Wer nichts einnimmt, hat irgendwann ein Problem

Das hier ist ein anspruchsvoller Blog. Heute will ich das wieder in Erinnerung rufen. Griechenland steht vor dem Staatsbankrott, er wird nur noch verzögert aber wohl kaum noch verhindert, und die damit wird es dann auch zu einer Krise für die Euro-Staaten. Aber warum ist das so? Weil die Griechen nicht mit Geld umgehen können? Weil sie zuviel ausgeben?

Nicht wirklich. Deutsche denken sowas immer, weil sie vom Sparen besessen sind und nie auf die Idee kommen, dass jemand in einer Krise steckt weil er zuwenig einnimmt und nicht etwa zuviel ausgibt. Die Griechen haben eigentlich nur das getan, was der Rest Europas und Nordamerikas auch tut, nur noch viel gründlicher. Sie haben die Steuern für Unternehmen und Reiche (und für Selbständige) immer weiter gesenkt, oder gar nicht erst erhoben. Ein lesenswertes Papier von Yiorgos Ioannidis zeigt das sehr gut. Der griechische Staat kostet gibt eigentlich pro Kopf ungefähr genausoviel aus wie der Rest Europas. Aber zwischen 1995 und 2004 haben die Regierungen der abgewählten alten Parteien die Unternehmenssteuern von 45 auf 21% mehr als halbiert. Griechenland hat heute eine der niedrigsten Unternehmenssteuersätze der EU. Es müsste ein superkonkurrenzfähiger Wirtschaftsstandort sein. So gingen die Steuereinnahmen zurück trotz Wirtschaftswachstum. Die versteuerten Unternehmensgewinne nahmen in diesem Zeitraum um 35% zu, aber die Steuereinnahmen aus Unternehmenssteuern gingen um 1.3% zurück.

Selbständige und Kleinunternehmer zahlen nach wie vor kaum Steuern, 85% von ihnen geben an, weniger als €10,000 jährlich zu verdienen. Lächerlich. Nur die abhängig Beschäftigten mussten zusehen, wie ihr Anteil an der Steuerlast immer weiter anstieg.

Griechenland hat heute eine Steuerstruktur, die immer mehr der eines Entwicklungslandes ähnelt. Eine sogar noch sinkende Einkommens- und Unternehmensbesteuerung, und proportional ein immer größerer Anteil an indirekten Steuern. Konsequenz: die Steuerlast wird immer mehr von den sozial schwächeren und den abhängig Beschäftigten getragen. Die Steuerreformen der abgewählten alten Parteien haben das jedesmal verschlimmert.

In conclusion, the new taxation system favours the higher income groups while also affording significant concessions to the middle-income groups (Table 6). Those favoured include the wealthiest groups, the medium-upper self-employed and shop owners, as well as richer farmers and major landholders. Those who were taxevading ‘ a bit ’ will end up paying more tax, but not as much as they should, and those who were declaring their actual income will pay considerably higher taxes.

Merkwürdigerweise kam die Troika bisher nicht auf die Idee, von Griechenland zu verlangen, die Unternehmenssteuern wieder auf 45% zu erhöhen. Merkwürdigerweise? Nein, logischerweise. Es ist dieselbe Politik wie im Rest Europas, die die Troika durchsetzt und verteidigt. Wann werden die Völker im Rest Europas diese Troika und diejenigen, die dahinter stehen, endlich stoppen?

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Wie bitte, ich soll Steuern zahlen? Bin ich etwa arm???

Über sunflower22a

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Eine Antwort zu Wer nichts einnimmt, hat irgendwann ein Problem

  1. Johanna schreibt:

    Die rein neoliberale Staatsferne hat noch nie zum Erfolg für die Menschen geführt, eher zur bürgerlichen Unfreiheit. Zumal in G noch der wichtige Aspekt der Korruptionsbekämpfung hinzukommt, die man nicht in den Griff bekommt.

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