We don’t need saviours

Bill Gates war mal der reichste Mann der Welt. Dann gründete er die „Bill & Melinda Gates Foundation“, überschrieb ihr den größten Teil seines Vermögens, und technisch war er plötzlich nicht mehr so reich. Aber natürlich kontrollierte er weiterhin das ganze Geld.

Seine Stiftung finanziert in großem Stil sogenannte Entwicklungsprogramme, und zufällig nützen sie alle der US-Agrar- und Pharmaindustrie. Also den Konzernen, in denen die Stiftung ihr Geld investiert hat. Die Weltgesundheitsorganisation WHO ist inzwischen mehr von Gates abhängig als von ihre Mitgliedsstaaten.

Facebook-Chef Zuckerberg fand das so toll, dass er das auch machen will. Alle staunten, dieser reiche Mann gibt den allergrößten Teil seines Vermögens an eine wohltätige Stiftung. Wir werden sehen, was diese Zuckerberg-Stiftung anrichten wird.

Philanthropie. Was sind diese Kapitalisten doch für verantwortungsvolle, tolle Menschen. Bewundern wir sie.

Seien wir ehrlich. Sie wurden so reich, weil sie erfolgreich dafür gesorgt haben, dass sie kaum noch Steuern zahlen und dass sie Märkte so monopolisieren konnten, dass sie derart grenzenlos kassieren konnten. Sie haben längst nach der Politik gegriffen und sorgen dafür, dass das so bleibt – und dass sie mit ihren riesigen Milliardenvermögen Aufgaben übernehmen, die früher staatlich waren. Statt Microsoft ordentlich zu besteuern und das Geld an die WHO zu geben, und dann zumindest formal demokratisch zu entscheiden, was damit geschieht – es ist jetzt Bill Gates, der das Geld gibt und sagt was damit geschieht.

Philanthropists. Saviors. We should all love them, rather than make sure they pay appropriate taxes. That is the message of neoliberal ideologues.

Der Journalist Jordan Flaherty hat jetzt ein Buch geschrieben, das diese savior ideology scharf kritisiert. No More Heroes: Grassroots Challenges to the Savior Mentality ist ein wütendes Buch.

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Saviors adopt trendy labels such as social entrepreneur or change agent. They preach the religion of kinder capitalism, the idea that you can get rich while also helping others, that the pursuit of profit, described with buzzwords like engagement, innovation, and sharing economy, will improve everyone’s lives through efficiency. However, I stand with nineteenth-century novelist Honoré de Balzac, who wrote that behind every fortune is a concealed crime. I don’t believe you can get rich while doing good — wealth and justice are mutually exclusive. The more wealth exists in the world, the less justice.

Wer unkontrollierte Reichtumskonzentration legitmieren will, ohne accountability, der braucht Philanthropie – nur dann gibt es dafür dauerhafte öffentliche Akzeptanz. Die Alternative ist: am Ende nimmt das Volk den Reichen die gestohlenen Milliarden einfach wieder weg, wie auch immer. Dafür braucht man keine Revolution, keine Enteignung. 90% Steuersatz, wie in den USA in den 1950s, reichen dafür schon aus.

Der zweite zentrale Kritikpunkt an der Philanthropie ist, sie zementiert Machtverhältnisse. Nobody needs a rich, white savior – people need empowerment to fight successfully for their rights. We don’t need billionaires as protagonists, we need people changing the system.

The savior mentality means that you want to help others but are not open to guidance from those you want to help. Saviors fundamentally believe they are better than the people they are rescuing. Saviors want to support the struggle of communities that are not their own, but they believe they must remain in charge. The savior always wants to lead, never to follow. When the people they have chosen to rescue tell them they are not helping, they think those people are mistaken. It is almost taken as evidence that they need more help.

Sometimes Flaherty goes a bit over the top. Nevermind. It’s recommendable reading. Wer das Buch haben will: don’t order at this fucking Amazon empire. They are part of the problem. Order here.

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I’m going to save the world, and these ungrateful bastards don’t even love me

Über sunflower22a

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6 Antworten zu We don’t need saviours

  1. keloph schreibt:

    naja, ich sags mal ganz flapsig, wärest du in der gleichen situation, was würdest du tun? diese menschen werden kaum in der lage sein, ihr geld auszugeben auf normale weise. und einfach dem staat schenken? ich weiss nicht, ob mir das gefiele…..entscheidend ist meines erachtens, dass tatsächlich was ankommt.

    • Ronald.Z schreibt:

      Es geht nicht darum das Geld dem Staat zu schenken. Es geht darum, dass sich eine gewisse upperclass nicht mit einem relativ vergleichbarem Einsatz einbringt wie der Ottonormalbürger.
      Stattdessen geben diese Fuzzis die Kohle in als Stiftungen getarnte Steuersparmodelle, lassen sich dafür feiern und behalten aber die ökonomische Kontrolle über den eingebrachten (gestifteten) Reichtum und üben so politische Macht aus. Das wäre bei einer adäquaten Steuerlast so nicht möglich.
      Außerdem macht es sich gut beim vererben, Stiftungen unterliegen meines Wissens nach nicht der Erbschaftsteuer, so kann man sich über Stiftungen prima Dynastien basteln.
      Und immer schön so tun als sei man sonst was für ein Wohltäter.

  2. Gerhard Mersmann schreibt:

    Hat dies auf form7 rebloggt und kommentierte:
    Treffend in der Analyse!

  3. montagsform schreibt:

    Was ist gegen ein Steuersparmodell einzuwenden, außer Neid.
    Jeder Sparkassenleiter gibt einem hierfür Beispiele.
    Das Wertgesetz von Marxs ist nicht auszutricksen.

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