A shattered dream

Nein, es ist nicht wirklich so, dass ich das Vereinigte Königreich von Britannien und Nord-Irland wirklich interessant finde. Die meisten Briten, die ich kenne, sind komische Menschen, oder schon so lange weg, dass nicht mehr wirkliche Briten sind. Ihre verrückte Monarchie ist museumsreif. Das ganze Hickhack um Brexit ist mir egal. Wie ihr Europäer euch organisiert, in einer EU oder nicht, I don’t care.

Aber diese Wahl, sie war spannend. Ja, sie war auch crazy, aber sie war spannend. So wenig Britannien und America vergleichbar sind, dennoch: was Corbyn in Britannien versucht hat, versucht Bernie in America auch. Natürlich, ich habe sehr gehofft, er wird gewinnen. Against all odds. Es war nicht zu erwarten, aber gehofft haben wir dennoch.

Some people say, it was impossible. First, there was the character assassination. Kaum ein Politiker wurde in den letzten Jahrzehnten so massiv beschimpft, beleidigt, rufgemordet wie Jeremy Corbyn. Natürlich, das musst du erwarten, wenn du den Reichen an das Geld willst. Ich glaube, er hat es ausgehalten, aber es hat Stimmen gekostet.

Second, the false friends. Viele sogenannte Parteifreunde waren seine schlimmsten Feinde, die Neoliberalen die noch übrig sind aus der Blair-Zeit. Selbst wenn er es geschafft hätte, eine knappe Mehrheit zu bekommen, sie hätten seine Politik sabotiert und hätten mit den Rechten gegen ihn gestimmt. Es ist eine Wahnsinns-Aufgabe, aus einer neoliberal beherrschten Partei wieder eine linke Partei zu machen, du musst derart viele Funktionäre wegschaffen, das dauert einfach sehr lange.

Drittens, die Lügenkampagnen um Antisemitismus. Wer für gleiche Rechte für Palästinenser eintritt, ist für die Israel-Lobby Antisemit. It is a complete mystery to me why anybody believes the racist Israel lobby a single word, but it is a fact. Jeremy Corbyn hat immer gleiche Rechte für Palästinenser gefordert. Die Tories sind zuverlässige Verbündete der Zionisten, Corbyn hätte eine radikal andere Politik gemacht. Die massiven Kampagnen der Medien hatten keine wirkliche Substanz, niemand konnte dir wirklich sagen, was eigentlich der Kern dieser Kampagne ist, aber sie wirkte.

Aber alles das, es wäre wohl nicht entscheidend gewesen, wenn es nicht gegeben hätte eine zentrale Bruchstelle in der Labor Campaign. Brexit. Get Brexit Done. Johnson’s simple message war das, was es möglich gemacht hat, dass sehr viele working class voters erstmals nicht Labour gewählt haben. Genau das wird er ihnen sehr bald liefern: Brexit will come very soon. Thank you. Finally. Corbyn ist eigentlich auch für den Brexit, aber die urban middle class der Labor Party hat durchgesetzt, dass er gegen seine Überzeugung Wahlkampf für ein zweites Referendum machen musste. Die Botschaft war klar: wir wollen den Brexit-Hickhack noch weiter verlängern, obwohl das Volk per Referendum gesagt hat, wir wollen raus. Not a good idea.

So sieht auch das Ergebnis aus: in metropolitan areas hat Labour gut abgeschnitten, die urban middle class remainers haben Labour gewählt, aber überall anders war Labor‘s verschwommene Brexit policy ein großes Problem. Dafür gab es keine Lösung: hätte Labor auch Get Brexit Done gesagt, sie hätten die urban middle class verloren.

So what is the consequence? Die Tories haben nur 43% aber die absolute Mehrheit. Labor hatte 33%, für die deutsche SPD und sogar für die CDU es wäre ein Traumergebnis. Aber es nützt nichts. Jetzt, England wird das neoliberal-ultrakapitalistische Musterland und das United Kingdom vermutlich zerbrechen. Labor wird jetzt bestimmt einen internen Bürgerkrieg bekommen. The capitalists haben eine weitere Trophäe in ihrer langen Serie, wie man progressive Opposition neutralisiert.

So what’s in it for Bernie? Zum Glück, in America, we have no Brexit. This side issue cannot deflect the focus from what really matters in America. False friends, i.e. “Democratic moderates”, are a massive problem but if he wins the primaries that won’t matter that much. Character assassination has been tried and doesn’t work. Die Israel-Lobby wird alles tun, um auch Bernie das Antisemitismus-Label umzuhängen, aber Bernie ist Jude, das ist nicht so einfach.

Vor allem, and that is the key: only a multiracial alliance of working class people and urban middle class liberals kann gegen die Republikaner gewinnen. This didn’t work in the UK thanks to the Brexit sideshow. Es ist erstaunlich mit welcher Beharrlichkeit Bernie, Alexandria und many others diese Allianz seit vielen Jahren aufbauen. Ich bin immer noch optimistisch. Und wie schon beim letzten Mal, I will go to New York to vote. I must. It is crazy but I must. We can show the world American leadership again, in a very different way than the world has gotten used to. And we will.

Still dreaming of a better future

 

 

 

 

 

 

Über sunflower22a

I am a mystery.
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5 Antworten zu A shattered dream

  1. Andy schreibt:

    Dear Sunflower, vielen Dank für diesen Artikel! Nun noch ein paar Gedanken von mir dazu: Für die arbeitende Bevölkerung ist die EU doch nur ein riesiger Bürokraten-Tempel, der sich selbst nur bereichern möchte und auch nur kapitalistische Interessen vertritt. Die Gleichmacherei („McDonalds“-Strategie) für Europa! Nationale Interessen spielen keine Rolle und werden platt gemacht. Boris Johnson hat die Wahl gewonnen, weil er ein Anti-Bürokrat ist und britische Interessen vertritt! Und dafür haben ihn die Menschen gewählt! Mehr Gründe dafür gibt es nicht. Die arbeitende Bevölkerung hofft nun, dass die Milliarden für die EU-Zahlungen (Bürokraten-Tempel in Brüssel, Autobahnen in Bulgarien, Wirtschaftsförderung für die Slovakei) nun endlich für das britische Volk verwendet werden und letztendlich auch die Löhne steigen, weil Osteuropäische Niedriglöhner nicht mehr die Löhne nach unten drücken können. Viel Glück UK! Get the Brexit done!

  2. gkazakou schreibt:

    Feine Stellungnahme, aber… Tatsächlich lässt sich der Wahlausgang ohne Brexit nicht interpretieren. Du sagst, er interessiert dich nicht. Und doch ist er für die britischen Wähler das Kernstück ihrer Entscheidung gewesen. Um die Entscheidung der working class zu verstehen, musst du dich auch für ihre Motive interessieren. Was versprechen sie sich von Brexit? Warum ist ihnen die EU so verhasst, dass sie schließlich gegen ihre Klasseninteressen die korrupten Konservativen wählen? Oder stimmt das gar nicht? Verteidigen sie vielleicht ihre Klasseninteressen, obgleich sie konservativ gewählt haben,weil sie glauben, es besser fernab der EU zu können? Genauso in den USA: wenn du nicht verstehst, warum die working class vermehrt Trump wählt – wie kannst du hoffen, dass Bernie gewählt wird? „Träume, muchacho, träume, aber mit offenen Augen“ (Italo-Western)

    • sunflower22a schreibt:

      you are right, maybe du missverstehst mich. Mich persönlich interessiert Brexit nicht, aber ich bin keine britische Wählerin. Es gibt in Deutschland EU-Fans, die sich unglaublich über Brexit aufregen, das verstehe ich nicht. Aber als britische Wählerin, ich weiß nicht, was ich abgestimmt hätte in dem Referendum.
      Warum in America soviele working people Trump gewählt haben, das verstehe ich gut. Ich habe darüber hier auch geschrieben https://sunflower22a.wordpress.com/2016/11/19/women-for-trump/
      und
      https://sunflower22a.wordpress.com/2016/11/12/trump/
      Aber es ist nichts o wichtig dass ich es verstehe. Bernie, Alexandria und viele andere progressive Politiker und Activists in den USA verstehen es, und sie machen bisher, glaube ich, nicht die Fehler von Labor in UK.

  3. Pingback: A shattered dream | per5pektivenwechsel

  4. Pjotr Panini schreibt:

    Lustig diese nachträglichen Begründungen. Dienen dem eignen Narrativ und der Vermeidung kognitiver Dissonanz.

    Bei Trump hab ich mich noch geärgert. 7:1 Quote, das wäre leicht verdientes Geld gewesen. Leider nicht dran gedacht. Hätte sich gelohnt, auch wenn’s knapp war. Diesmal hab ich nicht mal geschaut, war klar das der Tory gewinnt. Quote vermutlich bei 1,2 -> lohnt das wetten nicht.

    Warum beides klar war? Weil dieser ganze korrupte Polithaufen so oder so aus selbstbedienern besteht. Da wählt man besser den mit dem höheren Unterhaltungswert.

    und BoJo kann fließend altgriechisch. ;-).

    Spaß beiseite, der Wähler ist nicht doof. Er kann zwar selten artikulieren warum er was wählt aber das interessiert ihn auch nicht. Für einen alle-4-Jahre-Zettelwurf schafft sich keiner die Terminologie drauf. Er kann aber a. irgendeine windelweiche korrupte Faselblase von b. einem Unterscheiden der was will. Bei b. ist die Wahrscheinlichkeit größer das was für ihn abfällt. Das Alphamännchen will ja wiedergewählt werden und wird sich ergo kümmern. Als Lokalkolorit kann man diesem neofeudalistischem Bürokratieungetüm in Brüssel eins auswischen. Win Win. Mehr als ne Verwaltungsänderung mit dem Charme einer Flurbereinigung im Niedersächsischen Hinterland passiert schließlich auch beim Brexit nicht.

    Danach geht „el/la elector/a“ Kinder hüten, im Pub dem weltweit gepflegten Volkssport der Regierungsbeschimpfung frönen oder was weiß ich.

    Das Modell stimmte in den letzen Wahlen fast immer. Lokal angepasst natürlich. Bei den tumbdeutschen Wahlschafen war z.B. klar das Sie diese radebrechende Agentin wiederwählen die Berlin nicht auf einer Europakarte findet. Dafür können Sie hier besser organisieren – zumin. jenseits der strukturellen Korruption wie bei BER, S21 oder Elphie – was letztlich zählt.

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