Armut

Armut ist mehr als nur ein Leben in materieller Not. Es ist ein würdeloses Leben, ein Leben als Mensch 2.Klasse. Armut ist weitaus leichter zu ertragen, wenn alle mehr oder weniger arm sind. Wer aber in Armut leben muss inmitten von Wohlstand, Reichtum und Verschwendung, empfindet Armut ganz anders.

Wahrscheinlich ist es in jeder menschlichen Gesellschaft unvermeidbar, dass es Armut gibt. Die Frage ist aber, wieviel Armut gibt es. Nimmt sie zu oder nimmt sie ab? Bedeutet Armut Hunger und Unterernährung oder lediglich kein Smartphone?

Realität ist jedenfalls, dass in den weitaus meisten Ländern die Armut und die Ungleichheit stark zunehmen. Auch in Deutschland. Es gibt keine gesellschaftlich mächtigen Kräfte, die das ändern wollen. Umverteilung klingt heute im politischen Mainstream so wie früher Kommunismus.

Nähern wir uns nach 100 Jahren sozialem Fortschritt wieder den Zuständen des 19.Jahrhunderts?

Ich weiß es nicht. Aber man sollte sich diese Zustände von damals ansehen. Nicht die Heldensagen der Staatsmänner, die Kriegsstories, nein: das tägliche Leben der Millionen Armen. Wer kennt es?

Wer bis zum März nach New York City kommt, sollte unbedingt in das City Museum of NY gehen. „Revealing New York’s Other Half“ heißt eine Ausstellung im MCNY, die zum ersten Mal seit 60 Jahren Bilder des  genialen Photographen Jacob Riis zeigt. Er porträtierte die Armen im New York der Jahrhundertwende (um 1900), zeigte all das Elend aber gab ihnen in seinen Bildern auch ihre Würde zurück, die sie genauso verdient haben wie du und ich.

Jacob Riis

Ja, New York ist weit. Deswegen werdet ihr nicht nach NYC fliegen. Ihr könnt die Bilder aber auch im Internet sehen, hier. Über 1000 Bilder einer fernen Welt, einer fernen Zeit – und die doch näher sein könnte als ihr glaubt. Schaut rein. Sehr beeindruckende Bilder.

MNY200959

Über sunflower22a

I am a mystery.
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4 Antworten zu Armut

  1. waswegmuss schreibt:

    Diese Leute konnten in ihrer Armut wenigstens noch ihre Würde bewahren. Das ist durch die Neocons abgeschafft.

  2. Janusz schreibt:

    Ich denke, auch die Armut hat sich im Laufe der Zeit geändern. Heute ist man „anders“ arm als noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts, weil sich auch der Lebensstandard geändert hat. Aber nichtsdestotrotz fühlt sich für den Betroffenen Armut einfach Scheiße an (Sorry für den Ausdruck, aber der trifft’s wohl am Besten). Wenn man arm ist, ist man quasi von öffentlichen Leben ausgeschlossen. Wie Sunflower schon sagte, ein Mensch 2. Klasse bzw. je nach dem wie arm man ist sogar 3. Klasse.
    Man kann sich heute natürlich über unwesentliche Detailfragen der Armut streiten und sich fragen, ob es notwendig ist einen Fernseher im kleinen Wohnzimmer stehen zu haben, der die Größe einer Kinoleinwand hat, obwohl man sich nicht einmal etwas vernünftiges zu essen kaufen kann. Oder den Betroffenen vorwerfen, ihnen würde es doch immer noch besser gehen, als den Armen in den Entwicklungs- und Ditte-Welt-Ländern. Oder sogar von spätrömischer Dekadenz faseln. Aber das sind alles Nebensächlichkeiten und beantworten keine Kernfragen.
    Entscheidend ist, dass der Betroffene nicht mehr am gesellschaftlichen Leben sowie auch dem Konsum teilnehmen kann. Er ist froh, einen jeden Tag aufs Neue zu überstehen. Und meiner Meinung nach wird die Menge derer, die arm sind, immer größer. Die Schere zwischen arm und reich wird definitiv immer größer. Aber wen wundert es. Da möchte ich an dieser Stelle Warren Buffett zitieren, der auch immer wieder gern von Georg Schramm zitiert wird:
    Auf die Frage an Warren Buffet, was aus seiner Sicht der zentrale Konflikt unserer Zeit wäre, hat er geantwortet, das sei der Krieg Reich gegen Arm. Und meine Klasse, die Klasse der reichen, hat ihn begonnen und wird ihn gewinnen.

    Mehr muss man dazu nicht sagen.😐

    Lieben Gruß,
    Janusz

    • Vox Populist schreibt:

      Das hast Du gut beschrieben. Armut ist der Mangel an gesellschaftlicher Teilhabe. Ein Hartz IV-Empfänger hat keinerlei finanziellen Spielraum, um mal ins Kino, Theater oder mit Freunden essen zu gehen. Die Stütze reicht nicht zum Leben, nur zum über-leben, zum existieren. Und selbst das nur, weil tausende Tafeln die Armenspeisung übernommen haben, wie weiland die Suppenküchen in der Weimarer Republik. Jeder Cent muss mühsam umgedreht werden, nur um die Aufrechterhaltung der eigenen körperlichen Existenz (Nahrung, Dach über dem Kopf) zu gewährleisten – dies alleine stellt schon eine unglaubliche strukturelle Gewalt und Kollektivstrafe gegenüber Millionen Mitbürgern dar.

      (Selbst) in der reichsten Großstadt Deutschlands können sie zwar nur ein Drittel des Bedarfs an Sozialwohnungen decken, wollen aber für mindestens eine halbe Milliarde Euro einen Konzertsaal luxussanieren, damit die Akustik noch besser wird – obwohl der nur von 1 % der Bevölkerung genutzt wird. Wer sonst kann sich die 300 Euro für einen Abend mit Netrebko leisten?

      Damit wenige Menschen reich sein können, müssen viele Menschen in Armut gehalten werden. Ein ganz simpler Zusammenhang, der schon Jahrtausende vor Marx verstanden wurde – im Christentum („Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt“), Islam, Judentum, Buddhismus, praktisch in jeder Religion findet sich dazu reichlich Material.

      Wer diese simplen Tatsachen Heute anspricht, gilt schon als Revoluzzer. So weit ist es gekommen.

  3. kalypso schreibt:

    dazu sagte sokrates als er auf dem markt war:

    ach, schön der vielen dinge, die ich nicht wirklich bedarf!

    es lohnt sich darüber nachzudenken.

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