse. Statt über den technologischen Fortschritt und die Entwicklung der Wirtschaft zu jammern, im übrigen meist getrieben von Männern, sollten Sie die jungen Männer auffordern, sich dem Fortschritt zu stellen und sich für die Zukunftsjobs gute Bildung zuzulegen. Statt die Faulheit und Disziplinlosigkeit von Jungs in den Schulen auf das System zu schieben, sollten Sie ihnen sagen: setzt euch auf euren Arsch und lernt was, sonst werdet ihr die Loser von morgen. Leistung lohnt sich nicht immer, richtig, aber ohne Leistung wirst du eben nur was wenn du Millionen erbst. Und wer ist eigentlich für die „positiven Vorbilder zur Orientierung“ von Männern zuständig? Wer soll diese liefern wenn nicht die Männer selbst? Bitteschön, niemand hindert Sie daran, diese Vorbilder zu liefern.

Sie phantasieren über eine feministische Verschwörung in den Medien, die angeblich Männer als „Defizitwesen“ hinstellt, und Sie jammern dass jungen Männern „die positiven Vorbilder zur Orientierung“ fehlen. Oh Sie Heulsuse. Schauen Sie doch einfach mal über den Tellerrand. Jungen Frauen fehlten für den gesellschaftlichen  Aufstieg jahrhundertelang die „positiven Vorbilder zur Orientierung“. Waren nicht Frauen jahrhundertelang Defizitwesen ohne Rechte? Sie haben sich dennoch durchgebissen, und langsam aber sicher erkämpfen sie sich die gleichen Rechte, die für Männer immer selbstverständlich waren. Ja, dafür verdrängen sie auch manche Männer von guten Jobs, das ist logisch. Dafür werden wir uns nicht entschuldigen.

Mr Hollstein, Ihr Text hat eine verheerende Botschaft. Rechtspopulisten und Rechtsradikale sind die natürliche Antwort auf die erfolgreichen Frauen, die ihre Gleichberechtigung erkämpft haben. Wissen Sie eigentlich was das für eine Botschaft ist? Eine Rechtfertigung von rassistischen und rechtsradikalen Einstellungen bei jungen Männern, die mit ihrem Leben nicht klarkommen. Frauen sind an allem schuld weil sie erfolgreicher sind. Ach nee. Und deswegen sind junge Männer Versager? Lächerlich. Ich würde gerne mal wissen, was Sie nun eigentlich konkret empfehlen, damit junge Männer nicht zu Rechtsradikalen werden. Wie können männliche Loser sich auf zivilisierte Weise wehren, so wie die Frauen das auch können?  Mann oh Mann. Ich fasse es nicht.

Übrigens, P.S.: Selbst AfD und Front National werden von Frauen geführt. Ganz ohne Quote, bei weit überwiegend männlicher Mitgliedschaft. Eigentlich kein Wunder, wenn das überwiegend Loser-Typen sind.

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Men, you have nobody else to blame than yourselves.

 

Über sunflower22a

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18 Antworten zu Weinerliche Männer nerven

  1. Raze schreibt:

    Das ist so dermaßen verkehrt, dass nicht mal mehr ich die Klappe halten kann.

    Männer nehmen also keine schlecht bezahlten Jobs an? Warum sollten wir? In dieser Gesellschaft ist es noch immer so, dass der Mann die Kohle ranzuschaffen hat. Wer das nicht tut, ist ein Versager und wird so behandelt. Genau das scheint hier ja auch deine Ansicht zu sein.

    Die Jungs in der Schule sind selbst schuld an ihren Noten? Warum sollten sie sich anstrengen, wenn der überwiegend weibliche Lehrkörper so unterrichtet, dass die Frauen bevorzugt werden. Das ist LANGWEILIG. Und wenn sie zum Dank auch noch wie von dir als „faul und disziplinlos“ beschimpft werden, hilft das der Motivation auch nicht auf die Sprünge.

    Ihr Frauen wolltet euch die gleichen Rechte erkämpfen. Habt ihr geschafft, Respekt. Aber jetzt fangt ihr an zu übertreiben und uns Männer zu unterdrücken. Auch wenn du es nicht wahrhaben willst. Mein Tipp: Hör auf, deinen Schampus zu schlürfen, komm von deinem hohen Ross runter und wirf mal einen Blick auf die Realität. avoiceformen.com und Genderama verschaffen dir einen ganz guten Einblick, wie das Leben als Mann aussieht.

    Wenn wir Männer Heulsusen sind, weil wir Gleichberechtigung einfordern – was sind dann Frauen wie du, die meinen, ihre Vorrechte gehören ihnen und wieder was abgeben ist nicht?

    Weißt du, wie die Frauenrechtlerinnen anfangs angesehen wurden? Als Heulsusen, die ihr gutes Leben nur nicht zu schätzen wissen. Die sich nur auf den Hintern setzen müssten, dann würde aus ihnen auch was anständiges werden.

    Ich sag es ganz offen: Dein Männerhass ist ekelhaft.
    Und wenn dir mein Ton nicht passt: Der Ton macht die Musik.

    Raze
    Mann, Altenpfleger, linker Männerrechtler

    • sunflower22a schreibt:

      So läuft das immer. Kaum sagst du mal etwas deutlicher deine Meinung nicht über „die Männer“, sondern über einen gewissen Herrn Hollstein, geht der Shitstorm los. „Dein Männerhass ist ekelhaft“…hallo? What a nonsense. Scheinheilige Feministinnen bekommen bei mir noch viel öfter Kritik als sogenannte Männerrechtler. Aber: Ich rechtfertige mich nicht dafür, ab und zu mal weinerliche Männer zu kritisieren, die sich für unterdrückt halten und deshalb schreiben, das ist eigentlich normal wenn in erster Linie Männer rechtsradikal werden. „Aber jetzt fangt ihr an zu übertreiben und uns Männer zu unterdrücken. Auch wenn du es nicht wahrhaben willst.“ Nein, ich will es nicht wahrhaben. Weil es nicht wahr ist.
      Ich würde mir wünschen dass „linke Männerrechtler“, whatever that may be, vielleicht selbst Mr. Hollstein kritisieren und sich damit auseinandersetzen, warum so viele junge Männer rechts oder rechtsradikal denken, handeln und wählen. Was wollt IHR dagegen tun? Die Frauen sind an allem schuld? War das die Antwort? Raze, ehrlich: mich als Schampus-Schlürferin zu beschimpfen ist billig. Sag lieber mal selbst was zu dem Problem. Können „linke Männerrechtler“ mehr als nur Frauen verantwortlich zu machen? Was wollt ihr dagegen tun, dass so viele junge Männer zu Trump und AfD tendieren, und junge Frauen eben nicht? Was konkret? Niemand sollte darauf besser eine Antwort haben als linke Männerrechtler.

  2. PRVZ schreibt:

    Ähem……..
    Unsere westlichen Gesellschaften waren und sind wohl auch deshalb so stark, im Vergleich zu Afrika, Arabien Südamerika, was weiß ich, weil die Frau schon seit Jahrhunderten geachtet und respektiert wurde.
    Gut, nach dem Gesetz waren Sie nicht gleichberechtigt, aber wenn ich meine eigene Familiengeschichte anschaue, es gab eine Menge sehr starker, ja richtiggehend dominanter Frauen.
    Auch schon vor 100 Jahren.
    Aber zum Thema: Es stimmt schon was Raze schreibt, die männlichen Vorbilder fehlen in Kindergarten und Schule in der Tat.
    Und die “ Buben “ ( 25 – 35 Jährige ), die ich bei mir in der Fa. so erlebe, mein Gott.
    Die Frauen nehmen sich wiederum nur die Schokoladenseite.
    Maul aufreißen, Ellbogen raus, wenn es hart wird Kulleraugen.
    Nee Nee…………so geht es nicht !!
    Aber bis es eine tatsächliche Parität gibt muss das Pendel halt noch ein paar mal von hier nach da aussschlagen. Das nennt man Entwicklung.
    Also, keine Panik.

  3. PRVZ schreibt:

    ( Er kann es nicht lassen………)
    Übrigens finde ich einen Aspekt von starken, emanzipierten Frauen sehr schön.
    Die brasilianische Frau ist sehr stark, die brasilianische Gesellschaft wird von den Frauen getragen.
    Die Männer hauen nach der Schwangerschaft sofort ab und kriechen bei der Nächsten unter.
    ( Nicht alle, klar, aber man erlebt es oft.. )
    Die bras. Männer sind schon irgendwie……Pfeifen ???
    Aber die bras. Frau weiß, was Sie will.
    Und es ist sehr schön, mal gekonnt und konsequent von einer Frau angesext zu werden und man nicht selber ständig den Pfau, den Affen, den Deppen spielen muss.

  4. Fjord Springer schreibt:

    @ Mr Hollstein

    Der Mann hat kurz gesagt nur eine Forderung, die zugleich auch seine Botschaft ist: Alles muss sich verändern. Nur ich soll bleiben können wie ich bin.

    Wir armen, armen Männer. Wir haben keine Vorbilder mehr. Und weshalb? Weil die Vorbilder die wir haben sollen, nicht die Vorbilder sind die wir uns suchen würden, wenn man uns denn ließe.

    So viele Jungs und Männer haben bspw. Fußballer zum Vorbild. Warum? Fußballer können die größten Dummheiten in die Mikros labern, sich scheiße benehmen und sexuell übergriffig werden – so lange sie besser laufen und vor einen Ball treten können als die Anderen, ist alles in bester Ordnung. Aber wie weit taugt ein Fußballer als Vorbild, auch wenn man selbst kein Fußballer ist?

    Weshalb suchen sich Männer nicht hin und wieder auch mal eine Frau als Vorbild? Eine die ein Unternehmen erfolgreich durch unsere vom (männlichen?) Wahn befallene Ökonomie steuert oder auch mal eine, die Autorennen fährt oder beim Boxen weder Männlein noch Weiblein kennt und außnahmslos alle umhaut. Btw. gibt es auch Bloggerinnen, die als Vorbild eine gute Figur machen.

    Und nur damit sich das (männliche) Gehäule in Grenzen hält; umgedreht ist es genau der gleiche Mist. Ich sag nur Heidi Klump.

    Uns Männern wird eingeredet, was männlich ist und zu sein hat. Und zwar von Männern. Manche von uns (ich glaube es sind jene, die kein gestörtes Verhältnis zur Mutter haben) hören aber auch der anderen Seite (den Frauen) zu und finden eine andere Form der Männlichkeit. Eine, über die Frauen nicht grinsen.

    Und das ist für mich das eigentliche Problem. Dass sich Frauen und Männer nur selten auf Augenhöhe begegnen. Meistens ist einer von Beiden unterlegen. Die Frau, weil sie in der einen oder anderen Form unterdrückt, ausgebremst und nicht ernst genommen wird. Und der Mann, weil er in der einen oder anderen Form eingespannt, umgemodelt und nicht ernst genommen wird.

    So lange alle auf ihren Vorurteilen herumreiten, kommt auch keiner auf die Idee, sie zu hinterfragen. So lange alle nur sich selbst in den Mittelpunkt stellen und nicht den Anderen, wird sich am maroden Verhältnis der Geschlechter nicht viel ändern.

    Aber keine Angst. Gevögelt wird trotzdem wie verrückt.

  5. waswegmuss schreibt:

    Dieser Hohlblock ist Schwätzer.
    Hätten diese Schlauberger in der Jugend öfter mal wild rumgevögelt statt sich hinter Büchern zu verkriechen wären sie vielleicht etwas weniger weltfremd.

  6. Matthias Eberling schreibt:

    Vorbilder gibt es doch genug. Aber sie müssen nicht zwangsläufig männlich sein und auch nicht unbedingt noch leben. ich kann mir doch Madame Curie oder Platon als Leitstern aussuchen.

    Rechtsradikale Bewegungen hatten schon immer eine große Anziehungskraft für Männer, die sich nur in der Gruppe stark fühlen. Lagerfeuer => Kameradschaft => Polenfeldzug. Da fühlen sich intelligente Frauen einfach nicht wohl. Ist eigentlich logisch, oder?

  7. PRVZ schreibt:

    Also bitte ! Ich trinke auch gerne ein Bier am Lagerfeuer.
    Auch mit intelligenten Frauen zusammen.
    Aber Vorsicht !
    Gutes, am besten regionales Bier und korrektes Catering
    sind natürlich die Grundpfeiler, weil auch
    moderne, schlaue, schöne, emanzipierte Frauen
    es immer noch lieben, wenn man Ihnen einen Bären erlegt.

  8. rano64Rano64 schreibt:

    Herr Hollstein, jetzt mal so von Mann zu Mann: Die Frauen sind schuld, wenn Männer braune Sch***** im Kopf haben? Das ist einfach nur lächerlich, sie Heulsuse!

    Vielleicht sollten sie mal darüber nachdenken, was jahrzehntelange neoliberale Politik angerichtet hat. Wenn immer mehr Menschen keine Chance mehr haben, sich ein ökonomisch halbwegs sicheres und auskömmliches Leben zu erarbeiten, erzeugt das Angst und Wut. Und da man an die Herrschaften, die gierig immer noch mehr an sich reißen und sich große Mühe geben, uns alle (Frauen wie Männer) in konstant schlechter werdende Lebensumstände zu drücken, nicht heran kommt, richtet sich der Frust und Zorn gegen noch Schwächere.

    Und sie, Herr Hollstein, spielen dieses infame Spiel munter mit. Immer schön alle Menschen gegeneinander ausspielen, damit bloß ja keiner merkt, wer die wirklich Verantwortlichen sind.

  9. epikur schreibt:

    Der klassische rhetorische Trick, den viele radikale Feministinnen anwenden, kommt hier im Beitrag leider auch zur Geltung: jeder, der die gesellschaftliche Benachteiligung von Männern thematisiert (Sorge-, Unterhalt- und Scheidungsrecht, Selbstmordrate, Bildungssystem, Frauenquote, Verhältnis von Obdachlosen und Drogenkranken etc.), macht sich zugleich gemein mit Nazis, Rechten und Faschisten. So einfach ist es dann auch nicht, werte Damen😉

    • sunflower22a schreibt:

      Epikur, please note: Mr Hollstein schreibt über die Tatsache dass Männer viel anfälliger für Rechtsradikale und Rechtspopulisten sind. Er leitet das ab aus ihrer angeblichen gesellschaftlichen Benachteiligung. Weder Hollstein ist ein radikaler Feminist, noch ich bin eine radikale Feministin wenn ich diese simple Erklärung des Herrn Hollstein kritisiere.

  10. nurbsi von sirup schreibt:

    Thema Vorbilder: bitte nehmt doch nicht irgendwelche Lichtgestalten her, die schon seit Jahrzehnten oder -hunderten tot sind. Kinder und Jugendliche brauchen Rollenmodelle in ihrem Leben, Menschen aus Fleisch und Blut, nicht Heilige.

    Mein Eindruck ist schon, dass die Suche nach Identität bei Männern deutlich in einer Krise steckt; aber nicht, weil uns die bösen Frauen unser „ugha-ugha“ wegnehmen, sondern weil dieses Menschenbild langsam auf den Abfallhaufen der Geschichte wandert. Hoffentlich – aber vermutlich nicht – für immer.

    Bedenkt: es liegen nicht viele Generationen zwischen uns und Jahrzehnten krankhafter Verehrung faschistischer Ideale. Wie lange haben alte Nazis die deutsche Gesellschaft selbst nach dem Krieg geprägt, wie lange konnte sich der Dreck ungefiltert duch die Seelen von Familien fressen und gleichzeitig musste man sich nicht damit befassen weil Wohlstand und Vollbeschäftigung.

    Opa HJ, Volkssturm mit 16, ich Jahrgang ’83 und in meinem Bewusstsein ist das fest verankert. Disziplin. Leistung. Nur wer arbeitet ist ein Mensch und nur wer körperlich arbeitet ein Mann. Der Körper muss gestählt sein bis in’s Grab (dieser Tage ja wieder groß in Mode). Eigentlich ist Militär schon bisschen geil. Der Südländer ist selber schuld, dass er arm ist usw. usf.
    Ich hasse das. Aber es ist da und zwickt im Kopf. Und wer weiss, vielleicht wär‘ ich auch ein Brauner, wenn ich diese Leute nicht gar so sehr verachten täte …

    Kurz: dieser Hollstein ist ein Depp, aber ganz so einfach wie’s sunflower schreibt scheint es mir auch nicht. Klar, jeder braucht mal ’n Tritt in den Arsch und klar, es gibt keine Entschuldigung, ein Nazi zu sein und wenn ich mich marginalisiert fühle, gibt es genug Bewegungen, die nicht Menschenverachtung zu ihrem Kernthema machen, denen ich mich anschließen kann.

    Aber: jemand versagt im Leben nicht einfach mal so. Weil er keinen Bock hat. Weil’s bequemer ist, mein Leben ist scheisse, als fleißig zu sein. Der Mensch will tätig sein und gesellschaftlich teilhaben. Wenn das nicht läuft, gibt es wesentlich gewichtigere und komplexere Gründe als „faul, dumm, selbstgerecht“.

  11. Vater schreibt:

    Ruhige Tochter, JG 1990, temperamentvoller Sohn JG 1992. Reichen bei der gleichen Lehrerin 2 Jahre zeitversetzt wortgleiche Arbeiten zu einem zeitlosen Thema ein. Bewertung Tochter: 1, Bewertung Sohn: 2-.

  12. Anonymous schreibt:

    Auch interessant:
    Benachteiligte Frauen sind ein „gesellschaftliches Problem“.
    Benachteiligte Männer sind selbst schuld.

    <>
    Schau doch mal bei Genderama vorbei, dann wirst du sehen, was „linke Männerrechtler“ machen.
    Auch Geschlechterallerlei könnte hierbei für Dich interessant sein.

    Und ja, man sollte die Geschlechterpolitik tatsächlich kritisch hinterfragen. Das sollte man aber bei so vielem, das in der Politik falsch läuft.

    Zum Schluss noch ein paar Anmerkungen:
    Warum ist der „Ritalin-Konsum“ von Jungen in de letzten Jahren so rasant angestiegen? Warum wird bei der kleinsten Aktivität von Jungen in der Schule bereits Ritalin verschrieben?
    Warum werden Fächer wie „Bewegung und Sport“ oder „Turnen“, in denen Jungs ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben können immer mehr gekürzt?
    Warum gibt es unzählige Mädchen- und Frauenförderprogramme, aber kein Jungenäquivalent?
    Ich könnte jetzt mit Arbeitslosenraten und Selbstmordraten weitermachen, die Antwort wird immer „selber schuld“ sein, richtig?

    PS: Auch wenn ich weiß, dass du dem Thema eigentlich ziemlich ausgeglichen gegenüberstehst, kannst auch du ein klein wenig Ktitik vertragen, oder?😉

    • Anonymous schreibt:

      Zwischen den spitzen Klammern sollte eigentlich ein Zitat von dir stehen: „Können „linke Männerrechtler“ mehr als nur Frauen verantwortlich zu machen?“

  13. Thorsten Haupts schreibt:

    Hübsche Polemik. Für die „Heulsusen“ spende ich ausdrücklich Applaus – das weinerliche Verhalten vieler Männer ist ein Grund zum Geschlechtsschämen🙂.

    Nicht dass ich mit Ihnen in mehr als 10% der Punkte einer Meinung wäre. Aber die Polemik ist zu hübsch, um sie inhaltlich zu sezieren. Und zu berechtigt.

    Männer, wenn Euch an der zunehmenden Feminisierung der Gesellschaft was nicht passt, stellt Euch auf die Hinterbeine und widersprecht laut, deutlich, sachlich und entschieden. Und hört auf zu heulen, wenn Euch dann mal ein bisschen der verbale Wind ins Gesicht bläst. Ihr seid doch keine kleinen Mädchen! Oder – doch?

    Gruss,
    Thorsten Haupts

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