Medienhype Flüchtlinge

Seit dem letzten Sommer sind ungefähr 1 Million Migranten nach Deutschland gekommen. 80 Millionen Menschen waren schon da. Statistisch gesehen müsstest du also unter 81 Leuten, die dir über den Weg laufen, einen dieser Neuankömmlinge antreffen. Statistik ist so eine Sache. Maybe all that is true.

Dennoch, mir kommt es vor als würde ich viel weniger von dieser Million treffen. Vielleicht sind sie woanders als ich. Vielleicht erkenne ich sie nicht. Was auch immer. Wenn mir nicht die Medien mit ihrer enormen Penetranz jeden Tag erzählen würden, dass ganz viele Flüchtlinge ins Land gekommen sind, mir würde das überhaupt nicht auffallen.

Ehrlich gesagt, es ist mir auch ziemlich egal. Das mag überhaupt nicht politisch korrekt sein, aber ich finde es gibt wirklich Wichtigeres. Für die Versorgung und Unterbringung dieser Leute ist der Staat zuständig, dafür bekommt er von mir eine Menge Steuern, und ich finde der deutsche Staat macht das verglichen mit anderen gar nicht schlecht. Ich habe nicht das Helfersyndrom und engagiere mich nicht selbst. Sorry, Respekt wenn andere das machen, aber ich finde das ist eine Staatsaufgabe. Der Staat hat aber auch noch andere Dinge zu tun.

Aber dieses Land, oder zumindest seine Medien, seine Politiker reden seit einem Jahr nur noch über Flüchtlinge. Nichts anderes mehr. Schalte den TV ein, du siehst garantiert eine Talkshow über Flüchtlingspolitik. Oder den Parteienstreit über Flüchtlingspolitik. Lies eine Zeitung, ein Onlinemedium – nichts anderes mehr. Spinnt ihr alle? Nur noch Obergrenzen, Burkiniverbot, Burkaverbot, und so weiter. Alle haben dazu eine Meinung. Alle vertreten sie mit großer Inbrunst, von links bis rechts. So unterschiedlich ihre Meinungen, gemeinsam haben sie die feste Überzeugung: es gibt kein wichtigeres Thema mehr auf dieser Welt, und wenn sich die Gegenseite durchsetzt, wäre das eine Katastrophe. All die Identitätsdebatten, die mit großer Leidenschaft ausgetragen werden, eine ganze Nation wie auf der Couch beim Psychiater. „Deutschland muss Deutschland bleiben“. Ich lach mich tot.

Ich verstehe das nicht.

Eigentlich habt ihr das „Problem“ doch längst gelöst. Es gibt keine „unkontrollierte Zuwanderung“ mehr, die Balkanroute ist zu, es kommen viel weniger an, und so weiter. Der Rest sind Details, und die Inbrunst mit der diese Details diskutiert werden, das sind Befindlichkeitsfragen für den Psychiater.

Nein, ihr habt euch so ineinander verbissen, von links bis rechts, ihr kommt von diesem Thema nicht mehr weg. Die einzigen, die davon richtig dick profitieren, sind die AfD.

Stellt euch mal vor: alle Talkshows beschließen, genug der Flüchtlingskiste, das Thema ist jetzt durch, wir reden jetzt wieder über Wichtigeres. Steuerflüchtlinge zum Beispiel, Apple, Amazon, das ist sowieso eine viel teurere Sache. Die CSU beschließt, die CDU wieder mit anderen Themen zu attackieren. Die Linken und die Grünen erkennen, dass Aufgabe von Oppositionsparteien nicht ist, sich hinter die Kanzlerin zu stellen, sondern sie machen Oppositionspolitik statt ein Bekenntnis nach dem anderen zur weltoffenen Gesellschaft abzugeben.

Wäre das eine Idee?

Ganz schnell wäre die AfD wieder bei 3 Prozent.

PS: Instinktiv glaube ich, ihr werdet das in dem Augenblick tun, in dem Merkel geht. Vorher nicht. Weil die Flüchtlingsdebatte nämlich für die meisten gar keine Debatte um Flüchtlinge ist, sondern ein Vehikel für andere politische Ziele. Zum Beispiel, Merkel absägen.

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This guy over there is #81, but he doesn’t really look like a Flüchtling.

 

Über sunflower22a

I am a mystery.
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9 Antworten zu Medienhype Flüchtlinge

  1. westendstorie schreibt:

    Erschreckend wie sehr Menschen doch manipulierbar und lenkbar sind, oder?
    Es gruselt mich sehr. Und manchmal denk ich , es kann nur noch eine Frage der Zeit sein, wann es gilt so schnell wie möglich seine Koffer zu packen…

    • nurbsi von sirup schreibt:

      Ich könnte gemein sein und darauf hinweisen, dass auch die Angst vor dem Zusammenbruch der Gesellschaft DURCH die ganzen abgedrehten Nazispacken wiederum medial erzeugt und gänzlich überproportioniert dargestellt wird.

      Wieso sollten die selbsterklärten Qualitätsmedien denn auch über die dutzend Millionen Deutschen berichten, die keine rassistischen Arschlöcher sind oder darüber, dass in 99,x% aller Unterkünfte für Geflüchtete die Menschen sich – bedenkt man deren persönliche Situation! – verdammt anständig benehmen.

      Natürlich müssen wir über Rassismus (und zwar generell, nicht nur um Zusammenhang mit Geflüchteten) und faschistoide Tendenzen reden – und natürlich ist jeder, der so denkt und handelt einer zuviel. Aber darüber den Untergang der Gesellschaft zu beschwören ist ja praktisch schon eine Kapitulation und man kann, wie du schon geschrieben hast, dann gleich schon die Koffer packen.

      Fragt sich, wohin gehen? Lieber unter totalitärer Knute oder antisozialer Verwarlosung „leben“?

      • westendstorie schreibt:

        Ich glaube sogar das es gänzlich so ist, das es einfach überproportional dargestellt wird. Und wenn man sich Statistiken anschaut, dann relativiert sich sicher die eine oder andere gefühlte Dramatik.
        Ganz klar haben wir aber dennoch eine Zeit, an der ein Mensch der dunkler , eine ausländischen Namen trägt, täglich daran erinnert wird, das er „anders“ ist. Das erzeugt ein nicht schönes Gefühl und es erzeugt einen Schritt weiter weg von dem „Heimatgefühl“ welches eine Menge Menschen die hier leben eigentlich haben, auch wenn Ihre Wurzeln in anderen Ländern daheim sind.
        Weiter haben wir eine Menge an Menschen, die Verständnis für „‚Ängste“ vor Flüchtlingen und Co haben. Keine AfD Wähler, aber eben ein Verständnis dafür. Dann haben wir kriegstreiberische Medien, die es immer häufiger schaffen Kluften zu schaffen . Offene Übergriffe auf Menschen sind keine verschwindend geringen Einzelfälle mehr. Der potentielle durchschnittliche Bildleser, glaubt eben den Scheiß. Und wenn ich mir die Auflage anschaue, dann sorge ich mich…
        Wohin gehen, .. ganz ehrlich, keine Ahnung. Aber ob eben diese Komfortzone bleiben wird in der wir hier leben… das weiß ich halt nicht. Da kann ich noch 299 Friedenstauben malen, die nützen vielleicht nix mehr eines Tages… Vielleicht bin ich aber auch zu tief in der Materie und es fehlt der gesunde bodenständige Abstand um mehr Gelassenheit zu üben. Weiß nicht.
        PS, danke für die Denkanstöße!

        • nurbsi von sirup schreibt:

          Aber dass wir uns hier nicht falsch verstehen: ich kann die Verzweiflung und Resignation sehr gut nachvollziehen. Da mir dieser Zustand große Angst macht und ich harmoniesüchtig bin, habe ich halt was relativierendes geschrieben (woran ich aber wirklich glaube). ^^

  2. Anonymous schreibt:

    Hallo Sunflower. Für mich waren die Flüchtlinge auch erst unsichtbar.Aber dann habe ich angefangen meinen französischen Freund mit dem Auto in Berlin herumzufahren (er ist ehrenamtlicher Helfer). Und plötzlich sind Sie mir überall aufgefallen. Sie sind in Berlin-Friedrichshain mittlerweile sehr präsent. Auf dem Spielplatz mit den Kindern, an der Supermarktkasse etc…
    ich habe mich mit einer Famiie auf dem Spielplatz angefreundet, wir sehen uns jetzt regelmässig.
    Ich denke daher, dass es nicht übertrieben ist, über die Milionen neuen Asylbewerber jeden Tag zu diskutieren. Leider ist die öffentlicheDiskussion so schrecklich vergiftet. All die Flüchtlinge aus aller Welt, die ich hier im Kiez die letzten Monate kennengelernt habe, geben sich grosse Mühe so schnell wie möglich deutsch zu lernen.Diese Menschen nicht willkommen zu heissen ist eine grosse Tragödie.Denn sie werden ja vorraussichtlich bleiben. Es könnte so einfach sein, unser Land hat genug Ressourcen um diesen Menschen eine neue Heimat zu bieten.

  3. vfalle schreibt:

    Flüchtlinge sind auch nur Menschen.
    Die Flüchtlingsdiskussion beschäftigt sich meiner Meinung nach nur mit einem Sympthom aber nicht mit der Ursache unserer Probleme. Trotzdem stürzen sich Politik und medien darauf.

    Mit Sätzen wie „Wir schaffen das“ und z. B. dem Wahlspruch von 2013 „Gemeinsam erfolgreich“ wurden Erwartungen geschürt, die bei vielen Bürgern nicht erfüllt werden konnten. Aber das scheint wohl kaum jemandem aufzufallen.

    https://vfalle.wordpress.com/2016/09/11/enttaeuschte-erwartungen-sind-das-problem-und-nicht-die-fluechtlinge/?iframe=true&theme_preview=true

  4. Provinzei schreibt:

    Ich dachte eine Zeit lang auch, man haben Wir hier aber viele Flüchtlinge/Ausländer/Asylanten.
    Klar !
    Die haben alle kein Auto, die gehen zu Fuß.
    Wenn ich also in meiner Karre sitze und durch die Gegend staue, vor mir ein Balg im A 7, der gerade zum Fußball gefahren wird, hinter mir eine Göre im Passat, die gerade vom Reiten zum Cello zum Psychologen gefahren wird, kann ich gar keine anderen Menschen sehen als solche ohne Auto, die laufen müssen.
    Mit dicken ALDI Tüten in der Hand.
    Und der Rest hockt im Auto.

  5. mordred schreibt:

    du sprichst mir da größtenteils aus der seele. ich habe auch kaum berührungspunkte.
    und die bestehenden probleme sind doch größtenteils hausgemacht. wenn man flüchtlinge an bestimmten punkten in zu großer menge und zu lange ansiedelt, gibt es dort punktuellen stress. völlig normal. man siedele 1000 deutsche u30 in ein abgewracktes hochhaus in ein xbeliiebiges nicht deutschsprachiges land an. da würde es genauso abgehen.

  6. Petronius schreibt:

    Ich habe letzte Woche meine Mutter besucht – in einem Kuhkaff in der Pfalz. Sie ist der festen Überzeugung, daß dieser Ort von Syrern überannt und demnächst vom IS übernommen werden wird – wie übrigens ganz Teutonien, nebenbei gesagt…
    Nur: es gibt da überhaupt keine Syrer. (in der ganzen Woche, die ich da war, sah ich eine einzelne Dame mit Hijab und Kind, die zum Aldi ging … und das war es aber auch)
    Das Problem, scheint mir, ist, daß Propaganda funktioniert: appeliere an die Ängste der Leute, erzähle etwas von „Flut“ und „Welle“ – und vergesse nicht, die Andersartigkeit „dieser Leute“ zu erwähnen: sie haben Kinder (ach?! – wie können sie es wagen??), sie halten sich an Nahrungsvorschriften (lächerlich genug, aber anderer Acker), essen zum Beispiel kein Schwein (wie, Du ißt koi Saumage – Du bischt jo schlimmer als de Franzos…😉 ) … etc.pp.
    Der Axel Springer Verlag beherrscht diese Klaviatur hervorragend (ich weiß nicht, ob ich davon fasziniert oder angewidert sein soll; entscheide mich aber für angewidert, für fasziniert bin ich zu alt)- und verdient sich dumm und dusselig daran, im Land das Resentiment zu schüren (und theatralisch zu jammern, wenn ein paar widerwärtige, erbärmliche Wichte meinen, sie retteten das „Vaterland“ indem sie eine Flüchtlingsunterkunft für vier Familien abfackeln…)
    Es ist letztlich das alte Prinzip: „Divide et impera“: teile und herrsche: bringe die Leute gegeneinander auf, und habe Ruhe, dein eigenes Ding (oder das deiner Finanziers) durchzuziehen; Bildung hülfe theoretisch, doch 1.: findet sie nicht mehr statt und 2.: da, wo sie bis vor 25 Jahren stattfand, hat es auch nichts genutzt, da sie durch und durch Propaganda-verseucht und also unglaubwürdig war…
    Ach Sunflower, als Teilzeitamerikanerin hast Du diesen unverbrüchlichen Optimismus, den ich nicht verstehe, den ich Dir aber auch nicht nehmen möchte. (beneide ich Dich darum? – nein, es ist blankes Unverständnis)
    Als Teutone halte ich Optimismus für eine Geisteskrankheit.

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