Facts and fiction

Die Welt ist nicht nur rational. Weil der Mensch nicht nur rational ist, funktioniert auch die Welt nicht nur rational. Das ist gut, denn Emotionen und Sinnlichkeit machen das Leben erst lebenswert. Dennoch, die Grundlage moderner Zivilisation ist, dass es objektive Tatsachen gibt, die die Grundlage für unser Zusammenleben sind. Ich habe das Gefühl, das gilt immer weniger. Wir leben in einer Zeit, in der sich immer mehr Leute ihre eigenen Tatsachen basteln und sogar glauben – und alle anderen Tatsachen ausblenden. Der Unterschied zwischen Fakten und Fiktion verschwimmt. People are living in their own realities, there is no common reality anymore.

Dazu gehört, dass nicht mehr klar ist, was Lügen sind. Es ist offensichtlich, dass Medien und Politiker schon immer gelogen haben. Aber sie wollten dabei nie ertappt werden, sie konnten es nie zugeben, sonst wären sie unglaubwürdig geworden.

Heute ist das anders. Trump lügt, logisch. Erdogan lügt, logisch. Blair und Bush haben sich in den Irak-Krieg hineingelogen, mittlerweile amtlich bestätigt. Die Brexit-Kampagne, ein Lügengebilde. Fox News, Russia Today – reine Lügenmedien. Sie lügen alle, aber es ist egal. Ihre Anhänger wollen es so. Nobody cares anymore. Social media reinforce these parallel universes. Du baust dir einen Kokon aus Gleichgesinnten, sie bestätigen dein Weltbild, alles andere wird ausgeblendet.

Davon lebt die moderne Lüge in Politik und Medien. Die Lüge muss in das Weltbild deiner Anhänger passen und es bestätigen. Die Lüge muss leicht auf twitter und facebook verbreitet werden können. Die Algorithmen von Google und Facebook erkennen anhand deiner Suchanfragen und Klicks dein Weltbild und bestätigen es immer mehr, mit jedem neuen Klick. Was ist Wahrheit, was ist Lüge – du kannst es nicht mehr unterscheiden. Vor allem: du willst es nicht mehr unterscheiden. Objektive Wahrheit stört. Wahr ist, was die meisten Klicks bekommt. Wahr ist, was in den Suchergebnissen vorne steht.

Genau die Leute, die den mainstream media am wenigsten trauen, sind am anfälligsten für wilde Behauptungen und blatante Lügen von “Alternativmedien”. Sie sind diejenigen, bei denen Desinformation auf fruchtbaren Boden fällt – solange sie  nicht von deinem Feindbild, dem Establishment, kommt, sondern von jemand anders. Verschwörungstheorien entstehen in diesem Umfeld und verbreiten sich wie ein Virus.

Eine Untersuchung der Cornell University zeigte anhand von 2.3 Millionen Facebook Usern,

We show that attention patterns are similar despite the different qualitative nature of the information, meaning that unsubstantiated claims (mainly conspiracy theories) reverberate for as long as other information. Finally, we categorize users according to their interaction patterns among the different topics and measure how a sample of this social ecosystem (1279 users) responded to the injection of 2788 false information posts. Our analysis reveals that users which are prominently interacting with alternative information sources (i.e. more exposed to unsubstantiated claims) are more prone to interact with false claims.

Maybe you are one of them. Maybe you believe what I say on my little blog because it reinforces your worldview. Maybe you think before doing so. I seriously hope you do. But it’s true, I have a mission with my blog, I have a message, I am not just chatting about meaningless stuff.

Having a message may be a problem when the message becomes a mission. Having a mission is an inherent conflict with objective reporting. Wenn das Blogger tun, okay. Wenn das media outlets tun, wird es problematisch. Für Fox News oder Russia Today gibt es kein objektiver Journalismus. Alle Meinungen sind okay, no matter how marginal or mainstream. Alles wird relativ, nur die eigenen Interessen sind absolut.

Vor allem: all das ist kein Geheimnis, diese Medien sind auf diese Subjektivität sogar noch stolz. Genauso wie viele Politiker. Es wird nicht mehr dementiert, dass man lügt, man kokettiert damit – und entschuldigt sich höchstens noch damit dass es alle tun. So everybody lies, and when everybody lies it doesn’t matter anymore. You just admit you lie, and the other side lies too – and then facts don’t matter anymore, but emotions.

Trump ist das beste Beispiel. Wenn er wieder eine Behauptung in die Welt setzt, er sagt höhnisch grinsend „A lot of people are saying that…“ – und es ist offensichtlich, er sagt es selbst, aber er sagt es doch nicht.

Aber Trump hat das nicht erfunden. Salonfähig gemacht hat dieses Verhalten ein Europäer, Silvio Berlusconi. Von ihm stammt das Zitat “Don’t you realize that something doesn’t exist – not an idea, a politician, or a product – unless it is on television?” Berlusconi hat viele andere Politiker sehr beeindruckt in dieser Dreistigkeit, vor allem die Neoconservatives in America. Karl Rove, ein mastermind hinter der Republican Party von George Bush sr and jr, sagte:  „When we act, we create our own reality, and while you’re studying that reality – judiciously, as you will – we’ll act again, creating other new realities”.

Gegen so etwas kommt man mit Fakten alleine nicht mehr an. Projekte wie der Fact Checker der Washington Post kämpfen wie Don Quixote gegen Windmühlen. Du musst mit anderen Emotionen dagegen halten. Ehrlichkeit, Solidarität, Anstand, Toleranz, Bescheidenheit – gegen Verlogenheit, Egoismus, Gier, Hass, Engstirnigkeit. Alles sehr konservative Werte. Aber in Ordnung. I’m afraid it will be very, very difficult to fix that again.

Perfectly_Shaped (150)

Thinking about the next alternative reality that I will invent…

 

 

Über sunflower22a

I am a mystery.
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3 Antworten zu Facts and fiction

  1. Fjord Springer schreibt:

    Lügengebäude haben keine Fundamente. Und je mehr Etagen die Lügner obendrauf packen, um so wackeliger werden diese Buden – bis sie irgendwann in sich selbst zusammenfallen. Das Ende ist gewiss und die gesellschaftlichen Trümmer werden gewaltig sein.

    Und jene, die nicht vom Schutt erschlagen werden, die den ganzen Mist aber weggräumen müssen, werden sich neue Werte zulegen. Es werden die Werte sein, nach denen sich heute schon viele sehnen.

    Kooperation anstatt Konkurrenz. Streiten anstatt kämpfen. Sehen anstatt wegschauen. Helfen anstatt gaffen. Zuhören anstatt schreien. Toleranz anstatt Verdammung. Akzeptanz anstatt Ausgrenzung. Teilen anstatt anhäufen. Vertrauen anstatt Angst.

    Liebe anstatt Hass.

    Die Nachgeborenen werden es hoffentlich besser machen. Irgendwann. Wenn nichts anderes ehr geht.

  2. Janusz schreibt:

    Es ist einfach schwierig bei der heutigen Flut an Informationen den Überblick zu behalten. Aber prinzipiell sollte man immer nach dem guten alten Sprichwort verfahren: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.🙂
    Immer auch mal über den Tellerand schauen. Und auch schauen wollen.

    Denn leider wird überall gelogen. Oder einfach nur schlecht recherchiert und damit eine Lüge weiter verbreitet. Dass heißt, man kann sich auch bei RussiaToday oder FoxNews seine Infos holen. Nur sollte man sie eben, wie überall, immer hinterfragen und sich daneben auch andere Alternativen anschauen. Auch mal den Mainstream. Nur so kann man sich versuchen ein richtiges Bild zu machen.

  3. Shhhhh schreibt:

    „Wahr ist, was in den Suchergebnissen vorne steht.“ Das finde ich sehr interessant, was du hier schreibst. Allein die pessimistische Sicht, die ich bei dem oben Geschilderten im Übrigen teile, ist nicht die einzige, die dazu geführt hat, dass es so ist, wie es ist. Das Verfahren hat ja scheinbar auch seine guten Seiten: Bei der Übersetzung von einer Sprache in die andere, überleben genau die Phrasen, die am häufigsten bespielt und am häufigsten für richtig erachtet wurden, so dass es am Ende möglich scheint, einen Text ganz ohne Kenntnisse der fremden Sprache zu „übersetzen“, weil sich aus der Masse der Übersetzungen und Äußerungen eben eine als besonders „gehaltvoll“ (um nicht wahrheitsgemäß zu sagen) erwiesen hat. Die Anwendung dieses Verfahrens bei Übersetzungen hat geschafft, was Grammatiken der letzten 70 Jahre nicht zu träumen gewagt hatten (trotz genau dieser ambitionierten Ziele, siehe Chomsky). Das sind immer noch Kinderschuhe, aber spannend finde ich es allemal.
    Ich google gern mal von anderen Rechners aus, nur um die Suchergebnisse mit den meinigen zu vergleichen, da kommen manchmal auch spannende Sachen heraus.

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