Der größte Schuft im ganzen Land…

…ist und bleibt der Denunziant. Das gilt überall. Es spielt keine Rolle, aus welchen Motiven heraus jemand handelt. Viele Denunzianten glauben bestimmt, sie tun etwas Gutes. Weil sie mit einem Regime, einem System und seinen Werten übereinstimmen. Vielleicht auch nur, weil sie sich selber Vorteile versprechen. Oder sie wollen diejenigen, die sie denunzieren, schaden. Vielleicht, viele Denunzianten merken gar nicht, dass sie Denunzianten sind. Manche müssen es sogar sein.

Zum Beispiel, wenn du arbeitest bei der Hotelkette Marriott. Die größte der Welt, übrigens. Sie haben jetzt zugegeben, dass sie ein Programm haben, gemeinsam mit der US-Polizei ein wachsames Auge auf alleinreisende Frauen zu haben. Sie trainieren ihr Personal, Escort Ladies aufzuspüren und bestimmte Frauen daran zu hindern, allein an der Bar zu trinken. Sie haben das alles zugegeben, schreibt reason. Ich bin sicher, ich würde in einem Marriott Hotel sofort Alarmstufe 1 auslösen. Auch ich reise oft alleine, hänge oft an der Bar alleine herum, und spreche fremde Männer an, wenn ich Lust dazu habe. Manchmal, es wird sehr nett und endet im Bett. Ob ich cash dafür nehme oder nicht, das Erscheinungsbild ist dasselbe. Ich habe schon oft in Marriott Hotels übernachtet, offenbar, das enforcement dieses Programms ist nicht sehr gründlich.

So etwas macht mich sehr wütend. Es geht nicht darum, dass sie mich vielleicht aus ihrem Hotel werfen werden. That won’t happen – I will boycott them now. Es geht um etwas viel Grundlegenderes, schreibt reason:

However well-intentioned, the surveillance tactics that have been adopted by hotel chains are part of a disturbing partnership between hospitality businesses, federal law enforcement, and rent-seeking nonprofits that increasingly seeks to track the movements and whereabouts of people, especially women, all over the country. Under pressure from the federal government and driven by persistent myths about the nature and prevalence of sex trafficking, hotel chains like Marriott have become the new frontiers of the surveillance state. Like the indiscriminate spying campaigns that grew out of the 9/11 attacks, it’s an effort based on panic, profiling, and stereotypes, and it is nearly certain to ensnare more innocents than it helps…. Many of these efforts fall under the purview of the Department of Homeland Security (DHS) „Blue Campaign,“ which has been in place since 2010. Promoted as a way to help hotel and transit staff, hospitality businesses, and travelers „recognize the signs“ of human trafficking, the Blue Campaign is best understood as an update to the war-on-terror surveillance systems developed under the George W. Bush administration. It relies on tactics adapted from „If You See Something, Say Something,“ or S4, a campaign run by DHS that stems from New York City’s turn-of-last-century subway slogans.

Aber es geht nicht nur darum, dass du alleine reist, sexy aussiehst und alleine an die Bar gehst. Sie spionieren dich noch gründlicher aus, wenn die Angestellten das machen, was Marriott von ihnen verlangt. Du bezahlst cash. Verdächtig! Du verlangst extra viele Handtücher? Verdächtig!  Du sagst, die brauchst keine housekeeping services? Verdächtig! Du hast sextoys dsabei? Verdächtig! Du bist ein Mann und mit deiner 17jährigen Tochter unterwegs? Verdächtig! Du hast wenig Gepäck? Verdächtig!

Mit der heutigen Technologie, es ist klar was hier auf uns zukommt: Die totale Überwachung, Chinese-style. Reason schreibt, dass schon daran gearbeitet wird, mit Gesichtserkennungssoftware und Hotelzimmer-Fotos zu arbeiten.

Between 2014 and 2017, DARPA spent $67 million on the adult-ad indexing program. Is it worth it? Certainly not from an anti-trafficking standpoint. A 2018 paper from NASA JPL researchers said that in the past year, „DIG, along with other trafficking detection tools from Memex, has led to at least three trafficking prosecutions.“ Three!! The results are indicative of the flawed focus of so-called anti-trafficking campaigns. How many victimized people could have been helped with $67 million going to emergency shelters and other services that address material needs?

Nur wer sehr naiv ist, wie zum Beispiel Quartz magazine, kann darin etwas Positives erkenne, so etwas wie „Kampf gegen Menschenhandel“ und all das übliche Blabla. Es ist übelstes Denunziantentum, das bald außer Kontrolle geraten wird und außer Escort Ladies noch sehr viele andere Leute treffen wird, auch diejenigen, die Escort Ladies verachten.

Mein Ratschlag: Kümmert euch um die wirklichen Probleme, die in den Marriott Hotels stattfinden. Zj  Beispiel Ausbeutung der schlecht bezahlten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, also diejenigen, die ihr zur Überwachung anderer schulen wollt. Kümmert euch um den sexuellen Missbrauch, der gegen eure Angestellten passiert. Kümmert euch um eure Steuervermeidung, die ihr wie jeder andere Scheißkonzern betreibt, statt euch zu Spionage-Gehilfen eines ausufernden Überwachungsstaats zu machen. Solange ihr das nicht macht, könnt ihr mich am Arsch lecken und ich übernachte woanders. Am liebsten in Hotels, die zu keiner Kette, keinem Konzern gehören, sondern hart arbeitenden Menschen aus dem Mittelstand, die sich schämen würden, ihre Gäste auszuspionieren.

Yes, Madam, I am naked on my bed. Is that prohibited at Marriott?

Über sunflower22a

I am a mystery.
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2 Antworten zu Der größte Schuft im ganzen Land…

  1. Pjotr Panini schreibt:

    Das „Problem“ hat doch jedes Hotel. Je nach Firmenpolitik oder lokalem Gusto wird es (teilweise aktiv) gefördert, geduldet oder unterbunden. Selten findet es den Weg in die Öffentlichkeit.

    Eigene Sorgen dazu? Einen guten Barman (m/w) macht es unter anderem aus Menschen korrekt einzuschätzen. Schon an ihrem Blick zu weniger attraktiven pot. Abendteuern (m/w) erkennt er Intentionen. Davon ob ist ihre Besuchsvita im Computer. Fühlen Sie sich also bestens behütet, im Fall besagter Kette sogar „konkurrenzlos“ ;-).

  2. rano64 schreibt:

    Diese moralinsaure angelsächsische Doppelmoral ist absolut widerwärtig. Aber bei dem Drecksladen würde ich eh nicht buchen. Spätestens nachdem Marriot es geschafft hatte, dass hunderte von Milllonen privater Datensätze aus ihrer schlecht gesicherten Datenbank gekaut worden waren, sind die bei mir unten durch.

    Und viel zu teuer sind sie auch noch.

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