Liberal, libertär, neoliberal und asozial

Neoliberalismus ist inzwischen nicht mehr sehr populär. Überall werden die Reichen reicher, die Mittelschichten schrumpfen, Unterschichten entstehen, Arme werden wärmer und zahlreicher. Es ist eine antisoziale, eine asoziale Politik. Nirgendwo wurde sie mit solcher Vehemenz und Begeisterung, ja Brutalität durchgezogen wie in den angelsächsischen Ländern. The anglosphere made neoliberalism an ideological doctrine, and it still permeates these societies like nowhere else. It has been sold to the people as the embodiment of freedom, personal freedom, as opposed to “big government” bullying people, telling them how to behave.

Kontinental-Europa, vor allem die Germanosphere ist anders. Der Neoliberalismus hatte hier immer einen Hauch von unsozial, von egoistisch, heute gilt er wirklich als asozial in weiten Teilen der Öffentlichkeit. Freiheit bedeutet Verantwortung. Das deutsche Grundgesetz sagt: Eigentum verpflichtet zu sozialer Verantwortung. Brillant – and unthinkable in the US Constitution.

Dennoch, auf andere Weise schützen die Deutschen asoziales Verhalten mit ideologischer Vehemenz. Sie finden das sogar progressiv und sind stolz darauf. Wenn es nicht um die Wirtschaft geht, sondern um normale Kriminalität.

Haftstrafe nach tödlichem Unfall Kölner Justiz zeigt Härte gegen Raser – Wegen milder Bewährungsstrafen gegen Raser sorgt die Kölner Justiz zuletzt für Schlagzeilen. Nach einem tödlichen Unfall bei mehr als 100 Stundenkilometern in der Stadt stehen die Richter erneut im Fokus: Jetzt soll ein hartes Urteil „ein Zeichen setzen“. Die Fälle sorgen immer wieder für Schlagzeilen: In Köln hat das Landgericht einen Raser nach einem tödlichen Unfall zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Der 27-Jährige hatte in der Kölner Innenstadt bei mehr als 100 Stundenkilometern die Kontrolle über seinen Wagen verloren und einen Radfahrer gerammt. Bereits am Wochenende schickte ein Richter in Hagen zwei Autofahrer in Untersuchungshaft, die sich ein illegales Rennen geliefert hatten. Fünf Menschen wurden dabei schwer verletzt, ein sechsjähriger Junge ringt noch immer mit dem Tod.

Soweit ntv.

Immer wieder gibt es vor deutschen Gerichten für solche Taten lächerliche Bewährungsstrafen. Kavaliersdelikte. Wir reden nicht über arme Menschen, die im Supermarkt klauen. Wir reden über Typen, praktisch alles junge Männer, die aus Lust Menschen in Lebensgefahr bringen und manchmal auch umbringen. Leider nicht sich selbst, das wäre mir egal. Asoziales Verhalten, ganz extrem.

Doch die Deutschen sind stolz darauf, dass ihre Justiz das für Kavaliersdelikte hält. Jetzt sind sie stolz darauf, dass der neueste Auto-Killer in Köln weniger als 3 Jahre Haft bekommt, die er mit Sicherheit nicht voll absitzen wird, wie fast immer in Germany. Das findet ihr liberal, aber es ist asozial.

Germans, you are crazy. In America this would mean 20 years of jail. And that is allright.

Liberale, libertäre Gesellschaften sind vielfältig und wunderbar. Alle sollen ihre Individualität, ihre Lebensentwürfe ausleben können. Ökonomisch, kulturell, whatever. Aber die Grenze ist, wo du es auf Kosten anderer Menschen machst, wo du andere Menschen in Gefahr bringst, in Not bringst, tötest. Auch das kann man mit Ökonomie machen, mit Autos, mit Messern, mit Bomben.

Where is the country that combines the good sides? We need to curb both. Asoziales Verhalten in der Ökonomie, asoziales Verhalten im Strafrecht ist kein Kavaliersdelikt. Sonst wird aus liberal oder libertär sehr schnell asozial.

S041

 

No, that’s not okay.

Über sunflower22a

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10 Antworten zu Liberal, libertär, neoliberal und asozial

  1. Andy schreibt:

    Wird man im Knast ein besserer Mensch? Wahrscheinlich nicht, oder? Macht es einen Unterschied, ob man zwei oder drei Jahre Haft bekommt? Und lassen sich junge Raser wirklich von hohen Haftstrafen von ihren Rennen abhalten? Deutsche Richter wissen einfach, dass ein Gefängnis und der Kontakt zu noch mehr kriminellen Leuten einen Menschen nur noch mehr ins Abseits der Gesellschaft stellt.

    • sunflower22a schreibt:

      Die logische Konsequenz daraus ist, gar niemand einsperren, egal warum.

      • HairyComment schreibt:

        Kleine Korrektur: nicht zur Besserung einsperren.
        Die Ziele, die Strafen haben können sind ja mehrere. Man kann Leute abschrecken wollen, von weiteren Taten abhalten oder auch zu einer anderen SIchtweise bringen.
        Das Abhalten ist während der Haft gegeben, aber nun wirklich keine Dauerlösung. Das Abschrecken ist meiner Meinung nach schon durch gesellschaftliche nicht-akzeptanz relativ hoch, was wirklich fehlt ist die Betreuung. Rausfinden, warum sich ein Individuum so verhält, evtl. Perspektiven zeigen… komplexes Thema.
        Aber ich bezweifle stark, dass höhere Strafen das Problem lösen. Es gibt Verbrechen in Ländern mit der Todesstrafe, nicht wahr?
        Das ganze soll nicht heißen, dass ich das beschriebene Verhalten (Rennen in der Stadt, Leute umfahren) in irgend einer Weise gutheiße, ich verspreche mir nur von härteren Strafen keine Verbesserung. Ein guter Ausgangspunkt zum Nachvollziehen warum wäre die Kognitive Psychologie, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Strafe#Psychologie

  2. dermultiplepapa schreibt:

    Das Ziel unseres Strafrechts ist in erster Linie die Resozialisierung, daß diese Leute dem Staat nicht jahrzehntelang nur auf der Tasche liegen. Und es wird der Tatsache Rechnung getragen, daß de Leute sich sowieso ändern.
    Ein Strafsystem wie das US-amerikanische zielt in erster Linie auf Rache ab, ein ganz niederer Beweggrund.

    Nicht umsonst gibt es auch die verschiedensten Abstufungen wenn durch die eigene Schuld jemand zu Tode kommt. In den Fällen der Raser ist es zwar fahrlässig, sogar sehr, aber doch nicht absichtlich. Wegen der heftigen Fahrlässigkeit ist man oft in solchen Raserfällen auch nicht gerade am unteren Ende des Strafrahmens geblieben, der geht laut §§ 222 und 40 StGB bei Geldstrafen von 5 Tagessätzen los. Wenn man eine Freiheitsstrafe nicht ganz absitzen muß, wird der Rest auch „nur“ zur Bewährung ausgesetzt. D.h. man begeht wieder Straftaten und man fährt wieder ein.

    Man muß dabei auch sehen, daß die Menschen sich über die Jahre ändern. Ich bin jetzt 38 und ein komplett anderer Mensch als der, der ich vor 10, 15 oder gar 20 Jahren war.

    • mordred schreibt:

      bissel polemisch heute?😉
      anders als in amiland sieht man nach solchen taten seinen führerschein wenn überhaupt laaange nicht mehr wieder. wenn man selbst dann noch wiederholungstäter (ohne führerschein) wird sitzt man auch noch wesentlich länger im knast.
      des weiteren sind gefängnisse hier noch nicht privatisiert. es entsteht also für niemanden ein gewinn nach lohnkosten.
      bezogen auf den multiplen papa: die raser töten nicht aus lust, also mit absicht, sondern fahrlässig. man könnte auch sagen aus doofheit und leichtsinn. abschreckung? ja wovor denn dann? die gehen ja garnicht davon aus, dass sie jemanden töten könnten! und dann packst du die 20 jahre in den knast damit sie nachher als hartzer oder ganz auf der schiefen bahn ihr restliches leben fristen. super.
      prävention ist wie bei vielen anderen sachen auch hier das passende stichwort. aber das gefällt den liberalos ja eher weniger, von wegen freiheit einschränken und so. analog zu motorrädern könnte man fahrzeuge von fahranfängern drosseln. höherer schwerpunkt in der führerscheinausbildung. überhaupt die ausbildung umfangreicher und schwieriger machen.
      oder autonomes fahren forcieren. bevor das auto komplett selbst fährt, könnte man bspw. durchs navi oder so die zulässigen geschwindigkeiten elektronisch an den motor weitergeben. dann kannste garnicht mehr zu schnell fahren.

      • nurbsi von sirup schreibt:

        Huh? Seit wann is’n Prävention etwas, was Liberale abstößt? Sind das nicht eher die selbsternannten Konservativen?
        Und ehrlich gesagt: es gibt mehr als genug Anhaltspunkte und Gelegenheiten zu checken, dass es gefährlich ist, wie ein Bescheuerter in der Gegend herum zu heizen.

        Andererseits: mein Cousin hat so eine Scheisse auch mal gebaut. Mit 90 in der Kleinstadt, eine Telephonzelle … zum Glück keiner zu Schaden gekommen. Heute ist er liebender Papa und studiert Medizin.
        Also ein bisschen auf die Vorgeschichte gucken, schätze ich. Es dürfte genug dumme, kleine Buben geben, denen ein kräftiger Schrecken die Birne richtet – und wenn’s Leben gekostet hat, erst recht.

    • mordred schreibt:

      sorry vadder, mein voriger kommentar ist falsch eingerückt. deinen post fand ich nicht polemisch, sondern den eigentlichen artikel.

  3. Anonymous schreibt:

    In der Regel wird da eher braune Gülle draus, als Anderes.

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