Kriminalisiert und ausgegrenzt

Nur einen Tag, nachdem progressive Gemany sich selbst bejubeln konnte wegen der „Ehe für alle“, es gab für Germany’s sexworkers nichts zu jubeln. Das neue Prostitutionsgesetz trat in Kraft. Ab sofort sind sie, strictly speaking, illegal. In den meisten Bundesländern klappt die Umsetzung nicht, oder das Geld dafür ist nicht da. München schätzt die Kosten für die Stadt auf 1.5m Euro im Jahr. Soviel kostet die Umsetzung der Anmeldepflicht. Solange die Behörden das nicht umsetzen können, die Sexarbeiterin bewegt sich in der juristischen Grauzone.

Niemand weiß, wo die Registrierungsdaten landen. Immer noch nicht. Das ist aber eine super brisante Frage. Mit diesen Daten kannst du das Leben so gut wie aller ruinieren, die darin gespeichert sind. Dafür musst du kein russischer Hacker sein. Logischerweise werden sehr viele jetzt ihre Arbeit unangemeldet und damit illegal machen. Sie werden noch mehr erpressbar als sowieso.

Selten hat ein Gesetz in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland derart schamlos Grundrechte von Menschen mit Füßen getreten wie das am morgigen Tag in Kraft tretende so genannte „Prostituiertenschutzgesetz“. Der 1. Juli 2017 markiert mithin eine scharfe Zäsur im rechtlichen Umgang mit Sexarbeiter/innen. Für sie beginnen mit diesem Tag polizeistaatliche Verhältnisse. – Dona Carmen

Die meisten der Abgeordneten eures Bundestags, die die „Ehe für alle“ beschlossen haben, haben letztes Jahr auch dieses Gesetz zur Kriminalisierung und Diskriminierung der Sexarbeiterinne beschlossen. Sie halten sich bestimmt jetzt für sehr progressiv. Von der Schwulen-Lobby kein Wort dazu. Sie sind happy, jetzt gehören sie dazu, sind bürgerlich anerkannt, und können jetzt selbst andere ausgrenzen. Ein schöner Kommentar im Tagesspiegel:

Es ist vermutlich unvermeidlich, dass siegreiche Emanzipationsbewegungen irgendwann selbst der autoritären Versuchung nachgeben. Das lässt sich an postkolonialen Regimes ebenso schön studieren wie am Feminismus, der die Erde zwar bisher nicht in ein Geschlechterparadies verwandeln konnte, aber wenigstens in westlichen Gesellschaften weitgehend ins Establishment integriert ist….Der organisierte Feminismus, oder doch wichtige Teile davon, sollte sich entscheiden, ob seine Zukunft tatsächlich darin liegt, ein Update der wilhelminischen Sittlichkeitsvereine zu werden.

Aber die Sexarbeiterinnen wehren sich und haben geklagt, vor dem Bundesverfassungsgericht. Wenn die Richter ihren Job gut machen, dann wird das Gesetz fallen.

Die Repression und Kriminalisierung von Huren ist so alt wie das Patriarchat. Verlogen war das schon immer. Heute ist das wieder mehr ein Trend. Moralfeminismus und Spießbürgertum und Religionsfundamentalismus haben Konjunktur. In Nazi-Deutschland, Prostitution war verboten. Aber dennoch, in St.Pauli man ignorierte das Verbot einfach. 1943 erschien der Film „Große Freiheit“ mit dem populären Schauspieler Hans Albers, er singt darin „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“:

Komm doch, liebe Kleine, sei die meine, sag‘ nicht nein!
Du sollst bist morgen früh um neune meine kleine Liebste sein.
Isses dir recht, na dann bleib‘ ich dir treu sogar bis um zehn.
Hak‘ mich unter, wir wollen zusammen mal bummeln geh’n.

Heute wäre die “liberale Öffentlichkeit” empört, einer der populärsten Schauspieler des Landes macht offen Werbung für Prostitution. It was no problem in Nazi Germany. Es sollte euch zu denken geben, wie tief der Moralismus schon vorgedrungen ist.

Your papers are not correct, and that has a price!

Über sunflower22a

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4 Antworten zu Kriminalisiert und ausgegrenzt

  1. Hat dies auf per5pektivenwechsel rebloggt und kommentierte:
    Verbürgerlichung hier, Kriminalisierung da!

  2. Bill Miller schreibt:

    ich bin unverändert der Ansicht, dass durch solche Gesetze die Männer dran gehindert werden sollen, den Sexdrang einfach und ohne weitere Verpflichtungen zu befriedigen. Dadurch bleiben sie von den Gold-Diggern abhängig.

  3. Pingback: Das Parlament als Irrenhaus | sunflower22a

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