My four months as a private prison guard

Schauen Sie gerne Krimis? Alles Fantasy. Die Realität ist viel spannender. Wenn Sie Kriminalität faszinierend finden, müssen Sie auch Gefängnisse faszinierend finden. Wie Gefängnisse in der entstaatlichten, privatisierten Zukunft der neoliberalen Wirtschaftswelt aussehen, können Sie schon besichtigen. Come to America, the land of the free.

Mother Jones, eines der wirklich guten progressiven Medien der USA, hat einen sehr beeindruckenden Bericht über private Gefängnisse. Ja, America hat sogar schon Gefängnisse privatisiert. Ronald Reagan, the Gipper. He made it possible. 131,000 der 1.6 Millionen Gefangenen der USA sitzen in privaten Gefängnissen. Damit kann man gutes Geld verdienen. Der Chef der größten Gefängnis-Betreiberfirma CCA, Damon Hininger, kassiert 3.4 Millionen im Jahr, 19mal soviel wie der Chef des Federal Bureau of Prisons. 61 facilities all across the USA betreibt CCA.

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Für den Bundesstaat kostet ein Gefangener in CCA-Gefängnissen weniger als einer im staatlichen Gefängnis – pro Tag $34 verglichen mit $52. Üblicherweise hat der Betreiber vom Bundesstaat eine Mindestbelegungsquote vertraglich zugesichert. Wenn der Staat nicht genügend Gefangene liefert, muss er Schadenersatz bezahlen. Pervers.

Ob private Gefängnisse tatsächlich weniger kosten, ist umstritten – wahrscheinlich ist der Unterschied nicht groß. Aber wohin das Geld geht, ist anders – Gefangene und Wachpersonal kosten weniger, denn das Management und die Aktionäre müssen ja ordentlich Geld erhalten. Natürlich gibt es in den CCA jails weniger Personal, man überlässt die Gefangenen teilweise sich selbst.

Reporter Shane Bauer stellte bei seinen Recherchen bald fest, die einzige Möglichkeit, mehr herauszufinden über CCA, ist dort anzuheuern. Es war kein Problem, sie stellten ihn sofort ein. Ein einzigartiger, 5teiliger Bericht – samt Videos. Zieht es euch rein, auch wenn es anstrengend ist. It’s a must.

Schon bei der Einstellung lernt er schnell, wie es dort zugeht. Wenn zwei Gefangene aufeinander losgehen, mehr als eine Aufforderung aufzuhören ist nicht ratsam.

„Damn right. That’s it. If they don’t pay attention to you, hey, there ain’t nothing else you can do.“ We could try to break up a fight if we wanted, he says, but since we won’t have pepper spray or a nightstick, he wouldn’t recommend it. „We are not going to pay you that much,“ he says emphatically. The only thing that’s important to us is that we go home at the end of the day. Period. So if them fools want to cut each other, well, happy cutting.“

Bei der Einarbeitung lernt Bauer auch: „Don’t ever say thank you. That takes the power away from it.“ Er beschreibt die menschenverachtende Behandlung in den high security Abteilungen, en detail. I won’t repeat that here, you have to find that for yourself.

Die Wärter können mit den Gefangenen so mies umgehen wie sie wollen. There are so many letters from children—little hands outlined, little stockings glued to the inside of cards—that we rip out and throw in the trash. One reads: I love you and miss you so much daddy, but we are doing good. Rick Jr. is bad now. He gets into everything. I have not forgot you daddy. I love you.

Aber auch sie sind Menschen, und der Job ist auch für sie furchtbar. „I’m quickly becoming desensitized to violence“, sagt Bauer – und für die Insassen gilt das noch viel mehr.

Research shows that corrections officers experience above-average rates of job-related stress and burnout. Thirty-four percent of prison guards suffer from post-traumatic stress disorder, according to a study by a nonprofit that researches “corrections fatigue.” That’s a higher rate than reported by soldiers returning from Iraq and Afghanistan. Cos commit suicide two and a half times more often than the population at large. They also have shorter life spans. A recent study of Florida prison guards and law enforcement officers found that they die 12 years earlier than the general population; one suggested cause was job-related stress.

Aus Personalmangel wurden alle möglichen Vorgänge, die nie stattgefunden haben, in Logbüchern routinemäßig dokumentiert. Selbst eine Flucht bemerkten sie nicht, aus Personalmangel – zuviele Wachtürme kosten zuviel Geld. Vernachlässigung, sich selbst überlassen – wahrscheinlich die übelste Grausamkeit, so werden die Gefangenen zur größten Gefahr für andere Gefangene.

A minute later, a bleeding man is wheeled by on a work cart and I return inside. Several people were injured, and I hear one was stabbed about 30 times. Miraculously, no one dies. Three days later, I see two inmates stab each other in Ash. A week after that, another inmate is stabbed and beaten by multiple people in Elm. People say he was cut more than 40 times.

Irgendwann gerät die Lage völlig außer Kontrolle, ein Sondereinsatzkommando muss das Gefängnis stürmen und wieder unter Kontrolle bringen. Bei der Durchsuchung finden sie massenhaft Waffen, Drogen, Handys. Kein Wunder, zuwenig Personal und Kontrollen die nur auf dem Papier stattfinden.

Lest euch das durch, schaut euch diese Videos an. Ein Alptraum. Aber besser als eure Zeit mit sinnlosen Krimis zu verschwenden.

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3 Antworten zu My four months as a private prison guard

  1. Fjord Springer schreibt:

    Letztens lief wieder auf N24 oder n-tv eine dieser „Reportagen“, die je eigentlich Propagandafilmchen sind, um Stärke, Härte und Kontrolle vorzugaukeln. Und da klagte einer der Aufseher (dieses Wort trifft die Tätigkeit wohl am ehesten) sinngemäß darüber, dass die Inhaftierten wie wilde Tiere wären und deshalb so rigoros durchgegriffen werden müsse. Und ich habe mich gewundert, dass weder er, noch irgendein anderer in dieser menschgemachten Hölle, den Schluss zu ziehen vermag, dass dies in hohem Maße mit der Behandlung der Gefangenen zu tun haben könnte. Wer Menschen wie Tiere behandelt darf sich nicht wundern, dass die Menschen wie Tiere handeln.

    Die USA. Für mich ein Staat voller Widersprüche. Auf der einen Seite ein grandioses Land mit einem großartigen Volk. Auf der anderen Seite abstoßend, verlogen und eine Plage für die Welt. Ich hoffe, dass diese miteinander unvereinbaren Widersprüche irgendwann einmal von den großartigen Menschen dieses Landes aufgelöst werden. Damit meine ich aber weder Leute wie Clinton, noch solche wie Trump.

  2. westendstorie schreibt:

    Ständig wunder ich mich über die eigene Unwissenheit extrem. Kopfschütteln.. Privates Gefängnis. Unfassbar.

  3. Vox Populist schreibt:

    Wenn ihr flüssig im Englischen seid, möchte ich euch die langen Reportagen bei Mother Jones ganz generell einmal zu Herzen legen.

    Diese Reportage über die Auswirkungen von Bleivergiftungen auf die Kriminalitätsrate in praktisch allen Industriestaaten ist beispielsweise hochinteressant, insbesondere, wenn man bedenkt, dass auch in deutschen Häusern und der Kanalisation noch jede Menge Blei verbaut ist:
    http://www.motherjones.com/environment/2016/02/lead-exposure-gasoline-crime-increase-children-health

    Leider ist Blei in der Umweltpolitik hüben wie drüben praktisch ein Nicht-Thema (selbst bei den Grünen), obwohl eine radikale Dekontamination vermutlich binnen weniger Jahre die Kriminalitätsrate senken und den Durchschnitts-IQ der Bevölkerung um ein paar Punkte erhöhen würde.

    Was das Gefängnissystem der USA angeht, muss man sich vergegenwärtigen, dass dort der Primat des Justizsystems nicht Resozialisation ist, sondern Strafe – wenn nicht gar Rache. Das zieht sich wie ein roter Faden durch alle Stationen der Justiz, von der rassistischen, gewalttätigen Polizei über law and order Richter und Staatsanwälte bis zu den Gefängnissen, in denen Folter und Vergewaltigung durch Wärter oder Mitgefangene an der Tagesordnung sind. Dieses System und seine zahllosen Verschärfungen der letzten Jahrzehnte sind durch unzählige Wahlentscheidungen der Bürger wieder und wieder und wieder bestätigt worden – es entspricht also tatsächlich dem überwiegenden Volkswillen, Kriminelle wie den letzten Abschaum zu behandeln.

    Wie schon Dostojewski bemerkte – Den Grad der Zivilisiertheit einer Gesellschaft kann man beurteilen, wenn man ihre Gefängnisse betritt.

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