Ich verschenke nichts – jedenfalls nicht freiwillig

Die meisten Leute fallen in diesen Tagen erschöpft zusammen, der Mega-Stress der Weihnachtsvorbereitung, die Kauforgien, die Geschenklisten, alles geschafft, pooh. Wie anstrengend.

Ich nicht. Ich nehme weder Weihnachten noch Geburtstage zum Anlass, routinemäßig was zu schenken. Ich möchte aus diesen Anlässen umgekehrt nichts geschenkt bekommen. Alle liebe Menschen um mich wissen das und machen das so. Wir verweigern uns diesen Konjunkturprogrammen.

Aber ich  möchte diesen Anlass nutzen, um daran zu erinnern, wieviel wir alle das ganze Jahr unfreiwillig verschenken, an Leute, die überhaupt keine Geschenke bekommen sollten, weil sie schon längst vor Reichtum platzen. Steuergeschenke, finanziert von dir und mir, to be precise.

Da gibt es zum  Beispiel Pfizer, Pharmakonzern aus USA. Bisher aus den USA , muss man sagen.  In diesem Jahr haben sie die Fusion mit dem weit kleineren irischen Pharmaunternehmen Allergan beschlossen, und verlegen ihren Hauptsitz jetzt nach Irland. Beim Institute for New Economic Thinking kann man dazu einige Zahlen nachlesen. Der Pharma-Gigant bezahlte in den ersten drei Quartalen $2.2 Milliarden Steuern. Zuviel? Die achtfache Summe – $16.6 Mrd – schütteten sie an ihre Aktionäre aus. $6.2 Mrd gab Pfizer für Aktienrückkäufe aus, um den eigenen Aktienkurs hochzutreiben. Wer angesichts solcher Zahlen noch Steuerflucht betreibt, ist asozial.

Die Steueroase Irland richtet überall auf der Welt enormen Schaden an, sie (und ähnliche Orte) sorgt dafür dass wir alle immense Summen an reiche und Superreiche verschenken müssen.

Das Jahresgehalt von Pfizer-CEO Ian C. Read liegt bei §22.6 Millionen. 77% davon hängen vom Aktienkurs des Konzerns ab, so dass er und seine Vorstandskollegen alles tun, aus rein persönlichem Interesse, diesen Aktienkurs so hoch wie möglich zu halten, notfalls mit Aktienrückkäufen. Pfizer bezeichnet das so: Pfizer’s Board of Directors is…committed to enhancing shareholder value.

Trotz des künstlich hochgetriebenen Aktienkurses und der massiven Steuervermeidungspolitik sieht es um das Unternehmen schlecht aus. Sie erfinden nichts mehr. Forschung kostet einfach zuviel Geld. Das zweite Motiv für die Allergan-Übernahme ist: Allergan hält das Patent an Botox. Pfizer selbst muss seit Jahren zusehen, wie immer mehr seiner Patente auslaufen. Neue blockbuster drugs kommen nur noch durch Übernahmen an Pfizer: Warner-Lambert 2000, Pharmacia 2003, Wyeth 2009. Das Patent für Lipitor, das Pfizer durch die Warner-Lambert Übernahme bekam, erzielte bis 2011 Jahreserlöse von 11 Milliarden, nach dem Auslaufen des Patents nur noch 2 Milliarden. Kein Wunder, dass sie alles tun, um mit Freihandelsabkommen immer neue Patentverlängerungen durchzusetzen, dass sie alles tun, damit die USA auch in Zukunft keine Pharma-Preisregulierung einführen. Sie wären dann rasch pleite.

Die Gesamterlöse von Pfizer fielen von 2010 bis 2014 von $67.8 Mrd auf $49.6 Mrd – unglaublich. In der gleichen Zeit haben sie massiv entlassen, von 110600 Mitarbeitern weltweit auf 78300. Das letzte selbst entwickelte Medikament stammt aus dem Jahr 2005. Es geht abwärts mit dem Unternehmen. Aber nicht mit dem Aktienkurs, mit dem Profit, mit den Gehältern der Chefs. Irgendwann haben sie den Laden zugrunde gerichtet und ziehen weiter.

Konzerne wie Pfizer saugen uns aus. Dich, mich, alle. Wenn ich an meine unfreiwillig verteilten Geschenke an diese Typen denke, wird mir schlecht. I want my money back. Happy Christmas.

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I’m sick and tired of all this money.

Über sunflower22a

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2 Antworten zu Ich verschenke nichts – jedenfalls nicht freiwillig

  1. HairyComment schreibt:

    Schön auch mal ohne nachfrage und nachbohren das nicht-gegenseitig-geld-ausgeben als Einstellung zu hören. Ich schenke immer nur bei Gelegenheit (individuell), nie nach Kalender.
    Das zu lesen nimmt der bekannten Unglaublichkeit von Steuerflucht und Pharma-gammel-reste-patentverwertung die Spitze🙂

  2. Schirrmi schreibt:

    Sehr schön die Realität zu hören / zu lesen – Danke.
    Wahre Worte die sich jeder zu Herzen nehmen sollte. Jeder Tag – jeder Mensch, ist es wert Geschenke zu erhalten. Und nicht weil man es kalendarisch vorgegeben bekommt.

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