Shopping offline

Vielleicht bin ich zu alt. Vielleicht bin ich zuviel online. Vielleicht stört es mich, dass ich immer mehr leere Ladenlokale sehe. Whatever. Aber ich entwickele eine Aversion gegen online shopping, und seine Begleiterscheinungen. Die vielen leeren Kartons die überall die Container füllen, über-füllen. Die vielen Paketdienste, die überall herumkreuzen. Und natürlich, die leeren Ladenlokale.

Berlin ist eine spannende Stadt auch weil es hat viele sehr individuelle Läden. All kinds of things. Liebevoll gemachte Läden, die Existenz von Menschen die etwas von ihren Waren verstehen. Portugiesischer Wein, Hunderte verschiedene Varianten. The Oil Shop, mit 20 Sorten Trüffelkernöl. Western-Lederjacken. Antiquitäten aller Art. Alles dieses, ich liebe es, selbst wenn ich in den meisten Läden gar nicht einkaufe. Eine Straße bekommt einen ganz anderen Charme mit solchen Läden. Und wenn du gehst doch mal rein, aus Neugier, es ist immer spannend.

Und dann kommt Amazon, oder irgendjemand anders, und du bestellst alles das mit einigen Mausklicks. Irgendein miserabel bezahlter Mensch packt in einer seelenlosen Lagerhalle alles in einen Karton, es kommt mit einem Paketdienst. Is this what we want?

In America, man redet jetzt von großen Sterben der Malls. Online macht sie kaputt. America hat sechs mal soviel Ladenfläche pro Person wie Deutschland, can you imagine. Das ist zuviel. The Guardian:

Earlier in the month, Richard Hayne, chief executive officer of Urban Outfitters, equated the woes facing retail in 2017 to the housing market of 2008. Hayne traced the problems to over-expansion in the 1990s and early 2000s, noting that the US now had six times the retail space per capita of either Europe or Japan. “The US market is oversaturated with retail space and far too much of that space is occupied by stores selling apparel,” he said, anticipating that retail retrenchment would continue “for the foreseeable future and may even accelerate”.

Wenn die Malls sterben, bye bye, I won’t miss them. Sie sind nicht besser als Lagerhallen. Wal-Mart is an economic cancer on our cities, Salon hat es perfekt beschrieben.

But this is not what I’m talking about.

I want a retail revolution. Zerschlagt die großen Ketten, boykottiert sie so ihr könnt. Deutschland ist so ein diverses Land, aber die Einkaufsgebiete der Städte werden immer ähnlicher. Dieselben Ketten überall, in Nord und Süd, West und Ost. Ich möchte individuelle Läden. Mit unterschiedlichen Angeboten. Ich möchte neues entdecken in einer neuen Stadt, nicht dieselben Läden mit demselben Zeug überall. Das war einmal so. Es wurde von den Ketten kaputt gemacht. Main Street was killed by the malls. Now the malls are killed by online. Das kostet viele Arbeitsplätze.

A recent report in New York Times documented the decline of suburban malls as online shopping advances. The e-commerce share of total retail sales has doubled roughly every six years since 2004, reaching 8.3 percent at the end of 2016. One result is that employment at retail outlets has fallen. Department stores and other general merchandise stores, like supercenters and warehouse clubs, have been hit especially hard, shedding 89,000 jobs from November through March.

Und, sehr erstaunlich, die NYT erkennt sogar das soziale Problem: Service workers are poorly paid and have few benefits because of intentional policy decisions, not impersonal forces. Unless those policies are changed, such jobs will never restore and support a middle class.

MarketWatch schreibt: Amazon could destroy as many as 2 million jobs, which are as many as one study said were lost to China.

Immerhin, die Männer können sich freuen. Im online und Transportsektor, sie sind viel stärker vertreten als in Shops – a shifting gender split benefitting men, wie Business of Fashion schreibt.

Die rasch steigenden Mieten, sie sind ein großes Problem für Läden aller Art. Seit die Nullzinsen die Renditejäger immer mehr in Immobilien treiben, können immer weniger Läden in Metropolenregionen die Mieten noch bezahlen, sogar große Unternehmen in Manhattan gehen in die Knie: „Retailers Brace for New York Real Estate Apocalypse“.

Wenn wir nicht aufpassen, werden die Online-Händler, die bequemen und gleichgültigen Online-Kunden, und die Immobilienmafia die Innenstädte ganz kaputt machen. Sie werden uns zu einer Horde von Online-Autisten machen, die alles online bestellen, auch das Abendessen, und natürlich gar nicht mehr merken dass sie in seelenlosen, gleichförmigen Ansiedlungen leben. Eine schreckliche Vision. Ich kaufe wieder mehr offline.

Kind of unusual sales promotion…

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Fremde Federn: Die Unverbesserlichen

Schäuble in Washington. Er befindet sich auf der Anklagebank, und versteht nicht warum. Ein Mitarbeiter der Weltbank nennt ihn öffentlich den „Diktator Europas“. Das niedrige deutsche Lohnniveau, die enormen Export-Überschüsse, die wachsende deutsche Dominanz in der EU…allmählich reicht es immer mehr Leuten, außerhalb dieses Landes, natürlich. In Deutschland selbst sind sie auf diese Bilanz sogar stolz.

Gerhard Mersmann hat es treffend beschrieben, was sie sind, die Deutschen: „Die Unverbesserlichen“:

„Chef-Ideologe Schäuble…lässt sich weder dazu überreden, andere Länder zu stützen noch die Löhne im eigenen Land signifikant steigen zu lassen, um den Binnenmarkt zu stärken und das Konkurrenzverhältnis zugunsten anderer Anbieter zu verbessern. Getragen wird er dabei von einer großen Sympathiewelle im eigenen Land. Und es scheint sich wieder einmal zu bewahrheiten, dass Deutschland die Heimat der dilettantischen Kaufleute ist, ohne Kulanz, ohne Weitsicht, ohne Strategie.“

I could not agree more.

Ich empfehle seinen Blogbeitrag wärmstens.

We lost the bid to the Germans? Again?

 

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Erotic Stories: Sharing a hotel room

Wieder eine dieser sinnlosen Besprechungen. Seit Isabel mehr Verantwortung übernehmen musste, muss sie regelmäßig zu diesen Besprechungen, verreisen, in ein teures Hotel, drei Tage lang. Was dabei herauskommt, ist nicht viel. Es ist offenbar ein Ritual in der Firma, die männlichen Teilnehmer schätzen es sehr, sie netzwerken. Das Wichtigste sind die Abende. An der Bar, im Salon. Sie trinken viel, die Firma zahlt. Frauen sieht man nicht viele bei diesen Besprechungen, noch weniger bei den abendlichen „Sitzungen“. Du kannst femme fatale spielen und sie ärgern, wenn du willst du kannst dann jeden beliebigen ins Bett zerren, aber sie nehmen dich nicht ernst. Du kannst die Überlegene spielen, dann hassen sie dich. Das Gegenteil von erfolgreich netzwerken.

So, die Ladies sind meist allein im Zimmer, oder wenn sie sich gut verstehen zu zweit oder einer kleinen Gruppe woanders. Manchmal, sie netzwerken auch, aber die Gruppe ist klein, sehr klein.

Diesmal wurde es anders. Eine andere Stadt, ein anderes Hotel . Sie haben ein Zimmer zuwenig gebucht,  und keines mehr frei. Isabel und Maria wurden gebucht in ein Doppelzimmer. Bestimmt, es war Absicht.

Isabel hatte schon eingecheckt, noch zwei Stunden bis zum Meeting. Surprise. Ein wunderschönes Zimmer, it’s almost a love lounge for two. Queen-size purple bed, ein großes Bad ohne Wand, viele Spiegel. Eine große Badewanne im Zimmer, eine Dusche ohne Wand. You can watch your lover showering from your bed. Ideal for an erotic trip. Isabel denkt schon, eigentlich schade so ein wunderbares Zimmer ganz alleine. Isabel zieht sich um. When she wears almost nothing, the door opens.

Maria entering. She is hugely embarrassed. Ja, wir haben beide die gleiche Zimmernummer. Sie geht zurück zur Rezeption. So sorry, aber es ist so gebucht, wir haben kein anderes Zimmer frei. So, Isabel and Maria share this fancy room. Kein Doppelzimmer mit zwei getrennten Betten, ein Queen Size Bett mit einer großen Decke. Doch jetzt es geht nicht anders. Maria ist sehr unsicher. So ein Raumdesign, und ein Raum mit Isabel, ausgerechnet mit ihr. Was soll das bedeuten?

Sie könnten nicht unterschiedlicher sein, und sie kennen sich kaum. Maria ist was man im Deutschen eine „graue Maus nennt“, introvertiert, immer korrekt, unauffällig. Isabel ist flamboyant und extrovertiert, sie passt eigentlich nicht in diese Firma.

Vor dem Get-together am Abend, Isabel will unbedingt noch duschen. In this room, this is a challenge now – there is absolutely no privacy, except for the toilet. So what, Isabel denkt sich, und duscht. Sie denkt sich, let’s have fun, und macht eine kleine erotische Show daraus. Maria watches in fascination. Sie sagt kein Wort. „Hat es Ihnen gefallen?“. Sie antwortet nicht.

Das get-together ist eine Pflichtübung. Man hat den Eindruck, auch viele Männer haben heute keine Lust darauf. Maria verschwindet als erste. Isabel spielt heute die kompetente Businesslady, kein Hauch von femme fatale. Auch sie geht bald.

Maria liegt schon im Bett, sieht TV. „Stört es Sie? Ich schalte aus.“

„Danke, ja. Es war ein schreckliches Treffen, Sie sind als erste verschwunden.“

„Für mich sind solche Treffen reiner Horror, ich leide richtig.“

„Warum?“

„Diese ganzen Angeber, diese Gockelspiele, dieses leere Gerede, furchtbar.“

„Sie sind nicht zum Vergnügen hier, jeder durchschaut das hier. Aber es geht um die Hackordnung. Wollen Sie oben oder unten sein?“

 „Ich hasse das. Ich habe Sie letztes Mal beobachtet, ich gebe zu, ich habe Angst bekommen. Wenn eine Frau sich hier nur behaupten kann, wenn sie mit den Männern flirtet, furchtbar. Warum machen Sie so etwas?“

„Das ist eben meine Art, in diesem Spiel bin ich ihnen allen überlegen. Sie müssen verhindern, dass Sie ein Spiel spielen müssen, in dem die anderen besser sind.“

 „Nein, ich finde das schrecklich.“

„Maria, seien Sie ehrlich, Sie spielen hier keine Rolle. Sie können froh sein, dass man Sie deshalb in Ruhe lässt. Aber was machen Sie, wenn sich das ändert?“

Maria schluckt. „Ja, stimmt. Ehrlich, in Wirklichkeit, ich beneide Sie. Ich kann das nicht.“

„Lernen Sie es.“

Isabel undresses, takes her time in the corner that serves as bathroom.  Als Isabel ins Bett kommt, Maria sieht sie an mit großen Augen, sagt nichts.

„Isabel, ich habe noch nie mit einer Frau – erst recht eine nackte Frau – unter einer Decke geschlafen, in so einem Bett. Sie bestimmt, oder?“

„Ja. Sie erraten das richtig. Es kann sehr schön sein. Sind Sie unsicher?“

„Sehr. Ich hätte das nie gemacht, aber ich bin Ihnen dankbar dass Sie mich hier aufgenommen haben.“

„Das hat sich jemand für uns ausgedacht, die haben das absichtlich so gebucht. Ich muss Ihnen etwas ins Ohr flüstern.“ Sie rücken zusammen.

„Ist es nicht albern dass wir immer noch Sie sagen?“

Ja, sehr, Isabel, du hast recht.“ Maria kichert. „Es ist auch komisch dass ich immer noch Pyjamas trage, kleiner Moment.“ Sie zog sie aus und kam zurück unter die Decke. Isabel spürte, wie Marias Herz sehr schnell schlug, sie war sehr aufgeregt. Aber Isabel war zu müde. Bald schlief sie ein. Maria lag noch lange wach, betrachtete Isabel im spärlichen Licht, und dachte über alles Mögliche nach.

Am nächsten  Morgen, es ist Maria’s Show. Sie geht zur Dusche, aber erst nachdem Isabel wach ist. Isabel sollte alles sehen. Auch sie will eine Show in der Dusche machen. Maria rasiert sich ihren Busch ab. Isabel gratuliert, „eine gelunge Show, sexy lady!“ Maria lacht, umarmt Isabel. „Sexy lady!! Das hat noch nie jemand zu mir gesagt, Isabel, aber hier mache ich vieles das erste mal. Darf ich deinen Lippenstift benutzen? Ich möchte so gerne.“ Maria’s Verwandlung.

Isabel wird langsam unsicher. Was, wenn sich Maria in sie verliebt? Oh nein, bitte nicht. Bei dem meeting, Maria’s metamorphosis bleibt nicht unbemerkt. Sie redet viel mehr als sonst, genießt die Aufmerksamkeit. Und blickt immer wieder zu Isabel, smiling.

Am Abend, es wird viel später. Maria ist heute abend keine graue Maus, so kennt sie niemand. Schon zweimal hat sie sich zum Auffrischen Isabels Lippenstift ausleihen müssen. Flirtet sie mit den Männern?? Wow. Ohne Verabredung, irgendwann sind Isabel, Maria und die dritte Lady hier ein closed shop trio an der Bar, ladies only, sie ignorieren die gentlemen und vergnügen sich.

Als Maria und Isabel gemeinsam in das Zimmer gehen, sie sind müde aber sehr gut gelaunt. Kaum sie sind im Zimmer, Maria umarmt Isabel, küsst sie. „Isabel, ich bin ein neuer Mensch, du bist wunderbar!“ Quickly they undress, and they had a wonderful night.

 

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Sex sells – really?

Sex sells. You know this slogan. Angeblich steigert Sex in der Werbung den Absatz. Sex in der Werbung? What do you mean? Das Modelabel Eckhaus Latta hat das jetzt ausprobiert, wahrscheinlich das erste Mal. Die Collections von Eckhaus Latta sind nicht wirklich aufregend, schon gar nicht erotisch oder sexy, sie wirken eher schlumpfig und so als wären die Designer mit ihrem Handwerk etwas überfordert.

Wenn du also der Meinung bist, sex sells, dann mache doch einfach deine Kollektionen erotischer, schöner, eleganter. Viele Frauen sind gerne schön und sexy und mögen auch Männer, die schön und sexy sind. Diese Aufgabe war Eckhaus Latta zu anspruchsvoll. Sie nahmen den Slogan wörtlich.

Sie ließen echte Models echten Sex vor der Kamera haben, nicht nackt sondern in Klamotten von Eckhaus Latta. Bewundern kann man die Bilder bei Dandy Diary oder auch auf dem offiziellen instagram account von Eckhaus Latta.  Natürlich, alles verpixelt.  “It had to be authentic,” Eckhaus said in New York last night. “I don’t think the idea of simulation ever even crossed our mind.”

Photographin Heji Shin drückt es künstlerisch aus: “We were thinking of how we were using sexuality, the relationship between fashion advertising and sexuality—and in very direct terms saying sex sells.”

Ins Gespräch gekommen ist Eckhaus Latta damit auf jeden Fall. Natürlich hat man nicht nur eine Botschaft, wir möchten gerne mehr verkaufen, sondern a “sex-positive, body-positive, sexuality-positive”  message, as Eckhaus put it, that also commented on voyeurism and consumerism. “ For us, it was really important to think of sex as something really natural and not something fabricated, hyper-sexualized, or taboo,“ Eckhaus said.

Ach ja, und die Pixel auf euren Bildern zeigen schon ganz deutlich, es ist absolut nichts natürliches. Message backfired.

Auf jeden Fall, den üblichen feministischen Vorwurf kann man Eckhaus Latta nicht machen: sie haben nicht Frauen „objektifiziert“, sie haben schließlich Paare gezeigt.

So alt wie der Spruch „sex sells“, so alt ist die Opposition dagegen. Moralisch, konservativ, feministisch, religiös – es gibt viele Gründe dagegen zu sein. Natürlich, „sex“ bedeutet nicht wirklich Sex wie bei Eckhaus Latta, es bedeutet Erotik, ob mit oder ohne Geschmack, Schönheit, oder Eleganz.

Man kann es geschmacklos und dumm – genauer, BLÖD machen wie mediamarkt

oder ästhetisch wie Calvin Klein

oder pornographisch-provokativ wie St Laurent

du findest immer jemand der darüber sich aufregt. Modedesignerin Zoe Latta sagt: “I don’t know if sex sells,” Latta said with a laugh. “But it definitely creates some rubbernecking.”

Aber das einzig wirklich interessante Argument dagegen ist, vielleicht es stimmt gar nicht? What if sex doesn’t sell? Die Psychologen Brad Bushman und Robert Lull haben vor zwei Jahren herausgefunden, es stimmt nicht. Sex doesn’t sell.

Advertisers hoping to sway consumers might want to rethink running spots within media with violent or sexual themes, and might do better if the ads themselves have a G-rating, according to a study published by the American Psychological Association. Instead, violent and sexual media content may impair advertising’s effectiveness and ultimately deter purchasing, the research found. We found almost no evidence that violent and sexual programs and ads increased advertising effectiveness.

Oh surprise. Violent and sexual themes, all the same? Warum untersucht ihr das zusammen? Ist Sex Gewalt? Ist Erotik brutal? Das Thema der Studie verrät vielleicht mehr über den mindset der Autoren als über die Realität. Ich bin auch abgestoßen von Gewalt, aber nicht von Erotik. Ich bin sicher, die meisten Menschen auch.

Die Herren haben eine moralische Mission:

“There is plenty of sex and violence on TV. Indeed, well over half of TV programs contain sex, violence, or both…Regardless of the extent to which violent and sexual content have negative effects on society, the prevalence of violent and sexual media content merits consideration on its own.”

The prevalence of violent and sexual media content…ich weiß nicht, man kann den Medien vieles vorwerfen, aber nicht dass Gewalt und Sex darin dominieren . So eine Studie kann man also ignorieren, die Voreingenommenheit ist offensichtlich.

Dennoch, die Studie wurde überall zitiert, in Marketing-Fachzeitschriften und der Mainstream-Presse. „Sex sells? Von wegen!“ , „Werbung und Feminismus: „Sex sells“ funktioniert nicht mehr“, „Studie: Sex Sells? Stimmt nicht!“. „Stern“ meint: Das Motto „Sex sells“ hat in der Werbung Gültigkeit wie nie zuvor. Allerdings gilt dies nur für Europa„. Okay, maybe, aber: Eckhaus Latta sind übrigens Amerikaner. Im Gegensatz zu den zwei Psychologen scheint Jill Manoff eine seriösere Beobachtung zu machen. Sie schreibt in Glossy,

Maybe sex doesn’t sell anymore. Evident in the latest campaigns and runway collections, and the retailers managing to survive, revealing and body-conscious styles have taken a backseat to easy pieces (leggings, sweatshirts, tracksuits) and modest looks that leave much to the imagination. Today, skin is out, comfort is king and blatantly sexy is frowned upon. Some say it’s an obvious nod to female empowerment.

Sie beschreibt klare Markttrends der letzten 12 Monate, angesagt ist Komfort, Funktionskleidung, nicht Erotik. Ursache ganz undramatisch: “It’s not as much of a novelty any more”.

Und Jill weiß auch schon, wie es weiter geht:

Indeed, fashion has moved on from “naked dresses,” second-skin silhouettes and bras-as-tops. However, if history is any indication, the shift will be short-lived. “Trends are cyclical,” said Lehmiller. “Maybe ‘sexy’ has gone out of style for now, but it will be back again. Give it a few years.”

Ich bin erleichtert. Dandy Diary stellt jetzt schon fest: J.W. Anderson und Grindr, Hood by Air & DIESEL und Pornhub und jetzt Eckhaus Latta. Sex scheint erfreulicherweise in Mode.

Whatever they mean when they talk about sex and sexy. Eines ist klar: Erotik ist bei manchen Leuten nie in Mode, und bei manchen immer. Das ist gut so. Vielfalt macht die Menschheit spannend. Gefährlich wird es, wenn jemand seine Meinung und Moral dem Rest aufzwingen will.

I agree with this clear statement.

 

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Konservativ

Bin ich konservativ? Absurde Frage, dachte ich bis vor kurzem. Konservative, das sind Leute, mit denen du nichts zu tun hast. Sie sind sexuell verklemmt und wollen dich unterdrücken. Sie übertreiben es mit ihrem Religions-Aberglauben. Sie sind für Ungleichheit, für die Reichen und gegen die Armen. Sie sind Nationalisten und haben Ressentiments gegen Ausländer. Und so weiter.

Wahrscheinlich stimmt das alles nur teilweise, aber das sind die Vorurteile die andere über Konservative haben, zum Beispiel ich. Viele von ihnen sind durchaus nett, und außerdem: unangenehme Menschen gibt es auch unter Nicht-Konservativen.

Aber ich? Ich konservativ? No way.

Wirklich? Vielleicht nur eine Definitionsfrage.

Wenn du mit Hardcore-Neoliberals redest, du merkst, du bist konservativ, sie sind revolutionär. Sie wollen alles ändern, du nicht. Sie wollen alles deregulieren für die Konzerne, du nicht. Sie wollen noch mehr free trade, du nicht. Sie wollen den letzten Rest Sozialstaat abschaffen, du nicht. Sie fühlen sich als Avantgarde, du bist zurückgeblieben und konservativ. Sie sagen dir das ins Gesicht.

Shocking. But maybe it’s true.

Es sind nicht nur die Hardcore Neoliberals, die dir das sagen. Es ist auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Du denkst, sie ist das Zentralorgan der Konservativen in Deutschland? Nein. Not anymore. This paper now despises Conservativism.

Lies diesen Kommentar, und du weißt warum.

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht in der Wirtschaft ein ausgeprägter Hang zur Nostalgie zu besichtigen ist.

Sie jammern über die Renaissance von Plattenspielern, 1950s Mode, analoge Kameras. Furchtbar, wie rückständig.

Das alles wäre nicht weiter der Rede wert, wenn, ja wenn die allgemeine Rückwärtsgewandtheit nicht auch in einem immer stärkeren Maß die Wirtschaftspolitik erfassen würde. Ob „Make America great again“ oder „Take back control“: die siegreichen Wahlslogans des vergangenen Jahres eint, dass sie den Wählern die Rückkehr in die guten alten Zeiten versprechen – oder das, was man gemeinhin dafür hält.

So reden Revolutionäre,  nicht Konservative. Konservativ heißt „Bewahren“. Konservative wissen auch, dass die guten alten Zeiten nicht nur gut waren. Abe sie wollen das Gute bewahren – oder das, was sie für gut halten. Auch Konservative sind offen für Neues, vielleicht nicht für alles Neue. Aber niemand, der sich für konservativ hält, sagt, es muss alles anders werden, alles Neue ist gut, alles Alte ist „rückwärtsgewandt“.

Wie kommt es, dass sich offenbar große Teile der Bevölkerung nichts sehnlicher wünschen als ein „Zurück in die Zukunft“? Wie kann es sein, dass der Wohlstand in Deutschland so groß ist wie nie zuvor, die Menschen das Leben vor zwanzig Jahren aber als ein besseres in Erinnerung haben? Mit Fakten hat das wenig zu tun, mit Gefühlen dafür umso mehr.

Ja, das ist es. Die FAZ, die Neoliberalen beanspruchen die Fakten, die anderen haben nur Gefühle. What a nonsense. Das ist fake news, das ist alternative facts made by FAZ. Es ist genau anders herum: Ihr habt das Gefühl für die Realität außerhalb eurer ideologischen Parallelwelt verloren. Eigentlich wisst ihr das selbst:

Es ist vor allem diese allgemeine Grundstimmung, dass Veränderungen immer schneller vonstattengehen. Eben noch war das Smartphone eine Revolution, schon machen sich in den Fabriken Roboter und auf den Straßen selbstfahrende Autos breit. In den Konzernen ist Restrukturierung kein singuläres Ereignis mehr, das man in Krisenzeiten wohl oder übel über sich ergehen lassen muss. Aus dem „Change-Prozess“ ist vielmehr ein Dauerzustand geworden, bei dem selbst die damit betrauten Berater manchmal nicht mehr so recht wissen, welche Mitarbeiter sie da eigentlich gerade wohin verpflanzen – geschweige denn, warum.

Millions of people are fed up, are sick and tired of subordinating all their lives to the dictates of shareholder value, to make a few rich richer by the day. This is conservative, yes, because it used to be different. And it is revolutionary, too, because it is the same situation as more than a hundred years ago when the greed of the rich became so powerful that people had to resist in order to survive. Conservative, liberal, progressive – I don’t know any longer what all that means. I am conservative when I oppose neoliberalism, I oppose Conservatives when they try to impose their morals and religions on me. I am liberal because I love diversity and multiculturalism, yet I despise liberals when their liberalism becomes a Clintonite arrogance for the poor. I am progressive in my permissive lifestyle, yet when neoliberals pose as the progressives turning everything upside down, I am on the other side. Confusing times.

I really disagree when some people say my outfit has become more conservative

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Heldinnen: Alexandra Elbakyan

Do you know Alexandra Elbakyan? No? You should. Alexandra ist dabei, eine ausgesprochen profitable Industrie in die Knie zu zwingen, nämlich die sogenannten Wissenschafts-Verlage, die mit exorbitanten Preisen für ihre Zeitschriften Studenten, Professoren und Universitätsbibliotheken jedes Jahr geschätzt 10 Milliarden Dollar aus den Taschen ziehen. Für Texte, für die sie den Autoren und Reviewern keinen müden Cent bezahlen. Für Texte, für deren Entstehen Millionen an Steuergeldern verwendet wurden.

Alexandra hat sci-hub gegründet, a website „to remove all barriers in the way of science”. The first website in the world to provide mass & public access to research papers, so she says. 50 Millionen wissenschaftliche Artikel findest du auf ihrer Website, gespeichert auf einem Server irgendwo in Kasachstan. Alle kosten viel Geld, wenn du sie „legal“ downloaden möchtest. Alexandra, eine 28jährige Studentin aus Kasachstan, hat sich die Artikel irgendwie beschafft und bietet sie gratis zum download an. Wissen sollte nichts kosten, findet sie, und das ist für die eine prinzipielle Frage. Die Verlage haben sie vor einem New Yorker Bundesgericht verklagt und wollen Schadenersatz von $150,000 per article – Alexandra lacht darüber nur. Und macht weiter. Sie lebt in Kasachstan, nicht in NYC.

“All content should be copied without restriction. But for education and research, copyright laws are especially damaging.”, sagte sie der Washington Post. I could not agree more.

 

Der Wissenschaftsbetrieb ist sowieso grundlegend kaputt. Qualität von Forschung ist zweitrangig, du musst veröffentlichen, veröffentlichen, veröffentlichen. Je mehr desto besser, aber nicht irgendwo sondern in den teuren Wissenschaftsverlagen Elsevier, Sage & Co. Du schreibst umsonst, die Reviewer arbeiten umsonst, die Verlage kassieren.

There are 28,100 journals publishing 2.5 million articles a year. Expenses for journals and other subscriptions have risen 456 percent since 1986, according to the Association of Research Libraries. Some universities have cut back on journal expenses.so die Washington Post.

Natürlich haben die Kosten dieser Verlage nicht um 456 % gewachsen, im Gegenteil: auch sie drucken eigentlich nichts mehr, sondern stellen pdf-Dateien ins Netz, die kannst du für viel Geld downloaden. Manche subscriptions kosten über $5000 im Jahr.  Die jährlichen Profitraten liegen bei 30 Prozent, kein Wunder.

“That means that I, as a taxpayer, [am] paying for the research and paying again for the benefit of reading it,” a man who identified himself as John Dowd wrote to the White House Office of Science and Technology Policy as part of a forum on public access. “This seems patently unfair.”

And this is where Alexandra enters stage. Pirating was a skill she learned growing up in Almaty, the largest city in Kazakhstan, where Internet access was extremely limited and content — books, music, movies — was expensive. So she acted.

While publishers once provided an array of services including printing, digitization has reduced the importance of their role. Many researchers are fed up with the situation, with a rising tide not just happily engaging in piracy, but refusing to work with for-profit publishers. Schreibt Fortune, and they’re right. A recent survey by University of Southern California and California State University librarians of more than 250 academics found that 41 percent “don’t care” about copyright. Thirty percent think that “information should be free.”

Alexandra, you’re doing a great job. You are not only talking about changing the world, you do it.

 

She prefers real books

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Pulse of Europe?

Heute demonstrieren sie wieder mit ihren blauen Fähnchen. Pulse of Europe nennen sie sich, eine irgendwie vom Himmel gefallene „Bürgerbewegung“ . „Für Europa“ wollen sie sein, und verwechseln wie alle EU-Fans systematisch Europa mit der EU. „Wir sind nicht gegen etwas, sondern für etwas.“, sie schreiben auf ihrer Webseite. Wer dieses „wir“ ist, sie verraten es nicht auf ihrer Website. Zwei Frankfurter Wirtschaftsjuristen, sie könnten in die FDP gut passen. Aber das muss nicht schlimm sein.

Some of my friends, they like it and think of joining it. I won’t. Nein, ich habe nichts gegen die Idee EU. Why should I? Eigentlich, ich müsste ihre typische Zielgruppe sein. Multinational und multikulturell aufgewachsen, Nationalismus ist mir fremd, ich frage mich immerzu „wo ist meine Heimat und habe ich überhaupt eine?“. Aber, wer empfindet „EU“ als Heimat? Für die EU, für diese EU demonstrieren? Are you crazy?

Es wirkt auf mich künstlich, im guten Fall naiv, im schlechten Fall eine Irreführung, wenn du bist gegen Nationalismus und Rechtspopulismus, und dann gehst du zu einer Demo „für die EU“. Für Juncker, für Dijsselbloem, für Draghi, und implizit für Merkel und Schäuble und auch Schulz.

Aber warum? Warum haben so viele Menschen in dieser EU genug von ihr, wollen raus oder weniger EU? Diese Fragen stellen sich die liberalen Frankfurter Wirtschaftsjuristen wohl nicht.

Wofür demonstrieren griechische Rentner, die mit ihrer ständig gekürzten Rente ihre erwachsenen Kinder ernähren müssen, die alle keine Krankenversicherung mehr haben?

Wofür demonstrieren italienische Bauern, die vor der Pleite stehen und ihre kargen Ersparnisse verloren hätten, wenn sich ihre Regierung nicht über die EU hinweggesetzt hätte und mal wieder eine Bank namens Monte dei Paschi gerettet hätte? Wofür werden die Menschen demonstrieren, wenn viele italienische Banken bald dennoch zusammenbrechen werden?

Wofür demonstrieren junge Spanier, die wie die Hälfte der Jugend ihres Landes keinen Arbeitsplatz haben und auch nicht bekommen werden, zumindest nicht im eigenen Land?

Forget it. Für diese EU werden sie sicher nicht demonstrieren. Das überlassen sie dem satten deutschen Bürgertum, den Gewinnern dieser EU. Frankfurter Wirtschaftsjuristen zum Beispiel.

Nein, wir müssen nicht über Griechenland reden, um festzustellen: es läuft in die falsche Richtung in dieser EU, vor allem wenn du nicht in Deutschland lebst. Wolf Street schreibt:

To be young, gifted, educated and Italian is no guarantee of financial security these days. As a new report by the Bruno Visentini Foundation shows, the average 20-year-old will have 18 years to wait before living independently — meaning, among other things, having a home, a steady income, and the ability to support a family. That’s almost twice as long as it took Italians who turned 20 in 2004. Eurostat statistics in October 2016 showed that less than a third of under-35s in Italy had left their parental home, a figure 20 percentage points lower than the European average. The trend is expected to worsen as the economy continues to struggle. Researchers said that for Italians who turn 20 in 2030, it will take an average of 28 years to be able to live independently. In other words, many of Italy’s children today won’t have “grown up” until they’re nearing their 50s.

Die EU war bestimmt früher ein Friedensprojekt. Damals, als sie noch EWG hieß. Damals war sie ein Vorteil für alle. Aber irgendwann auf dem Weg über EG zur EU bekamen die Europa-Zentralisten und die Neoliberalen die Oberhand. Heute, die EU ist eine Zwangsgemeinschaft geworden, die allen Mitgliedern Austerität und neoliberalen Marktfundamentalismus vorschreibt und mit dem Fehlkonstrukt Euro ganze Länder in das Elend treibt. Die Konsequenz, Protestbewegungen gegen die EU-Eliten überall, sie ist keine Überraschung, sondern logisch.

Demonstriert gegen Nationalismus, demonstriert gegen Austerität und soziale Ungerechtigkeit, gegen Neoliberalismus, für Weltoffenheit, and you will have my sympathies. Aber dann ihr müsst leider gegen diese EU demonstrieren, gegen Schäuble und die EU-Politik eurer Regierung, nicht dafür.

I had a bad dream last night, it was about the EU

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