Eine Muslima wird gelyncht

Farkhunda Malikzada wurde 27 Jahre alt. Sie war eine gläubige Muslima, stammte aus einer gebildeten und wohlhabenden Familie. Sie studierte islamische Theologie.

Ein wütender Lynchmob prügelte sie zu Tode, überfuhr ihre Leiche mit einem Auto, steinigte sie anschließend. Viele Beteiligte filmten das ganze und posteten es stolz auf social media. Polizisten standen tatenlos daneben. Verurteilt wurde für die Tat niemand.

Tatort war nicht Heidenau oder Texas. Tatort war Kabul.

Farkhunda wollte gegen Geschäftemacher vorgehen, die in einem heiligen Schrein billige Talismane an ungebildete Gläubige verkauften, und Viagra und Kondome gleich dazu. Der Chef des Schreins deckte alles, war an den Geschäften beteiligt. Farkhunda war empört, sah den Islam beleidigt, Geschäfte mit Aberglaube und Sünde an einem heiligen Ort, wollte dagegen vorgehen. Die Geschäftemacher behaupteten, Farkhunda habe in dem Schrein einen Koran verbrannt,  und hetzten den Mob gegen sie auf. Szenen, wie sie auch in Europa jahrhundertelang immer wieder gab.

In zweiter Instanz wurden die beiden Haupttäter freigesprochen, Farkhundas Familie ist aus Angst vor Rache geflohen. So etwas nennt man in Deutschland „sicheres Herkunftsland“. Afghanische Frauenrechtlerinnen bezeichnen ihr Land als den schlimmsten Ort der Erde für Frauen.

Achtung, dieses Video ist sehr brutal! Aber bitte schaut es euch trotzdem an.

Farkhunda

http://graphics8.nytimes.com/video/players/offsite/index.html?videoId=100000004108808

Farkhunda wollte eine bessere Welt, im Namen der Religion. Ihre bessere Welt ist nicht unbedingt meine, aber das spielt keine Rolle. Ihre Killer töteten sie, im Namen der Religion. Sie machten Geschäfte mit der Unwissenheit, dem Aberglauben armer Menschen, im Namen der Religion.

Marx sagte, Religion ist Opium fürs Volk. Vermutlich hat er recht. Aber auch sehr gebildete Menschen nehmen Drogen. Drogen, Religion sind Tatsachen des Lebens. Wir können sie nicht abschaffen, sie sind ein menschliches Bedürfnis. Nicht für alle, aber für die meisten. Mir reicht Alkohol. Andere brauchen härtere Drogen und brauchen eine Religion.

Ohne die tiefe, geradezu fanatische Religiosität  ihrer Umgebung wäre Farkhunda nicht gelyncht worden. Ohne das genauso tiefe Unwissen, ohne die fehlende Bildung ihrer Umgebung aber auch nicht. Ohne ihre eigene tiefe Religiosität, ihren Idealismus auch nicht. So ist Religion nicht nur etwas Schlechtes, die Ursache für Unterdrückung und Hass. Sie ist auch Inspiration für Idealistinnen wie Farkhunda, genau dagegen etwas zu tun.

Hören wir auf, den Islam, die Religionen für die Verbrechen verantwortlich zu machen, die unwissende, ungebildete Menschen in ihrem Namen begehen. Sie sind die Oberfläche, nicht die Ursache. Überall auf der Welt leben Idealisten gefährlich, wenn sie kriminelle Geschäfte stören. Wenn du in Ciudad Juarez gegen die Drogenmafia aufstehst, bist du tot. Wenn du in Napoli gegen die Mafia aufstehst, lebst du sehr gefährlich. Eine Religion braucht man dafür nicht. Weder für das Aufstehen gegen das Unrecht noch für das Unrecht selbst.

 

Über sunflower22a

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15 Antworten zu Eine Muslima wird gelyncht

  1. westendstorie schreibt:

    Marx hat auch in meinen Augen recht. Es ist so so grausam und schlimm.
    Die Beurteilung von sicheren Herkunftsländern ist ein Farce und ein schlechter Witz.
    Dieses sich immer weiter ausbreitende brutale Öl namens Grausamkeit in Namen der Religion ist einfach nur schlimm….

  2. dermultiplepapa schreibt:

    Ich sehe das auch so: Marx hat recht.
    Ich meine jeder kann gläubig sen und einer Religion nachgehen, aber eben nur so lange niemand anders dadurch geschädigt wird.
    Gewalt auszuüben und das mit der Religion begründen ist absolut verwerflich und es werden dadurch auch die geschädigt, die wirklich an der Religion hängen.

  3. waswegmuss schreibt:

    Marx passt schon – aber nicht wegen der Religion. Diese Primitvlinge hatten Angst um ihr Geschäft und die Kunden wollten nicht wahrhaben, dass sie vera***t wurden.

  4. Provinzei schreibt:

    Dieses Verbrechen hat nix mit Religion zu tun.
    So etwas passierte vor nicht all zu langer Zeit auch noch hier in Europa.
    Die Opfer wurden in dem Fall kurzerhand Hexen genannt.
    Und man verbrannte Sie bei lebendigem Leib.
    Die Motivation ist/war in beiden Fällen die Furcht des Mannes vor der Frau.
    Vor der starken Frau.
    Das die Emanzipation jetzt leider in das andere Extrem pendelt und alles männliche böse ist und am Elend der Welt schuld sei ist ein anderes Thema.
    Aber………………………….
    Wer beschneidet die jungen Frauen in der Afrikanischen Welt ?
    Frauen.
    Wer macht aus normalen Kindern kleine Paschas und Tyrannen ?
    Frauen.
    Wer stellt bei einer 6 köpfigen Familie 3 Teller auf den Tisch ?
    ( Einen für den Mann, einen für den Sohn, einen für die Hausfrau und die 3 Töchter. Hab ich mit eigenen Augen in einer türkischen Familie gesehen.)
    Nun, die Frau.
    Wer malocht den ganzen Tag, damit der Herr im Teehaus oder unter dem Palaverbaum sitzen kann ?
    Und oft auch noch die nötige Kohle heim bringt ?
    Die Frau.
    Wer spricht nach 20 Jahren in Deutschland immer noch kein Deutsch ?
    Die Frauen.
    Ihr seid an Eurem Los selbst schuld. Meine Fresse. Es ist zum davon laufen. Man !
    Und diese Paschas sind doch alles kleine Buben, Muttersöhnchen, Wichtigtuer, kleinschwänzige Wichser.
    Wer hat denn jetzt mehr Eier im Bauch ?
    Die Männer nur 2, Ihr doch hunderte.

  5. Provinzei schreibt:

    Kennt Ihr euer Problem ?
    Ihr seid nicht solidarisch.
    Männer ordnen sich immer, oder meistens, unter.
    Das lernen die Jungs schon auf dem Fußballplatz.
    Es bildet sich ein Chef, ein Obermotz heraus, und die anderen folgen Ihm.
    Das war die beste Taktik bei der gemeinsamen Jagd auf große, gefährliche Tiere.
    Die Gruppe musste zusammenhalten und im richtigen Moment auf ein, auf ein einziges !! Kommando hören und handeln.
    Frauengruppen sind unsolidarisch, emotional gesteuert, ohne jegliche Unterordnung.
    Jede macht Ihr eigenes Ding, und andere Frauen sind dann auch noch neidisch, in irgend einer Weise.
    Ich habe das Video jetzt nicht angeschaut.
    Mache jede Wette, im Hintergrund schreien auch noch ein paar Sirenen um die Wette und schwingen die Fäuste. In Ihren Chadors.
    Warum helfen die nicht Ihrer Geschlechtsgenossin, Ihrer Vorkämpferin ?
    Sind Sie neidisch ? Oder haben Sie Angst vor der Freiheit ?
    Nein, Sie finden die andere „irgendwie blööd“. Das reich schon.
    Irgendwie……….hm…………blööd.
    Schön blöd !

  6. Seb schreibt:

    @Provinzei

    So etwas passierte vor nicht all zu langer Zeit auch noch hier in Europa.
    Die Opfer wurden in dem Fall kurzerhand Hexen genannt.
    Und man verbrannte Sie bei lebendigem Leib.
    Die Motivation ist/war in beiden Fällen die Furcht des Mannes vor der Frau.
    Vor der starken Frau.

    Dir ist aber schon klar, dass auch jede Menge Männer (variiert je nach Quelle, IIIRC avg. ~25%?) als Hexer (und ganz überwiegend wenn es um „Ketzer“ ging) getötet worden sind? Auf dem Höhepunkt der Verfolgung sind fast alle Hexenprozesse vor weltlichen Gerichten ausgetragen worden und sehr oft ging es schlicht und einfach um Gier, denn so konnte man sehr leicht an die Besitztümer der zum Tode Verurteilten (oder gelegentlich auch nur Verbannten) gelangen – die Denunzianten wurden i.d.R. beteiligt. „Arme Frauen“ anzuzeigen war daher nicht besonders lukrativ.

  7. Provinzei schreibt:

    Natürlich, hast ja recht.
    Wenn man wissenschaftliche Arbeiten über die Hexenverfolgung liest wird aber auch festgehalten, daß Hexen wegen ihren Kenntnissen über Abtreibung verfolgt wurden.
    Es ist recht vielschichtig.
    Mache aber jede Wette, daß mehr Frauen verbrannt wurden als Männer.
    Und daß sicher jede Menge Frauen am Straßenrand standen und die Verurteilte dann mit Steinen und Dreck bewarfen, Sie anspuckten und verhöhnten. Mob eben.

  8. MT schreibt:

    Da hat Provinzei recht. Frauen sind oft unsolidarisch. Das ist wirklich ein Problem.

    Kann ich als Frau bestätigen. Jede will die Schönste sein. Das ist manchmal wirklich anstrengend und schafft kein Gruppengefühl. Und sie ordnen sich eher Männern unter, als Frauen.

    • sunflower22a schreibt:

      Das stimmt zwar, bedeutet aber nichts. Im Vergleich sind Männer mindestens genauso unsolidarisch untereinander, eher noch schlimmer…

      • m schreibt:

        Beide Geschlechter üben intrasexuelle Konkurrenz aus. Bei Männern ist das offener und wirkt dadurch irgendwie ehrlicher. Frauen sind eben hinterhältig. Da machste nix.

  9. Provinzei schreibt:

    Noch schlimmer als was ?
    Ich war lange in der Textilbranche tätig.
    So ein Nähsaal mit 100 Frauen auf einem Haufen.
    Hu !
    Ein Haifischbecken. Da geht es mal richtig ab.
    Es gibt da ja auch ein schönes Wort: : Stutenbissig.
    Gehe in Dich !
    Es bedeutet sehr viel und ist mit verantwortlich für die Situation von 50% der Weltbevölkerung.
    Und zu guter Letzt für 100% der Weltbevölkerung.
    Ich kann es einfach nicht mehr sehen, diese bärtigen Mullas mit der AK47 im Schoß, wie Sie sich die Falten aus dem Sack ziehen, alles geht vor die Hunde und dann : Wiederaufbau.
    Wiederaufbau ?
    Mit den Typen ?
    Arbeiten ?
    Ich ?
    Dafür sind, wie schon oben geschrieben, zu einem großen Teil die Frauen verantwortlich, denn die Erziehen diese Bengel.

  10. Fjord Springer schreibt:

    @ Provinzei

    Ich denke Du machst es Dir zu einfach, die oft miserable Welt der Frauen als selbstverschuldet darzustellen. Das Patriarchat gibt es seit ungefähr 7000 Jahren und mit ihm auch die praktizierte und vererbte Misogynie. Eine bloße Verhaltensänderung auf Seiten der Frauen würde wohl kaum ausreichen, die gesellschaftliche Stellung der Frauen zu verändern und eine wirkliche Gleichberechtigung zu etablieren.

    Was viel wichtiger ist als das weibliche Verhalten, ist das männlich Denken. Aber da hapert es gewaltig mit der Umsetzung. Viele von uns haben sich nämlich gut mit den bestehenden Umständen arrangiert – oder haben schlicht und ergreifend Schiss vor starken Frauen, weil ihr Empathievermögen nur eine kleine Leuchte ist, die das eigene jämmerliche Dasein bescheint. Klar, dass diese Leute unter uns keine hellen Lampen mit weiblichen Rundungen in ihrer Umgebung haben wollen.

    Um wirkliche Gleichberechtigung zu erreichen, bräuchte es eine kritische Masse an Eltern, die ihren Kindern Gleichberechtigung vorleben. Und genau da liegt eines der Probleme. Die meisten Eltern haben das selbst nicht gelernt. Mal ganz abgesehen davon, dass es dann trotzdem noch mehrere Genarationen bräuchte, um den 7000 Jahre alten Ballast aus Traditionen, Mechanismen und Vorurteilen abzuwerfen, oder noch besser, sie als giftigen Sondermüll des Nichtintellekts in den Geschichtsbüchern der Welt zu entsorgen.

    Damit die nachfolgenden Generationen mit Verwunderung und Abscheu aus unseren Fehlern lernen können.

  11. m schreibt:

    „Farkhunda wollte eine bessere Welt“

    Das glaube ich kaum. Sie scheint eine religiöse Fundamentalistin gewesen zu sein, die gegen in ihren Augen „ungebildete“ Ungläubige vorgeht.

    Wir kann man nur so naiv sein und Religion aus all dem herausrechnen? Absurd.

  12. m schreibt:

    Natürlich ist Religion das Problem und die Ursache des meisten Hasses auf dieser Welt. Nochmal: Religion — und aktuell eben der Islam — ist Ursache und Schuld. Nichts und gar nichts anderes.

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