Moderate Muslims

Islam und Terrorismus, Frauenunterdrückung, Mittelalter. Gehört nicht zu Europa. Einreiseverbot nach Amerika unter Trump. Sie kennen alle diese Stereotype, diese unsagbar dummen Gleichsetzungen. Westliche Medien multiplizieren sie jeden Tag, plump oder subtil. Nicht nur mit dem was sie berichten, sondern auch mit dem was sie nicht berichten. Es hinterlässt Wirkung. Viele als Muslime erkennbare Menschen sind feindseligen Reaktionen ausgesetzt.

Aber wer leidet am meisten unter dem Terrorismus, dem Extremismus im Namen des Islam? Nicht die Europäer, die in der Regel weder einen Muslim kennen noch eine Moschee in Europa gesehen haben und mit weitaus wahrscheinlicheren Todesursachen konfrontiert sind als einem islamistischen Terroranschlag. Es ist die große Mehrheit der moderaten, normalen Muslime. Sie sind mit großem Abstand die meisten direkten Opfer islamistischer Terroristen. Sie sind auch diejenigen, die sich in Europa plötzlich ausgegrenzt fühlen.

Warum werden die Aktivitäten moderater muslimischer Organisationen nie berichtet? Der Londoner Independent hat im Dezember immerhin selbstkritisch berichtet „Muslim anti-Isis march not covered by mainstream media outlets, say organizers“. Die alljährliche Arbaeen Prozession in London ist die älteste muslimische Veranstaltung Londons. Kaum jemand kennt sie, sie wird ignoriert. Erstmals wurde sie im Dezember in eine politische Demonstration umfunktioniert, voller Plakate „No to terrorism“ und „No to ISIS“. Muslime marschieren gegen Islamisten – keine wichtige Nachricht. Traurig.

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Das gleiche gilt auch für die Internet-Kreuzzüge des IS. Technisch brillant gemacht, ziehen sie viele orientierungslose Jugendliche in ihren Bann. Warum offenbar kein Geheimdienst sie offline nimmt, ist mir ein Rätsel – wer Sicherheitssysteme des Pentagon knacken kann, müsste dazu eigentlich auch in der Lage sein. Die indonesische Organisation Nahdlatul Ulama – mit über 50 Millionen Mitgliedern die größte der Welt – versucht den IS im Internet zu bekämpfen. Etwa eine Handvoll Mitarbeiter twittern, kommentieren Videos und stellen eigene Filme ins Netz. Ihr Ziel: Eine moderate Interpretation des Islams zu verbreiten, um den Terroristen des IS das Wasser abzugraben. Wer berichtet darüber? Ich habe es zufällig im „Neues Deutschland“ entdeckt, nicht wirklich meine tägliche Lektüre.

Ich glaube nicht an Medien-Verschwörungen einer „Lügenpresse“. Aber ein Rudelverhalten der großen, sehr großen Mehrheit der Mainstream-Journalisten kann man beobachten. Sie berichten alle über dasselbe, halten alle dieselben Themen für wichtig und für unwichtig, sie blenden so vieles aus. Dare to be different. Das ist so wichtig. Vor allem auch in der heutigen Medienwelt.

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We’re moderate Muslimas, you know

Über sunflower22a

I am a mystery.
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2 Antworten zu Moderate Muslims

  1. waswegmuss schreibt:

    Nur mal so: Muhamad Ali ist gestorben. Boxer. Er hat den Kriegsdienst verweigert weil er es nicht mit seiner Religion, dem Islam, für vereinbar hielt.

  2. Bill schreibt:

    Danke für die Info. Und sage ich als jemand den manche (viele) einen Islamophoben nennen würden. Aber innen ist immer noch der alte (eher: junggebliebene) naive, menschenfreundliche Optimist und der hat jetzt mal wieder ein wenig Licht gesehen!
    Danke!

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