Heldinnen: Shireen Issawi

Shireen Issawi ist ist eine mutige, außergewöhnliche Frau. Die 34jährige Jerusalemer Rechtsanwältin ist eine der besten Anwältinnen Palästinas. Sie verteidigt und betreut  politische Gefangene, und wer das unter dem israelischen Kolonialregime tut, steht selbst mit einem Bein im Gefängnis. 2014 wurde sie gemeinsam mit ihrem Bruder Medhat, ebenfalls ein Anwalt und früherer politischer Gefangener, und fünf weiteren Anwälten festgenommen. In einem Schauprozess wurden sie zu vier und er zu acht Jahren Haft verurteilt. Sie hätten Informationen und Geld zwischen den Gefangenen und ihren Familien ausgetauscht, sprich: sie haben einfach nur ihren Beruf ausgeübt. Alle palästinensischen politischen Parteien sind vom Regime verboten – wer also politische Gefangene unterstützt, unterstützt auch ihr Recht, in Parteien aktiv zu sein.

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Unter Bruch der 4.Genfer Konvention werden die meisten palästinensischen Häftlinge auf dem Staatsgebiet Israels inhaftiert, das die meisten Bewohner der palästinensischen Westbank gar nicht betreten dürfen. Viele davon sitzen ohne Gerichtsurteil unbefristet in ihren Zellen – „Administrativhaft“ nennt das Regime diese Praxis. Einfach Leute unbefristet einsperren ohne Gerichtsurteil – so etwas gibt es in keinem Rechtsstaat. Trotzdem glauben die naiven Europäer oder Amerikaner immer noch, Israel sei ein „Rechtsstaat“. Sie wollen die Wahrheit lieber nicht wissen, sie verdrängen sie so lange es nur irgendwie geht.

Shireen Issawi sitzt im Gefängnis HaSharon, dort wo auch die palästinensische Abgeordnete Khalida Jarrar festgehalten wird, ebenfalls für die friedliche Ausübung ihres Berufs. Frauen wie Shireen und Khalida bewundere ich uneingeschränkt, ich weiß nicht ob ich in ihrer Situation diesen Mut hätte – und es ist einfach nur beschämend, dass die Öffentlichkeit im Westen sich zwar für ukrainische Kampfpilotinnen einsetzt, aber über gewaltfreie palästinensische Freiheitskämpferinnen kein Wort verliert. Nur beschämend. Frauen wie Shireen und Khalida werden es sein, die den Nahen Osten verändern. Noch sind es wenige. Aber es werden mehr. Jeden Tag. You are the future.

 

Über sunflower22a

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4 Antworten zu Heldinnen: Shireen Issawi

  1. Vox Populist schreibt:

    Trotzdem glauben die naiven Europäer oder Amerikaner immer noch, Israel sei ein „Rechtsstaat“. Sie wollen die Wahrheit lieber nicht wissen, sie verdrängen sie so lange es nur irgendwie geht.

    Israel zeigt, wohin die Reise beim „Kampf gegen den Terrorismus“ (war on terror) geht – kein „Rechtsstaat“ hält den permanenten Kriegs- und Ausnahmezustand dauerhaft aus. Denn eine liberale Demokratie braucht jenen öffentlichen Raum, das Vertrauen der Menschen ineinander und in den Staat, der vom Terrorismus nachhaltig zerstört wird. Sogenannte „Sicherheits“politiker arbeiten beständig daran, Stück für Stück Demokratie, Menschenrechte und Liberalismus ab- sowie den Repressionsapparat auszubauen. Natürlich treffen die Repressionen anfangs nie uns Weißbrote, sondern die „Anderen“ – aber am Ende kommt jeder dran, der sich in seinen Ketten bewegen will.

    Irgendeine Lösung im Nahostkonflikt ist Heute nicht mal mehr in Sicht, so weit weg wie seit Jahrzehnten nicht mehr. So lange die Führer auf beiden Seiten nicht nur bequem mit dem Status quo leben können, sondern ihn gar zum Über-leben brauchen (wer wählt einen Netanyahu in Friedenszeiten, wer eine Hamas?), besteht auch von ein paar versprengten Friedensaktivisten abgesehen gar kein Anreiz, daran etwas zu ändern.

    Wir in Europa sollten das eigentlich besser wissen als irgendwer sonst, da fünfzehn Jahrhunderte permanenter Kriegsführung hier in zwei Weltkriege mündete, aus deren Asche die Erkenntnis wuchs, dass Kooperation eher Frieden und Wohlstand schafft als Konfrontation. Da die aktuelle Generation europäischer Politiker diese bittere Lektion allerdings offenbar verdrängt hat, kann man auch von dieser Seite keine Lösungen mehr erwarten. Man liefert Atom-Uboote an Israel, Panzer an Qatar und ehrt den Henker von Saudi-Arabien als Ritter der französischen Ehrenlegion. „Frieden“ schafft dieses Europa nicht – und wundert sich dennoch, wenn die Konsequenzen seiner Politik täglich in Griechenland um Einlass betteln.

  2. waswegmuss schreibt:

    Ich bin gerade etwas am zweifeln. Diese Frau macht ihre Arbeit. Sie ist eine, und das ist eines meiner Lieblingsworte – Kümmerer/Kümmerin.
    Leute, die sich kümmern müssen zu Helden werden.
    Eine Schande.

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