Fuck these „feminist“ governments

Justin Trudeau ist ein Sonnyboy, inzwischen aber mit ramponiertem Ruf. Er bezeichnet sich als „Feminist“ und hat eine Regierung mit 50% Frauen im Kabinett. Davon abgesehen, bleibt es sehr schwammig, welche „feministische Taten“ seine Regierung eigentlich macht. Auch in Kanada werden die Reichen reicher und der Rest des Landes ärmer. Auch in Kanada herrscht ein Neoliberalismus, der für untere Lohngruppen und den Dienstleistungssektor nur eines bedeutet: weniger Geld. Für Mr.Trudeau reicht es inzwischen vermutlich aus, dass er sagen kann, dass er nicht Donald Trump ist. Kanadas Frauen haben von ihm nichts außer Sprüche.

Noch so ein „feministischer Premierminister“ regiert jetzt in Spanien, ein Sozialdemokrat namens Pedro Sanchez. Aber er hat nur eine Minderheitsregierung, und außerdem einen Bart, also es reicht nicht zum Sonnyboy. Feministische Taten sind bisher auch nicht wirklich zu sehen. Die kann man bei der politischen Konkurrenz sehen, bei der Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau. Sie wird getragen von einer breiten, progressiven Bürgerbewegung, sozusagen Freie Wähler von links, die mit Parteien nichts zu tun haben will und die anscheinend wirklich ihre Politik sehr basisorientiert macht.

Herr Sanchez hat jetzt ein großes Problem. Im Sommer, als alle Politiker in Urlaub waren, wurde in Spanien eine neue Gewerkschaft offiziell registriert und dies im Amtsblatt veröffentlicht. Alle Gewerkschaften müssen sich in Spanien registrieren lassen. Das ist aber kein politischer Akt, das ist ein reiner Verwaltungsakt, die Regierung darf die Registrierung nicht verweigern. Aber die Gewerkschaft OTRAS ist eine besondere Gewerkschaft. OTRAS heißt nicht „die anderen“, sondern Organización de Trabajadoras Sexuales. Es ist eine Gewerkschaft von Sexarbeiterinnen. Sie wollen die gleichen Arbeitsrechte haben wie alle anderen Beschäftigten. So etwas empört nicht nur die katholischen Konservativen, sondern auch die Feministen.

Mr Sanchez war es sehr peinlich dass diese Gewerkschaft offiziell registriert wurde, und er hat angekündigt, dass er dies rückgängig machen will. Er hat beim Amtsantritt in Juni ein Kabinett mit vielen Frauen gefüllt und „gender equality“ zu einem prioritären Ziel seiner Regierung gemacht. Weil es sozialdemokratischen und neoliberalen Regierungen noch nie darum ging, die ökonomischen Verhältnisse zu ändern und beispielsweise die Löhne in „typischen Frauenberufen“ drastisch zu erhöhen, kommt der Fall OTRAS jetzt sehr gelegen, seine „feministischen credentials“ unter Beweis zu stellen. Natürlich stimmen die Moral-Feministinnen Spaniens jetzt in den Chor der Empörung ein. Die ökonomische Ausbeutung von Frauen (außer in Führungsetagen) hat die noch nie interessiert, aber anderen Frauen ihre eigenen Moralvorstellungen aufzuzwingen und ihnen die Option Sexarbeit zu verbieten, darauf sind sie spezialisiert.

Das Gute an der Sache ist, dass das Tabu-Thema Sexarbeit plötzlich ein politisches Thema geworden ist. Prostitution ist in Spanien nicht verboten, aber auch nicht reguliert. Eine Gewerkschaft ist für die Rechte der Sexarbeiterinnen daher dringend nötig. Sogenannte feministische Gruppen beantragten die gerichtliche Aufhebung der Zulassung – und das Gericht urteilte, Prostituierte können keine Gewerkschaften gründen weil ihre Arbeit juristisch keine Arbeit sei. Aber andere Beschäftigte in der erotischen Dienstleistungsindustrie können es. OTRAS hat Revision eingelegt.

Spanien wählt im Mai. Sanchez will die Prostitution ganz verbieten. Die Minderheitsregierung der Sozialisten steht aber weit entfernt von einer regierungsfähigen Mehrheit. Die liberalen Ciudadanos sind genauso wie die linken Podemos nicht für den Moralfeminismus der Sozialisten, nur die diskreditierten Konservativen. “Experience shows us that when the State refuses to regulate, the mafias make the rules,” sagen die Ciudadanos völlig zurecht.

Sexarbeiterinnen als wehrlose Ausbeutungsobjekte, so hätten sie es gern. Am 27.Februar wird übrigens Vincent van Gogh’s Porträt einer Prostituierten in London bei Christie’s versteigert. Man rechnet mit einem Preis deutlich über 10 Millionen Dollar. Christie’s nennt das Bild verschämt „portrait de femme“, haha. The Art Magazine schreibt:

When Van Gogh moved from his parents’ village of Nuenen to the bustling port of Antwerp for the winter of 1885-86 he was immediately struck by the lively nightlife enjoyed by the sailors. He then developed the bizarre idea that one could earn more from painting prostitutes than pimping them. After explaining that he was doing their portraits, he told his brother Theo: “no matter what these girls may be, one can make one’s money out of them like this sooner than in any other way”. Not surprisingly, it turned out quite differently. Vincent had to pay the women to model and was then unable to sell the resulting pictures.

Von den 10 Millionen haben weder der Maler noch die Porträtierte heute etwas. Aber der Verkäufer sollte wenigstens einen Teil des Erlöses an OTRAS spenden.

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Eine Antwort zu Fuck these „feminist“ governments

  1. Pjotr Panini schreibt:

    Geht mich ja eigentlich nichts an, der Sexarbeiterkram, für mich deren bzw. reine Frauensache.

    Aber:
    Wenn Sie unbedingt möchten werden sie jederzeit bei Regierungen oder anderen Parteien Unterstützung finden.
    Sie müssen nur darauf Hinweisen das daraus jede Menge steuer- und sozialversicherungspflichtige Jobs entstehen. Einige über der hiesigen Beitragsbemessungsgrenze. Die Verwaltung braucht auch neue Posten fürs eintreiben und kontrollieren, Vorgesetzte, Amtsleiter, deren Stellvertreter und stellvertretende Stellvertreter.
    Das geht dann ganz schnell.So wie die CDU auf einmal den grünen Punkt einführte als Sie bemerkte was für ein Business da entstand und wie viel man da abgreifen konnte.

    Wenn Sie es dann möchten, gerade in Spanien wird das auf offene Ohren stoßen, wetten?

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