Romania fucks the EU

Regionalität ist in. So viele Menschen haben die Nase voll von der Globalisierung, wollen nicht mehr den anonymen Kräften der Weltmärkte ausgeliefert sein. Schau in die Supermärkte, überall gibt es plötzlich „regionale“ Produkte, und sie gehen gut. Ich finde das gut. Ich finde es immer gut, wenn Leute nicht nur jammern über die schlechte Welt, sondern versuchen etwas konkret anders zu machen.

Natürlich, man kann das kritisieren. Wie groß ist die Region? Warum ist ein Produkt besser, nur weil es aus der Region ist? Vielleicht ist das nur ein neuer Marketing-Trick?

Ja, ja. Mir ist diese Kritik egal. Ich kaufe nicht alles was „regional“ ist. Aber ich finde es gut, dass Menschen sich bemühen, Wertschöpfung wieder zu dezentralisieren, aus den globalen Ketten herauszunehmen.

Rumänien ist jetzt einen Schritt weiter gegangen. Künftig müssen dort große Supermärkte 51% ihrer Produkte von regionalen Erzeugern beziehen. So genau ist die Region definiert, aber vermutlich ist mit der Region einfach Rumänien gemeint. Die regionalen Erzeuger freuen sich schon, genug Produkte haben sie, aber die ruinöse Konkurrenz mit den Weltmarkt-Ketten hat schon viele von ihnen in die Knie gezwungen. Eine tolle Sache: es ist besser in Rumänien Arbeitsplätze zu schaffen als durch immer mehr Importe die Arbeitsplätze in den Westen zu exportieren.

Natürlich ist das Gesetz ein Bruch der EU-Verträge. Who cares. Früher oder später wird die Kommission einschreiten, Rumänien ein Vertrags-Verletzungs-Verfahren androhen, und vermutlich wird Rumänien irgendwann nachgeben. Aber Rob Hopkins, Gründer des britischen Transition Network, hat vermutlich recht, wenn er sagt: das ist doch völlig egal.

Bis die Kommission in Brüssel soweit ist, hat sich das Geschäftsmodell 51% regional längst etabliert – jeder Supermarkt, der davon wieder abweicht, wird viele Kunden an die Konkurrenz verlieren. Ich glaube, er hat recht.

Beware, Germans, this is against you. Die Rumänen werfen mit ihrem Gesetz vorwiegend deutsche Produkte aus den Regalen. Gegen ihre Konzerne gehen immer mehr lokale Erzeuger anderswo in die Knie. Man kann es auch Notwehr nennen. Good luck Romania – I hope this example will spread like a bushfire.

0577AP (253)

No idea how regional this dinner actually will be.

Über sunflower22a

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4 Antworten zu Romania fucks the EU

  1. Holger schreibt:

    Das sollten auch die Griechen machen. Im Zug der Griechenlandkrise habe ich einen Artikel über Milch gelesen – darin ging es darum, dass die hochsubventionierte Milch aus dem EU-Norden die traditionelle Frischmilch (also nichts mit länger haltbar sondern binnen 2-3 Tagen sauer) aus den Regalen verdrängt – obwohl die Griechen die eigentlich bevorzugen. wenn man den leuten aber die Mittel nimmt, lokal zu kaufen, dann entscheidet am Ende doch der Preis. Ein Schelm wer böses dabei denkt.
    Persönlich mache ich das auch. Ganz oben auf meiner persönlichen Shitlist steht Nestlé, dicht gefolgt von Coca Cola, Unilever etc. Von denen kaufe ich wissentlich nichts; tappe allerdings manchmal in die Falle, dass ich eine Marke nicht mit denen in Verbindung bringe.

    Deutschland ist m.E. die treibende Kraft hinter der EU-Desintegration. Wenn ich alle niederkonkurriere und -exportiere muss ich mich nicht wundern, wenn betroffene Länder zu blanker Notwehr greifen.

  2. Andy schreibt:

    Vielen Dank für diesen lesenswerten Artikel. Ich bin so glücklich, dass es Deinen Blog gibt, weil nur hier auch die Themen besprochen werden, die sonst in den Medien vergessen werden. Die Initiative von Rumänien ist großartig und genau der richtige Weg, um die EU aus der großkapitalistischen Gleichmacherei zu befreien. Natürlich ist es sinnvoll wichtige Handels- und Verbrauchergesetze sowie Industrienormen anzupassen. Aber jetzt verfolgt die EU das Ziel einfach ALLES anzugleichen. Die regionale Vielfalt ist unser großer Reichtum, den wie bewahren müssen!

  3. Pjotr Panini schreibt:

    Interessante Info und vielleicht ein gut gemeinter Ansatz. Aber macht es eine großen Unterschied ob nun die Produkte von Aus- oder Inländischen Herstellern kommen?
    Es wird zu der gleichen Konzentration kommen wie anderswo auch, vielleicht sogar noch schneller da ja die Abnahmemengen steigen.

    Ob nun das Kapital National- oder International „erstarkt“, Jacke wie Hose. Den Teil der EU der die Menschen entrechtet (in Form von Ausgestaltung der Regeln zu großen Strukturen hin) lassen alle Regierungen gern herein. Zu eigenem Vorteil. Da sind Sie unselige „Brüder im Geiste“ mit der EUdSSR.

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