Das Oligopol der Zensur

Es ist leicht, zu glauben, mit dem Internet hat die Meinungsvielfalt zugenommen, das Meinungsmonopol der großen Medienkonzerne ist gebrochen, die Pressefreiheit ist demokratisiert. Es ist so einfach, einen Blog zu starten, in den social media irgendwas zu posten. Manche glauben schon, das sei so wirksam, dass es das Zeitalter der fake news eröffnet hat.

Was für ein Irrtum.

Ja, es stimmt, du kannst leicht einen Blog starten. Vor dem Internet-Zeitalter, es wäre niemals möglich gewesen, so eine Reichweite zu bekommen. So viele Flugblätter kannst du nicht drucken und vor allem verteilen. Mein kleiner Blog hat seit 6 Jahren viele Menschen erfreut, ohne Internet, es wäre unmöglich gewesen.

Das ist die eine Seite.

Aber die andere Seite ist, weniger Menschen als jemals zuvor können das über Nacht stoppen.

Tumblr.com zeigt das jetzt. Tumblr war immer eine etwas schrägere social media, nicht so im Fokus, weniger politisch, mehr auf Kunst und Subkulturen orientiert. Es war nie so wichtig wie Facebook, Twitter, Instagram. Es hat inzwischen etwa 450 Millionen Blogs. 2013 wurde es von Yahoo gekauft, mit dem Versprechen, „not to screw up tumblr.“ Now the new owners, Verizon’s Oath, did.

Users got an announcement saying: “Starting Dec 17, adult content will not be allowed on Tumblr, regardless of how old you are,” the post reads. According to the site, adult content is comprised of photos, videos, or GIFs that show genitals or … “female-presenting nipples,” including anything that shows or illustrates a sex act. Ausgerechnet am 17.Dezember, International Day to End Violence against Sex Workers.

Eine Handvoll Leute bei Apple beschließt, die tumblr-App aus dem apple store zu nehmen, angeblich weil irgendein user Kinderpornographie gepostet hat. Danach beschließt eine Handvoll Leute bei Oath, der Muttergesellschaft von tumblr, einen großen Teil der Blogs von tumblr einfach verschwinden zu lassen. Period. Das war es. Auch ich bin betroffen – ich habe alle meine Blogposts hier auch bei tumblr mit veröffentlicht. Mein tumblr blog wird wohl bald verschwinden, allein schon weil er heißt „erotica by sunflower“. In den letzten Wochen, tumblr hat einen Massenexodus erlebt, es ist sehr langweilig geworden.

In interviews and messages with WIRED, more than 30 sex workers, porn consumers, and creators on Tumblr lamented the loss of what they described as a unique, safe space for curated sexually themed GIFs, photos, and videos. Many users who had used the microblogging site as their primary source for porn were at a loss when asked where they would go after Tumblr’s ban on “adult content” goes into effect on December 17. For the thousands of sex workers who used the site to share their own explicit content in a controlled, relatively contained manner—not to mention the countless others who used that content to fill the hyper-curated feeds of some of the site’s most popular porn blogs—the crackdown’s consequences are even more difficult to unpack. And researchers say the ban could shrink Tumblr’s user base, which already appears in turmoil over the decision.

Niemals vor dem Internet-Zeitalter konnten so wenige Menschen mit einem Federstrich so viel Meinung zensieren. Niemals zuvor.

Das ist die andere Seite des Internets. Eine Handvoll Leute, ein kleines Oligopol, hat eine ungeheure Macht über die contemporary culture der ganzen Welt. Mit einem Mausklick, sie können weite Teile davon einfach verschwinden lassen. Wie dramatisch das ist, hat The Conversation hier sehr exzellent beschrieben.

Ich habe es auch schon erfahren. Facebook hat mich rausgeworfen, weil ich ihre puritanischen Vorschriften verletzt habe – aus Prinzip. Facebook nutzt die Gelegenheit jetzt, ebenfalls die Vorschriften zu verschärfen.

Facebook’s new „sexual solicitation“ policy is horrifying. It bans, among other things, erotic art (even non-explicit), talking about kink, talking about your boobs or butt, mentioning your preferences in sexual partners, „sexualized slang,“ and „vague suggestive statements.“

Facebook wird zur sexualitätsfreien Zone, wie es Puritaner überall durchsetzen wollen. Nicht einmal „sexuell explizite Sprache“ oder „vague suggestive statements“ ist erlaubt. Wer stoppt diese Verrückten?

Lisa Roux a sex worker and political organizer,sagt: “And so when you force sex workers off of platforms like this you’re making it even harder for them to build positive social lives, to end stigma,” Roux said, “because there’s no way to make people see us as human if we’re no longer allowed to share our stories in a personal way on social media.”

Dieser Blog erscheint bei WordPress. Auch WordPress ist eine US company, aus dem Land mit den verrückten puritanischen Moralvorstellungen und dem fanatischen Glauben, man muss die US-„Werte“ global durchsetzen. Noch ist WordPress eine liberale Plattform, sie zensieren dich nicht. Noch. Es ist ein schmerzliches Gefühl, dass sie eines Tages dasselbe machen können wie tumblr, und dieser kleine Blog verschwindet dann einfach.

Deshalb, wir brauchen ein safety net. Wir dürfen nicht abhängig sein von diesem US-Oligopol. Eine Alternative ist Pillowfort. Zurzeit, sie sind überwältigt von den tumblr-Flüchtlingen und nehmen keine weiteren User an, vorläufig, so schreibt Wired. Sie sind noch winzig, nur 30,000 users, aber es werden bestimmt bald sehr viel mehr. Oder vielleicht LiveJournal. Ironischerweise hat 2007 ein crackdown on erotica bei LiveJournal zu einem Massenexodus zu tumblr geführt, jetzt kommen sie zurück, LiveJournal ist heute sehr viel pluralistischer und liberaler. Eine andere Möglichkeit ist dreamwidth, mit 55000 activen Users. Auch ihr traffic ist explosionsartig gestiegen, seit tumblr von den Puritanern übernommen wurde. Dreamwidth ist ein splitoff von LiveJournal und technisch noch etwas, sagen wir, rückständig. Leider, bis auf diaspora, alles sind US Plattformen.

Lisa Roux draws the right conclusion: „I’m hoping these kinds of controversies encourage content creators to take as much control over their distribution channels as possible and inspires tech companies to solve the issue of bringing content to users without hosting the content themselves.“

So, ich habe meine Bloggerei diversifiziert. For social media, look at my twitter account, or diaspora, a facebook alternative with deplorably few users. However, they both only refer to my wordpress blog – if wordpress kicks me out, you won’t retrieve the text there. For a backup, I chose LiveJournal. As of now, my blog texts will also appear on LiveJournal. Look at it and join it. If wordpress ever kicks me out, you know where to look for me.

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Über sunflower22a

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Eine Antwort zu Das Oligopol der Zensur

  1. Pjotr Panini schreibt:

    Oligopole, mein Gott nochmal. Warum muss jemand ihre Party veranstalten? Webspace kostet nix anonymen gibt es auch un’n wordpress theme oder das 12 431 Fotoalbum zu installieren ist nun auch keine Raketenwissenschaft.

    Wer darüber lamentiert das irgendein (kostenloser) Dienst in dessen Hände man sich auch noch freiwillig begibt seine Meinung ändert kann mir nur Leid tun. Wenn ich einen geilen Text lesen will schreib ihn mir auch selber (und selbst die gewünschte Menge und Intensität an Ablehnungs- / Zustimmungskommentaren gelingt mir meist wohldosiert). Da wird es doch auch jemand schaffen Standardtechnik zu installieren.

    Stattdessen wird wie das Kaninchen vor der Schlange (m/w) auf die eiskalten Interessen der Businesman gestarrt und gejammert. You get what you pay for und wer im Internet nix zahlt ist nun mal selber die Ware.

    Was aufmachen? Das Spackenprogramm tun sich doch nur die an welche die komplette Bagage min. 7stellig verticken wollen. Ansonsten kann man ja für’n Zehner auf Kickstarter den Nachfolgeaccount anbieten. Incl. Sexworker die wohl auch nicht in der Lage sind was eigenes zu bauen.

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