Heldinnen: Ahed Tamimi

Ahed Tamimi ist erst 16 Jahre alt, und sie ist in den letzten Wochen zu einer Ikone des palästinensischen Widerstandes gegen die Kolonialisierung ihres Landes geworden. No surprise:  Germany’s media report nothing about her.

Sie kommt aus Nabi Saleh, ein Dorf im besetzten Palästina. Große Teile des Landes dieses Dorfes hat die israelische Kolonialmacht beschlagnahmt und darauf die illegale Siedlung Halamish errichtet. Die Kolonialisten beschlagnahmten auch den Brunnen des Dorfes. Jeden Freitag protestieren die Dorfbewohner, seit Jahren. Oft bekommen sie Unterstützung von Ausländern, auch von Israelis, weil die Besatzungsarmee mit aller Brutalität gegen die friedlichen Proteste vorgeht. Es muss sehr bewegend sein, lest Lisa Goldman’s Artikel „Nabi Saleh is where I lost my Zionism“:

In fact, I have never seen a video that comes remotely close to conveying the true brutality I saw in Nabi Saleh. Maybe you need to smell the tear gas and feel the smallness of the place to see how outrageous it is for soldiers to act as they do there: to, with a sense of entitlement, enter a village and break up a gathering of unarmed demonstrators; to kick open the doors of homes and drag off to jail unarmed people who pose no threat; to break into a house at 4 a.m., to roust a teenage girl from her bed and drag her off to jail, denying her even the right to be accompanied by a guardian.

Kurz vor Weihnachten, die Gewalt eskalierte: die Besatzungsarmee schoss dem 14jährigen Cousin von Ahed ein stahlgefülltes Gummigeschoss direkt ins Gesicht, er ist seitdem im Koma.

Als die Besatzungssoldaten danach in das Haus von Aheds Familie eindrangen, wurden sie erneut übergriffig. Und Ahed wehrte sich, ging auf die Soldaten los, schubste sie weg. Ein unsagbarer Akt von Gewalt, gefilmt auf Video, and the video went viral.

Natürlich, für diese Gewalttat muss man sie sofort verhaften, eine 16jährige. Nicht nur sie. Ihre Mutter und ihr Cousin wurden auch verhaftet. Einfach nur, weil sie Ahed besuchen wollten. Ihre Haft wurde bis nächste Woche verlängert, weil sie eine „Gefahr darstellt“. Ahed’s Vater darf sie nicht sehen. Er ist für den Likud-Abgeordneten Oren Hazan „menschlicher Abschaum“: Israeli lawmaker calls Palestinians visiting relatives in Israeli prison ‘beasts’ and ‘human scum’. Solche ekelhaften Typen regieren Israel.

Michael Oren, früherer Israel-Botschafter in USA, ist außer sich vor Wut, dass Ahed nicht aussieht wie eine islamische Fanatikerin, sondern wie eine westliche Teenagerin:

Ja, das ist schlecht für Israel’s image abroad. Für die zivilisierte Welt außerhalb Israels, wieder ein Einblick in die Realitäten des israelischen Kolonialregimes, die man so gerne verdrängt. For Israel, very embarrassing. Die Rechtsradikalen in der Regierung reagierten mit den  üblichen Hassparolen: the infamous Education Minister Naftali Bennett: “She should finish her life in prison.” Ein sogenannter linksliberaler, prominenter Journalist Ben Caspit schreibt öffentlich in „Maariv“:   “In the case of the girls, we should exact a price at some other opportunity, in the dark, without witnesses and cameras”, also ein Aufruf zur Vergewaltigung. Thank you Jonathan Ofir for publishing that to the English-speaking world. Kein Wort dazu von den #metoo-Aktivistinnen, sie sind nur für weiße Karrierefeministinnen zuständig, nicht für junge Palästinenserinnen.

„A Girl’s Chutzpah: Three Reasons a Palestinian Teenage Girl Is Driving Israel Insane”, a very good comment in Haaretz. “The girl from Nabi Saleh shattered several myths for Israelis. Worst of all, she dared to damage the Israeli myth of masculinity. Suddenly it turns out that the heroic soldier, who watches over us day and night with daring and courage, is being pitted against a girl with empty hands. What’s going to happen to our machismo, which Tamimi shattered so easily, and our testosterone? Suddenly Israelis saw the cruel, dangerous enemy they are confronting: a curly-haired 16-year-old girl. All the demonization and dehumanization in the sycophantic media were shattered at once when confronted by a girl in a blue sweater.”

Ahed, für mich bist du eine Heldin. Eine Heldin, ignoriert vom Western media establishment. I can only agree with Gideon Levy at Haaretz:

„If only there were many more like her. Maybe girls like her will be able to shake Israelis up. Meanwhile Israel has reacted the only way it knows how: a nighttime abduction from her home and detention with her mother. But in his heart of hearts, every decent Israeli likely knows not only who is right and who isn’t, but also who is strong and who is weak. The soldier armed from head to toe who invades a house that doesn’t belong to him, or the unarmed girl defending her home and her lost honor with her bare hands, with a slap?”

My dear readers, this is my wish for you for 2018: please care more about what happens in occupied Palestine. Read the opinion article Ahed’s father wrote in Newsweek. Maybe you want to join this campaign. Ask yourself, “Why is the West praising Malala, but ignoring Ahed?”

Thank you all for reading my blog. Seit 5 Jahren online. Stay tuned. Happy New Year!

Über sunflower22a

I am a mystery.
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5 Antworten zu Heldinnen: Ahed Tamimi

  1. gkazakou schreibt:

    may your wish come true.

  2. Hat dies auf ragbag rebloggt und kommentierte:
    »[…] Ahed, für mich bist du eine Heldin. […]«

  3. mikesch1234 schreibt:

    Hat dies auf ilseluise rebloggt und kommentierte:
    Heldinnen: Ahed Tamimi – eine tief beeindruckende junge Frau,
    so voller Energie und Widerstandskraft.
    Wir können von ihr lernen!
    Danke für den Artikel und komm gut nach 2018!

  4. ericool schreibt:

    Ich würde ja gerne Deinen Artikel kommentieren, aber ich darf es nicht… ich darf es einfach nicht! Denn ich gehöre ja zum „Tätervolk“! Zumindest wenn es nach (ansonsten eigentlich) recht klugen Leuten wie Burkhard Schröder oder dem Betreiber des GBlog geht. Nur zwei Beispiele, wie krank die Diskussion hierzulande über das Palästina Problem tatsächlich ist. Staatsräson Israeltreue um jeden Preis!

    Dabei ist es doch so einfach! Mir doch völlig egal, ob Palästinenser, Israeli oder sonst jemand… wenn ich nicht das recht habe, die Politik seiner Regierung bzw. Vertretung zu kritisieren, soll mir keiner damit kommen, wir hätten hierzulande Meinungsfreiheit. Und das allertraurigste für mich bei diesem ganzen Schlamassel ist: In Israel haben Leute das Sagen, die aus dem Holocaust (und wie es zu ihm kam) nicht das geringste gelernt haben. Aber ogottogott, das ist bestimmt auch wieder antisemitisch!

    Wie auch immer… ich hab persönlich meistens ein Problem mit sog. „Helden“ bzwl „Heldinnen“. Zu Ahed Tamimi nur: eine Frau mit vorbildlicher Zivilcourage.

    Falls meine Kommentar insgesamt etwas wirr wirken sollte, sorry, halbe Stunde bis Mitternacht vor mir und einige Whisky hinter mir. 😉

    Ansonsten komm gut rüber nach 2018 und Danke für viele nachdenklich machende Artikel!

    Ein bisher stiller Leser. 😉

  5. Pingback: Women will liberate Palestine | sunflower22a

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