Haarige Trends

Madonna hat keine Lust, sich die Achselhaare zu rasieren. So etwas ist eine weltweite Meldung wert, und natürlich begründet sie das mit einem pseudo-emanzipatorischen feministischen Touch . Schon in der Schule war sie so, da war sie noch gar nicht berühmt „I refused to wear makeup, to have a hairstyle. I refused to shave. I had hairy armpits. The boys in my school would make fun of me. ‚Hairy monster.‘ You know, things like that,“ she said, adding: „Straight men did not find me attractive. I think they were scared of me because I was different. I’ve always asked, ‚Why? Why do I have to do that? Why do I have to look this way? Why do I have to dress this way? Why do I have to behave this way?'“

Ach nee. Du must gar nichts. Als ob das eine Vorschrift wäre. Nicht nur Madonna behauptet das, anscheinend gehört es zu feministischen Mainstream, dem gesellschaftlichen Mainstream entgegenzutreten. „Die haarige Feministin“  macht den heldenhaften Selbstversuch und weigert sich gegen alle Widerstände, irgendwelche Haare zu entfernen: „Nach einem Jahr halte ich nun fest, dass der größte Feind in meinem Kopf sitzt. Allerdings erhält er jeden Tag massive Unterstützung aus all den Zeitschriften, Webseiten und Fernsehsendungen, die mir nur haarlose Frauen zeigen und die besten Wege, genau so auszusehen.“

Auch in der Kunst ist das gerade irgendwie Trend. Saam Fahramand hat ein Video gedreht, bei der einer nackten schönen haarlosen Frau plötzlich überall Haare wachsen. „One of the things I appreciate most about female beauty is what’s commonly appreciated the least,” says Saam Farahmand of his ode to body hair. “I wanted to find something about women that was almost unanimously disliked.”

Immerhin erkennt er: “If there is a genuine renaissance of female body hair in London, New York or Berlin, then like the modern man’s neo-beard, it will be abandoned when the first tufts start creeping out of glamour models’ armpits on reality TV shows.”

“Au naturel” nennt sich dieser Trend, “natural look” oder was auch immer, die Ökos sagen wahrscheinlich “naturbelassen” dazu. Was lassen sie sich nicht alles für Begründungen einfallen, von Hygiene bis zum Duft natürlicher Sexualhormone, der in Achselhaaren, Schamhaaren und Bärten hängen soll, befreiend sei es dem gesellschaftlichen Zwang zur Enthaarung entgegenzutreten.

Leute, macht mal halblang. Wenn „naturbelassen“ wieder zur Norm wird, dann muss auch Schluss sein mit Haare färben, mit Dauerwellen, mit Strähnchen, wahrscheinlich sogar mit Haare schneiden, Nagellack, Lippenstift, und so weiter. Was Michael Horbach vor zwanzig Jahren noch in der Ausstellung „Die andere Seite der Schönheit“ als exotisches Randgenre der Aktfotografie präsentierte und was dort durchaus seinen Reiz hatte, wird nun zu einem „emanzipatorischen Akt“ verklärt. Selbst Transsexuelle machen heute Karriere, weil sie…einen Vollbart tragen.

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Tut mir leid. Es ist in Ordnung, wenn Frauen und Männer zu faul sind, sich zu rasieren oder sich die Haare permanent entfernen zu lassen, und mit haarigen Beinen, mit Schamhaaren, Achselhaaren, Brusthaaren, Bärten usw herumlaufen.

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Dafür muss sich niemand schämen, aber ein emanzipativer Akt ist es auch nicht. Sondern nur Bequemlichkeit und ein, sagen wir mal, eigenartiger Sinn für Ästhetik. Denn schön ist es nun wirklich nicht, finde ich.

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Soll das etwa schön sein?

Über sunflower22a

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7 Antworten zu Haarige Trends

  1. HairyComment schreibt:

    Es soll nicht schön sein, es ist schön🙂
    Nachdem Frauen kein Bart wächst ist Scham- und Achselbehaarung die Gelegenheit auch als Hetero-Mann duch krauses Haar kraulen zu können – einfach toll! Weiblich heisst nicht gleich weich, zart oder glatt…
    Tolles Blog, nur der Mode/Körperhaarphilosophie stimme ich nicht zu😉

  2. tikerscherk schreibt:

    Möglicherweise ist es auch ganz anders. Weder Selbstbefreiung noch Faulheit, sondern einfach das was es ist: Haare an manchen Körperregionen.

  3. Anonymous schreibt:

    Seltsam. Du hast bisher den Eindruck erweckt, ziemlich tolerant zu sein, was die körperlichen Akzente Deiner Mitmenschen und Sexpartner angeht. Jedoch Körperbehaarung scheint für Dich ein absolutes NoGo.
    Ich persönlich finde kurz geschnittene Schaambehaarung viel hübscher als eine nackte, geradezu kindliche Muschi.

  4. Lautenist schreibt:

    Ich find’s meistens schöner mit Schambehaarung. Das ist aber reine Geschmacksache – soll jede(r) machen, wie er will.
    Ich bekomme nur vom „Hygiene-Argument“ die Krätze🙂

  5. Pingback: Schönheit und Feminismus – ein Gegensatz? | sunflower22a

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