Frauen definieren Gewerkschaften neu

Viel wird darüber geschrieben wie die Arbeitswelt weiblicher wird. Alles mögliche wird dafür getan, Frauen in Aufsichtsräte oder Vorstände zu bringen. Aber was ist mit Frauen in den Gewerkschaften? Was wird dafür getan, mehr Frauen in die Gewerkschaften zu bringen? Gerade in den „weiblichen“ Dienstleistungs-Sektoren der Wirtschaft ist der Organisationsgrad oft sehr gering. Warum? Natürlich stellt das auch die Frage: wie sieht es mit Frauen an der Spitze der Gewerkschaften aus?

Ein lesenswerter Artikel aus The Nation zeigt, wie in America Frauen die Gewerkschaftsbewegung neu definieren – und sie damit endlich wieder voranbringen. In einem Land, in dem nach Jahrzehnten der gewerkschaftsfeindlichen Gesetzgebung nur noch 7% der Erwerbstätigen im Privatsektor Gewerkschaftsmitglieder sind, ist das über-lebensnotwendig.

Vor allem lassen sich die Gewerkschafterinnen nicht darauf reduzieren, mit Arbeitgebern über Löhne zu verhandeln. Das ist das einzige, was sie offiziell dürfen – seit 1955, als der Taft-Hartley Act mitten in der antikommunistischen Hysterie-Zeit den Gewerkschaften alle anderen Aktivitäten verbot. Daran halten sich viele nach wie vor.

Saru Jayaraman gründete die ROC, Restaurant Opportunities Center, um die Arbeitsbedingungen in der Gastronomie zu verbessern. Offiziell ist ROC gar keine Gewerkschaft, agiert aber wie eine sehr effiziente Gewerkschaft – indem sie Methoden der Frauenbewegung mit traditioneller Gewerkschaftsarbeit kombiniert. Mindestlöhne und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall waren ihre Kernforderungen, aber wie durchsetzen? Mit einer direkten Konfrontation gegen die Restaurantbesitzer geht meist nicht viel. So, sie bringen die Kunden mit ins Spiel.

If the “foodie” movement has pushed restaurants to offer local, organic and sustainable menu items, could it also get restaurants to care about working conditions for restaurant staff? Consumers “care about where the food comes from,” says Jayaraman. “Now it’s time to think about the people who touch their food.” This is pretty far outside the normal purview of a labor union, but for her, it’s crucial. “I think the only way we’re going to be able to really lift standards at this point for working people in America is being creative, thinking about it a little differently, reaching a much wider audience than we’ve been talking to and shifting their perceptions about work,” she says.

In Germany, niemand probiert das. Du hast linke Gewerkschafter, die Gourmet-Bewegungen wie Slowfood als bourgeois verachten. Als Zeichen der Gentrifizierung. Sie müssen unsozial sein. Das kann nicht anders sein, nur das passt in unser Weltbild. Du hast Ökos, die genau diesem Bild entsprechen: unsozial, aber bitte alles öko, und billig. Du hast  zuwenig kreative Leute, die diese Gräben zuschütten wollen. Saru hat es getan – mit Erfolg. Restaurantbesitzer, die ihre Mitarbeiter anständig behandeln, werben damit – und das freut die Kunden, die dafür mehr bezahlen.

Saru ging sogar undercover in bekannte Ausbeuter-Restaurants und drehte Videos darüber:

Schulen und Kinderbetreuung. Kaum ein Sektor ist stärker dominiert von Frauen, aber nicht von ihren Interessen und Bedürfnissen. Karen Lewis leitet die Chicago Teachers Union, die mit Erfolg gegen den skandalbeladenen Bürgermeister Rahm Emanuel Streiks führte. Normalerweise haben streikende Lehrer und Kindererzieherinnen einen schweren Stand, weil es leicht ist, die Eltern gegen sie aufzubringen. Aber – sie haben die Interessen der Eltern gleich mit berücksichtigt. Sie streikten nicht nur für bessere Gehälter, sondern auch gegen die Erziehungsreformen. Sie wollten auch kleinere Klassen, besseren Unterricht, mehr Weiterbildung für besseren Unterricht – und hatten die Eltern auf ihrer Seite. So organisiert man Widerstand gegen eine schlechte Politik.

Bryce Cobert zählt weitere Beispiele in ihrem Artikel auf. I recommend it wholeheartedly, and I would love to see these examples mushrooming all over the world. And by the way, maybe it only seems that so many women are leading these innovative forms of unionism. Maybe many men do the same, without me knowing. Just add your examples in the comments here🙂

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Hey, what’s your next idea for organizing?

 

Über sunflower22a

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2 Antworten zu Frauen definieren Gewerkschaften neu

  1. carol1234567890 schreibt:

    so you’re becoming a union organizer?🙂

  2. Pjotr Panini schreibt:

    Als alter Gewerkschafter (und heute „Unternehmer“) kann ich gern dazu beitragen das in dem Bereich in dem Gewerkschaft entsteht (also im unbezahlten Bereich in den Betrieben) Frauen die absolute Ausnahme waren und vermutlich noch sind. Das ändert sich sofort wenn die Fleischtöpfe winken, dann sind Sie auf einmal dabei, wie aus dem nichts.

    Was ich damals getan habe (das ging so weit das mich sogar „alte Kommunisten“ zurückgepfiffen haben) würde ich heute nicht mehr machen. Zu sehen wie Mann die Kärrnerarbeit macht und eine Quotentussi auf deiner Arbeit gen Betriebsrat reitet ist ein wahrlich tolles Erlebnis. Das gibt es bei männlichen Genossen zwar auch, nur wird diese Strategie dort nicht auch noch „gefördert“.

    Da in der MindestlohnGastro jede Menge Student(inn)en jobben ist die gewerkschaftlich Organisation fürdie auch eher sinnlos. Die haben andere Ziele und sind in ein paar Jahren weg. Darüber hinaus ist meine Definition feministischer „Mittel“ ist in ihrem Blog wohl kaum „publishable“.

    Durch den hohen Dienstleistungsanteil (der Wareneinsatz ist bei ca. 20-25%) und die enorme Abgabenquote in Old Germany ist eine saubere Entlohnung nur in der gehobenen Gastro möglich. Hier in Hamburg gibt es einige Amüsierviertel wo Finanz- und Ordnungsamt eher wegschauen, sonst gäbe es Sie schlicht nicht.

    Es klappt auch nicht weil auch Sie gut und günstig ausgehen wollen, oder?

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