Wahnsinn Privatisierung

Schon mal den Namen Carillion gehört? Nein? No surprise. Außerhalb von Britain, dieser Konzern ist eigentlich unbekannt. Das ist nicht weiter schlimm, er war vor allem dort tätig. War. Die Tatsache, dass er nicht mehr tätig ist, sollte allerdings weltweit in den Medien stehen. Carillion war der Musterfall der umfassenden, breiten Privatisierung öffentlicher Dienste in Britain, the neoliberal wonderland.

Carillion did everything. Sie haben Milliardenprojekte für die Regierung gebaut, Schulküchen betrieben, Züge gereinigt, Gefängnisse und Krankenhäuser betrieben, Immobilien und Militärbasen verwaltet und so weiter. Alles mögliche, was in früheren Zeiten die öffentliche Hand selbst gemacht hat, und zwar ohne shareholder value expectations privater Investoren.

Jetzt, im Januar, Carillion ging pleite. Die Firma wird liquidiert, und immerhin, die Aktionäre werden leer ausgehen.  Macht nichts, die meisten sind Banken und Fonds, die sich mit Carillion lange Jahre die Taschen vollgestopft haben. Schon letzten Sommer, es gab profit warnings. Aber das hat die May-Regierung nicht gehindert, noch einmal für 2 Milliarden Pfund Aufträge an Carillion zu geben. Es war ein Versuch, Carillion zu retten, mit öffentlichem Geld. Womit sonst: Carillion war wie ein Aasgeier, der nur von öffentlichem Geld lebte. Aber die Profiterwartungen ihrer ganzen öffentlichen Aufträge, sie waren leider unrealistisch. Sie dachten, sie sind too big to fail, no government can afford its collapse. Sie warfen wegen der Krise ihren Boss raus, ein gewisser Richard Howson. Er bekommt für seine Fehl-Leistungen noch bis Oktober 660,000 Pfund. Monatlich. Plus 28000 Pfund benefits, haha, wofür eigentlich? 450-700 contracts stehen jetzt in Frage, viele der 19500 Jobs sind bald weg, die bereits gezahlten Beiträge der Mitarbeiter für Betriebsrenten sind in Gefahr. Der Pensionsfonds hinterlässt ein Minus von 600m Pfund. Mit mehr als 1 Milliarde Pfund Schulden kann es sein, dass Carillion auch noch andere Unternehmen in den Abgrund mitreißen wird. Please click on the picture to watch a video.

Es sollte stehen in allen Medien, vor allem in allen Wirtschaftsmedien. In allen den Medien, die diese Privatisierungspolitik immer gut finden. Medien, die kein Wort der Kritik gefunden haben, als Deutschland letztes Jahr seine Verfassung geändert hat, um mehr Privatisierungen im Straßenbau möglich zu machen. Medien, die Carillion zum Fanal machen müssten: stop this neoliberal ideological madness. Carillion’s failure is the collapse of an ideology that has held for 30 years. “Companies like this shouldn’t exist”, schreibt Simon Jenkins. Auch der Economist is worried:

Carillion exemplified a way of running the state that was pioneered under Margaret Thatcher and which went on to conquer the world. Where once governments provided public services, they now commission them from private companies. The idea is to subject moribund state monopolies to the competition and innovation of the market. Yet a string of failures in Britain, of which Carillion is the latest, means that the country which converted the world to “contracting out” risks becoming a cautionary tale. Voters are flirting with a Labour opposition that has already vowed to renationalise industries and now says it would bring many public contracts back in-house. The Carillion affair could mark the collapse not just of a company, but of an idea.

Nothing. Silence. You don’t even know what Carillion is. Because your so-called quality media ignore this story. Eine sehr gute Illustration über das ständige Medien-Versagen. Nur in Britain selbst, da geht das natürlich nicht. Da stellt man sich jetzt die naheliegende Frage: We need a better way of managing public services, so der Guardian.

Diese Frage stellt sich überall in der Welt. Wer diese Frage nicht löst, wird bekommen früher oder später noch viele Carillions.

I want to bring these people to jail

Über sunflower22a

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3 Antworten zu Wahnsinn Privatisierung

  1. Pingback: Über Privatisierung und Berichterstattung | form7

  2. Pingback: » … stop this neoliberal ideological madness …« – ragbag

  3. Pjotr Panini schreibt:

    Schon mal was vom Rhön Kliniken gehört? Vermutlich nicht, das ist so ein ganz böser Privatisierer der Igiitgitt ach noch Gewinne macht. Hört man auch nichts von weil es läuft.

    Oder von ARD ZDF etc. Anstalten die 17 Mrd im Jahr benötigen um jede Menge Wiederholungen und Dumpfsinn zu senden. Das meiste geht da für Leute drauf die nichts tun. Der Rest dann für Pensionen und korrupte Tochtergesellschaftsproduktionen. Voll staatlich ist der Laden auch noch so sozial den Mindestlohnempfänger genau so auszuquetschen wie sich das Scherflein „bei den Reichen“ holen. Kann man doch echt stolz drauf sein, auf diese Nichtprivaten oder?

    Wo kostete es noch 60 DM für eine Stunde Hamburg München? Sie ahnen wohl schon wohin die Reise geht, nicht bei Lufthansa. Richtig, bei der Post. Für genau ein Telefonat. Da kann ich ihnen auch von Stuhlkreisen berichten da schlackern ihnen die Ohren. Wg der Größe und der Lohnkosten. Das war nun 100% staatlich.

    Das der Laden da pleite geht ist ja durchaus positiv. Die Selbstbediener werden sich ihr Schäfchen ins trockene geholt haben und die Arbeit wird jetzt von anderen Unternehmen gemacht. Wenn die Leute dann so blöd sind die Gelegenheit nicht beim Schopfe zu greifen. Kann man da andere verurteilen die genau das dann tun?

    .

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