Eine Million

Erst jetzt, ich habe es gemerkt. Im Januar ist es wohl passiert. One million page views since I started this little blog five years ago. Eine Million! I can’t believe it. Thank you all for being interested in my ideas and all the stuff I’ve been posting here, for following my  unconventional views here.

Es tut mir leid dass ich in letzter Zeit nicht mehr so viel schreibe. Seit ich „befördert“ wurde, ich habe keinen bequemen Job mehr. Nein, er frisst mich auf. Ich habe für vieles keine Zeit mehr. Ich frage mich wirklich, warum habe ich ja gesagt. Eigentlich, ich dachte, ich habe keine andere Wahl, aber vielleicht das stimmt nicht. Anyway, es ist wohl zu spät, es ist passiert.

Zugegeben, es macht auch Spaß, es ist auch ein gutes Gefühl, wenn du wichtige Entscheidungen triffst, wenn du Führungsaufgaben hast, ein Team leitest. Aber du bist auch im Focus, du darfst keine Fehler mehr machen, du musst ständig aufpassen. Es gibt viele, die dich loswerden wollen. Peer pressure is enormous, du sollst dich anpassen, du musst jetzt seriöser werden, du darfst nicht mehr so unseriöse Outfits haben, du musst immer BH tragen, du darfst keine knallroten Lippenstifte oder Fingernägel mehr haben usw usw usw. Ich ignoriere das alles. Manche macht das wahnsinnig, sie hassen mich dafür. Leider vor allem Frauen. Women can be other women’s worst enemies. No matter, I will survive. And I will be very careful not to change my personality. Solange die Ergebnisse stimmen, everything is fine for the big bosses.

Aber leider, es wird immer später wenn ich aus dem Büro gehe, wenn ich abends nach Hause komme ich bin oft einfach platt. Empty head. No ideas for writing anything here. Ich lege mich nur noch in den whirlpool oder gleich ins Bett.

Aber die Million ist der Anlass to make a promise: ich will wieder mehr hier posten, for you my dear readers. Stay tuned. Eigentlich, man könnte so viel schreiben über all den Wahnsinn, aber auch über all das Schöne in der Welt. I wish you a wonderful day 🙂

Let‘s celebrate one  million

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Me too? Not me

Die Diskussion um MeToo nervt mich. Schon lange. Sie nervt viele Leute, auch viele Frauen. Sie nervt mich nicht weil sie von Hollywood-Schauspielerinnen ausgeht, die mich sowieso immer nerven, egal was sie machen. Sie nervt mich auch nicht, weil ich sexuelle Belästigung verharmlosen möchte, no way. (Obwohl, ich muss ehrlich zugeben, in meinem Leben es gibt mehr Klagen von Männern darüber, dass ich sie belästige als umgekehrt…). Auch die Antwort von Ladies wie Catherine Deneuve nervt mich, die behauptet, Männer haben ein Recht, Frauen lästig zu werden. Wahrscheinlich, die Übersetzung aus Französisch ist nicht ganz korrekt, aber wir wissen trotzdem was sie meinen.

Nein, MeToo nervt mich, weil es wieder ein weiteres Element auf dem Weg zu einer Puritaner-Gesellschaft ist, in der Erotik und Sexualität immer mehr tabuisiert werden. In Britannien hängen sie jetzt schon Malereibilder aus Museen ab, weil sie zu erotisch sind. Das lächerliche Gedicht-Verbot an einer Berliner „Hochschule“ spricht für sich. Ich habe das große Glück, ich bin Frau, und wenn ich mit einem Mann einen kleinen Flirt anfange, das ist bis jetzt noch erlaubt. Umgekehrt traut sich das kein Mann mehr. Traurig. Aber die dominanten Kreise der Öffentlichkeit können nicht unterscheiden zwischen Flirt und sexueller Belästigung, deswegen verschwindet die Erotik aus der Öffentlichkeit.

MeToo nervt, weil es genau diese Tendenz weiter verstärkt. Die schleichende Puritanisierung des öffentlichen Lebens ist der Mainstream heute, es geht langsam aber es scheint unaufhaltsam. Wie in den islamischen Ländern. Facebook hat mich deshalb rausgeworfen, aber dennoch ich kann noch die wunderschöne Facebook-Gruppe Before Sharia Spoiled Everything sehen. Bilder aus der Türkei, Iran, den arabischen Ländern aus den Zeiten bis in die 1970er Jahre. Frauen und Männer in der Öffentlichkeit und privat, lachend, fröhlich, modern angezogen, frei. Alles undenkbar heute. Miniröcke in der Türkei oder Ägypten? Vorbei. Bald auch im Westen?

Es kommt mir vor, als wird der Feminismus heute zu einer Ideologie, die nicht mehr dazu da ist, Freiheit und Selbstbestimmung für Frauen zu erreichen, sondern die Gesellschaft entlang einer Moralideologie umzuerziehen, die eigentlich nur eines bedeutet: weniger Freiheit und Selbstbestimmung. Für Frauen und auch Männer.

Aber die Protagonistinnen glauben wirklich, sie müssen immer noch unterdrückte Frauen befreien, und merken gar nicht, dass sie längst daran arbeiten, freie Frauen zu belästigen und zu bekämpfen. Schauen wir zum Beispiel dieses Interview an. Eine Psychologin und Psychotherapeutin hat ein Buch geschrieben und gibt ein Interview zu diesem Buch. Ich werde es nicht kaufen, die 24 Euro spare ich mir, das Interview reicht mir völlig. Das Buch heißt „Das beherrschte Geschlecht: Warum sie will, was er will“. Sie meint ernsthaft,

„Nun kam die sexuelle Befreiung vor 50 Jahren aber mit einer schleichenden Sexualisierung der Frau einher und heutzutage wird Frauen die eigene Sexualisierung und Unterwerfung als Gipfel der Emanzipation verkauft. Ich finde, es ist an der Zeit, das kritisch zu hinterfragen. Es reicht nicht aus, ein Lippenbekenntnis zu geben ,Ich bin sexuell befreit‘ – wenn wir die Freiheit nicht mit unseren eigenen Vorstellungen aufladen. Dazu gehört auch, Grenzen zu setzen, wenn uns etwas nicht passt, oder sich zu trauen, eigene Wünsche zu formulieren. Sonst bleibt die Freiheit ein leeres Versprechen.”

Angeblich, sie hat für ihr Buch mit 70 Frauen gesprochen und darauf sie baut ihre Thesen auf. Honestly, ich habe auch schon mit vielen Ladies gesprochen und mache das jeden Tag. Alle meine Freundinnen sind „sexuell befreit“, sie setzen ständig Grenzen, sie formulieren ständig Wünsche und erfüllen sie sich auch. Manche mit Mann in einer Beziehung, manche ohne oder mit Frau in einer Beziehung oder auch in Polyamorie. Aber, sie nehmen sich auch das Recht sexy zu sein und brauchen sich von niemanden erklären zu lassen, dass sie sich deshalb „unterwerfen“ (wem eigentlich?).

Die Psychologin, Sandra Konrad, sie jammert ernstlich,

„es fehlt in der Öffentlichkeit an einem differenzierten, respektvollen Blick auf die Frau. Dass dieser fehlt, sehen wir beispielsweise daran, dass Frauen, die sich ,zu‘ weiblich beziehungsweise sexy kleiden, nicht ernst genommen werden, dass sie als ,schlampig‘ oder ,billig‘ bewertet werden, oder dass ihnen im Falle eines sexuellen Übergriffes eine Mitschuld zugeschrieben wird.“

Genau Leute wie Frau Konrad bestätigen dieses Bild jeden Tag. Ihr ganzes Interview ist nur eine Kritik an den Frauen, die nicht so sind wie sie sich das wünscht, die angeblich immer unterdrückt sind, egal was sie tun. Ich finde, statt solcher Bücher zu schreiben, sie sollte vielleicht einfach mal ein wenig mehr sexuelle Befreiung praktizieren. Flirten Sie doch einfach mal mit einem Mann, der ihnen gefällt, oder auch einer Frau. Kaufen Sie einige geile Sextoys, das geht auch alleine. Gehen Sie zu einer erotischen Party, ladies-only. Skirt Club, bestimmt auch in ihrer Stadt. Oder machen Sie sonst irgendwas, Hauptsache Sie MACHEN es. Wenn Sie es nicht tun, ist daran nicht die patriarchale Gesellschaft schuld, sondern nur Sie selbst.

I love my politically incorrect outfits

 

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Wahnsinn Privatisierung

Schon mal den Namen Carillion gehört? Nein? No surprise. Außerhalb von Britain, dieser Konzern ist eigentlich unbekannt. Das ist nicht weiter schlimm, er war vor allem dort tätig. War. Die Tatsache, dass er nicht mehr tätig ist, sollte allerdings weltweit in den Medien stehen. Carillion war der Musterfall der umfassenden, breiten Privatisierung öffentlicher Dienste in Britain, the neoliberal wonderland.

Carillion did everything. Sie haben Milliardenprojekte für die Regierung gebaut, Schulküchen betrieben, Züge gereinigt, Gefängnisse und Krankenhäuser betrieben, Immobilien und Militärbasen verwaltet und so weiter. Alles mögliche, was in früheren Zeiten die öffentliche Hand selbst gemacht hat, und zwar ohne shareholder value expectations privater Investoren.

Jetzt, im Januar, Carillion ging pleite. Die Firma wird liquidiert, und immerhin, die Aktionäre werden leer ausgehen.  Macht nichts, die meisten sind Banken und Fonds, die sich mit Carillion lange Jahre die Taschen vollgestopft haben. Schon letzten Sommer, es gab profit warnings. Aber das hat die May-Regierung nicht gehindert, noch einmal für 2 Milliarden Pfund Aufträge an Carillion zu geben. Es war ein Versuch, Carillion zu retten, mit öffentlichem Geld. Womit sonst: Carillion war wie ein Aasgeier, der nur von öffentlichem Geld lebte. Aber die Profiterwartungen ihrer ganzen öffentlichen Aufträge, sie waren leider unrealistisch. Sie dachten, sie sind too big to fail, no government can afford its collapse. Sie warfen wegen der Krise ihren Boss raus, ein gewisser Richard Howson. Er bekommt für seine Fehl-Leistungen noch bis Oktober 660,000 Pfund. Monatlich. Plus 28000 Pfund benefits, haha, wofür eigentlich? 450-700 contracts stehen jetzt in Frage, viele der 19500 Jobs sind bald weg, die bereits gezahlten Beiträge der Mitarbeiter für Betriebsrenten sind in Gefahr. Der Pensionsfonds hinterlässt ein Minus von 600m Pfund. Mit mehr als 1 Milliarde Pfund Schulden kann es sein, dass Carillion auch noch andere Unternehmen in den Abgrund mitreißen wird. Please click on the picture to watch a video.

Es sollte stehen in allen Medien, vor allem in allen Wirtschaftsmedien. In allen den Medien, die diese Privatisierungspolitik immer gut finden. Medien, die kein Wort der Kritik gefunden haben, als Deutschland letztes Jahr seine Verfassung geändert hat, um mehr Privatisierungen im Straßenbau möglich zu machen. Medien, die Carillion zum Fanal machen müssten: stop this neoliberal ideological madness. Carillion’s failure is the collapse of an ideology that has held for 30 years. “Companies like this shouldn’t exist”, schreibt Simon Jenkins. Auch der Economist is worried:

Carillion exemplified a way of running the state that was pioneered under Margaret Thatcher and which went on to conquer the world. Where once governments provided public services, they now commission them from private companies. The idea is to subject moribund state monopolies to the competition and innovation of the market. Yet a string of failures in Britain, of which Carillion is the latest, means that the country which converted the world to “contracting out” risks becoming a cautionary tale. Voters are flirting with a Labour opposition that has already vowed to renationalise industries and now says it would bring many public contracts back in-house. The Carillion affair could mark the collapse not just of a company, but of an idea.

Nothing. Silence. You don’t even know what Carillion is. Because your so-called quality media ignore this story. Eine sehr gute Illustration über das ständige Medien-Versagen. Nur in Britain selbst, da geht das natürlich nicht. Da stellt man sich jetzt die naheliegende Frage: We need a better way of managing public services, so der Guardian.

Diese Frage stellt sich überall in der Welt. Wer diese Frage nicht löst, wird bekommen früher oder später noch viele Carillions.

I want to bring these people to jail

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Schweinepest – eine Riesen-Schweinerei. Stop the massacre!

Wildschweine sind irgendwie witzige Tiere. I like them. Ja, sie sollen gefährlich sein, habe ich gehört. Macht nichts. Menschen sind für Wildschweine bestimmt gefährlicher als umgekehrt. Ich bin nicht oft in Wäldern. Ich habe noch nicht sehr oft Wildschweine live gesehen. Aber was ich jetzt lesen muss, empört mich sehr. Die Massentierhaltungs-Lobby möchte ein riesiges Massaker an Wildschweinen anrichten. Die Jäger sollen 75% der Wildschweine in Deutschland abschießen, fordern sie. Hunderttausende Tiere, wenn nicht mehr als eine Million. Ein Massaker, aber auch das hilft nichts. Es ist nur eine verzweifelte Aktion eines kaputten Industriesektors. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Schweinepest Deutschland erreicht.

Was macht eigentlich die afrikanische Schweinepest in Europa? No surprise, wer Fleisch global handelt, macht auch möglich, dass Viren global wandern. Angeblich, die Afrikanische Schweinepest ist aufgetreten erstmals außerhalb von Afrika vor 10 Jahren in Georgien. Sie hat dann über die Ex-Sowjetrepubliken und Polen auch Tschechien erreicht, und jetzt, sie steht vor den Grenzen von Germany.

The facts: Für Menschen ist der Erreger ganz ungefährlich, man kann auch das Fleisch bedenkenlos essen, aber für Wild- und Zuchtschweine er ist tödlich. Sehr schnell tödlich, es wirkt innerhalb 48 Stunden. Es gibt bis heute kein wirksames Gegenmittel. Wahrscheinlich, an der Ausbreitung der Seuche sind weniger wandernde Wildschweine als über Rohwurst- und Fleischtransporte und an den Fernstraßen weggeworfene Lebensmittelreste schuld, und das können Wildschweine nachts fressen.

Aber, es geht sowieso nur ums Geld. Auch für Schweinefleisch, Deutschland ist Exportweltmeister und will noch mehr und noch mehr exportieren. Aber wenn die Schweinepest auftritt, Deutschlands Exporte werden gesperrt. Die Agrarindustrie schätzt, dass eine Handelssperre sie zwei bis drei Milliarden Euro pro Jahr kosten könnte.

You are so fucked up. The world does not need your German pork meat, just put it into your own throats until you can no longer eat it. It would be a wonderful thing if your pork exports get banned and your factory farms go bankrupt. Wenn man schon glaubt, man muss jetzt auch noch großflächig Wildtiere abschießen, um die perverse Industrie-Massentierhaltung zu retten, dann es reicht. Endgültig. These guys must be stopped.

Ich esse eigentlich kein Industriefleisch mehr, es ist mir zu widerlich. Nur noch Bio oder trusted local farmers. Politicians serving  the agro-industrial lobby are so disgusting. Und deshalb, ich gehe am Samstag wieder demonstrieren. No matter what weather. Three wonderful friends have promised to join me. Der Agrarindustrie die Stirn bieten! Yes!

Vier weitere verschenkte Jahre in der Agrarpolitik? Das können wir uns nicht leisten! Ein „Weiter So“ mit Landwirtschaftsminister Schmidt? Das dürfen wir nicht zulassen! Dringender denn je brauchen wir eine bäuerliche, ökologischere Landwirtschaft und gesundes Essen für alle! Daher bieten wir – die kraftvolle, bunte, lautstarke Bewegung auf der Straße – am 20. Januar den Konzernen die Stirn und nehmen die neue Regierung in die Pflicht.Wir fordern: Glyphosat-Ausstieg in Deutschland +++ artgerechte Tierhaltung +++ Bauernhöfe statt Agrarindustrie +++ gesundes Essen für alle +++ Dumping-Exporte stoppen!

Will you join me and so many more people? Samstag 11 Uhr Start Hauptbahnhof Berlin. I’ll be there. Für die Wildschweine und alle anderen Schweine auch – und gegen die menschlichen Schweine.

 

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Touristen in Österreich

Österreich ist immer eine Reise wert. Du flanierst durch das schöne Innsbruck, und irgendwann, du willst etwas essen. Goldenes Dachl, klingt wunderbar. Dieses Etablissement lebt von seinem Namen und seiner Lage direkt neben Innsbrucks Goldenes Dachl. Das war es, ansonsten erinnert es eher an eine Bahnhofsgaststätte alten Stils. Schon die Einrichtung  60er Jahre. Dunkel, muffig, Funzelbeleuchtung, Stühle und Sitzbänke in einem seit Jahrzehnten nicht mehr lieferbaren Stoffmuster. Das eigentlich interessante hier ist aber das Publikum: Alles Touristen, die nie wiederkehren werden  in ihrem Reiseführer steht Goldenes Dachl, und danach gehen sie hier essen.

Da sind die drei italienischen Alpinisten, die der einzigen Signora in ihrer Gruppe lautstark und wild gestikulierend immer abenteuerlichere Stories von ihren Bruchlandungen auf der Piste erzählen, und welch ein Wunder es doch sei dass sie sich noch nichts gebrochen haben. Die Signora versucht ihnen anfangs fachkundig zu erzählen, was sie falsch gemacht haben und wie sie Stürze vermeiden  später, als es immer mehr Richtung Pistenlatein geht, erklärt sie kalt rational analysierend warum das alles physikalisch unmöglich ist. Die Italienerin von heute ist auch nicht mehr das was sie einmal war  früher hätte sie die drei bewundert, oder zumindest so getan.

Als sie gehen, kommen eine üppig geschminkte Russin mit ihrer erwachsenen Tochter, beide im Pelzmantel und mit Diamantschmuck, und ihr an Putin erinnernder Begleiter, der sich alle Mühe gibt, wie ein cooler Möchtegern-Oligarch zu wirken. Sie scheinen sich nicht ganz einig zu sein, ob sie nun in einem Nonplusultra alpenländischer Gastronomie gelandet sind, oder ob der Reiseführer sich einfach auch mal geirrt haben könnte, jedenfalls diskutieren sie ständig mit Verweis auf mehrere Reiseführer, die sie auf dem Tisch ausgebreitet haben.

Oder die beiden dicken, schnauzbärtigen Tschechen (oder Polen? So gut sind meine Sprachkenntnisse nicht), die sich so ähnlich sehen als wären sie Zwillinge. Sie bestellen zum Entsetzen ihrer schlanken, blonden Begleiterinnen gekochten Kalbskopf. Die beiden Ladies sehen sich auch ziemlich ähnlich und bestellen lieber Salat. Als der Kalbskopf kommt, kreischen die beiden bisher stillen Kinder laut los  das Mädchen vor Entsetzen, der Junge vor Begeisterung.

Da ist die schöne Chinesin im Leoparden-Mini mit der Bottega Veneta-Tasche (vermutlich sogar echt), die die Nase rümpft als sie zur Tür reinkommt und wieder gehen will, aber von ihrem amerikanischen Ehemann reingezogen wird. Der ist offensichtlich stark austrophil und ganz entzückt. Wahrscheinlich kauft er sich zum Abschluss der Reise Lederhosen und Trachtenjankerl, und wenn er zuhause in Los Angeles das zum erstenmal anzieht, wird die Chinesin ihn entweder zum Psychiater schicken oder ihn verlassen.

Oder das schwäbische Paar am Nachbartisch, das sich mit unverkennbarer Detailkenntnis über die Unterschiede zwischen schwäbischen und Tiroler Käsespätzle unterhält und, wenig überraschend, zu der Erkenntnis kommt, die schwäbischen seien halt doch besser.

Neben ihnen sitzt, aus Platzmangel am selben Tisch, der einsame Japaner (oder Koreaner?) mit der Riesen-Kamera, der offenbar kein Wort einer europäischen Sprache spricht und immer nur verlegen lächelt, wenn er angesprochen wird. Wie er es geschafft hat, etwas zu bestellen, ist mir schleierhaft. Aber auch er bekommt sein Essen.

Ja und die Innsbrucker, gibt es die hier nicht? Doch, es gibt sie. Es ist genau das Publikum, das man sonst in traditionellen Bahnhofskneipen findet, aber solche Bahnhofskneipen gibt es im hypermodernen, zur Shopping Mall ausgebauten Innsbrucker Bahnhof längst nicht mehr. Leute wie der alte Mann in der viel zu weiten Hose und der ausgeleierten grauen Strickweste, graues Gesicht und grauer Vollbart, vermutlich seit 2 Wochen nicht mehr gewaschen. Er kippt sich irgendwelche undefinierbaren Flüssigkeiten an der Bar rein und qualmt (erstaunlicherweise darf man das hier). Hier kann er internationalen Flair um sich haben, Reisende, etwas Abwechslung aus dem tristen Alltag, Teil der großen weiten Welt sein.

Ich könnte dieses Soziogramm noch stundenlang beobachten. Es ist faszinierend. Aber plötzlich kommt unser Essen. Stimmt, wir sind ja in einem Gasthaus. Das Essen hier ist nichts worüber man schreiben muss, sondern völlig nebensächlich.

 

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Heldinnen: Ahed Tamimi

Ahed Tamimi ist erst 16 Jahre alt, und sie ist in den letzten Wochen zu einer Ikone des palästinensischen Widerstandes gegen die Kolonialisierung ihres Landes geworden. No surprise:  Germany’s media report nothing about her.

Sie kommt aus Nabi Saleh, ein Dorf im besetzten Palästina. Große Teile des Landes dieses Dorfes hat die israelische Kolonialmacht beschlagnahmt und darauf die illegale Siedlung Halamish errichtet. Die Kolonialisten beschlagnahmten auch den Brunnen des Dorfes. Jeden Freitag protestieren die Dorfbewohner, seit Jahren. Oft bekommen sie Unterstützung von Ausländern, auch von Israelis, weil die Besatzungsarmee mit aller Brutalität gegen die friedlichen Proteste vorgeht. Es muss sehr bewegend sein, lest Lisa Goldman’s Artikel „Nabi Saleh is where I lost my Zionism“:

In fact, I have never seen a video that comes remotely close to conveying the true brutality I saw in Nabi Saleh. Maybe you need to smell the tear gas and feel the smallness of the place to see how outrageous it is for soldiers to act as they do there: to, with a sense of entitlement, enter a village and break up a gathering of unarmed demonstrators; to kick open the doors of homes and drag off to jail unarmed people who pose no threat; to break into a house at 4 a.m., to roust a teenage girl from her bed and drag her off to jail, denying her even the right to be accompanied by a guardian.

Kurz vor Weihnachten, die Gewalt eskalierte: die Besatzungsarmee schoss dem 14jährigen Cousin von Ahed ein stahlgefülltes Gummigeschoss direkt ins Gesicht, er ist seitdem im Koma.

Als die Besatzungssoldaten danach in das Haus von Aheds Familie eindrangen, wurden sie erneut übergriffig. Und Ahed wehrte sich, ging auf die Soldaten los, schubste sie weg. Ein unsagbarer Akt von Gewalt, gefilmt auf Video, and the video went viral.

Natürlich, für diese Gewalttat muss man sie sofort verhaften, eine 16jährige. Nicht nur sie. Ihre Mutter und ihr Cousin wurden auch verhaftet. Einfach nur, weil sie Ahed besuchen wollten. Ihre Haft wurde bis nächste Woche verlängert, weil sie eine „Gefahr darstellt“. Ahed’s Vater darf sie nicht sehen. Er ist für den Likud-Abgeordneten Oren Hazan „menschlicher Abschaum“: Israeli lawmaker calls Palestinians visiting relatives in Israeli prison ‘beasts’ and ‘human scum’. Solche ekelhaften Typen regieren Israel.

Michael Oren, früherer Israel-Botschafter in USA, ist außer sich vor Wut, dass Ahed nicht aussieht wie eine islamische Fanatikerin, sondern wie eine westliche Teenagerin:

Ja, das ist schlecht für Israel’s image abroad. Für die zivilisierte Welt außerhalb Israels, wieder ein Einblick in die Realitäten des israelischen Kolonialregimes, die man so gerne verdrängt. For Israel, very embarrassing. Die Rechtsradikalen in der Regierung reagierten mit den  üblichen Hassparolen: the infamous Education Minister Naftali Bennett: “She should finish her life in prison.” Ein sogenannter linksliberaler, prominenter Journalist Ben Caspit schreibt öffentlich in „Maariv“:   “In the case of the girls, we should exact a price at some other opportunity, in the dark, without witnesses and cameras”, also ein Aufruf zur Vergewaltigung. Thank you Jonathan Ofir for publishing that to the English-speaking world. Kein Wort dazu von den #metoo-Aktivistinnen, sie sind nur für weiße Karrierefeministinnen zuständig, nicht für junge Palästinenserinnen.

„A Girl’s Chutzpah: Three Reasons a Palestinian Teenage Girl Is Driving Israel Insane”, a very good comment in Haaretz. “The girl from Nabi Saleh shattered several myths for Israelis. Worst of all, she dared to damage the Israeli myth of masculinity. Suddenly it turns out that the heroic soldier, who watches over us day and night with daring and courage, is being pitted against a girl with empty hands. What’s going to happen to our machismo, which Tamimi shattered so easily, and our testosterone? Suddenly Israelis saw the cruel, dangerous enemy they are confronting: a curly-haired 16-year-old girl. All the demonization and dehumanization in the sycophantic media were shattered at once when confronted by a girl in a blue sweater.”

Ahed, für mich bist du eine Heldin. Eine Heldin, ignoriert vom Western media establishment. I can only agree with Gideon Levy at Haaretz:

„If only there were many more like her. Maybe girls like her will be able to shake Israelis up. Meanwhile Israel has reacted the only way it knows how: a nighttime abduction from her home and detention with her mother. But in his heart of hearts, every decent Israeli likely knows not only who is right and who isn’t, but also who is strong and who is weak. The soldier armed from head to toe who invades a house that doesn’t belong to him, or the unarmed girl defending her home and her lost honor with her bare hands, with a slap?”

My dear readers, this is my wish for you for 2018: please care more about what happens in occupied Palestine. Read the opinion article Ahed’s father wrote in Newsweek. Maybe you want to join this campaign. Ask yourself, “Why is the West praising Malala, but ignoring Ahed?”

Thank you all for reading my blog. Seit 5 Jahren online. Stay tuned. Happy New Year!

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Driving home for Christmas

Vor vier Jahren, ich habe diesen Text hier geschrieben. Normalerweise, einmal reicht. Aber: today, it is such a stroing feeling, and it is like this text again. Mehr noch, mit Trump, es ist nur noch schlimmer. So, I do it again….

Driving home for Christmas. It’s everywhere. You turn on the radio, it takes less than 10 minutes, and there it is. Again and again. I don’t like this song. Actually, I hate it. All the illusions it conveys. Fake. Lies.

And I am not flying home for Christmas. What is home? Maybe what used to be home does not exist anymore. New York City was a vibrant metropolis, when I spent the larger part of my childhood and youth in the Big Apple. We felt it was the center of the universe. Never ever did I imagine I would live somewhere else. No doubt. Proud to be American, living in the land of the free. The star-spangled banner on the wall. This did not change when we ended up by some twists of our fate in Europe and in the Middle East. I realized different worlds, different cultures, different lifestyles. Not like America, but trying to be as much like America as possible. America was the idol, and yet they loved and hated America at the same time. You start to get a sense why this is so, because the more they try to copy America the less they feel at ease with themselves –they will never actually be Americans, they know. Slowly, almost by stealth, I started to take this other passport seriously that lingered in the far end of the drawer. It was a piece of paper, not another identity. No doubt, America was the promised land, one day we return from these exotic destinations.

One and off, visiting America from time to time, and it became a different country, a different nation, a different society. Or maybe I became a different person. Maybe both. When I returned, it no longer felt home. The New York City I was in was no longer the New York City I knew. I know I always painted it brighter than it was. Before Giuliani’s reign, it had its problems. Many, to be honest. They said riding the subway was as dangerous as crossing a street in Beirut. I did both, and I survived both, like millions of other people did. The Giuliani years were a decisive blow to crime, true. But he killed the soul of the city. It became a sedated, sanitized, sterilized and gentrified place. Giuliani, Bloomberg and all these guys did more damage to New York City than Bin Laden’s planes ever could have done.

I went back to Europe, still working for American companies with other Americans. Yet, this exotic place started to feel like home. I started to use the red passport and the blue one went into hiding. Inconceivable a few years earlier. Being American was no longer a source of pride, it started to become embarrassing.

 

 

America has lost its way. Psychologically, America is at war with itself and the world. What you see is only the tip of the iceberg. The government shutdown, the tea party assholes in Congress, the billionaires pulling the strings of the two parties, the intelligence services totally out of control, Detroit bankrupt, and so on. People that would have been considered crazy weirdos 30 years ago dominate public life  – everything started when a weirdo got elected as president, a certain Ronald Reagan, back in 1980. America is now in the stranglehold of many such weirdos. The latest craze is the gun lobby’s attempt to re-introduce the Wild West. They campaign for the right to openly carry firearms. Close to 10,000 people are getting killed by firearms every year in the US. For every 100,000 inhabitants the US records 3 intentional homicides carried out by firearms – compared with 0.07 for the UK and 0.2 for Germany. In comparison, 17 Americans got killed by terrorism last year. Worldwide.

 

 

 

And what does this country and its leaders do and what do they discuss? The war against terror dominates everything. There are more and more relaxations for crazy gun owners – no matter how many killers rampage through schools and universities and shopping malls. It is just total madness. Who wants to live in such a place?

 

America, your estranged daughter wishes you a happy Christmas. Preferably without guns. And I hope Europe will not become like you.

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