Geld wie Dreck

Es war der alte Heiner Geißler, ein politisches Fossil aus der alten Bonner Republik, der es ehrlich aussprach: „Es gibt auf der Erde Geld wie Dreck, es haben nur die falschen Leute.“

Wie recht er doch hat. Die Panama-Papers haben die Geschäfte dieser falschen Leute mal wieder öffentlichkeitswirksam ans Tageslicht gezerrt. Mossack-Fonseca, schon lange keine Geheimadresse mehr. Mal sehen, was das Konsortium investigativer Journalisten noch alles veröffentlichen wird. Bisher fällt auf, dass kein wirklicher big fish aus dem Westen genannt wird, wie Gerhard Mersmann zurecht feststellt, sondern vor allem Putin und eine Reihe zweitklassiger Verbündeter des Westens: Als erster Reflex folgt eine beträchtliche Zahl an Zeitungen dieses Landes der weiteren Zementierung eines bereits weit entwickelten Feindbildes.

Ich möchte nicht vorschnell urteilen. Wer die Welt des Geldes kennt, weiß: Natürlich sind die Geschäfte derjenigen, die bisher genannt wurden, nur die Spitze eines Eisbergs. Richtig spannend sind nicht die Konten und Briefkastenfirmen der russischen und saudischen Oligarchen, sondern die der amerikanischen, deutschen, britischen, französischen Oligarchen. Aber: wer die Welt des Journalismus kennt, weiß auch, dass man bei so einer Story besser mit den Appetizern anfängt und die Hauptgänge erst später kommen. So, ich bin noch erwartungsfroh.

However, liebe Leute, vergesst alle Empörungsrituale der Mächtigen. Auch wenn sie jetzt Untersuchungen ankündigen, es ist absolut logisch, dass diese Dinge stattfinden. Wenn jemand zuviel Geld hat, wird er es in Sicherheit bringen. Das ist wirklich keine Überraschung. Die Reichen werden immer reicher, also wird ihr Problem, das Geld in Sicherheit zu bringen, immer größer. Politische Mehrheiten für Umverteilung – in anderen Worten: den Reichen Geld wegnehmen – sind in Amerika und Europa nicht in Sicht. In Deutschland wahrscheinlich noch weniger als in fast allen anderen westlichen Ländern. Die Zentralbanken fluten „die Märkte“ mit billigem Geld, mit dem Effekt einer beschleunigten Umverteilung. Leider in die andere Richtung, von unten nach oben. Da Realinvestitionen immer weniger einbringen, wird spekuliert, Geld gehortet, Blasen erzeugt und so weiter. Auch für die Reichen wird das Leben härter, in a way: Aus Geld mehr Geld zu machen, geht zunehmend nur mit Risiko. Wer damit gut klarkommt, der macht richtig viel Geld. Typischerweise gilt das nicht für Kleinanleger.

Allenfalls der Staat garantiert noch hohe Verzinsung. Genau das soll die Privatisierung der öffentlichen Infrastruktur bringen. Gesundheit und Bildung werden vom Menschenrecht zum kommerziellen Gut. In Amerika kann man bereits besichtigen, wohin das führt: du hast on College Degree keine Chance, und das degree gibt es nur wenn du Zigtausende Schulden für deine Studiengebühren abstottern musst. Auch in Europa schleicht sich angesichts leerer öffentlicher Kassen immer mehr diese Logik der Kommerzialisierung ein. Deutschland will mit einer „öffentlich-privaten Partnerschaft“ jetzt den Bau sinnloser neuer Straßen privat finanzieren lassen.

Wer politisch dafür sorgt, dass es immer mehr privaten Reichtum gibt, der sorgt dafür, dass es immer mehr Steuerflucht nach Panama und ähnlichen Gebieten gibt, selbst wenn die Steuersätze für die Reichen heute niedriger als je zuvor sind. Wer ein Dienstleistungsabkommen „TISA“ mit Panama abschließen will, sorgt dafür, dass Briefkastenfirmen aus Panama ungehindert agieren können. Solange sich daran nichts ändert, werden die Briefkastenfirmen auch künftig weiter die Reichen auf Kosten der Gesellschaft reicher machen. Ich bin gespannt, wie die Diskussion weitergeht: individuelles Fehlverhalten einzelner oder politische Fehlentwicklung durch neoliberale Politik. Ich befürchte, es bleibt bei dem ersten – ich hoffe, es kommt zu dem zweiten.

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Playing with the world at the beaches of Panama

Über sunflower22a

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6 Antworten zu Geld wie Dreck

  1. HERDIR schreibt:

    Wenn ich mir nur die Überschriften aus einschlägigen Nachrichtenportalen von gestern vor Augen führe, ist mir nur bekannt, dass Briefkastenfirmen von Putinvertrauten (sein Cellist?) und russische Oligarchen und vereinzelte ehemalige und noch im Amt tätige Regierungsbeamte aus verschiedenen wichtigen Ländern (Island btw.) …

    Aber mal sehen ob und was da noch kommt … bei den Terabyteumfängen die benannt worden sind, sollte da noch was rumkommen …

  2. Schmerzloser schreibt:

    Ach was………………..
    „Wir führen einen Krieg.
    Einen Krieg der Reichen gegen die Armen.
    Und Wir, die Reichen, werden Ihn gewinnen.“
    So oder so ähnlich, auf jeden Fall Warren Buffett.

    Nun, die Nazis dachten auch, Sie werden den Krieg gewinnen.
    Und diese Typen waren auch so abgehoben, blind, doof und überheblich, daß Sie die Realität nicht mehr gesehen haben.
    Aber Sie haben den Krieg auch nur dadurch verloren, indem Sie Millionen andere in den Tod gejagt haben. Das Wird Uns auch noch passieren.
    Geschichte wiederholt sich.
    Aber um Uns ist es auch nicht schade. Verfluchte Scheiße.

    • vfalle schreibt:

      Na, das Zitat dem US-Multimillardär Warren Buffett in die Schuhe zu schieben, finde ich genauso manipulativ, wie die Zeitungsschlagzeilen über Putins Freunde und die Panama-Papers.

      Ich durfte schon beide aus nächster Nähe erleben und konnte mich mit Buffett sogar kurz unterhalten. Für einen Menschen mit soviel Geld erlebte ich den Amerikaner eher als bescheiden und natürlich. Er taugt für mich daher nicht wirklich als Sinnbild des Kapitalismus.
      Nicht alle Reichen sind gierig und nicht alle Armen sind zu faul zum arbeiten.

      Das Zitat von Heiner Geißler (Einstieg des Beitrages) würde ich dennoch so unterschreiben.

  3. waswegmuss schreibt:

    Ich habe heute nur einen Link zum Orf: http://orf.at/stories/2331705/2332051/
    (Die stehen dort nicht mehr mit ihrem Namen drinnen. Die haben Strohmänner.)
    Außerdem sind das nur 2 Milliarden. Peanuts. Für das Geld kriegste noch nicht mal ein Terminal vom Frankfurter Flughafen.

  4. Schmerzloser schreibt:

    Ach ja, Panama iss auch schon wieder langweilig.

  5. Wortmischer schreibt:

    Ich hab sehr über die Beinhaltung der Weltkugelwerferin auf dem Strandfoto lachen müssen. Das könnte meine Tochter 1.0 sein, also wenn sie es wäre, meine ich. Die hat nämlich Zeit ihres Schullebens eine 4 in Leichtathletik kassiert, weil sie mit jeder Art von Ballbehandlung hoffnungslos überfordert war/ist.
    (Sorry, wenn der Kommentar frech ankommt; aber den konnte ich mir einfach nicht verkneifen.)

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