Dollars

Vertrauen Sie dem Euro? Wirklich? Darüber Sie können sehr ideologisch diskutieren, denn wenn Sie nicht dem Euro vertrauen, Sie sind in Deutschland sofort eine Anti-Europäerin, AfD und Schlimmeres. Aber das Vertrauen in eine Währung ist nicht über ideologische Bekenntnisse zu lösen. Bis etwa 2008 war der Euro durchaus auf dem Weg, dem Dollar Konkurrenz zu machen als Welt-Reservewährung. Seit den großen Euro-Krisen ist das vorbei. Heute laufen wieder über 90% der internationalen Handelsgeschäfte über den Dollar.

Dazu kommt, es gibt viel zu viel Geld in der Welt. Die Politik des quantitative easing, des lockeren Geldes, der niedrigen Zinsen führt dazu, dass es überall auf der Welt viel Geld gibt, das nicht produktiv investiert wird und nicht rentabel angelegt werden kann. Die Anleger wollen Sicherheit und hohe Rendite, aber das geht meist nicht. Hohe Rendite gibt es nur bei hohem Risiko.

Ein größeres Problem ist eigentlich, dass zuwenig investiert wird. Selbst große Unternehmen und Konzerne türmen lieber Reserven auf. Pensionsfonds, Staatsfonds, Versicherungsfonds, alle sind auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten. Money, money, money – und immer weniger Rendite. Noch schlimmer wird es, wenn selbst Staaten sparen wie wahnsinnig und die „Schwarze Null“ zum Dogma erheben, allen voran die Deutschen.

Nichts ist eine so sichere Anlagemöglichkeit wie der Dollar. Ob das real stimmt, ist egal, psychologisch ist es so. Also kann sich America so günstig wie niemand anders verschulden. US Treasuries und andere dollar-denominated safe assets (DDSAs) werden gekauft, allein China hat Zigmilliarden davon. Und so steigt der Dollarkurs, und damit das US-Handelsdefizit. Gegen diesen Effekt können alle Zölle der Welt nichts ausrichten. Paradoxerweise verstärken Trumps Handelskriege noch die internationale Unsicherheit und damit den Drang, in den „safe haven“ United States Dollar zu investieren, sie machen also das Problem schlimmer.

Natürlich wird es auch immer teurer, in den Dollar zu investieren, wenn es alle tun. Der steigende Dollarkurs erhöht die Kosten dafür. Aber psychologisch führt das nicht etwa dazu, dass die Anleger weniger in den Dollar gehen, sondern erhöht noch das Gefühl, der Dollar ist sicher, denn er ist ja teuer.

Für die US Treasury ist das wunderbar: es kostet nicht viel, Schulden zu machen. Wenn du die Welt-Reservewährung hast, du kannst sehr billig Schulden machen, du kannst quasi Geld drucken, ohne die Währung zu ruinieren. Aber die Kosten kommen auf andere Weise. Immer mehr Kapital strömt ins Land, der Dollarkurs steigt, und damit werden Importe billiger. Das kostet viele Arbeitsplätze und so entsteht ein Handelsdefizit.

Jahrzehntelang, dies war selbstverständlich, aber die Auswirkungen der weltweiten Gier nach Dollars werden in USA inzwischen kontrovers diskutiert. DDSAs sind Schuldscheine – wenn du viele davon einlösen willst, entsteht für Amerika ein Problem. Eigentlich, für die ganze Welt. Aber was soll man tun, damit die Gier der Welt nach DDSAs sinkt? Es ist eine Bürde für Amerika to be „the consumer of last resort“, the “insurer of last resort,” aber was will man dagegen tun?

Solange die Nachfrage nach DDSAs, nach Dollars nicht sinkt, wird der Dollarkurs nicht sinken und damit das US-Defizit auch nicht. Warten Sie auf die nächste Euro-Krise, whoever sie auslösen wird, und es wird noch krasser. Reiche Russen, Chinesen, Inder usw bringen ihr Geld lieber in karibische Steueroasen statt es im eigenen Land zu lassen, und sie legen es dort mit Sicherheit nicht in indischen Rupees, Rubel oder Yuan an, sondern in Dollar. Alle Welt legt in Dollar an. Die Kosten sind das extreme Handelsdefizit und die Abwanderung von immer mehr guten Jobs ins Ausland. Die USA haben kein Mittel, die Gier der Welt nach DDSAs zu senken.

Natürlich, die Dollar-Hegemonie kostet die USA viel, aber es gibt ihnen auch Macht. Fast die gesamten Finanztransaktionen, der Handel der Welt läuft über Dollar. Die Iran-Sanktionen der USA sind deshalb so wirksam, weil sich kein Finanzinstitut der Welt aus dem Dollar verabschieden kann. Wenn Europa man die Iran-Sanktionen der USA brechen oder umgehen will, muss die EZB selbst zur Geschäftsbank für Unternehmen werden, die mit Iran Geschäfte machen.

Die Welt braucht dringend eine Alternative zum Dollar. Auch die USA selbst. Es wird immer schwieriger, die Gier der Welt nach Dollars zu befriedigen. Ein sinkender Dollarkurs muss her, aber wie? Die weltweiten Turbulenzen, auch durch Mr Trump, und die krisenhafte Konstruktion des Euro weisen in eine andere Richtung.

Letztlich, man braucht dafür politische Eingriffe. Man muss irgendwann akzeptieren, dass man Wechselkurse politisch managen muss und nicht nur dem Markt überlassen kann. Dafür, es braucht eine Vereinbarung, das kann kein Land alleine machen. Das wäre der Job für die G20. Aber mit Verrückten wie Trump und Starrsinnigen wie den Deutschen kannst du das nicht machen. So there will be another financial crash. Sooner or later.

Please note: I only accept dollars.

 

Über sunflower22a

I am a mystery.
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2 Antworten zu Dollars

  1. Pjotr Panini schreibt:

    Naja, wenn ich jetzt mit irgendeinem Währungsrechner rumspiele, dann frage ich mich wo Sie diese Ideen hernehmen. Gegen die meisten Währungen (also das was man auch als Währung bezeichnen kann) ist der USD-Kurs in diesem Jahrhundert gesunken. Selbst gegen diese korrupt-dilettantische Kunstwährung €UR stand er schon mal bei 1,10 (z Zt. 0,90). Sie können natürlich mit dem Mex. / Arg. Peso dagegen Argumentieren, oder mit dem Bolivar, aber ob das werthaltig wäre?

    Wenn alle wie blöde U$D kaufen dann sollte der Kurs durch die Decke gehen oder? Passiert aber nicht, warum? Weil die Amis a.) nicht vorhaben ihre Schulden zurückzuzahlen sondern tatsächlich jedem Dollar neugedruckte Gutscheine in die Hand drücken der was von ihn ihnen will. und b.)? Nun, das in etwa so ist als wenn Sie bei McDonalds einen Burger bestellen und anstelle der Mehl-Fleisch-Pampe bekommen Sie Mc-Do Verschenkschecks. Ok, besser für die Gesundheit – aber nicht das was Sie eigentlich wollten. Wenn Sie auf den Burger bestehen hält der Kassierer ihnen eine Knarre an den Kopf. So sieht es aus.

    Amiland ist Pleite, die Schulden sind nicht gedeckt. Weder mit Gold, noch mit Land, Maschinen oder Innovationen, auch nicht mit dem Potential der Generation Schneeflöckchen und auch nicht alles zusammen. Der Rest der Länder versucht langsam Luft aus diesem Druckkessel abzulassen. Old Germany wittert auch Morgenluft versucht sich aus dem Schwitzkasten zu befreien.

    Das beschreibt es imho besser. So wie die Ansage des Mädels (schöne Metapher übrigens) nicht die Währung wäre, sondern die Betragshöhe. Das rechnet Sie als Extraservice auch gerne in your local currency um, hat ja Smartphone.

  2. Pingback: Dollars | per5pektivenwechsel

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