DDR

Manchmal, ich frage mich wieviel DDR ist noch im Deutschland von heute. Ich kenne das Leben in der DDR nicht. Never been there while it still existed. Aber vielleicht hilft das sogar für einen Blick von außen. Wenn ich mir diesen „Wahlkampf“ ansehe, ich frage mich wirklich: was ist das für ein Land. Eigentlich wollte ich über diese schlechte Show gar nichts schreiben, ich habe es vor einem Jahr schon einmal getan und es ist immer noch so.

Der Wahlkampf in USA war spannend, sehr spannend. Bernie Sanders, Wahnsinn. Sogar sunflower ging wählen, unglaublich. Bernie hat es nicht geschafft, ja, aber diese Kampagne hat Millionen Menschen elektrisiert. Auch Clinton vs Trump, okay, Pest oder Cholera, aber es war spannend.

Oder die britische Kampagne. Jeremy Corbyn, der Underdog, eine Wahnsinns-Kampagne gegen das gesamte Medien- und Business-Establishment und die Tories, der reine Wahnsinn. Er hat Millionen Menschen elektrisiert. Oder Frankreich, Melenchon vs Macron vs Le Pen. Es war spannend. Und in allen drei Ländern, die Kampagnen sind nicht zu Ende mit der Wahl, es geht weiter.

Aber Deutschland? Ist hier überhaupt eine Wahlkampagne? Ich merke nichts. Nur die stupiden Plakate hängen überall herum. Aber es ist keine Stimmung einer Kampagne im Land, gar keine. Und so denke ich, vielleicht, wir haben ein DDR-Revival. Vielleicht, die Parteien sind heute wie die Blockparteien. Sie denken sehr ähnlich, sie streiten nur darum, wer darf mit Mama Merkel eine Koalition machen, aber nicht Mama Merkel stürzen. Die führende Rolle der CDU, vielleicht steht sie schon in der Verfassung?  Sagen Sie nicht, die Linken, die AfD spielen nicht mit. Natürlich spielen sie mit. Sie spielen mit, weil sie die Stimmung nicht ändern. Sie sind ein bisschen Schmuddelkinder, aber na und. Eigentlich, es würde wahrscheinlich niemand merken wenn sie gar nicht kandidieren würden. Der „Wahlkampf“ wäre nicht anders.

Nehmen wir die Medien. Auch die DDR hatte viele verschiedene Zeitungen und mehrere TV-Kanäle. Sie berichteten aber alle dasselbe. Ist es nicht im Deutschland von heute genauso? Wenn du ARD oder ZDF siehst, ist es ein Unterschied? Wenn du FAZ oder Süddeutsche liest, ist es ein Unterschied? Nuancen. So wie keine Partei eine wirklich andere Politik will, so will es auch kein Massenmedium. Es gibt auch kein „West-TV“ mehr als Alternativen – es IST das West-TV.

Nun kommen Sie mit der Stasi. Natürlich, so etwas hat das Deutschland von heute nicht. Nicht direkt. Du kannst sagen was du willst, du wirst nicht verhaftet. Aber wenn du mehr in Frage stellst als Details, du bist in weiten Kreisen „unten durch“ (I really love this German phrase). So, sie brauchen keine Stasi, they simply stop taking you seriously. Vielleicht, das ist der Unterschied, in der DDR der Dissident war ein Held, jetzt er ist ein Clown.

Germany is happy, wir machen alles richtig, uns geht es gut. Merkel ist die beste Regierungschefin der Welt. Das ist die manchmal subtile, manchmal direkte Botschaft, die diese gut inszenierte Performance namens „Deutscher Wahlkampf“ in jeder Minute ausströmt. Sieh dir Erdogan an, Trump, Theresa May, Putin…welch ein Glück, dass Deutschland Merkel hat.

Ja. Niemand möchte diese anderen Leute haben. Richtig. Ihr liebt die Harmonie, Merkel gibt sie euch.  Aber noch habt ihr keinen Trump, keine Le Pen, keinen Corbyn, keinen Sanders. Nicht einmal schlechte Kopien davon.  Solange das so bleibt, Queen Angela will stay. Aber sie ist nicht unsterblich. Let’s hope the German Sanders or Corbyn will come faster than the German Le Pen or Trump.

Auferstanden aus Ruinen

Über sunflower22a

I am a mystery.
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5 Antworten zu DDR

  1. Provinzei schreibt:

    So why you do not live in your bloody USA ??
    Why hanging around here in this boaring country ?
    Because you can walk around with a bottle beer in your Hand.
    May be.
    I tell you: because the USA were the land of the free.
    An here we are free. More or less.

  2. gkazakou schreibt:

    Loved it.
    Als ich in der BRD aufwuchs, hieß es immer: wenn es dir hier nicht passt – geh doch rüber. (Wie ich im Kommentar über mir sehe, ist dieser Rat immer noch wohlfeil).
    „Drüben“ war es nicht besser, sondern schlimmer, was Kritik-Toleranz anbetrifft. So wurde den Deutschen (naja, nicht allen) Kritik und das Denken in Alternativen, das ihnen sowieso nicht so lag, vollends ausgetrieben. Es blieb: Richte dich ein im Bestehenden.

    • Provinzei schreibt:

      Natürlich war dieser Kommentar reine Provokation.
      Ich kenne den Spruch „geh doch rüber“ noch sehr gut, als man in den 70ern mit langen Haaren und seltsam angezogen rumgerannt ist.
      Unsere Replik war immer „geh doch selber rüber, nach Amerika……“

  3. user unknown schreibt:

    Die Meinungsfreiheit galt hier nur etwas, als es die DDR noch gab.

    Die zwei Trümpfe des Westens hießen Wohlstand und Freiheit. Das andere Gesellschaftssystem ist Geschichte und jetzt gibt es keinen Wettbewerb mehr um Freiheit, und dennoch ist hier die Freiheit noch höher als in Russland, Türkei und Saudi-Arabien.

    Auf der einen Seite haben wir die NSA, die ungleich mehr Daten hat, als die Stasi je hatte, aber noch ohne die bleierne Schwere des Bewusstseins, wieviel die über uns wissen. Und als zweiter Moloch erhebt sich die IT-Industrie, allen voran Google/Alphabet, die im Fall James Damore (d’amore?) gezeigt hat, wie sehr man deren Wertesurrogat ausgeliefert ist.

    Und die ehemals kritische Szene kauft denen ihre Lippenbekenntnisse zu Diversity und Equality ab, weil es die richtigen Parolen zu sein scheinen.

    Werch ein Illtum!

    Der privatisierte Wink mit den Papieren wird sehr viel besser verstanden, als der mit dem Zaunpfahl. Die sogenannten Konservativen und die sogenannten Liberalen – wo sind ihre Stimmen? Sie haben selbst Angst vor dem Platzen der Genderblase mit ihren Quoten und Vollzeitbeauftragten. Und bevor man als Rechtsradikaler stigmatisiert wird hält man lieber die Klappe.

    Die Gefahr, jeden der nicht auf Linie ist, als Nazi zu stigmatisieren, kann mächtig in die Hose gehen, wenn die Rechten sich all der Themen annehmen, die man verwaisen lässt.

    Eine Lösung habe ich auch nicht. Wahrhaftig bleiben. Dem Gegner gegenüber fair bleiben. Auf die Details achten. Auf den Bauch hören, wenn er rebelliert. Den Parolen und Schlagwörtern gegenüber misstrauisch bleiben. Schauen ob sich das, was die Leute predigen, mit dem deckt, was sie tun. Die Angst überwinden. Solidarität suchen und anbieten. Keine Gewalt, außer zur Abwehr gegen konkrete Angriffe auf sich oder andere. Die errungenen Rechte und Freiheiten verteidigen. Im Wahnsinn des Gegners die die gesunden Aspekte suchen. Im Gespräch bleiben und so sprechen, dass man im Gespräch bleiben kann.

    Die hehren Ziele die wir haben können wir eh nicht erreichen. Deswegen sollten wir daran arbeiten, die sauberen Methoden, mit denen man Ziele verfolgt, als politische Kultur zu verfestigen.

  4. Pingback: Ein Blick von „außen“! | form7

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