Die verfolgte Dichterin

Vor einem halben Jahr habe ich über die Dichterin Dareen Tatour geschrieben, die in Israel verfolgt wird. Im Oktober 2015 überfiel die israelische Polizei das Haus ihrer Familie und verhaftete sie, wegen angeblicher „Anstiftung zur Gewalt“. Gemeint waren ein Gedicht und einige facebook posts. Das vergangene Jahr verbrachte sie in drei verschiedenen Gefängnissen und in strengem Hausarrest, mit einer elektronischen Fußfessel. Künstlerische Betätigung und Internetnutzung sind ihr verboten.

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Längst hat sich das Gerichtsverfahren zur Farce entwickelt. Kein einziges Mal durfte die Angeklagte bisher sprechen – sie besteht darauf, in ihrer Muttersprache Arabisch zu sprechen, immerhin eine offizielle Amtssprache Israels. Ein Dolmetscher konnte bisher nicht aufgetrieben werden. Die Anklage hat sich in zahllose Widersprüche über ihre angeblichen Aussagen bei den Verhören verwickelt. Die Videos über die Verhöre würden in normalen Rechtsstaaten längst zur Disqualifizierung der Anklage führen: sie wurde massiv bedroht und eingeschüchtert, um „endlich zu gestehen“.

Ohne die wachsende internationale Solidarität würde es ihr wahrscheinlich längst viel schlechter gehen. PEN International hat sich in die Solidaritätskampagne eingebracht und fordert ihre sofortige Freilassung. PEN hat ihr Gedicht als einen der Texte für den „International Translation Day“ ausgesucht und es damit berühmt gemacht.

Hunderte Palästinenser sitzen in Haft für nichts anderes als facebook posts, in denen sie Israels Besatzungs- und Kolonialpolitik kritisieren. Hassposts jüdischer Israelis gegen Palästinenser dagegen haben noch zu keiner einzigen Anklage geführt – kein Wunder, sie liegen damit voll auf Regierungslinie. Wer der Kampagne für Dareen bei facebook folgen möchte: https://www.facebook.com/FreeDareenTatour/

Dareen geht es mittlerweile immer schlechter. Aus einer fröhlichen, optimistischen Frau wurde eine niedergeschlagene, ständig unter Kopfschmerzen leidende verfolgte Frau. Verhaftet für Dinge, die für uns selbstverständlich sind, von einem Besatzungsregime das Tag für Tag von den Regierungen der USA und Europas mit Steuergeldern gepäppelt wird. It is a crime.

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Über sunflower22a

I am a mystery.
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2 Antworten zu Die verfolgte Dichterin

  1. Harri schreibt:

    „PEN hat ihr Gedicht als einen der Texte für den „International Translation Day“ ausgesucht und es damit berühmt gemacht.“

    Nein, eben nicht, sondern ein anderes: „A Poet Behind Bars“.
    DAS Gedicht heisst “Qawem ya sha’abi, qawemhum” (Resist my people, resist them).
    Wo finde ich die „richtige“ Übersetzung davon bei PEN oder anderswo, als eventuell nur ausgerechnet hier?:
    http://elderofziyon.blogspot.com/2016/10/why-wont-left-quote-actual-words-of.html

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