Spekulieren auf Trump

Als Trump die Wahl gewann, gingen zunächst die Börsen steil in den Keller. Aber nur sehr kurzzeitig. Inzwischen ist wieder bull time. Did you ever wonder? Trump, der unberechenbare Protektionist, lässt die Börsen steigen? Sind sie endgültig verrückt geworden?

An der Börse sind viele verrückt. So mancher wird genau deshalb reich, weil er genial und verrückt ist. Aber vieles ist nicht verrückt, sondern sehr rational. Allerdings durchschauen normale Menschen dieses Treiben nur selten, und deshalb sieht es oft verrückt aus.

Wer etwas genauer hinsehen will, sollte ab und zu die Wolf Street lesen. Wolf Richter ist immer lesenswert. Was aktuell an den US-Börsen läuft, ist hochgradig rational – sofern eine Spekulation auf Trump rational sein kann. Trump hat versprochen, die Unternehmenssteuern zu reformieren. Darauf sind sie alle scharf, um das Kasino ein weiteres Mal in Schwung zu bringen.

In den letzten 5 Jahren haben die S&P 500 Konzerne sagenhafte $ 3000 Milliarden ausgegeben, um ihre eigenen Aktien zurückzukaufen. Bei den Nullzinsen haben sie dafür meist Geld geliehen. Es ist die wirksamste legale Methode, den Kurs zu stützen oder steigen zu lassen. Für die Vorstandsmitglieder ist das bares Geld, ihre „Gehälter“ hängen direkt am Aktienkurs. In den letzten Jahren haben diese buybacks immer mehr zugenommen. Apple gab im 3.Quartal $7.22 Milliarden für buybacks aus, einsame Spitze. General Electric $4.29 Milliarden. Microsoft $3.55 Milliarden, und so weiter. Alle diese Konzerne schwimmen in Geld, aber das meiste der buybacks wird dennoch kreditfinanziert. Warum?

Weil sehr viele der Cash-Reserven formal im Ausland geparkt sind, um sie der US-Steuer zu entziehen. Schätzungsweise $1600 Milliarden. Gewinne, die „permanent“ im Ausland investiert werden, werden in den USA solange nicht besteuert, wie sie nicht offiziell in die USA „repatriiert“ werden. Dieses Geld darf für buybacks nicht eingesetzt werden. Dennoch sind diese Gelder zu einem großen Teil längst in den USA reinvestiert: US Treasuries, Staatsanleihen. Das kam in aller Deutlichkeit bei einer US-Senatsanhörung heraus, streng genommen eigentlich nicht legal, aber es wird toleriert.

Nun hat Trump angekündigt, er werde wieder einen „tax holiday“ machen, wie 2004 und erlauben, dass ein großer Teil von dem steuerfrei, angeblich „im Ausland“ geparkten Geld zurückkommen darf – ohne Steuern. Die Begründung ist dieselbe wie schon 2004, als es schon einmal so einen „tax holiday“ für die Konzerne gab: das Geld wird angeblich dann in den USA investiert und schafft Wachstum, Wohlstand, Arbeitsplätze.

Haha. Honni soit qui mal y pense.

Das Gegenteil war der Fall. Die NYT hat 2013 schön beschrieben, was mit den $300 Milliarden geschah, die 2004 „repatriiert“ wurden:

On the contrary, some of the companies that brought back the most money laid off thousands of workers, and a study by the National Bureau of Economic Research later concluded that 92 cents on every dollar was used for dividends, stock buybacks or executive bonuses.

In reiner Antizipierung von Trump’s neuer tax holiday geschieht schon wieder dasselbe. Zum ersten mal seit 2009 geht in diesem Jahr der stock buyback zurück. Man wartet auf Trump, dann kann man das alles unkomplizierter machen, ohne Geld zu leihen. Man verkauft einfach seine treasuries und investiert ganz legal. Buyback. Und natürlich, dann steigen die Aktien noch mehr. No surprise, wer clever ist kauft JETZT schon Aktien, denn sie werden steigen.

Ganz nebenbei, eine der besten Geldquellen für die Finanzierung der astronomischen US-Staatsverschuldung trocknet dann aus. Who cares.

Die naheliegende Lösung wäre: die $1600 Milliarden „Auslands“-Gewinne der US-Konzerne werden normal besteuert, permanent, forever. Kein Steuerschlupfloch mehr. Dann braucht der Staat nicht mehr so viele Schulden machen, und es gibt nicht mehr so viel Geld für buybacks. Für executives wird alles scharf besteuert über $1 Million im Jahr, so no incentive for ever more bonuses.

Don’t worry. Not with this president, not with this Congress, neither with Obama nor with Trump, and not with the Democratic mainstream. Bernie would have done it.

Sie verarschen euch weiter. I wonder how soon Trump’s voters will realize how he’s conning them.

You can enjoy the Cayman Islands even when your money is only theoretically here 🙂

Über sunflower22a

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2 Antworten zu Spekulieren auf Trump

  1. finbarsgift schreibt:

    Nur gut, dass Geld im RL letzten Endes nur Papierscheine mit Zahlen drauf sind, und im VL nicht mal mehr das…
    Es lebt sich also bestens ohne betrügerische Geldzahlenspiele an Börsen oder elsewhere!

  2. Pjotr Panini schreibt:

    Sie sollten an die Börse gehen , diese unglaublich tiefgründigen Analysen zeugen ja von extremen Sachverstand.

    Kann aber auch sein das Sie eine Jahresendrally mit den Auswirkungen der Wahl des Oberhäuptlings verwechseln. Vielleicht lässt sich auch der kurzfristige Negativbounce nach der Wahl anders erklären. Z.B. mit nicht eingetroffenen Erwartungen. Sowas zieht die Kurse in der Regel runter egal wer gewählt wurde, ob überhaupt gewählt wurde oder es einen anderen x-beliebigen forecast (Wetter, Lottozahlen oder das Wohlbefinden der Hauskatze des NYSE Präses) ging.

    Mich würde es auch eher Interessieren ob diese „Auslandsvermögen“ (als ob z.B. Apple noch rgendein Heimatland hätte) als milliardenschwere Sichteinlagen ($Konto) auf ner 10x10km Miniinsel angelegt sind oder evtl doch eher in z.B. Staatsanleihen. Noch besser in Aktien die sich dann bei der Repatriierung selber zurückkaufen.

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