Ehe für alle, aber wozu?

Progressive Germany is happy. Another Merkel U-turn. Jetzt Ehe für alle. Super für den Wahlkampf. Ich stelle mir vor, ich bin verantwortlich für die Wahlkampagne der SPD oder der Grünen, ich würde verzweifeln. Es ist wie die alte Story von Hase und Igel, Merkel ist immer schneller. Brilliant, Madame Merkel. I am impressed. Die öffentliche Reaktion, eindeutig. Merkel will get kudos for it, even if she herself in the end did not even vote for it. So what. Who cares. Progressive Germany is happy, progressive Germany is mainstream.

Aber, man kann auch Fragen stellen. Sunflower begs to differ. Warum ist das ein Fortschritt? Ich habe nichts gegen Leute, die heiraten. No way. Das sollen alle so machen wir sie wollen. Aber warum braucht eine Lebensform „besonderen staatlichen Schutz und Anerkennung“? Was soll das? Warum braucht man so etwas? Wegen der Liebe? Brauchst du dafür staatliche Anerkennung? Was ist das für eine Liebe? Dann kommen in der Diskussion immer die materiellen Gründe. Ihr kauft zu zweit ein Haus, ein Auto, ihr habt Kinder, Elternrechte, Erbschaften und so weiter. Alles was wichtig ist im Leben. The centrality of marriage in a materialist society is undisputable. Aber, warum kann man nicht ohne Ehe einen Vertrag machen, wenn man gemeinsam ein Haus kauft? Du machst sowieso einen Vertrag mit dem Verkäufer. Alles, was die Ehe regelt, kannst du auch ohne sie regeln.

Aber was ich nicht mag, what I really dislike, ist wie die ganze Kampagne für „Ehe für alle“ tief bürgerliche Familienideale neu zementiert. Es ist okay, wenn ein  konservatives homosexuelles Paar sich jetzt mehr Anerkennung in ihrem bürgerlichen Umfeld erhoffen. Natürlich, sie sollen nicht diskriminiert werden. Aber  ist nicht ein progressives cause, wenn diese konservativen Werte, leicht modifiziert, nun erneut zementiert werden. Die gleichen Steuer-Vorteile für die heterosexuelle Ehe, es gibt sie nun auch für die homosexuelle Ehe. Wenn du nicht heiraten willst, du bekommst diese Vorteile nicht, aber du darfst sie mit deinen Steuern bezahlen. Very nice. I’m pissed off. Wer jetzt immer noch nicht an Bord der konservativen Familien-Ideale ist, ist jetzt noch mehr Außenseiter als vorher.

Es wäre progressive wenn du alle diese Vorteile für Ehen langsam abschaffst und nicht ausbaust. Aber dafür ist die Bewegung der Schwulen und Lesben zu konservativ, zu etabliert. Maggie McNeill nennt sie „Big Gay“, sehr passend, und sie schreibt einen ätzenden Kommentar über Big Gay:

Well, here’s my message for Big Gay:  Fuck You.  Fuck your respectability politics and your abandonment of “We’re here, we’re queer, get used to it!” in favor of  “We’re just like you straight folks, right down to getting married, living in the suburbs & sucking the dick of power.”  Fuck your abandonment of queer people who are kinky, nonwhite, non-monogamous, gender-nonconforming, promiscuous, sex working or otherwise uninterested in being nonthreatening to straight vanilla people.  Fuck your completely ignoring the government jihad against sex workers until Rentboy was caught up on it.  Fuck your desire to join the military in order to expand American hegemony over the rest of the world.  Fuck your licking the arseholes of huge fascist corporations who betray every principle the LGBT movement used to stand for because they pay for your fancy Pride parades with money that would’ve been better spent helping queer & trans youth driven out of their homes and into survival sex work; and fuck your eager rimming of politicians who absolve those young people’s families of blame by pretending the reason they’re doing the work is because they were forced into it by imaginary “pimps”.  Fuck your whole picket-fence, big table, might-as-well-be-straight-except-for-where-you-stick-your-dick mentality.  Until you’re ready to stand up for the people who launched the movement which gave you the rights you’re celebrating this week, you’re no better that the representatives of the fascist police state you’ve happily climbed into bed with.  And that is nothing to be proud of.

Sehr guter Punkt. Ich weiß nicht was es gibt heute zu feiern. So sorry.

Do you want to marry me?

Über sunflower22a

I am a mystery.
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5 Antworten zu Ehe für alle, aber wozu?

    • sunflower22a schreibt:

      Quoting myself: „Ich habe nichts gegen Leute, die heiraten. No way. Das sollen alle so machen wir sie wollen.“
      Ich kann das 100mal betonen, no problem. Aber, excuse me, wenn jetzt die gesamte veröffentlichte Meinung synchron feiert, dann ich muss sagen: nicht ich bin „gekränkt“, wie dein Spiegel-Autor behauptet, sondern vielleicht er ist gekränkt, weil es noch Dissidenten gibt…

  1. kormoranflug schreibt:

    Den Hype verstehe ich auch nicht. Ein Vorteil ist es vielleicht, man kann sich ohne Vollmacht im Krankenhaus besuchen.

  2. HairyComment schreibt:

    Wie kann man regeln, dass jemand bestimmen kann was passiert wenn man an Maschinen hängt? Ich vertraue meinen Eltern, aber die sind nicht immer da.
    Ansonsten: Ja, auf ganzer Linie. Weg mit der Ehe, Liebe ist besser allemal.

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