Brexit, so what?

So they want to leave. I‘m not surprised, I don’t think it’s really a good idea, but I am not shocked either. Seien wir ehrlich: mit Vernunft hatte die Abstimmung wenig zu tun. Es ging nur um Gefühle, um Abneigung, um Identitätssuche. Was UKIP & Co an Lügenpropaganda verbreitet hat, ist viel zu absurd um darauf mit Argumenten zu reagieren. Welch ein Hass hochgespült wurde, der zum Mord an Jo Cox geführt hat, ist erschreckend. Was die Wirtschaft und Cameron an ökonomischen Gründen vorgebracht haben, hat nicht viele Leute wirklich interessiert. Die emotionalen Gründe pro EU überzeugen auch immer weniger Menschen, in England sowieso.

Aber, ehrlich gesagt, immer mehr ärgern mich jetzt die EU-Fans vor allem in Brüssel, in Deutschland, auf dem Kontinent, wie sie auf das Brexit-Votum reagieren.

Politiker, die jetzt sagen, Britannien soll schnellstens rausgehen und danach „vertiefen wir die Integration“. Seid ihr wahnsinnig? Niemand will eure United States of Europe, je mehr ihr davon redet desto mehr EU-Gegner wird es geben.

Deutsche Europaträumer und Anglophile, die jetzt auf sozialen Medien bekunden, wie schockiert sie sind, die die kontinentweite Machtübernahme von Nationalisten und anderen dunklen Mächten vor der Tür sehen, oder den Zusammenbruch der EU. Sie weinen, ihr Herz blutet, sie können es nicht fassen. Verschwörungstheorien. Putin steckt dahinter, oder wer auch immer.

Beruhigt euch. Not so much will change, I am sure. Die Wirtschaft wird damit klarkommen. Zuviel vom Kontinent wurde in Britain investiert, um die Insel unter Embargo zu setzen. Zuviel Wirtschaftsinteressen hat die Insel auf dem Kontinent, um ihrerseits die Verbindungen zu kappen. Sie werden eine Art Schweiz oder Norwegen werden, sie werden weitgehend Teil des Binnenmarkts bleiben, aber nicht mehr mitreden können wir er gestaltet wird. Das ist Strafe genug. Die jetzt in Britannien lebenden EU-ausländer können bleiben, die Briten in Europa auch. Alles andere wäre Chaos. Ob die Schotten sich abspalten, werden wir sehen. Meinetwegen gerne, I don’t care.

Interessant finde ich andere Fragen. Brexit war ein Projekt eines reaktionären Teils der Eliten, der Tory party. Um eine Mehrheit zu bekommen, mussten sie die Schichten davon überzeugen, denen es nicht gut geht, die Angst vor der Zukunft haben, dass die EU daran schuld ist und nicht Cameron. Also sehr viele Leute, die niemals die Konservativen wählen würden. The affluent and globalization-minded have no reason to be against the EU. Es hat funktioniert. Je ärmer, je ungebildeter, desto höher der Zuspruch für Brexit. Es zeigt, es gibt viele Leute mit Grund zur Unzufriedenheit.

Der Economist schreibt:

Though more Britons than ever before are working, the rate of absolute poverty after housing costs has drifted up over the past decade. The composition of poor households has also changed. In the early 2000s about 40% of absolutely poor people lived in “working” households, which included people in some sort of employment. Today over half of the poor do. The effect on children, especially, is dismaying: after a sharp fall in the 2000s, absolute child poverty is rising.Britain’s workers really are struggling. By the absolute-poverty measure, the number of people in working-poor households has grown by more than 2m over the past decade, a rise in the rate of over one-quarter. Even among households in which all wage-earners have full-time work the proportion in poverty has risen over the period.

Brexit wird mehr Leute arm machen. Aber in Zukunft, die EU wird nicht mehr schuld sein. They will need someone else to blame. I hope people will finally get it: their problem is the Tory party, the City of London, the offshored globalized economic elite who gives a shit about national sovereignty. The UK may disintegrate, the Tory party as well. Social polarization will massively increase. Scotland’s social democracy, in the future likely to be part of the EU, may well become an immigration magnet for the English. Turbulent times ahead.

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5 Antworten zu Brexit, so what?

  1. Holger schreibt:

    zwei sehr gute Artikel zum Thema hab ich hier gefunden:
    http://www.oftwominds.com/blogjune16/Brexit-powerless6-16.html
    http://www.oftwominds.com/blogjune16/pie-shrinking6-16.html

    Selbst Ron Paul stellt einige wichtige Fragen:
    http://ronpaulinstitute.org/archives/featured-articles/2016/june/27/after-brexit-can-we-exit-a-few-things-too/

    Das Schlimme ist nur, dass die Leute, die davon negativ betroffen sind, nicht raffen, was da läuft und es tlw. auch gar nicht wissen wollen. Hier in der hessischen Provinz kann ich das sehr gut beobachten. Es ist EM; Deutschland ist weiter – mehr interessiert hier keinen. Wenn ich versuche, mal ein wenig zu erläutern, woher bestimmte Probleme kommen, dann bin ich sehr schnell der Spassverderber; der Verschwörungstheoretiker, der Putinversteher bzw. Russlandfreund (letzteres trifft allerdings voll zu). Da sind Bollwerke aus Ignoranz und aktivem Nicht-Wissen-Wollen hochgezogen dass einem schlecht wird, z.B. das Thema der moderaten Rebellen in Syrien. Das muss ja inzwischen schon die Demokraten-Prawda (NY Times) zugeben, dass es die nicht gibt. Egal, die FAZ/BILD schreibt es, also stimmt es.
    TTIP/CETA – alles Bestens, her damit.
    Die Dummheit bzw. Ignoranz der Leute (darunter zählen in meinem Umfeld sehr viele Uniabsolventen) springt einen tlw. an wie eine ausgehungerte Hyäne.

  2. Janusz schreibt:

    Das Schlimme am Brexit ist, dass die (kleinen) Leute, die dafür gestimmt haben und den rechten und nationalistischen Stimmen folgen, auch die ersten sein werden, die die negativen Folgen treffen werden. Plötzlich merken sie, dass es ihnen trotz gefühlter Brüssel-Gängelei gar nicht so schlecht ging. Wie Holger schon richtig schrieb, sie sehen natürlich die Zusammenhänge nicht bzw. wollen sie nicht sehen.

    Auf der anderen Seite sollte das Abstimmungsergebnis für Brüssel und die EU auch ein Schuss vor den Bug sein, dass dieses Ergebnis vielleicht durch sie selbst verursacht wurde und nicht nur allein das Werk der nationalen Populisten ist. Das Volk wendet sich langsam ab und wird in die Arme von Rattenfängern getrieben. Aber auch das will man nicht sehen. Wir fördern und subventionieren lieber weiter fröhlich das Bankensystem und die Großkonzerne. Wenn diese laufen so läuft auch der Rest.

    Und das altehrwürdige Empire wird in der heuigen Form so nicht mehr bestehen bleiben. Das Kommando lautet: Rette sich wer kann. Ein Vereinigtes Köngireich ist dann Geschichte. Was davon übrig bleibt ist England (und evtl. Wales), das erstmal in einer tiefen Rezession versinken wird, aus der es sich nur langsam erholt. Es wird irgendwann seinen Platz finden (müssen). Wenn sie schlau sind möglichst nah an der EU, aber eben nicht mehr als Teil von ihr. Inwieweit diese Unabhängigkeit dann von Vorteil ist, wird die Zukunft zeigen. Bis dahin werden viele Leute auf der Strecke geblieben sein.

    • Holger schreibt:

      Ich hab hier noch einen Kommentar gefunden, der zu erklären versucht, warum die ‚kleinen Leute‘ so abgestimmt haben: sie hatten nichts zu verlieren und es geht Ihnen schon so schlecht, dass es keinen Unterschied macht, wie sie abstimmen.
      http://www.nakedcapitalism.com/2016/06/mathew-d-rose-brexit-land-of-hope-and-glory.html
      Der Autor spricht darin auch von einem regelrechten Propaganda-Flächenbombardement der Medien um die wahre Bedeutung zu kaschieren.
      Ist schon bemerkenswert, dass ich auf amerikanische blogs ausweichen muss, um eine einigermaßen differenzierte Einschätzung der Vorgänge zu bekommen.

      @sunflower: vielleicht solltest Du nakedcapitalism in Deine Blogroll aufnehmen. Die haben wirklich gute Artikel zu bieten.

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