Follow the money

Was in Paris passiert ist, ist schockierend. Es kann sich morgen in Brüssel, Berlin, London wiederholen. Beim nächsten Mal sollte niemand überrascht sein. Überrascht sein sollten wir eher, wenn tatsächlich etwas passieren würde, was diesen Terroristen wirklich das Handwerk legen würde.

Ehrlich gesagt, schon am Freitag abend als die Live-Bilder um die Welt gingen, hatte ich schnell die Nase voll von den betroffenen Obamas, Camerons, Merkels, Steinmeiers und so weiter – aber auch von den betroffenen Je Suis Paris und so weiter Tweets in den sozialen Medien. Folgenlose Betroffenheit, vielleicht verständlich, bei Politikern immer auch kalkuliert. Aber wenn es dazu dient, davon abzulenken, dass man nichts wirklich dafür tut, dass sich so etwas nicht wiederholt, dann ist es sogar schädlich. Ich bin auch traurig, ja, aber vor allem wütend.

Der IS ist so sehr in Bedrängnis wie noch nie. Jahrelang eilten sie von Sieg zu Sieg, expandierten, wurden reich. Davon redet niemand mehr. Der gescheiterte Sturm auf Kobane war der Wendepunkt. Ganz alleine, unter den Augen der tatenlosen Türkei, unterstützt nur von einigen US-Kampfjets, haben die kurdischen Kämpfer und sehr viele Kämpferinnen den IS besiegt. Am Freitag haben kurdische Peshmergas Sindjar zurückerobert, die Stadt der Jesiden, und einen großen Abschnitt der Hauptverbindungsstraße von Mossul nach Syrien, also faktisch das IS-Gebiet in zwei Hälften geteilt. Eine schwere Niederlage für den IS.

700 zu allem entschlossene IS-Kämpfer konnten gegen die der PKK nahestehenden Kurden im Westen (ohne westliche Untersützung) und den Peshmergas der irakischen Kurden (mit US-Unterstützung) nicht lange standhalten. Am Freitag war auch sicher bestätigt, dass der britische  IS-Henker „Jihadi John“ bei einem US-Luftangriff der der IS-„Hauptstadt“ Rakka endlich getötet wurde.

Gut so. Endlich sind sie in ihrem Märtyrerhimmel und können 77 Jungfrauen am Tag vergewaltigen. Davon haben sie doch immer geträumt.

Wenn Russen, Franzosen und Amerikaner gemeinsam mit den Kurden vorhätten, den IS komplett auszuradieren, und dafür auch Bodentruppen einsetzen, es würde keine zwei Wochen dauern. So etwas wäre auch fairer gegenüber den Kurden, die unter unglaublichen Anstrengungen alleine die Hauptlast dieses Kampfes tragen. Vielleicht machen die Franzosen und Russen es jetzt, es wäre höchste Zeit.

Wenn die Europäer – und vor allem die besonders untätigen Deutschen – endlich die IS-Unterstützernetzwerke in Europa hinter Gitter bringen würde, wäre auch schon viel gewonnen. Man kann doch nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn der deutsche Verfassungsschutz berichtet, dass die Jihadisten-Netzwerke in Deutschland versuchen, syrische Flüchtlinge anzuwerben. Warum man diese Typen dabei nur beobachtet, statt sie festzunehmen, das wissen nur die Deutschen. Auch die Franzosen werden aus Schaden anscheinend nicht klug. Schon die Charlie-Hebdo-Killer waren polizeibekannte Jihadisten, liefen aber frei herum. Der eine bereits identifizierte Pariser Killer vom Freitag war auch „geheimdienstbekannt“. Über 3000 „Syrien-Heimkehrer“ sind den französischen Behörden bekannt, leben in Frankreich. Wenn ihr diese Typen nicht verhaften wollt, braucht ihr euch nicht zu wundern.

Nein, was die europäischen Sicherheitsdienste und Innenpolitiker sich in Sachen Terrorbekämpfung leisten, ist peinlich. Deutschlands Regierung tut so, als wäre die Vorratsdaten-Speicherung die Lösung und dafür wird der Terror als gutes Alibi benutzt. Frankreich hat eine scharfe Vorratsdaten-Speicherung, und es nützt offenbar nichts. Ihr müsst nicht Daten über uns alle sammeln, ihr müsst die Typen, die ihr als Jihadisten kennt, verhaften. Dass ihr es nicht macht, zeigt, dass es euch um etwas anderes geht.

Aber militärische und polizeiliche Bekämpfung des IS-Terrors ist nur der eine Teil. Auch wenn der IS kein Gebiet mehr in Syrien und Irak kontrollieren würde, auch wenn die bekannten Jihadisten-Netzwerke in Europa im Gefängnis wären, diese Typen sind wie eine Hydra. Sie wachsen nach.

Aber nicht von alleine.

Jetzt kommen wir zu dem Teil, über den in der westlichen Öffentlichkeit niemand spricht.

Der IS ist kein Unkraut, das von alleine gewachsen ist. Es ist eine sorgfältig gezüchtete Saat. Wie schon al Qaida ist es eine Kreation radikaler sunnitischer Jihadisten vor allem aus Saudi-Arabien und  aus Qatar. Wahhabitische Fundamentalisten, die unendliche Geldressourcen haben und Teil der herrschenden Familienclans dieser Länder sind. Sie werden nicht unbedingt von den Staatsspitzen gedeckt, aber auch nicht von ihnen bekämpft. Man verhaftet doch nicht seine eigenen Familienmitglieder. Staatskassen und Privatkonten sind in diesen Ländern gar nicht wirklich zu trennen.

Nach 9-11 war es kurzzeitig Thema. Alle Attentäter waren Saudis. Gedeckt und finanziert von den herrschenden Familien. Die wirklichen Hintermänner wurden weder identifiziert noch gefasst. Der Clown Osama bin-Laden wurde als Hauptschuldiger hingestellt, obwohl er längst nicht mehr wichtig war.

Die Saudis waren tabu. Sie sind es immer noch. Unverzichtbare Verbündete gegen den Iran, unverzichtbare Öllieferanten und vor allem Stabilitätsgarantie für den Ölmarkt.

Langsam, langsam bröckelt es. Das saudische Öl braucht Amerika nicht mehr. Nach Ahmadinedschad ist der Iran auf Verständigungskurs mit dem Westen, sehr zum massiven Ärger der Saudis. Der Westen erkennt sogar, dass das angebliche Terror-Regime in Teheran schon lange keine Attentate mehr gegen den Westen organisiert hat. Es gibt keine schiitischen Islamisten, die den Westen angreifen. Nur Sunniten, alle unterstützt und finanziert aus Qatar, Saudi…und Erdogans Türkei. Frustrierte Sunniten aus aller Welt, nicht nur aus Irak und Syrien, werben sie an. So fanatisiert diese auch sein mögen, völlig ohne finanzielle Anreize ziehen nur die wenigsten in den Jihad.

Jetzt wird es noch spannender. Nicht nur die vermeintlichen Verbündeten in Riad und Doha betreiben ein verlogenes Doppelspiel, auch Erdogan. Ihn fallenzulassen, traut sich der Westen erst recht noch nicht.

Aber er müsste es.

Die Türkei hat seit Erdogans Machtübernahme immer engere wirtschaftliche Beziehungen zu den Golfmonarchien aufgebaut. Qatar-Geld wird überall in der Türkei investiert. Ohne Qatar wäre wahrscheinlich die AKP nie zu dem geworden, was sie ist. Ohne die Türkei wiederum wäre der IS nie zu dem geworden, was er ist – vor allem wäre er an Geldmangel eingegangen. Alle Ölgeschäfte wickelt der IS über die Türkei ab, in der Türkei verdienen eine ganze Reihe Leute sehr gut an diesen Geschäften. Dafür liefert der IS sogar Selbstmordattentäter, die Erdogans innenpolitische Gegner mitten in Ankara in die Luft jagen. Das ist alles kein Geheimnis, dennoch hofiert der Westen  Erdogan mehr denn je.

Follow the money. Hinter dem IS stecken einflussreiche Kreise bis in die höchsten Etagen des Staates in der Türkei, Qatar, Saudi-Arabien. Sunnitische Kreuzzügler gegen die Schia, gegen den Westen, gegen den Säkularismus, gegen die Toleranz. Gegen uns, gegen dich, gegen mich. Reich geworden durch die Ölsucht des Westens. Durch deine Ölsucht, durch meine Ölsucht. Wenn die NSA wollte, sie könnte die Namen der meisten veröffentlichen.

Sie als Verbündete  fallenzulassen, harte Wirtschaftssanktionen, die Geldflüsse umfassend trockenlegen, mit einer paar guten Hackerangriffen in den Banken Dubais die Konten der Gangster zu leeren, die Qatar-Investments im Westen einfrieren wie einst die iranischen, das wäre jetzt nötig. Das traut sich der Westen nicht. Es wäre ein kompletter Wechsel des Koordinatensystems. Putin und der Iran wären die Verbündeten des Westens, die Golfmonarchien und Erdogan Regime die den Terror unterstützen. Die Golfmonarchien würden unter Sanktionen wie einem Ölembargo sehr rasch zusammenbrechen, sie sind reine Rentiersökonomien.

Auch das wird passieren höchstens im Schneckentempo.

Bis dahin werden noch weitere Massaker passieren. In Syrien, in Irak jeden Tag. Einen Tag vor Paris sprengten IS-Selbstmordattentäter  in Beirut 43 Leute in den Tod und 230 ins Krankenhaus. Aber das waren nur Araber und Schiiten. Das ist dem Westen egal, der Politik wie der Gesellschaft. Die Türkei wird immer diktatorischer. 128 Tote und 500 Verletzte in Ankara vor wenigen Wochen. Aber nur Kurden und Türken. Das ist dem Westen auch egal. Yemen wird in die Steinzeit gebombt von Saudis und Qatar.131 Tote bei der Bombardierung einer Hochzeitsfeier durch die Saudi-Luftwaffe (US-Flugzeuge) in Yemen im September. Aber: nur Yemenis.  Das ist dem Westen auch egal. Ab und zu wird nun auch ein europäisches Flugzeug explodieren und Selbstmordattentäter in Europa um sich schießen. Das ist dem Westen nicht egal. Vielleicht wird der IS-Terror und seine Hintermänner in Riad, Doha, Ankara nun doch ernsthaft und nicht nur verbal angegriffen. Vielleicht. Ich wage es kaum zu hoffen.

AB0001

It’s so horrible

Über sunflower22a

I am a mystery.
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9 Antworten zu Follow the money

  1. Pingback: Follow the money | Red Skies over Paradise

  2. waswegmuss schreibt:

    Osama. Einen bettlägrigen Mann aus pakistanischem Militärhausarrest entführen und töten. Reife Leistung Obama.

  3. Holger schreibt:

    Es gibt zu der doppelbödigen Politik des Westens ein gutes Kabarettvideo von Volker Pispers. Darin skizziert er die US-Aussenpolitik seit Ende des II. WK -mit all ihren Widersprüchen. Zugegeben – etwas vereinfacht, aber es passt. Am Schluss stellt er zwei Fragen ans Publikum:“..sie wundern sich dass die (die Muslime, Afrikaner u.a.) uns hassen und uns töten wollen? Wann fangen Sie an sich zu fragen, warum bisher SO WENIG passiert ist?“
    Es ist diese Doppelmoral, die mich anwidert. Saudi-Arabien hat einen Sitz in der UNO-Menschenrechtskommission. Saudi-Arabien!! Wie das ging steht hier: http://blog.fefe.de/?ts=a8f0f215
    Wie Du sagtest – von dort kommen die Gelder für den IS, für Al-Quaida und Konsorten; die Saudis bomben gerade den Jemen in die Steinzeit zurück -aber das ist OK. Aber Putin, jaaaaaaaaaa, das ist ein gaaaaaanz pöser Pursche.
    David Cameron stülpt den Briten gerade eine Überwachung über, die die Stasi alt aussehen lässt – geschenkt. Ist ein lupenreiner Demokrat.
    Die EU würgt mit ihren Freihandelsabkommen eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung in afrikanischen Staaten sehr erfolgreich ab. Wenn es die Verzweifelten wider Erwarten durch die Sahara schaffen, lässt man sie im Mittelmeer ersaufen und macht dicht. Bekommt aber den Friedensnobelpreis.
    Aber wehe, man spricht das mal so an, womöglich noch mit Fakten untermauert. Habe heute nur kurz angemerkt, dass das, was in Paris passiert ist in Syrien Alltag ist. Wer denn um diese Toten trauert -150 Tote fallen in Syrien wahrscheinlich tagtäglich an. Na, da hatte ich aber sofort die Arschkarte. Wie ich denn nur so herz- und pietätlos sein könne.

    Hier ist noch ein blog, der die Gräuel in Syrien dokumentiert; in Wort, Bild und tlw. Video. Nichts für schwache Nerven, aber ich glaube notwendig. Der Autor widerlegt die Mär von angeblich moderaten Islamisten – er wühlt sich dazu durch die Presse, youtube und twitter – über Jahre. Da tun sich Abgründe auf: https://urs1798.wordpress.com
    Aber wie gesagt – das ist nichts für schwache Nerven!

  4. epikur schreibt:

    Sehr guter Text zu den Ereignissen!

    Diese Doppelmoral ist wirklich unerträglich. Wenn sie in Facebook alle anfangen französisch zu tragen und beim nächsten Post über syrische Flüchtlinge meckern, vergeht mir alles. Was auch oft unerwähnt bleibt, sind die US-Drohnenmorde, die bald die 5.000 knacken werden. Da werden in Afghanistan, Syrien und Irak massenweise Menschen per Joystick abgeschlachtet (darunter viele Zivilisten), und keinen interessierts im „Westen“. Aber das sind ja nur die „Bösen“. Diese bigotte, infantile Moral inklusive Cat Content und Dschungelcamp, ist nur noch zum fremdschämen.

    Das Problem ist auch, dass uns gerade die „westlichen Werte“ den Terrorismus eingebrockt haben. Denn dazu gehört nicht nur Techno, Mcdonalds, Porno, Trash-TV und Mario Barth, sondern eben auch Imperialismus, Kriege für Rohstoffe und Transportwege, Freihandelsabkommen, Outsourcing von Ausbeutung (Sweat Shops), Neokolonialismus (Afrika) sowie Deregulierung, Liberalisierung und Flexibilisierung. Man kann nicht in weiter Ferne Kriege führen, Länder in die Steinzeit bomben, Wälder und Naturlandschafen mit chemischem Müll zerstören, Diktatoren mit Waffen beliefern – und sich dann Zuhause sicher fühlen wollen.

  5. Vox Populist schreibt:

    Anstelle darauf zu warten dass unsere Politiker irgendwann mal den Arsch hochkriegen, können wir uns auch selber zu ein paar Klicks aufraffen und mithelfen, dass ein paar Syrer mehr unbeschadet und mit genug zu Essen durch den Winter kommen:
    https://www.drk.de/spenden/spendenformular-fluechtlingshilfe.html

    Zur Finanzierung des Terrorismus: Behaltet im Hinterkopf, dass die Geldgeber (welche von uns mit Waffen in Milliardenhöhe versorgt werden) signifikante Unternehmensanteile an deutschen Schlüsselindustrien halten. Die Kleptokraten und Staatsfonds aus Saudi-Arabien, Katar und den VAE besitzen nicht nur Fußballklubs, sondern auch Aktien im Multimilliardenwert z.B. von VW, EOn, Damiler und der Deutschen Bank, können also massiven Druck auf die Bundesregierung ausüben, wenn dort jemand ernsthaft die Waffenexporte in Frage stellen wollte. In den USA sieht das nicht anders aus. Die engen Verbindungen des Hauses al Saud mit der US-Energieindustrie sind hinlänglich bekannt, ebenso wie die Geschäftsbeziehungen der bin Laden-Familie mit der Bush-Dynastie.

    Zur Terrorbekämpfung: Sunflower, bei den Maßnahmen die Du Dir vorstellst solltest Du bedenken, dass Recht und Gesetz in Frankreich und Deutschland eine dauerhafte Präventivinhaftierung ohne das Recht auf ein faires Verfahren (due process) nicht erlaubt. Und das erfordert gerichtsfeste Beweise für die Mitgliedschaft in einer Terrororganisation oder Vorbereitung von Terroranschlägen. Genau deshalb werden diese „Gefährder“ abgehört und observiert, um Beweise gegen sie zu sammeln. Da der Staat dafür nicht unlimitiert Personal hat und nicht in jedes Schlüsselloch gucken kann, werden ihm immer wieder mal Terroristen durch die Lappen gehen. Anders Breivik war auf niemandes Radar, kein Sicherheitsgesetz der Welt hätte gegen ihn geholfen. Von den 99 % Anschlägen die in verschiedenen Stadien der Durchführung scheitern, erfahren wir zum größten Teil nichts, da die Sicherheitsdienste den Terroristen keine Informationen über ihre Herangehensweise liefern wollen.

    Das einzige westliche Land in dem es all Deine Wunschmaßnahmen schon gibt, weil es bereits sehr viel länger mit dem islamischen Extremismus zu kämpfen hat als wir, ist Israel. Also genau das Land, welches Du hier regelmäßig genau deshalb brandmarkst. Die buchten auch palästinensische Teenager für ein paar Jahre ein, wenn jene auf facebook irgendeinen antisemitischen Schmarrn posten. Tausende Palästinenser sitzen ohne Gerichtsverfahren ein. Diese Politik hat Israel aber nicht sicherer gemacht, denn solche Sicherheitsmaßnahmen führen zu systemischer Diskriminierung der überwachten Bevölkerungsgruppe und schaffen ein Klima, in dem die Diskriminierten eine Rekrutierungsquelle für neue Terorristen bilden.

    Einmal eingeführt, wird der Sicherheitsapparat diese Mittel nie wieder hergeben – und sie gegen Alles und Jeden einsetzen. Das FBI setzt die weitreichenden Befugnisse zur Terrorismusbekämpfung die ihm im PATRIOT-Act gewährt wurden, wie z.B. die national security letter, mittlerweile zu 99,9 % gegen gewöhnliche Kriminelle und unbescholtene Bürger ein. Nichts Anderes können wir hier erwarten, wenn unsere Sicherheitsorgane dieselbe Macht bekommen.

    Ist diese enorme Einschränkung von Bürgerrechten das bischen mehr Sicherheit wert? Für mich nicht. Ich habe mehr Angst vor einem Überwachungsstaat, als davor, Morgens in der Bahn in die Luft gejagt zu werden. Vor Allem aber bin ich fest davon überzeugt, dass es einen besseren Weg gibt, den islamistischen Terrorismus von unseren Straßen fernzuhalten: Unterstützung von NGOs statt Aufrüstung von islamistischen Staatskleptokratien, Unterstützung von liberalen islamischen Ländern statt Unterstützung der Fundamentalistischen Golfmonarchien, Rückzug aller unserer Truppen aus der Region, Beendigung der ständigen Einmischung in deren interne Angelegenheiten, Beendigung des Drohnen- und Bombenkriegs. Wenn Europa und Nordamerika von iranischen Militärbasen überzogen wären, wenn die weit überlegene iranische Luftwaffe alle paar Jahre irgendein westliches Land plattbomben würde, dann würden wir uns, jeder anderen Möglichkeit des Widerstandes beraubt, auch irgendwann Sprengstoffgürtel umschnallen. Diese Gewalt und Gegengewalt ist ein Teufelskreis aus dem wir aussteigen müssen.

    Terrorismus ist der Krieg der Hütten gegen die Paläste, Krieg ist der Terrorismus der Paläste gegen die Hütten. Es sind nicht die Menschen in den Hütten, die den ersten Schritt zum Ausstieg aus diesem Gewaltkreislauf machen müssen: Das obliegt uns.

    • sunflower22a schreibt:

      danke vox populi. ich glaube wir haben gar keinen grossen Dissens. ich moechte gar keinen ueberwachungsstaat, das habe ich auch nie geschrieben. mir reicht es schon aus, wenn terroristische gruppen nach den bestehenden gesetzen (dafuer braucht man gar keine schaerferen) hart rangenommen werden, wer heute nach syrien via tuerkei reist ist doch kein badetourist, sondern faehrt zum IS. um diese leute wegen unterstuetzung einer terroristischen vereinigung anzuklagen brauchst du keine flaechendeckende massenueberwachung, keine ueberwachung von dir oder mir. ich habe manchmal fast den eindruck den sicherheitsapparaten geht es gar nicht darum, die gefaehrlichen jihadisten wirklich einzusperren. solange die frei sind, kann man eher ein klima der angst schueren um so etwas wie vorratsdatenspeicherung durchzusetzen. frankreich hat vorratsdatenspeicherung, aber was bringt das wenn du 3000 syrien-heimkehrer nicht als das behandelst was sie sind: zeitbomben.
      wo ich dir aber scharf widerspreche ist die aussage: „Terrorismus ist der Krieg der Hütten gegen die Paläste, Krieg ist der Terrorismus der Paläste gegen die Hütten. “
      Nein, die Jihadisten treffen exakt keine Palaeste, sondern killen normale Menschen. sie lassen die Palaeste sehr absichtsvoll in Ruhe, weil sie sonst wirklich gnadenlos verfolgt wuerden. welchen politiker oder wirtschaftschef haben denn die jihadisten bisher schon mal angegriffen? ich kenne keinen.

      • Vox Populist schreibt:

        Hallo Sunflower,

        Du hast schon Recht, dass diese Sentenz nur bedingt auf islamistische Terroristen zutrifft. Diese sind in der Regel Mitglied der oberen Mittelschicht, haben studiert und leiden gerade nicht an einem Mangel an Lebenschancen. Osama bin Laden war Mitglied einer der reichsten Familien Saudi-Arabiens. Eine der Paris-Attentäterinnen führte bis vor Kurzem noch ein Unternehmen. Dennoch erscheint es diesen Menschen reizvoll, sich zu Anführern der Entrechteten und Unterdrückten aufzuschwingen. Warum?

        Der islamistische Terrorismus ist eben nicht nur Resultat einer ökonomischen Rückständigkeit, sondern auch einer geistigen Rückständigkeit und ganz Allgemein eines zivilisatorischen Unterlegenheitsgefühls. Wir können härter gegen die Terroristen von Heute vorgehen, aber wie verhindern wir das Entstehen der Terroristen von Morgen?

        Für mich ist es jedenfalls nicht Aufgabe des „Westens“, islamische Länder zu „zivilisieren“ – das ist der vermeintlich gut gemeinte (Demokratie, Frauenrechte usw.) Aufguss kolonialer Attitüden der alten europäischen Imperien, welche einen gehörigen Anteil an der heutigen Situation in Nordafrika und auf der arabischen Halbinsel haben. Nur die Menschen in Saudi-Arabien, Pakistan oder Ägypten selbst können ihre Gesellschaften entwickeln. Sie und nur sie müssen bestimmen, wie sie leben wollen. Dazu werden sie sich von ihrer Religion emanzipieren müssen, ein Prozess der in unserem eigenen Kulturkreis bereits seit einem halben Jahrtausend (die Reformation feiert bald ihren 500. Geburtstag) andauert und auch immer wieder von Rückfällen begleitet war (man denke nur an den 30-jährigen Krieg, oder an die Schrecken des Faschismus).

        Ich habe nicht den Eindruck, dass die Eliten in Europa oder den USA ein echtes Interesse daran haben, diese Entwicklung zu fördern – oder wenigstens nicht zu behindern. Ihre politischen Entscheidungen sprechen eine andere Sprache. Wer die radikalsten islamistischen Steinzeitregime mit Geld und Waffen fördert, der hat offensichtlich den Plan, die Grundlage für den islamistischen Terrorismus zu erhalten.

        Und damit – wie Du schon ganz richtig bemerkst – auch die Rechtfertigung für den ständigen Ausbau des Überwachungsstaates hier bei uns. Denn der braucht einen äußeren Feind und einen besseren Feind als islamistische Terroristen gibt es seit dem Ende der Sowjets nicht mehr.

        Ein paar tausend zusätzliche Polizisten um die „Gefährder“ zu überwachen wären für unsere Sicherheit im Hier und Jetzt eine wesentlich bessere Investition der halben Milliarde Euro pro Jahr, welche die Vorratsdatenspeicherung kostet. Das weiß auch jeder Politiker und jeder Sicherheitsexperte. Dass das nicht geschieht zeigt, welche Interessen wirklich hinter diesem „Krieg gegen den Terrorismus“ stecken: Instrumente zum Selbstschutz der Eliten zu schaffen, angesichts der in den nächsten Jahrzehnten zu erwartenden Verteilungskämpfe zwischen ihrer eigenen kleinen Schicht und einer wachsenden Zahl an Armen.

  6. Andi Latte schreibt:

    Ein sehr guter Beitrag! Hier im „Westen“ verdienen auch zu viele am Lenken der Geldströme, dabei wäre es so einfach, den Terroristen den Geldhahn zuzudrehen!

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