Shopping offline

Vielleicht bin ich zu alt. Vielleicht bin ich zuviel online. Vielleicht stört es mich, dass ich immer mehr leere Ladenlokale sehe. Whatever. Aber ich entwickele eine Aversion gegen online shopping, und seine Begleiterscheinungen. Die vielen leeren Kartons die überall die Container füllen, über-füllen. Die vielen Paketdienste, die überall herumkreuzen. Und natürlich, die leeren Ladenlokale.

Berlin ist eine spannende Stadt auch weil es hat viele sehr individuelle Läden. All kinds of things. Liebevoll gemachte Läden, die Existenz von Menschen die etwas von ihren Waren verstehen. Portugiesischer Wein, Hunderte verschiedene Varianten. The Oil Shop, mit 20 Sorten Trüffelkernöl. Western-Lederjacken. Antiquitäten aller Art. Alles dieses, ich liebe es, selbst wenn ich in den meisten Läden gar nicht einkaufe. Eine Straße bekommt einen ganz anderen Charme mit solchen Läden. Und wenn du gehst doch mal rein, aus Neugier, es ist immer spannend.

Und dann kommt Amazon, oder irgendjemand anders, und du bestellst alles das mit einigen Mausklicks. Irgendein miserabel bezahlter Mensch packt in einer seelenlosen Lagerhalle alles in einen Karton, es kommt mit einem Paketdienst. Is this what we want?

In America, man redet jetzt von großen Sterben der Malls. Online macht sie kaputt. America hat sechs mal soviel Ladenfläche pro Person wie Deutschland, can you imagine. Das ist zuviel. The Guardian:

Earlier in the month, Richard Hayne, chief executive officer of Urban Outfitters, equated the woes facing retail in 2017 to the housing market of 2008. Hayne traced the problems to over-expansion in the 1990s and early 2000s, noting that the US now had six times the retail space per capita of either Europe or Japan. “The US market is oversaturated with retail space and far too much of that space is occupied by stores selling apparel,” he said, anticipating that retail retrenchment would continue “for the foreseeable future and may even accelerate”.

Wenn die Malls sterben, bye bye, I won’t miss them. Sie sind nicht besser als Lagerhallen. Wal-Mart is an economic cancer on our cities, Salon hat es perfekt beschrieben.

But this is not what I’m talking about.

I want a retail revolution. Zerschlagt die großen Ketten, boykottiert sie so ihr könnt. Deutschland ist so ein diverses Land, aber die Einkaufsgebiete der Städte werden immer ähnlicher. Dieselben Ketten überall, in Nord und Süd, West und Ost. Ich möchte individuelle Läden. Mit unterschiedlichen Angeboten. Ich möchte neues entdecken in einer neuen Stadt, nicht dieselben Läden mit demselben Zeug überall. Das war einmal so. Es wurde von den Ketten kaputt gemacht. Main Street was killed by the malls. Now the malls are killed by online. Das kostet viele Arbeitsplätze.

A recent report in New York Times documented the decline of suburban malls as online shopping advances. The e-commerce share of total retail sales has doubled roughly every six years since 2004, reaching 8.3 percent at the end of 2016. One result is that employment at retail outlets has fallen. Department stores and other general merchandise stores, like supercenters and warehouse clubs, have been hit especially hard, shedding 89,000 jobs from November through March.

Und, sehr erstaunlich, die NYT erkennt sogar das soziale Problem: Service workers are poorly paid and have few benefits because of intentional policy decisions, not impersonal forces. Unless those policies are changed, such jobs will never restore and support a middle class.

MarketWatch schreibt: Amazon could destroy as many as 2 million jobs, which are as many as one study said were lost to China.

Immerhin, die Männer können sich freuen. Im online und Transportsektor, sie sind viel stärker vertreten als in Shops – a shifting gender split benefitting men, wie Business of Fashion schreibt.

Die rasch steigenden Mieten, sie sind ein großes Problem für Läden aller Art. Seit die Nullzinsen die Renditejäger immer mehr in Immobilien treiben, können immer weniger Läden in Metropolenregionen die Mieten noch bezahlen, sogar große Unternehmen in Manhattan gehen in die Knie: „Retailers Brace for New York Real Estate Apocalypse“.

Wenn wir nicht aufpassen, werden die Online-Händler, die bequemen und gleichgültigen Online-Kunden, und die Immobilienmafia die Innenstädte ganz kaputt machen. Sie werden uns zu einer Horde von Online-Autisten machen, die alles online bestellen, auch das Abendessen, und natürlich gar nicht mehr merken dass sie in seelenlosen, gleichförmigen Ansiedlungen leben. Eine schreckliche Vision. Ich kaufe wieder mehr offline.

Kind of unusual sales promotion…

Über sunflower22a

I am a mystery.
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7 Antworten zu Shopping offline

  1. Pingback: „Shopping offline“ by sunflower22a – ragbag

  2. Andy schreibt:

    Was schreibst Du hier? Ich bin total anderer Meinung. Ich liebe Amazon! Zum Beispiel: Musik. Wenn man einen Musikgeschmack hat, der fernab vom Mainstream liegt, so ist die einzige persönliche Rettung: Der Online-Musik-Handel! Wenn man nicht in einer Metropole wohnt, wie ich, ist man ohne die Online-Musik verloren. Oder: Bekleidung: Wenn man auf Qualität bei der Kleidung achtet, so kann man nur im Online-Handel fündig werden. In den Geschäften der Innenstädte (fernab der Metropolen) wird nur billige China-Ware angeboten, die teuer verkauft wird. … Der Online-Kauf, wie bei Amazon, bedeutet persönliche Freiheit. Im Internet kaufe ich genau das, was ich will! Und die Innenstädte??? Überteuerte Ladenmieten sind das Problem!!! Diesen Wahnsinn können sich nur die Handelsketten leisten. Wenn die Vermieter ihre Gier nach dem Geld nicht beherrschen und dadurch alternative Geschäfte verhindern, so ist das nicht mein Problem. Internethandel und Amazon4ever! It’s my freedom of personality.

    • sunflower22a schreibt:

      It’s allright, I am not saying you are doing bad things. I only want you to think about the consequences. Es gibt manchmal eine sehr dünne Linie zwischen personal freedom und Egoismus.

    • Anna Torus schreibt:

      Musik abseits des Mainstreams kannst du auch häufig direkt beim Künstler kaufen, z.B. auf der Bandcamp-Seite der Musiker. (Nur nebenbei als ernstgemeinter Tipp)

  3. vfalle schreibt:

    Das eigentliche Problem liegt doch darin, dass wir durch die Globalisierung und auch die Vernetzung über das Internet die Folgen unseres Handels garnicht mehr direkt mitbekommen.
    Da ist es doch egal ob das jetzt der schlechtbezahlte Lagerarbeiter beim Online-Versandhändler ist, oder die Näherin, die für einen Textil-Discounter schuftet.
    Ich bin davon überzeugt, dass die meisten Menschen anders handeln würden, wenn sie die Konsequenzen ihres Handelns täglich vor Augen hätten – wenn sie den Menschen in den prekären Arbeitsverhältnissen täglich in die Augen schauen müssten.

    Danke übrigens für Deine Gedanken zu dem Thema sunflower22a.

  4. Holger schreibt:

    Ich kaufe, wo es nur geht, offline. Online nur, wenn es nicht anders geht, z.B. spezielle Bücher – aber auch da versuche ich erst, ob es ein lokaler Buchhändler besorgen kann. Wenn online, dann nach Möglichkeit nicht bei amazon. CDs z.B. bei jpc. Was m.M. völlig asozial ist: in den Laden gehen, sich beraten lassen und dann online kaufen. Als Händler würde ich Beratungsgebuehren erheben, wenn der Kunde dann nicht kauft. Das als Aushang am Ladeneingang mit der Klausel, dass das Betreten des Ladens die Einverständniserklärung zu dieser Regelung ist.

  5. Christina schreibt:

    Bis auf die Dinge des täglichen Bedarfs kaufe ich alles online, schon seit Jahren. Aber noch viel länger gibt es hier, auf dem Lande, schon keine interessanten Boutiquen mehr sondern nur noch Filialisten großer Modeketten – und es sind nur wenige Modeketten bereit, uns Landeier überhaupt mit ihren Filialen zu beglücken.
    Wenn ich ein ähnliches Angebot nutzen will wie Großstädter, werde ich mit dem Onlineangebot gut bedient und spare zusätzlich noch, weil ich nicht zum Preisdiktat der Händler vor Ort einkaufen muß. Für mich ist online shoppen Notwehr – und ganz ehrlich, die andere Seite ist damit angefangen, da sie die Landbevölkerung aus Renditegründen mit der reinen Grundversorgung abspeist.

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