Stella goes braless

Manchmal, das Leben nimmt überraschende Wendungen. In meinem Job, es gibt viele Leute die etwas gegen mich haben. Manche Männer, weil sie selbstbewusste Frauen als Vorgesetzte nicht ertragen. Manche Frauen, aus genau demselben Grund. Und manche Frauen, weil sie graue Mäuse sind und nicht ertragen, dass Frauen sexy und erotisch sein können und gegen alle ihre Vorurteile nicht dumm sondern clever sind.

Stella gehört zu der letzten Gruppe. Lange, sie war eine meiner schlimmsten Kolleginnen, konservativ, graue Maus, immer intrigant gegen mich. Aber ihr Leben liegt in Scherben. Sie hat entdeckt, ihr Mann hat längst eine andere, und jetzt sie hat sich getrennt. Scheidung, Gerichtsprozesse, Streit. Jetzt, sie ändert sich in schnellem Tempo. Letzte Woche, sie kommt plötzlich nicht mehr in einem grauen Kostüm, sondern in einem Kleid ins Büro. Ich erinnere nicht sie jemals in einem Kleid gesehen zu haben. Auf einmal, sie hat mehr Schmuck, eine neue Frisur. What’s going on?

Surprise, sie ist jetzt auf einmal sehr freundlich zu mir. Und sie fragt, können wir heute abend uns treffen, es wäre sehr schön wenn ich ja sage. Ich bin sehr reserviert. I don’t trust her. Sie sagt, sie versteht es, aber sie würde sich sehr freuen. Okay, I agree.

Als wir uns treffen, ich bin sehr überrascht. Stella ist kaum zu erkennen, so ganz anders, aufgebrezelt as the Germans say. Sie kommt mit großen Ohrringen, high heels, enges Kleid. No bra, das ist die größte Überraschung. Sie hat mir mal gesagt, dass sie es ganz unmöglich findet, wenn manche Frauen (also ich) ohne BH herumlaufen, das sei Huren-Look.

Sie lacht als sie meinen überraschten Gesichtsausdruck sieht. Stella, what’s happening? Was ist los?

Sie ist in der midlife crisis. Mann weg, Haus weg, Tochter gerade erwachsen, der halbe Freundeskreis weg, wie geht es weiter. Sie will jetzt alles anders machen. Eigentlich, sie beneidet mich schon lange, und es tut ihr sehr leid dass sie immer war so giftig. Das war der Neid. Aber nun, es gibt keinen Grund mehr, ihr altes Leben war eigentlich sehr langweilig und eigentlich, es ist gut dass es vorbei ist.

Ich sage, und nun du machst Huren-Look? Sie wird rot, oh bitte, so sorry, ja, das tut ihr leid. Sie versteht, dass ich sehr verletzt war. – Nein, Stella, nicht verletzt. Aber es signalisiert, dass du glaubst du bist etwas besseres. – Sie sagt, dass sich ihre Sicht der Welt gerade sehr ändert. Sie hat die meisten ihrer Freunde verloren, vor allem ihrer Freundinnen. Sie versteht nicht, warum die meisten zu ihrem Ex halten. Die einen sagen, sie sei zu langweilig. Die anderen sagen, so wie sie sich jetzt ändere, also weniger langweilig wird, das sei schlimm. Sie werde zur Schlampe, hat eine gesagt. Unglaublich.

Bitte? Und wie oft hast du Schlampe zu mir gesagt? – Sie wird rot, ja, es tut mir so leid, es war echt mies. – Ich bin nicht überzeugt. So, sie sagt, sie will alles anders machen. Sie will nicht nochmal so ein Leben wie bisher. Sie redet wie ein Wasserfall, alles kommt aus ihr heraus.

Stella, warum erzählst du mir das alles? – Ich weiß nicht, ich glaube weil ich keine andere kenne die das versteht was mit ihr los ist, und ich muss mit jemand darüber reden. Sie möchte neue Bekanntschaften machen, andere Leute kennenlernen. Wir gehen an die Bar. Sie redet weiter, nonstop, und bald Stellas nackte Beine berühren meine. Was ist das? Ich bin nicht sicher was jetzt passiert. Sie gesteht, sie findet auf einmal Frauen erotisch. Eigentlich, sie sucht einen neuen Mann, aber vielleicht, nocheinmal Monogamie mit einem Mann, maybe das ist es nicht. Aber mit einer Frau, Sex mit einer Frau, sie träumt nachts davon. Sie schaut mich an, lächelnd. Isabel, du kennst das, nicht wahr?

Ja, das weißt du doch. – Nein, ich weiß es nicht, ich ahne es. Aber alle sagen es. Alle reden dauernd über dich. Immer nur über so etwas. Du bist lesbisch, bisexuell, eine heimliche Escortlady, du warst mit denen im Bett die dich befördert haben, und so weiter. – Ach ja, und die Frauen sind die schlimmsten, right? – Natürlich. – Du auch, right? – Sie wird knallrot. Ja. Es tut mir so sehr leid. Ich sehe einige Tränen.

Stella, es ist mir egal was sie reden. Sie sind langweilige, traurige Menschen, sie tun mir eigentlich leid. Stella hat Angst, dass man jetzt auch über sie so redet, es sei so brutal. – Du hast Angst davor, dass man mit dir macht, was du bisher mit anderen gemacht hast??? Aber willst du dich aus Angst davor so verstellen, dass alle glauben, du bist immer noch so wie früher? Das gelingt dir nicht, und wenn es dir doch gelingt, du bist unglücklich dabei, dann du lebst wie eine Doppelagentin.

Ja, das stimmt. Ich war ganz schlimm, richtig dumm. Aber was soll ich jetzt tun? Sie können dich kaputt machen. – Keine Angst vor ihnen haben. Das ist das wichtigste. Wenn du eindeutig bist, ich unterstütze dich. Aber kein heute so, morgen so. – Was meinst du? – Stella, sie müssen sehen, dass du nicht mehr die alte bist. Ohne Zweifel. Dass du jetzt frei bist und deinen Weg gehst. Morgen kommt eine neue Stella ins Büro. Eine Woche lang. Kein BH. Lippenstift. Fingernägel rot lackiert. High heels vielleicht. Drive them crazy. Freue dich wenn sie über dich lästern. Du musst durchhalten, sonst machen sie dich fertig. Und wir essen gemeinsam Mittag, alle sollen es sehen. You and me.

Stella sagt nichts. Nein. Das ist zu gewagt. You are punishing me for my past nastiness. Oder doch?

Ja, sie wird es versuchen. Am nächsten Tag, Stella macht es. Sie sieht wunderbar aus, she is the center of attention, und ich kann nur ahnen, welches Geschwätz es über sie gibt. Beim Mittagessen, es ist als wären wir auf dem catwalk. Stella, was sagen sie? – Zu mir nichts. Aber ich kann es fühlen was sie sagen wenn ich nicht dabei bin. Isabel, ich sterbe. Ich ertrage es nicht. – Warum? – Ich fühle mich wie nackt. Meine Brüste hüpfen dauernd. Es macht mich verrückt. Manchmal, man sieht wo meine Nippel sind, es ist so peinlich. – Gestern abend, du hast es genossen. – Ja abends, aber es ist nicht abend jetzt. Es geht nicht. – Stella, wenn du morgen schon aufgibst, sie machen dich erst recht fertig. Believe me.

Stella hält durch. Am zweiten Tag, es war am schlimmsten. Sie hat sich irgendein Klebeband über die Nippel gelebt to stop them from poking out. Ratschlag von Women’s Health. Well, if you want…aber das ist nonsense, wie alkoholfreier Wein.

Am dritten Tag, sie wird mutiger. Sie sagt, die anderen sind ihr jetzt egal. Am fünften Tag, sie kommt mit roten Haaren, nicht mehr mit Kleid, aber Kostüm mit roter Seidenbluse. Wow. Sehr sexy. Stella I can’t believe it. Honestly, ich bewundere Stella’s Mut, auch wenn ich ihre Gemeinheiten der letzten Jahre nicht so schnell vergesse. Wir verabreden uns aber noch einmal. Als sie mich sieht, sie umarmt mich. Ein wenig zu lange. Stella, ich gratuliere dir, du warst sehr mutig. Sie wirkt glücklich und traurig zugleich. Jetzt, sie ist sehr einsam, sagt sie: eigentlich alle Freundinnen distanzieren sich von der neuen Stella. Aber andererseits, eigentlich sie vermisst sie nicht. Sie hat ein ganz neues Lebensgefühl, wie Freiheit nach dem Gefängnis, so sei es. Auch ein neues Körpergefühl, eigentlich kein neues, sondern zum ersten mal überhaupt eines. Es sei schön, die Brüste zu spüren, statt sie wegzusperren. Stella umarmt mich wieder, sehr lange. I am puzzled, ich befürchte sie ist verliebt in mich. Aber das ist one-way. No idea how I will solve this problem.

No bra please

Über sunflower22a

I am a mystery.
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