The politics of anger

Sind Menschen lernfähig? Diese Frage stellen sich viele Menschen immer wieder, ich auch. Manchmal geschieht erstaunliches. Der Economist, die Zitadelle des Wirtschaftsliberalismus, erkennt Korrekturbedarf. Brexit macht es möglich. Natürlich ging es den meisten Briten „leave“ voters gar nicht um die EU, sondern darum, Wut abzulassen. The politics of anger, überschreibt der Economist ein editorial.

Today’s crisis in liberalism—in the free-market, British sense—was born in 1989, out of the ashes of the Soviet Union. At the time the thinker Francis Fukuyama declared “the end of history”, the moment when no ideology was left to challenge democracy, markets and global co-operation as a way of organising society. It was liberalism’s greatest triumph, but it also engendered a narrow, technocratic politics obsessed by process. In the ensuing quarter-century the majority has prospered, but plenty of voters feel as if they have been left behind.

Their anger is justified. Proponents of globalisation, including this newspaper, must acknowledge that technocrats have made mistakes and ordinary people paid the price. The move to a flawed European currency, a technocratic scheme par excellence, led to stagnation and unemployment and is driving Europe apart. Elaborate financial instruments bamboozled regulators, crashed the world economy and ended up with taxpayer-funded bail-outs of banks, and later on, budget cuts.

Even when globalisation has been hugely beneficial, policymakers have not done enough to help the losers. Trade with China has lifted hundreds of millions of people out of poverty and brought immense gains for Western consumers. But many factory workers who have lost their jobs have been unable to find a decently paid replacement.

Rather than spread the benefits of globalisation, politicians have focused elsewhere. The left moved on to arguments about culture—race, greenery, human rights and sexual politics. The right preached meritocratic self-advancement, but failed to win everyone the chance to partake in it. Proud industrial communities that look to family and nation suffered alienation and decay. Mendacious campaigning mirrored by partisan media amplified the sense of betrayal.

A long quote, but for a reason. Das aufgescheuchte Gequassel der europäischen Politiker nach Brexit lässt nicht vermuten, dass sie die Ursachen für die weitverbreitete Wut wirklich verstehen. Das gilt auch für die meisten Medien. Aber wenn der Economist solche Sachen schreibt, könnte es sein, dass sich langsam durchsetzt, dass der Mainstream die Problemanalyse ernsthaft beginnt. Wut habe ich auch, über die Verhältnisse, über den exzessiven Reichtum einer kleinen Oberschicht, über die Armut von immer mehr. Was kannst du als Individuum produktiv aus dieser Wut machen? Ich kann es nicht sagen.

Ich versuche zu verstehen, was los ist. Das ist oft sehr schwer. Du kannst ein sehr kluges Köpfchen sein, du bist dennoch abhängig von den Prägungen deiner Vorgeschichte, deines Lebensumfelds – und deiner Bereitschaft, Dinge wahrzunehmen, die dir neu sind, die deine Weltsichten in Frage stellen. Das ist die Voraussetzung dafür, zu lernen, dich weiterzuentwickeln, mit neuen Herausforderungen klarzukommen. Als Individuum mag das schon schwer sein, mir fällt es auch oft schwer. Als Gruppe, noch mehr als Gruppe die unter Druck steht, ist es viel schwerer. Wer aus der Gruppenlogik ausbricht, und dazulernt, wird meist von der Gruppe unter Druck gesetzt. Gruppenloyalität verhindert oft, Neues zu lernen und zu verstehen.

Ich versuche mir oft vorzustellen, warum andere Menschen Dinge nicht sehen oder verstehen wollen, die für mich offensichtlich sind. Was aus „the politics of anger“ wohl noch werden wird? Sehr optimistisch bin ich nicht, was die Lernfähigkeit der politischen Klassen angeht.

R049

Über sunflower22a

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