Wieder Krieg?

America can drive you mad. Die Eskalation gegen den Iran lässt wieder Kriegsängste hochkommen. Sind die Amerikaner wahnsinnig? Ja. Jedenfalls die Regierung. Bitte fangen Sie jetzt nicht an, von den früheren Präsidenten zu träumen. George Bush zum Beispiel. Oder Clinton. Oder Reagan. Die haben viel mehr Kriege angefangen als Mr.Trump. Mr.Trump hat bisher überhaupt keinen Krieg angefangen. Stattdessen, er hat Kim Jong Un getroffen und zum Freund erklärt. Manchmal ich denke mir, rational handelnde Kriegstreiber im Weißen Haus sind gefährlicher als irrationale Populisten, die wenigstens wissen, dass Kriege unpopulär sind.

Ich glaube, gefährlich sind bestimmte Leute um Trump, das sind sehr rationale Leute. Natürlich vor allem John Bolton. Bolton, dieser alte hässliche Kriegstreiber, der schon den Irak-Krieg mit angezettelt hat, der Krieg gegen Venezuela will, und offen Krieg gegen Iran propagiert. Was wollen Sie von so einem hässlichen alten Widerling auch anderes erwarten? Würden Sie von so jemandem einen Gebrauchtwagen kaufen? Never.

Bolton hat verlangt, dass man bis zu 120,000 Truppen in die Region verlegt, um den Iran anzugreifen. Das sind so viele Soldaten, wie vor der Irak-Invasion in Kuwait stationiert wurden. Das Signal an Teheran ist klar: wir bereiten einen großen Krieg vor, nicht nur einige Luftschläge. Die angeblichen Attacken auf Saudi-Schiffe passen ins Bild: Bolton will die Iraner provozieren, und dann hat er einen Vorwand. Und bisher, viele glauben, die Iraner gehen ihm in die Falle.

Ich glaube das nicht. Es könnte eher anders herum sein, und Bolton unterschätzt die strategische Gerissenheit der Iraner. Am Ende, er könnte in der Falle Teherans stecken. Teheran hat genau studiert, wie Trump mit Kim umgegangen ist. Am Anfang, Trump macht eine maximum pressure strategy, eskaliert schnell und brutal, und für Teheran sind die Wirtschafts-Sanktionen tatsächlich sehr hart. Aber die Kosten für Trump sind bisher null. Die Spannungen mit den Europäern sind ihm völlig egal, das denken nur die naiven Europäer, dass das ein Schaden ist.

Aber Trump kalkuliert, dass Iran Angst bekommt und dann nachgibt, das Atomprogramm aufgibt, und er als Sieger dasteht, ohne Kosten. Aber wenn Teheran nicht nachgibt, dann irgendwann kommt der Punkt, an dem auch Kosten für Trump entstehen. Wenn er nämlich mit Militäraktionen anfängt. Und das auch noch mit einem beginnenden Wahlkampf. Es wäre furchtbar für Iran, für die Region – aber ein Geschenk für Bernie Sanders und alle anderen demokratischen Kandidaten.

Bei Kim, Trump hat irgendwann gemerkt, es funktioniert nicht so, und er hat eine andere Lösung gewählt. Sie war gut für Nordkorea – aber auch gut für Trump. Er hat eigentlich gar nichts erreicht, aber das ist egal. Nur die Show zählt. Er hat politisch nicht verloren, sogar Punkte gemacht.  Bolton & Co waren damit nicht einverstanden, aber sie mussten den Mund halten.

Ich glaube, es ist nicht unwahrscheinlich, dass es bei Iran ähnlich läuft. Bolton weiß, dass Iran nur durch politische Eskalation nicht kapitulieren wird. Bolton will den Krieg, weil er Teheran besiegen will, er will kein Arrangement mit Iran. Er weiß, dass Trump den Krieg nicht wirklich wollen kann, und er weiß, dass er den Krieg nur bekommen wird, wenn er Trump austrickst. Dazu muss aber Teheran mitspielen – dazu es muss zu einer Situation kommen, in der Trump wie ein Verlierer dasteht, wenn er nicht die nächste Stufe der Eskalation geht, nämlich militärische Aktion.

In other words: Bolton’s Strategie wird nur funktionieren, wenn Teheran Fehler macht. Aber Teheran hat offenbar verstanden, wie die Lage in Washington ist. Außenminister Mohammad Javad Zarif, der Architekt des Atomabkommens, gab Reuters ein großes Interview, in dem er sagte: “I don’t think he wants war,” Zarif said in an interview at the Iranian mission to the United Nations in New York. “But that doesn’t exclude him being basically lured into one.”

https://www.reuters.tv/v/PwDC/2019/04/26/iran-warns-u-s-of-consequences-over-oil-sanctions

Natürlich, es ist ein riskantes Spiel für beide Seiten. Wenn es Bolton und der hinter ihm stehenden Israel- und Saudi-Lobby gelingt, Trump in einen Krieg zu locken, Iran wird teuer bezahlen. Aber die USA auch. Iran bereitet sich auf eine US-Invasion seit 40 Jahren vor. Iran hat Saddam Hussein in den 1980er Jahren besiegt. Iran ist ein sehr, sehr harter Gegner. Die Kosten wären auch für die USA brutal, und für Trump höchstpersönlich.

Aber wenn es Bolton und Netanyahu und den Saudis nicht gelingt, den Krieg zu provozieren, dann ist Bolton erledigt. Niemand wird ihn mehr ernstnehmen. Ich bin sicher, Iran wird Trump einen Ausweg ermöglichen der ihn aussehen lässt wie einen Sieger. Es könnte sogar zu einem Treffen von Trump mit dem iranischen Präsidenten kommen, Szenario Kim Jong Un. Trump ist unberechenbar. Auch für Bolton. Trump is mad, sure. Aber unter einem rationalen Präsidenten wie George W. Bush, wir hätten schon längst den Krieg mit Iran.

Crazy world.

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3 Antworten zu Wieder Krieg?

  1. Pingback: Wieder Krieg? — sunflower denkt strategisch! | form7

  2. Pjotr Panini schreibt:

    Albern, Sie werden weder den Iran noch Venezuela angreifen. Der Iran ist ein anderes Kaliber wie der Irak. Selbst den haben die Herrschaften 10 Jahre ausgehungert bevor Sie sich getraut haben ihn zu bombardieren.

    Venezuela macht sich selbst fertig, das brauchen Sie nur einsammeln und des werden Sie auch wissen. Sozialismus? Nice idea, wrong species. Die Drohungen stecken nur den claim ab.

    Die Russen haben im Georgienkrieg 3 Tage gebraucht um vor Tiflis zu stehen. In einem von Westen „hochgerüsteten“ Land. Danach haben Sie die Waffen einkassiert und haben sich zurückgezogen. Klare Kriegsziele, eine schlagkräftige Armee und eine funktionsfähige Führung.

    Die Amis dagegen haben noch nie was gerissen. Alle neueren Kriege haben Sie verloren . In Syrien haben Sie vor einer Fliegerstaffel der Russen den Schwanz eingezogen. Zu feige, zu ahnungslos, zu angreifbar und zu planlos, Papiertiger. Das wird sich auch nicht ändern. Z.b. ist ein Flugzeugträger heutzutage eine „sitting duck“. Spannend wird es evtl. wenn Sie die Dinger zurückziehen, nicht wenn diese Zielscheiben irgendwo rumschippern.

    Das sind alles Machtspielchen um andere Dinge zu verschleiern. Vom Prinzip her treibt Sie das überdehnte Imperium in die Pleite und Sie müssen sich zurückziehen (pol. Neuordnung genannt). Das ruft dann so nette totalitäre Diktaturen wie China auf den Plan. Von da droht eine Gefahr die sich viele noch nicht vorstellen können.

  3. Holger schreibt:

    Es ist schwer zu sagen, wie das Ganze ausgehen wird. Ich denke nicht, dass die USA aktuell angreifen werden. Eine gute Analyse dazu hat The Saker veröffentlich:
    http://thesaker.is/the-anglozionist-empire-a-hyperpower-with-microbrains-and-no-cred-left/

    Ich denke, er liegt damit ziemlich gut. Sorgen sollten wir uns machen, wenn die Träger aus dem Golf abdampfen. Man bringt dann die eigenen assets ausser Schussweite, kann aber den Gegner noch treffen.

    Das die USA Kriege nicht mehr gewinnen, muss nicht zwingend ein Zeichen von Unfähigkeit sein. Das Ziel kann auch sein, ganze Regionen dauerhaft zu destabilisieren; auch, um Wettbewerbern im globalen Machtgerangel das Ausgreifen in dieselben zu erschweren. George Friedman von Stratfor hat das 2015 sehr zynisch und unverblümt erläutert.

    Das ist ein kurzer Auszug aus dieser Rede, die ganze Rede ist hier zu finden:

    Er geht dabei u.a. auf die tiefe Zerstrittenheit der Europäer ein und beschreibt anschliessend, wie die USA dies ausnutzen, um z.B. eine Annäherung von Deutschland und Russland zu verhindern,
    was lt. seiner Analyse zur Bildung eines Gegenpols zur US-Hegemonie bilden könnte.

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