Dirty Jusos

Als ich es gehört habe, ich habe gedacht, it’s a joke. Es gibt in Deutschland eine Organisation, die heißt SPD, und sie haben eine Jugend-Organisation, die heißt Jungsozialisten. Man kürzt sie ab mit Jusos. Beide Organisationen wissen schon länger nicht mehr genau, wozu sie eigentlich existieren. So, man muss sich etwas einfallen lassen. Immerhin, in Berlin, diese Partei regiert noch.

Die Jusos haben für den Parteitag der Berliner SPD jetzt einen Antrag eingebracht. Sie wollen öffentliche Förderung für „Dirty Diaries“ in Deutschland. Dirty Diaries, das kommt aus dem Musterland der political correctness, Schweden. Angeblich sind das „feministische Pornos“. Schweden regelt genau, was in Sachen Sexualität Norm ist und was nicht. Erotische Dienstleistungen gegen Geld sind dort ein Kapitalverbrechen, darüber habe ich hier geschrieben.

Die Jusos schreiben jetzt in ihrem Antrag:

„Dirty Diaries“ auch in Deutschland!

Mainstream-Pornos zeigen in der Regel sexistische und rassistische Stereotype, in denen Konsens kein Thema ist und die bestimmten, „optimalen“ Körpertyp zum Standard erheben. In diesen Filmen wirkt Sex eher wie eine Performance oder Leistungssport: Alles funktioniert scheinbar auf Anhieb, es gibt keine Kommunikation zwischen den Darsteller*innen, kein Ausprobieren, Scheitern und Neu-Ausprobieren. Diese Darstellungsformen in Mainstream-Pornos können Konsument*innen in ihrer Sexualität und im Menschenbild nachhaltig beeinflussen. Auch Jugendliche starten damit viel zu oft mit völlig unrealistischen Vorstellungen in ihr Sexualleben und haben nicht die Möglichkeit ein selbstbewusstes Verhältnis zu sich, ihrem Körper, ihrer Sexualität und Gesundheit zu entwickeln. Dabei geht es um eine Ergänzung der außerschulischen Bildungsarbeit. Schweden hat mit den „Dirty Diaries“ dieses Problem in Angriff genommen. Die „Dirty Diaries“ sind eine feministische Pornosammlung, die 2009 vom staatlichen Schwedischen Filminstitut finanziert wurden und fernab vom standardisierten Mainstream-Porno Menschen und Sexualität in all ihrer Vielfalt zeigt.

Die Chefin der Jusos Berlin-Pankow erläutert das in einem Interview hier.

Honestly, wenn ich die verschwurbelte politisch hyperkorrekte Sprache dieses Antrags lese, ich kann mir nicht helfen: ich muss lachen.

Wahrscheinlich, das sind dieselben Leute, die in Kreuzberg „sexistische Werbung“ verbieten wollen. Oder die an der Alice-Salomon-Hochschule ein Gedicht beseitigen lassen wollen, weil der Autor Frauen bewundert. Wahrscheinlich, es sind dieselben Leute, die die Kunst von Egon Erwin Schiele aus der Öffentlichkeit verbannen wollen – Bilder, die im österreichischen Kaiserreich anstößig waren. In seinem 100.Todesjahr werden sie immer noch – nein, schon wieder – zensiert, weil die „Welt“ völlig zutreffend feststellt: „Wie verklemmt die Deutschen plötzlich sind“.

Hey, Jusos, I tell you one thing: wenn man eure „feministischen Pornos“ stattlich subventionieren oder gar produzieren muss, dann taugen sie nichts. Wenn eure politisch korrekten Schweden-„Pornos“ so toll wären, sie würden sich im Internet viral rasant verbreiten. Aber das tun sie nicht. Das hat wahrscheinlich Gründe. Niemand will eine politisch korrekte Porno-Erziehungsdiktatur, außer vielleicht Schweden.

Ja, ihr habt ja recht. Sexismus muss bekämpft werden. Viele Mainstream-Pornos sind sexistisch. Aber wenn ihr feministische Pornos wollt, überlasst das den Profis. Es gibt sie längst. Das Pornfilm Festival in Berlin findet schon lange statt, zum Glück ohne Politik. Spannend, weil nicht politisch korrekt.  Schaut euch Erika Lust an. Kommerziell, und super. Sie braucht keine SPD-Förderung, die ihr nur Bedingungen diktieren möchte. „I pledge to create new waves in adult cinema. I want to show all of the passion, intimacy, love and lust in sex, where the feminine viewpoint is vital, the aesthetic is a pleasure to all of the senses, and those seeking an alternative to mainstream porn can find a home.”

Schut euch Petra Joy an, Gewinnerin der Feminist Porn Awards. Auch das gibt es schon, ganz ohne SPD. Schaut euch Amarna Miller an, sehr aktuell angesichts der Katalonien-Krise. Es gibt noch viel mehr davon.

Aber lasst die Politik und die Filmförderungs-Bürokratie aus dem Spiel. Hört einfach auf, ständig eure politischen Moralideen den Menschen zu missionieren. Jedesmal, wenn Politiker anfangen, Gesetze dazu zu machen, es kommt nur Murks heraus. Wie bei dem sogenannten „Prostituierten-Schutz-Gesetz“. Kümmert euch um euren Job, und lasst eure Finger von  Erotik und Sexualität, kommerzielle und nicht kommerzielle. Denn davon versteht ihr nichts. Lasst uns einfach in Ruhe. Thank you very much.

Sorry, no Jusos needed here…

Über sunflower22a

I am a mystery.
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Eine Antwort zu Dirty Jusos

  1. alm10965 schreibt:

    2 interessante blogposts die ich noch nicht in Ruhe lesen konnte

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